DARK EASTER METAL MEETING 2016

  • Datum: Sonntag, 27 März 2016
  • Ort: Backstage, München
  • Redakteur: Jens Dunemann
DARK EASTER METAL MEETING 2016

Mit einer rund halbstündigen Verspätung beginnt der Einlass gegen 14:30 Uhr, wobei die Abwicklung der anstehenden Besucherströme vor dem Club überraschend zügig vonstatten geht.

Zunächst einmal gilt es, sich einen Überblick, über das auf einer alten Industriebrache am Münchener Hauptbahnhof gelegene Backstage-Gelände zu verschaffen, da dies sehr verwinkelt ist. Die drei Bühnen bzw. Locations sind in zwei Gebäudekomplexen untergebracht. Der kleine Club und die größere Halle sind im selben Gebäude, während sich im Nachbargebäude, dem Werk mit der größten Bühne und dem größten Fassungsvermögen, die Hauptakteure die Klinke in die Hand geben werden. Zwischen den Bauwerken gibt´s reichlich Platz für das metallische Treiben abseits der Musik, Gelegenheiten zum Sitzen, u. a. einen Biergarten sowie zwei Imbissbuden. Einige Bereiche der "Außenanlage", welche - aufgehübscht durch zahlreiche "Grünzeug-Kübel"- einen sonderbaren Industrie-Ballermann-Charme versprühen, sind praktischerweise überdacht, was die kurzen Verschnaufpausen zwischen den Bands durchaus angenehmer macht. Insbesondere, da das Wetter, welches am Nachmittag zunächst noch relativ mild ist, im Verlauf des Abends auch einmal mit Regen aufwartet. Auf den ersten Blick sind zumindest die drei Locations stimmig und ausgebaut und "aufgehübscht", der zweite Blick, der sich aufgrund der Länge und Größe der Veranstaltung nicht vermeiden lässt, zeigt einen mitunter - gelinde gesagt - ziemlich verranzten bis versifften und ziemlich herunter gekommenen Laden, bei dem es mir schleierhaft ist, wie dieser gar lobende Erwähnungen in Mainstream-Reiseführern bekommen kann. Aber darum soll es hier nicht gehen, denn schließlich sind wir auf einem Metal-Festival und nicht auf ´nem Kindergeburtstag. Nach dem verspäteten Einlass erhaschen wir, nachdem wir noch schnell unsere Jacken an der Garderobe abgegeben haben, nur noch einen flüchtigen Blick auf die bayerischen Lokalmatadoren EWIGEIS, welche pünktlich nach Plan im Club mit ihrem Gig beginnen müssen, was in Anbetracht der puristischen, soliden aber ebensowenig überragenden Darbietung zu verschmerzen ist. Danach wird´s mit den Belgiern von SAILLE nebenan in der Halle schon etwas niveauvoller. Das Quintett geistert schon seit Jahren durch den Underground und der symphonische, keyboardlastige Black Metal, welcher mitunter an alte Dimmu Borgir erinnert, weiß live durchaus zu gefallen, allein die Eigenständigkeit und das geniale Momentum in Sachen Songwriting fehlt den Herren im Gegensatz zu ihren norwegischen Paten. Leider weder Fisch noch Fleisch. Danach eröffnen SEAR BLISS die Veranstaltung im Werk.

Dark Easter 2016

sear bliss

Die Ungarn feiern das zwanzigjährige Jubileum ihres Kult-Debut´s "Phantoms", welches den Black Metal - Sound seinerzeit um den Einsatz von Bläsern bzw. Posaunen erweiterte. Ich sehe die Osteuropäer heute zum ersten Mal, die Darbietung des düstersymphonischen Metals ist erhaben und stimmungsvoll, kann jedoch auch nicht verhehlen, warum Sear Bliss, nach einem für die damalige Zeit überdurchschnittlichen Erstling, trotz konstant solider Ansätze und Albumveröffentlichungen aufgrund von handwerklicher Limitiertheit und ohne große musikalischer Weiterentwicklung, der große Durchbruch nicht gelungen ist. Dennoch liefern Sear Bliss, unabhängig vom einstigen Exotenstatus, allen voran mit Leidenschaft und Hingabe im Rahmen ihrer Möglichkeiten einen überzeugenden Auftritt ab.

