Solstice

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Neben Antlantean Kodex sind die wieder aktiven Engländer von SOLSTICE momentan sicher die Band, die im Epic Doom Metal das Zepter fest in der Hand hält. Lest hier, was Sänger Paul Kearns zum neuen Album "White Horse Hill", seine Band und zum Verkauf von Nikolausmützen auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt zu sagen hat.

Erstmal Glückwunsch zum neuen Album. Hohe Punkte, wohin man schaut, umjubelte Auftritte, eine Coverstory im Deaf Forever. Lass mich raten, ihr seid euphorisch?

Kann man schon so sagen. Die Reviews sind tatsächlich durchgehend gut. Es ist schön zu sehen, das etwas, in das wir soviel von uns hineingesteckt haben, von den Leuten geschätzt wird. Um ehrlich zu sein: Wenn alle unser neues Album hassen oder ignorieren würden, dann würde ich mich schon fragen, ob es die Mühe wert war. Das ist halt menschlich. Ich versuche das nicht überzubewertung und zu nah an mich heran zu lassen, aber das Ego kann schon eine enorme Kraft haben, dass lässt sich nicht bestreiten. Um ehrlich zu sein, lasse ich mich nicht davon ablenken. Aber ich freue mich vor allem für Walker (Git.), der von Anfang an dabei ist. Vor allem er hat positive Resonanz verdient. Natürlich ist auch der Support vom Deaf Forever mit der Coverstory fantastisch, auch wenn das wahrscheinlich kommerzieller Selbstmord ist.

SOLSTICE sind jetzt keine Band die viel veröffentlicht. Es stand sogar im Raum, nie wieder ein komplettes Album zu machen. Wieso habt ihr eure Meinung dazu geändert?

Haben wir eigentlich nicht. Wir merkten nur irgendwann, dass es doch für ein neues Album reichen könnte und haben den Dingen dann ihren Lauf gelassen. Dass wir ein Album ausgeschlossen haben hat einfach damit zu tun, dass wir so verdammt lange brauchen, um an Songs zu basteln. Und wir wollten uns nicht immer wieder erklären müssen. Irgendwann wurde uns dann aber doch klar, dass es mit einem neuen Album klappen wird.

Im Review habe ich geschrieben, dass ich seit Ronnie James Dio niemanden mehr mit so einer natürlichen Theatralik/Dramatik in seiner Stimme gehörte habe, wie dich. Wie würdest du deinen Gesang beschreiben?

Mann, ich bin natürlich dankbar für soviel Lob! Wenn ich ehrlich bin, dann kenne ich meine Stärken genau bis zu einem gewissen Grad und vor allem auch meine Schwächen. Manchmal bin ich vielleicht sogar zu selbstkritisch, aber generell habe ich ein ausgewogenes Verhältnis zu meiner Stimme. Dio? Ich würde es nicht wagen, mich in einem Atemzug mit ihm zu nennen. Er war ein absolutes Naturtalent, ich eher nicht. Ich würde aber für mich in Anspruch nehmen, dass ich fehlendes Talent mit Hingabe und Leidenschaft ausgleiche. Klar, ich bin als Sänger ein Strudel aus Fehlern (er benutzt den Begriff "maelstrom of flaws"), aber ich glaube ehrlich, dass Fehler auch schön sein können und dazu gehören. Trotzdem Danke für dieses verrückte Kompliment!

Die Metal-Jahre von ca. 1990-2010 waren von Crossover und einer "Alles ist möglich"-Mentalität bestimmt. Wie erklärst du dir die neue Nachfrage nach klassischem Stoff?

Alles kommt halt wieder. Es ist fast klar, das etwas, das in aller Oberflächlichkeit ignoriert wird, irgendwann wieder angesagt ist. Mir ist das eigentlich egal. Ich bin so lange dabei, um zu wissen, dass alles flüchtig ist. Wenn man zuviel darüber nachdenkt, läuft man Gefahr, über etwas nachzudenken, was sich nicht wirklich lohnt.

Bei eurem Gig auf dem Hell Over Hammaburg hat mich beeindruckt, wie viele junge Fans mit eurer Musik vertraut waren. Was haben SOLSTICE der nächsten Generation zu bieten?

Ehrlich? Ich habe keine Ahnung und wir sind auch nicht die Besten, diese Frage zu beantworten, da wir natürlich nicht wirklich neutral sind, was unsere Arbeit betrifft. Ich glaube wir bieten einen Einblick in natürliche Musik, die nicht so aufgehübscht ist, wie heutzutage meistens. Musik die von Herzen kommt, um es mal so einfach auszudrücken. Wir bieten die Art pure Musik, die heutzutage nicht so verbreitet ist. Vielleicht können wir den Menschen sogar Hoffnung geben und ihr Leben reicher machen.

Hattest du Zeit, dir Hamburg anzuschauen und wie findest du die Stadt?

Diesmal nicht wirklich. Aber ich habe die Stadt vorher schon besichtigt. Glaub es oder nicht, durch eine Verkettung von Umständen habe ich als Einundzwanzigjähriger Nikolaus-Mützen in der Innenstadt verkauft. Doch es wird noch verrückter! Eine Horde Konkurrenz-Mützen-Verkäufer versuchten unseren Stand hochzunehmen – und ich mittendrin! Ich mag Hamburg auf jeden Fall und vor allem die Markthalle. Gerade letzte Woche war ich wieder da und habe für Primordial und Der Weg einer Freiheit Merchandise verkauft.

