Empyrium, Helrunar & Sun Of The Sleepless - Heralds Of The Fall Tour 2018 - Hellraiser Leipzig

  • Datum: Freitag, 28 September 2018
  • Ort: Hellraiser, Leipzig
  • Redakteur: Jens Dunemann
Empyrium, Helrunar & Sun Of The Sleepless - Heralds Of The Fall Tour 2018 - Hellraiser Leipzig

EMPYRIUM haben von der Mitte der Neunziger bis Anfang der Zweitausender Maßstäbe in Sachen musikalischer Natur-Mystik und -Romantik gesetzt, bei der Ulf Theodor Schwadorf einen einzigartigen Weg vom Black- und Doom Metal - im Verlauf der Karriere unterstützt durch Thomas Helm - bis hin zu völlig eigenständigem Folk und Neo-Folk beschritt, der im bis heute unerreichten Referenzwerk "Weiland" gipfelte. Nach dem 2002er Album folgte die Auflösung des Projektes und es schien undenkbar, dass die einflussreiche Musik von EMPYRIUM jemals den Weg auf die Bühne finden würde. 2011 dann der Paukenschlag mit einem denkwürdigen Auftritt auf dem Wave-Gotik-Treffen in Leipzig, der für die Nachwelt unter dem Titel "Into The Pantheon" audiovisuell dokumentiert wurde. Es folgten einige wenige, nicht minder beeindruckende Konzerte an ausgewählten Orten bis 2014 schließlich sogar ein neues und immer noch aktuelles Album - "The Turn Of Tides" - auf den Markt kam. Ganz nebenbei verschlug es EMPYRIUM in der Zwischenzeit bereits zweimal in die Türkei und zuletzt sogar bis nach China.

Auf der aktuellen und ersten ausgedehnten "Heralds Of The Fall"-Tour geht es für Schwadorf und EMPYRIUM zurück zu den Wurzeln bzw. zu den musikalischen Frühwerken "A Wintersunset" (1996) und "Songs Of Moors And Misty Fields" (1997), die in ihrer ursprünglichen Form bisher ebenfalls noch nicht auf die Bühne gebracht wurden. Im Schlepptau befindet sich mit den Labelkollegen von HELRUNAR eine weitere deutsche Ausnahmeformation. SUN OF THE SLEEPLESS ist der klassische Black Metal aus dem Schwadorf´schen Kosmos und die Band, die das Line-Up vervollständigt und nicht allein Protagonist Schwadorf eine allabendliche Doppelschicht beschert.

Als sich der sonnige Herbsttag in Leipzig dem Abend entgegen neigt heißt es für das wartende Publikum vor dem Hellraiser jedoch zunächst Aushalten in der schattigen Kühle, denn Einlass und Beginn verzögern sich aufgrund eines Unfalls des Security-Teams auf dem Weg zum Club. Glücklicherweise ist nichts schlimmeres passiert und als die Herren dann endlich eintreffen erfolgt die Abwicklung mit dem engagierten Crew des Hellraisers zügig und unkompliziertc so dass SUN OF THE SLEEPLESS um kurz nach 20 Uhr endlich die Bühne entern dürfen. Bis zum vergangenen Jahr war das von Schwadorf einst als persönliche Verneigung vor dem klassischen skandinavischen Black Metal inkl. experimenteller Spielwiese (Tausend Kalte Winter EP - 2000) gegründete Projekt, mit dem er 1999 die Mini "Poems To Wretched Hearts" veröffentlicht hatte, in der Versenkung verschwunden. Um dann mehr oder weniger unverhofft auf dem Prophecy Fest 2017 nicht nur mit dem ersten Live-Gig seit dieser Zeit, sondern gleich auch mit einem komplett neuen bzw. Debut-Album aufzuwarten. Und der Gig am heutigen Abend in Leipzig versöhnt mich nicht nur mit dem aus meiner Sicht eher schwachen Auftritt in der Balver Höhle, sondern auch mit dem Debut "To The Elements", für das ich im Vergleich zur 99er Mini eine lange Eingewöhnungsphase benötigte, was nicht zuletzt daran liegt, dass die von mir auf "Poems..." so geliebte und durch die Gitarren heraufbeschworene eisige, schneidende Kälte auf "To The Elements" zwar immer noch klirrend ist, auf dem Longplayer jedoch eher eine wärmere, romantische Atmospähre erzeugt, wie man sie doch eher aus dem EMPYRIUM-Kosmos kennt. Unterstützt wird Schwadorf an den Gitarren von Dornenreich´s Eviga und Helrunar-Drummer Alsvartr, am Bass durch Mosaic-Mastermind Martin Falkenstein. Eingerahmt von Fackeln und mit viel Nebel- und Stoboskop-Einsatz sowie einer dezenter aber stimmungsvoller Lichtshow wird nahezu das komplette 2017er Werk trotz leicht verwaschenem (Gitarren-)Sound eindrucksvoll in Szene gesetzt. Wobei die Video-Auskopplung "The Owl", "In My Childhood Lived A Witch" und "Phoenix Rise" für mich persönlich herausstechen. Drummer Kreyder, seit geraumer Zeit auch schon für The Vision Bleak aktiv, vermöbelt das Schlagzeug mit Vehemenz und Hingabe nach allen Regeln der Kunst und man kann ihm die Freude an der Mucke hinter seinem Kit deutlich ansehen, die er neben kultigen Posen auch mit allerlei Tricks an den Stöcken auslebt. Zwar ist es schade, dass es keinen alten Titel von "Poems..." ins Programm geschafft hat, dennoch ist die Show eine mehr als gelungene und stimmige Sache, die vom Publikum im etwa halb gefüllten großen Saal der Location dankbar aufgenommen wird.