Von nun an geht es Schlag auf Schlag: Während auf der Hauptbühne pausiert bzw. umgebaut wird, geht es parallel mit kurzen Zeitabständen bzw. Überschneidungen im Club und in der Halle weiter. In unserem Fall rufen THE VISION BLEAK in die Halle. Die deutschen Horror-Metaller bereiten im Rahmen ihrer aktuellen Tour dem im Juni anstehenden Album "The Unknown" den Boden und folglich steigt man gleich mit einem neuen Song ein.

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the vision bleak

Neben Klassikern und bewährten Märchen und Sagen der Marke "Night Of The Living Dead", "Carpathia" und "Kutulu!", präsentiert man neben dem jüngst als Lyric-Video via Youtube veröffentlichten "Kindred Of The Sunset" auch das starke Titelstück "The Unknown", welches zeigt, dass man zu düsterem Doom Metal auch im 4/4-Takt über die Bühne marschieren kann. "By Our Brotherhood With Set" beschließt eine für mich persönlich durchwachsene Setlist aber einen sehr guten und zurecht gefeierten Auftritt von The Vision Bleak, der Bock auf´s anstehende Album macht. Weiter im Werk. BÖLZER machen sich in einer rauchwerkgeschwängerten Location daran, einen ersten großen Glanzpunkt des Festivals zu setzen. Ein Demo und zwei EP´s, mit diesem begrenzten Arsenal im Köcher, überrennt das neuseeländisch/schweizerische Duo nun seit rund drei Jahren die Metal-Welt, während ein offizielles Debut weiterhin auf sich warten lässt. Auch wenn die Angst, dass die außergewöhnliche Band bedingt durch Überpräsenz ausbrennen könnte, nach wie vor latent vorhanden ist, so ist das was das Duo HzR und KzR an diesem Abend einmal mehr auf die Bretter bringt einmal mehr überragend. Was Bölzer in Sachen atmosphärischer Dichte und Mystik sowie musikalischer Eigentständigkeit bieten, erzeugt nicht nur Gänsehaut, sondern spielt sich in ganz eigenen Gefilden ab. Gitarrist/Sänger KzR zieht mit seiner charismatischen Persönlichkeit in den Bann, während er, in bester Lemmy-Manier (den Mund seinem einen Kopf höher arritierten Mikro entgegenreckend) den Schmerz und die Sehnsucht der gesamten Menschheit aus sich heraus schreit. Dabei erzeugt er gemeinsam mit Schlagzeuger HzR mit seiner Gitarre eine spirituelle Soundwand, von der manche Band mit fünf oder sechs Musikern nur träumen kann. Neben den bereits hinreichend bekannten Verdächtigen von "Roman Acupuncture", "Aura" oder "Soma" kündigt preisgegebenes Material vom Debut wahrhaft Großes an.

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bölzer

Während ROOT und VELNIAS Club und Halle beackern, gönne ich mir eine kulinarische Pause, die jedoch nicht wirklich erholsam ist: Abgesehen, dass ich um beide bereits erwähnten Imbisswägelchen in der freien Wildbahn aufgrund des optischen Ersteindrucks normalerweise einen weiten Bogen gemacht hätte, ist das Angebot in Form von Burgern, Pommes, Schnitzel- und Bratwurst-Brötchen gar nicht so grundlegend verkehrt, wie für den Vegetarier ernüchternd. In Sachen Qualität und Geschmack sehne ich mich jedoch ganz schnell nach den, von mir ebensowenig geliebten, Ketten mit "Krone" oder "M". Ist der Burger noch ganz passabel, wenn auch mit 4,60 € überteuert, so sind die totfrittierten Pommes sowie die einmal gegen das elektrische Grillrost gehaltene und danach auf Halde gelegte "Bratwurst", an der selbst Majonaise, Ketchup UND Senf zusammen nichts mehr retten können, eine Zumutung.Man verstehe mich an dieser Stelle nicht falsch. Ich bin beim besten Willen nicht mäkelig und ich habe kein Problem damit, im Rahmen einer entsprechenden Veranstaltung für rustikales Essen den einen oder anderen Euro zu investieren, aber dann sollten Qualität, Geschmack und Preis in einem angemessenen Verhältnis stehen. Umso mehr, wenn man sich über viele Stunden in einem Club aufhält, ohne alternative, externe Möglichkeiten. Hier ist Verbesserungspotenzial vorhanden und lohnende Anstrengungen für zukünftige Ausgaben geboten. Nun gut, der Hunger ist gestillt, auch wenn der Magen nicht so richtig weiß, was er von den soeben zugeführten "Energieportionen" halten soll. Aber GOD DETHRONED verstehen es, den leichten Stimmungsknick nicht nur zu egalisieren, sondern wieder ins Optimum zu verkehren. Die Holländer, gehören mit ihrem technisch anspruchsvollen melodischen Death Metal samt Thrash-Schlagseite heutzutage leider zu den chronisch unterbewertetsten Formationen, denen um die Jahrtausendwende zwar der Durchbruch gelang, der in kommerzieller Hinsicht jedoch nicht nachhaltig war, um der Band die breite Anerkennung zu verschaffen, welche ihr eigentlich zusteht.

