Reckless Love, The Treatment - Lux, Hannover, 22.11.2016

Reckless Love, The Treatment - Lux, Hannover, 22.11.2016

*Piep – Piep* Für den Bereich Hannover-Linden liegt uns seine Haarspray-Warnung des Deutschen Wetterdienstes vor. Laute Rockmusik ist bis in die Nacht zu erwarten. Bitte ziehen sie ihre Spandexhosen an und toupieren sich die Haare hoch. *Piep – Piep*


Frei nach dem Motto „We are the Weekend“ – zufällig auch der Opener des aktuellen RECKLESS LOVE Album – zogen die finnischen Sleaze Rocker aus, um den Dienstag zum Wochenende zu machen. Tatkräftige Unterstützung gab es von den Briten von THE TREATMENT.

Letztere quetschten sich pünktlich um 20 Uhr auf die kleine Bühne des LUX, um die anwesende Menge mit ihrem rustikalen Hardrock zu begeistern. Während die aus Cambridge stammende Truppe vor einigen Jahren optisch noch eher an versoffene Altrocker erinnerte, fragte man sich nun, ob die Jungs schon ohne Erziehungsberechtigten auf die Straße dürfen. Doch davon abgesehen gab der Fünfer von Anfang an Vollgas. Die Mischung aus AC/DC, THE CULT und Punk Rock lies den Funken sofort zum Publikum überspringen und THE TREATMENT wurden ihrer Aufgabe als Anheizer vollkommen gerecht – die Luft im LUX kochte. Die Band war bisher vollkommen an mir vorbeigegangen, dabei war Anfang des Jahres erst ihr bereits drittes Album bei Frontiers Records erschienen. Dieses wurde dann auch mit Songs wie „Let it begin“, „Generation Me“ oder „Cry Tough“ gewürdigt. Aber auch die Vorgängeralben kamen mit Songs wie „Shake My Mountain“, „I bleed Rock N Roll“ oder „Emergency“ nicht zu kurz. Zwar konnte ich mich des Eindrucks nicht erwehren, dass einige Background Vocals vom Band kamen, doch das tat der Show keinen Abbruch. THE TREATMENT konnten über die gesamte Spielzeit von 45 Minuten überzeugen, sie spielten sich die Ärsche ab und aber tatsächlich die selbigen ordentlich gekickt! Wenn ihr die Chance bekommt, dann solltet ihr euch die Jungs auf jeden Fall ansehen – es lohnt sich!

Finnland ist nun nicht gerade für ausgeprägte musikalische Fröhlichkeit bekannt, doch RECKLESS LOVE haben nun mit mehreren Alben bewiesen, dass man im hohen Norden nicht nur Black Metal spielen kann. Nach einer etwas zu langen „Umbaupause“ kämpften sich Olli Herman & Co ihren Weg durch die Fans auf die Bühne. Schnell wurde klar, dass die Band live doch etwas rockiger und kerniger rüberkommt als teilweise auf CD – vor allem das aktuelle Album „InVader“ ist für meinen Geschmack stellenweise zu poppig ausgefallen. Die Songs aus den verschiedenen Schaffensphasen der Finnen reihten sich auf der Bühne bestens aneinander und die Fans vor der Bühne feierten sowohl alte Titel wie „On the Radio“, „Born To Break My Heart“ oder „Beautiful Bomb“ ab, wie auch das neue Material (z.B. „Scandinavian Girls“, „Monster“, „We are the Weekend“ oder „Pretty Boy Swagger“). Meine persönlichen Highlights stammten natürlich vom „Spirit“ Album: „So happy I could die“ und das geniale „Night on Fire“. Ich hätte mir noch mehr Songs vom „Spirit“ Album gewünscht! Die Band sprühte vor Spielfreude und die weiblichen Fans zogen Frontmann Olli so lange mit den Augen aus, bis er schließlich tatsächlich sein Shirt abstreifte und die Show mit freiem Oberkörper zu Ende rockte! Etwas über eine Stunde dauerte das Set des Quartetts.

 Als sich der Haarspray-Nebel schließlich verzogen hatte blieben zufriedene Fans und eine zufriedene Band zurück und RECKLESS LOVE haben es tatsächlich geschafft dem ungeliebten Dienstag einen gewissen Wochenendcharm einzuhauchen.

Bleibt die Frage, warum diese beiden großartigen Bands vor 50 Leuten spielen mussten, während STEEL PANTHER überall abgefeiert werden. Komisch auch, dass sich von den lieben Hildesheimer Kollegen niemand blicken ließ…. vielleicht hört die Liebe aber bei Bands wie MÖTLEY CRÜE und STEEL PANTHER auf. Schade!

Eins wurde klar, bis zur Reunion der SHITTY BEATLES sorgen Bands wie RECKLESS LOVE und THE TREATMENT für Sleaze Rock Vollbedienung! Mehr davon!