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"Wir sind HELRUNAR aus Münster und wir sind keine Pagan Metal Band" stellt Sänger Skald Draugir die Marschrichtung nach dem Opener klar. Zumindest, wenn man Pagan und Viking Metal mit Retorten-, Spaß- und Trinkhornkapellen gleichsetzt. Das Duo aus dem Münsterland hat zwar in heidnischen Inhalten und im nordischen Viking- und Black Metal durchaus seine Ursprünge, doch neben dem musikalischen Anspruch hob man sich von Beginn an deutlich, insbesondere mit inhaltlicher Tiefe von jenen Protagonisten ab, die die Genre-Vorsilben "Pagan" und "Viking" nicht nur mich zu "Schimpfwörtern" und Assoziation mit nervtötender Musik hat werden lassen. HELRUNAR haben sich eh´spätestens mit dem 2011er Werk "Sól" von den klassischen Pagan- und Schwarzmetall-Einflüssen losgelöst und stehen seither in der Schnittmenge zwischen den musikalischen Wurzeln und wuchtigen Doom-Einflüssen mit finsteren Melodien in beeindruckender Weise stilistisch für sich selbst. Am heutigen Tage feiern HELRUNAR die offizielle Veröffentlichung des neuen Werkes "Vanitas Vanitatum" mit dessen Material ich noch nicht wirklich vertraut bin. Das Material bildet neben dem Liedgut des Vorgängers "Niederkunft" den Fixpunkt des Sets. Doch die aktuellen Lieder à la "Blutmond", "Als die Welt zur Nacht sich wandt" oder das Stück mit dem sperrigen Titel "Da brachen aus böse Blattern, am Menschen und am Vieh" fügen sich nahtlos und mächtig in die bedrohliche Soundkulisse des Duos, welches live als Quintett agiert, ein und setzt den stilistisch der letzen Alben beschrittenen Weg konsequent fort. Daneben haben es Klassiker wie die "Nebelspinne" vom bereits erwähnten "Sól", ja sogar "Raune in der Tiefe" ins Set geschafft. Dass "Magdeburg brennt" und "Devils Devils Everywhere!" in der Lage sind, das Publikum final zu animieren, sollte nicht weiter erwähnt werden müssen. Skald Draugir und seine Mannen sind ebenso gut aufgelegt, wie das Publikum, das lange auf eine solche Tour mit HELRUNAR hat warten müssen und jubelt die Band zur Zugabe auf die Bühne zurück. Die fällt dann mit "Älter als das Kreuz" standesgemäß aus, wobei sich Sänger und Auditorium hier gesanglich eindrucksvoll unterstützen bzw. ergänzen.

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Nachdem man Helrunar die Gelegenheit boten, sich richtig auszupowern, geht es beim Headliner nun deutlich be- bzw. andächtiger, ruhiger und atmosphärischer zu. Ohne Thomas Helm in kleiner "Metal-Besetzung" setzt Schwadorf einen Querschnitt aus "A Wintersunset..." und "Songs Of Moors And Misty Fields" live um. Mit ihm auf der Bühne stehen einmal mehr Eviga von Dornenreich an der Gitarre, Martin von Mosaic am Bass, Aline Deinert von Neun Welten an der Violine und The Vision Bleak-Kompagnon Allen B. Konstanz am Schlagzeug. EMPYRIUM sind ein Gefühl, welches sich nicht auf EINEN musikalischen Stil beschränken lässt, sagt Schwadorf sinngemäß selbst über die Musik seines künstlerischen Babys Und mit ihm schwelgen an diesem Abend viele der Anwesenden in einem musikalischen Universum, das vor rund 25 Jahren entstand. Seither haben Lieder wie "Mourners", "The Franconian Woods In Winters Silence", "The Blue Mists Of The Night", "Lovers Grief" oder "Under Dreamskies" nichts von ihrer Faszination und einzigartigen Atmosphäre verloren. Die Musik von EMPYRIUM ist wahrlich zeitlos, dass wird bei diesem Auftritt, bei dem alle Songs ganz nah an den ursprünglichen Versionen präsentiert werden, deutlich. Große Gesten oder eine Show braucht es bei diesen Stücken nicht, hier spricht und wirkt die Musik ganz für sich allein. Der Sound ist in der Konzerthalle, die von den Rahmenbedingungen nicht unbedingt die Voraussetzungen für überragende Akustik erfüllt, sehr gut und klar, auch wenn die Rythmusgitarre für meinen Geschmack deutlich mehr Präsenz hätte haben können, was der metallischen Seite mehr Gewicht verliehen hätte. Zum Ende des regulären Sets gibt es dann sogar noch "My Nocturnal Queen" vom 95er Demo "Der wie ein Blitz vom Himmel fiel..." zu hören, bevor die Zugabe "Ode To Melanquoly" einen einmal mehr herausragenden Abend mit EMPYRIUM beschließt, von dem ich über die nächtlichen Heimfahrt hinaus noch lange zehren werde.

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Unser Dank gilt an dieser Stelle allen Bands und der Crew, die uns diesen Bericht ermöglicht haben! Eine Bildergalerie vom Konzert in der Columbia Theater am 29.09.2018 zu Berlin findet ihr hier...