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god dethroned

Darüber hinaus ist das jüngste, starke Album "In The Sign Of The Iron Cross" mittlerweile fünf Jahre her und God Dethroned haben sich seither live ziemlich rar gemacht aber umso schöner ist es, das Quartett um Fronter Henri Sattler so erfrischend und vor Spielfreude überquellen zu sehen. Mit "Villa Vampiria" steigt die Band treffsicher ein, um in den folgenden 50 Minuten u. a. mit Klassikern und Granaten wie "Boiling Blood", "Storm Of Steel", "Nihilism", "The Art Of Immolation" oder "Sigma Enigma" technisch auf höchstem Niveau alles in Grund und Boden zu Prügeln. Fans und Band erfreuen sich gleichermaßen am Treiben auf und vor der Bühne und der Mann hinter dem Lichtpult zeigt erstmals, dass die Anlage auch mehr kann, als die Protagonisten zu gesichtslosen Schatten zu degradieren. Ein bärenstarker Gig, willkommen zurück, God Dethroned! Die Feingeister DORNENREICH polarisieren, können sich gerade deshalb aber seit über 20 Jahren auf eine verschworene Fangemeinde verlassen. Zwei Dekaden hat das Überwerk "Her von welken Nächten" auf dem Buckel und der heutige Gig markiert den Abschluss einer ausgedehnten "Best Of"- und Jubileums-Konzertreise. Selbst einst glühender und nahezu bedingungsloser Verehrer des künstlerischen Schaffens von Eviga, Valnes und Moritz bin ich mit den Jahren wie auch heute hin- und hergerissen zwischen höchsten Respekt, ob der leidenschaftlichen Hingabe, Konsequenz und Kompromisslosigkeit des musikalischen Entwicklungsprozesses, die sowohl mein Herz zum überquellen brachte, als auch den Verstand überforderte und zuweilen zur Weißglut trieb, wenn man für mein Empfinden nicht zuletzt nach dem Abgang von Valnes (der ja schon gar nimmer wahr ist) in Sachen Pathos und Gefidel immer wieder über das Ziel hinaus geschossen ist. Zerissen von dem akustischen Einstieg, der Karikatur von "Eigenwach" einer mitunter erbärmlich dünnen Gitarre, Inve´s Violinenkunst, die zeitweise bis an die Schmerzgrenze und darüber hinaus geht und einem Schlagzeug, welches das fragile Soundgewand immer wieder erdrückt.

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dornenreich

Ebenso, wie mich Lieder wie "Flammenmensch", "Jagd", "Lebend, lechzend Herzgeflüster", "Der Hexe flammend´ Blick", "Erst deine Träne löscht den Brand" aber natürlich auch die fast schon herunter gerotzte "Trauerbrandung" immer noch tief bewegen und etwas in mir auslösen, was ich bis heute nicht beschreiben kann. Am Ende lassen mich die Österreicher zwar einmal mehr zwiespältig zurück und doch haben sie mich mehr denn zuvor in den Bann gezogen, während der Rest des Publikums das Tourfinale frenetisch feiert und Dornenreich den gebührenden Respekt zollt. Im Werk schicken sich ROTTING CHRIST danach an, mit einer grandiosen schwarzen Messe ALLES in Schutt und Asche zu legen. Kaum eine andere Band hat wie die aus dem Urschleim der zweiten Black Metal - Welle hervorgegangenen Griechen, über einen so langen Zeitraum ihre Musik so kontinuierlich weiterentwickelt, ohne dabei die eigenen Wurzeln aus den Augen zu verlieren, wobei man in Sachen emotionaler Tiefe und musikalischer Qualität speziell in den letzten Jahren immer wieder zulegen konnte.