Vielleicht noch ein paar persönliche Fragen: Du kannst von SOLTICE sicher nicht leben. Wie verdienst du denn deine Brötchen und gibt es vielleicht doch noch Ambitionen, professioneller Musiker zu werden?

Klar verdient man mit einer Band wie SOLSTICE kein Geld. Ein wenig Geld kam jetzt durch die Unterstützung des Deaf Forever und Wolf-Rüdiger Mühlmann vom Hell Over Hammaburg rein. Aber das fließt gleich wieder in unseren Proberaum, in Aufnahmen oder zum Beispiel die 12-Zoll-Vinylscheibe von "To Sol A Thane", die wir 2016 umsonst an 100 Die-Hard-Fans verschickt haben. Mich persönlich kosten SOLSTICE sogar viel Geld, da ich für Flüge zu Proben oder Aufnahmen bezahlen muss, aber das ist okay und war mir von Anfang an klar. Seit ich 2014 aus Norwegen zurück nach Irland gezogen bin, habe ich viel als Merchandiser für andere Bands gearbeitet. Gerade bin ich von der Primordial/Moonsorrow/Der Weg Einer Freiheit-Tour zurück, mit der ich 17 Tage unterwegs war. Ansonsten habe ich auch schon für Anathema, Paradise Lost, Katatonia oder dem Devin Townsend Project gearbeitet. Das habe ich immer gern gemacht, aber diese Arbeit wird vielleicht nicht mehr möglich sein, wenn wir mehr mit SOLSTICE zu tun haben. Deshalb werde ich in Zukunft für die irische Regierung arbeiten. Ein simpler Bürojob, aber einer, der es mir erlaubt, Pläne mit SOLSTICE zu machen.

Wie bist du als Kid eigentlich zum Heavy Metal gekommen?

Mit ungefähr 14 Jahren fing ich an, mit zwei Typen rumzuhängen, die Bon Jovi und Def Leppard hörten. Dann Guns'n'Roses und dann ging es los mit diesem verrückten Thrash Metal wie Slayer oder Nuclear Assault. Dann hing ich mit einem anderen Typen rum, der Iron Maiden hörte. Allerdings waren wir im Wettbewerb: Er war der Maiden-Typ, ich der Gunners-Fan. Ich kannte sonst niemanden, der auf Thrash Metal stand. Trotzdem fing ich mit ca. 15 an, mir den Kram zu kaufen. Ein paar Monate später ging es mit den Alben von Deicide und Morbid Angel weiter und von da an wurde es obsessiv. Ich weiß natürlich um den Stellenwert von Maiden und Priest als Platzhirschen. Für mich waren aber immer Deicide, Morbid Angel, Entombed und Obituary die Grundpfeiler

Was sind denn deine 5 Lieblingsalben aller Zeiten und gerade jetzt?

5 Lieblingsalen aller Zeiten könnte ich nie nennen. Ein paar Alben, die mich im Herzen berührt haben, seit ich sie zum erstem Mal gehört habe, sind zum Beispiel "Gothic" von Paradise Lost, "Elizium" von Fields Of The Nephilim und "The Holy Bible" von den Manic Street Preachers. Bis heute hat "Left Hand Path" von Entombed den besten Sound aller Zeiten. Vor allem die Gitarren sind unschlagbar.

Gute Bands von heute? Der Weg einer Freiheit sind so eine Band, die mich komplett fesselt. Außerdem mag ich die neuen Scheiben von Eternal Champion und Visigoth. Auch wenn Heavy Metal sonst gar nicht so meine Baustelle ist. Auch das neue Album von Malthusian klingt verdammt super. Wie auch immer, meine Lieblingsband der letzten 10 Jahre sind ganz klar Mouning Beloveth. Das hat nichts damit zu tun, dass sie Iren sind. Sie sind einfach großartig. Jetzt haben sie mit Van auch das perfekte Label, hört euch diese Band an. Bölzer würde ich noch nennen. Ich vergöttere "Hero". Und die beste Band momentan sind für mich Duatha.

Einige eurer Lyrics behandeln Themen wie die britische Kultur und Geschichte. Hast du Besichtigungstipps für Metal-Reisende?

Also die Texte, die ich geschrieben haben, haben andere Themen. Vielleicht sind das eher Texte von Rich von früher. Mit kulturellen Tipps würde ich mich eher zurückhalten. Was sollte man besuchen? Für mich sind das Yorkshire und Liverpool, wo das meiner Meinung nach beste Genre aller Zeiten seine Wurzeln hat: Der britische Death/Doom der frühen Neunziger.

Wäre "White Horse Hill" ein Soundtrack, zu welchem Film würde er passen?

Ha, keine Ahnung! Vielleicht "Bad Boy Bubby"?

Gibt es sonst noch eine Message an unsere Leser?

Hail Satan, esst euer Gemüse und checkt vielleicht mal unser Album an (CD auf Invictus, LP auf Iron Bonehead). Danke für euren Support. Mögen sich unsere Wege bald mal bei einem Gig kreuzen.