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rotting christ

Das hypnotische "Ze Nigmar" vom bärenstarken, aktuellen Album "Rituals" zieht das Publikum in der bis zum bersten gefüllten Halle langsam aber unaufhaltsam in den Bann, der anschließend mit "Athanati Este" gebrochen wird. Rotting Christ stampfen und wüten sich fortan durch ihren Siegeszug, auf dem sogar Platz für Neunziger-Klassiker von "Passage To Arcturo" und "Thy Mighty Contract" ist, bevor man mit dem Thou Art Lord - Cover "Societas Satanas" die Thrash-Keule auspackt, um das Auditorium danach mit "In Yumen Xibalba" und "Noctis Era" von den beiden letzten Alben direkt ins Fegefeuer zu katapultieren. Ganz starke und beeindruckende Leistung! Während die Black Metaller OUTRE und die Wikinger von EREB ALTOR Halle und Club beackern, schnaufe ich kurz durch, um Kraft für den eigentlichen Headliner MY DYING BRIDE zu schöpfen, die das Niveau ihrer Vorgänger zwar nicht halten können aber weit davon entfernt sind, zu enttäuschen. Wer jedoch bei dem nahezu perfekten Comeback auf dem Party.San Open Air im vergangenen Jahr dabei war, der wird mir beipflichten, dass sich die britischen Doom-Götter damit eine nur schwer zu toppende Messlatte gesetzt haben. "Your River" liefert einen wenig überraschenden aber starken Einstieg, während "From Darkest Skies" richtig überrascht und einschlägt wie eine Bombe. Vom, meiner Ansicht nach eher durchwachsenen aktuellen Album "Feel The Misery" gibt es neben dem Titeltrack mit "To Shiver In Empty Halls" und "And My Father Left Forever" gleich drei Titel zu hören, wobei Sänger Aaron den nicht ganz optimalen Eindruck seiner Leistung auf dem Album speziell bei letzterem negativ bestätigt. Darüber hinaus gibt sich der nach wie vor hingebungsvoll leidende Frontmann gesanglich keine Blöße bei Doom-Hymnen der Marke "Catherine Blake", "My Body, A Funeral", ebenso wie beim wenig überraschenden Rausschmeißer "The Cry Of Mankind".

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my dying bride

Abgesehen von ein paar zwischenzeitlichen Soundproblemen bieten My Dying Bride weitgehend großes Kino für Augen und Ohren und beschließen damit die Veranstaltung im Werk mehr als würdig. Nicht wenige, die sich nach den Engländern nicht schnell genug in die Halle hinüber begeben, um das Festival mit den Polen von MGLA auszuschleichen, erleben eine etwas unschöne Überraschung. Auf Seiten des Veranstalters scheint man die derzeitige Zugkraft der Black Metaller unterschätzt zu haben, will heißen, die Halle quillt vor Menschen förmlich über und rein kommt nur noch wer geduldig wartet, bis selbige von ein paar Menschenseelen wieder verlassen wird. Das ist bitter, wie aus Sicherheitsgründen unabdinglich, dafür sorgt eine bestimmt wie direkt aber auch ebenso freundlich auftretende Security. Mich kümmert´s wenig, finde ich den Hype um deren Werk "Exercises In Futility" mehr als übertrieben und lasse das DARK EASTER METAL MEETING gerne im Club mit den Doom-Puristen OPHIS ausklingen.

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ophis

Trotz der späten Stunde sind die Hamburger hellwach und walzen, geladen mit einer unbändigen Energie einfach alles nieder, was zu diesem Zeitpunkt noch stehen kann. Da sage nochmal einer, wer Funeral Doom hört, der geht zum Lachen in den Keller. Im Gegenteil: Ophis rocken wie Sau, machen nicht nur wach, sondern auch verdammt viel Spaß und bescheren dem Twilight-Schreiber einen rundum gelungenen Festival-Abschluss.

 

Fazit:

 

Man muss das Backstage als Location nicht zwingend mögen, um den Veranstaltern zu bescheinigen, dass sie mit dem DARK EASTER METAL MEETING auch 2016 eine runde, gelungene und bis auf die vereinzelten, angesprochenen Schwächen sehr gut durchorganisierte musikalische Ostereiersuche aus dem Boden gestampft haben, die nicht nur den Abgeordneten des Twilight Magazins sehr viel Freude bereitet hat. In diesem Sinne empfehlen wir uns bis 2017 und bedanken uns für eine gelungene Sause.