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30 Seconds To Mars

Haus Auensee, Leipzig, 16.6.2010

Als ich von der 30 Seconds To Mars Tour in Deutschland erfuhr, wollte ich die Amis auf jeden Fall live erleben. Wie es das Schicksal jedoch wollte, war ich gerade zum Berliner Gig, der noch mehr oder weniger in meiner Nähe gewesen wäre, auf einer Dienstreise in der Heimat der Jungs. Da mein Leben allerdings häufig von Glück gesegnet ist, wollte das Schicksal es ebenso, dass 30 Seconds To Mars ein Zusatzkonzert in Leipzig, meiner alten Wunschheimatstadt, spielen sollten. Also nichts wie hin!
Mir gefallen 30 Seconds To Mars, den Hype um den Sänger Jared Leto konnte ich allerdings nie so richtig nachvollziehen. Auf der Fahrt nach Leipzig und einer 30 STM-CD zur Einstimmung ging mir also der Gedanke durch den Kopf, dass ich mich auf die Songs wirklich freute, dass mir der Frontmann allerdings relativ egal sein würde. Schließlich bin ich auch längst aus dem Alter raus, in dem man sich zu Schwärmereien von Stars und Sternchen hinreißen lässt. Aber dann kam alles anders als gedacht …









Um 21.30 Uhr betraten 30 Seconds To Mars die Bühne. Im Publikum wurden die Arme zum Jubel in die Höhe gerissen, es wurde geschrien, gepfiffen und gejubelt als würde es kein Morgen geben. Kurz: Das ausverkaufte Haus Auensee tobte und es war heiß auf einen perfekten Abend, den es auch bekommen sollte. Opener waren „Escape“ und „Night oft he Hunter“ von der aktuellen Platte „This is War“. Ab dem ersten Takt zeigten die Leipziger Textsicherheit, Stimmkraft und Durchhaltevermögen im Handyleuchten (früher wurden Feuerzeuge benutzt). Leto betrat mit Nietenlederjacke, Sonnenbrille und gelb-rotem Iro die Bühne. Er und der Rest der Band haben von Anfang an den Saal gerockt und Spielfreude gezeigt. Gut, dachte ich: die Musik ist geil, der Klang super, die Fans rocken tüchtig ab und das alles, weil die Band richtig Spaß hatte und machte. Ich war zufrieden, zwängte mich noch etwas weiter nach vorne und feierte mit gut gelaunten Gleichgesinnten u. a. zu „A Beautiful Lie“, „This Is War“, „Was It A Dream“ und „From Yesterday“ . Inzwischen hatte sich der Frontmann seiner Jacke und der Sonnenbrille entledigt, so dass man in ihm tatsächlich Sänger und Schauspieler Leto erkennen konnte. Und er begann nicht nur durch seine Musik die Menge zum Sieden zu bringen, sondern auch durch seine charmante Nähe zum Publikum. Zwischen den Songs begann er Stories zu erzählen und mit dem Publikum zu reden. Er führte tatsächlich, so gut es ging, kurze Gespräche mit seinen Fans in den ersten Reihen. Der gesamte Auftritt wurde musikalisch immer imposanter und Leto immer sympathischer.









Nach etwa 1,5 Stunden verließen 30 Second To Mars die Bühne, um kurz darauf für eine Zugabe zurückzukehren. Dazu baten sie all diejenigen mit sich auf die Bühne, die es bis ganz nach vorne schafften, woraufhin sich viele, viele Mädchen und einige Jungs crowdsurfend oder auf irgendeine andere Art den Weg Richtung Band bahnten. Währenddessen spaßte Leto auf eine unfassbar herzliche Art mit dem Publikum. Ich stand nah genug, um den Frontmann genau erkennen zu können und bemerkte ganz deutlich seine charismatische Ausstrahlung. Und plötzlich verstand ich den Hype um diesen Menschen. 30 Seconds To Mars haben es geschafft, sich in die Herzen der Zuhörer zu spielen. Was ich an diesem Abend erlebte, war kein einfaches Konzert, bei dem man sich ein paar Songs anhört und mehr oder weniger zufrieden wieder geht. Nein, das war ein Konzert, bei dem Band und Publikum auf einer Wellenlänge durch die musikalische Phantasiewelt surften. Die Berauschung erreichte während der Zugabe eindeutig ihren Höhepunkt. Dass merkte ich, als ich mir Leto, die begeisterte Masse auf der Bühne und die Mädels um mich herum ansah. Ein Blick in deren Augen reichte, um zu erkennen, in welchem Glückstaumel sie sich für einen Moment befanden. Unfassbar! Ich weiß, dass ich zu emotionalen Berichten neige, wenn ich leidenschaftliches erlebt habe. Ich tue das, weil Konzerte für mich perfekt werden, wenn ich durch gute Musik emotional geflasht werde. Das gelingt nicht immer, aber 30 Seconds To Mars haben es geschafft, nicht nur mich, sondern fast das gesamte Haus Auensee zu berühren und gleichzeitig zu rocken. „Jump and touch the sky“ meinte Leto irgendwann während des Konzerts. Man musste gar nicht springen, um dem Himmel an diesem Abend ein kleines Stückchen näher zu kommen, man musste lediglich im Haus Auensee gewesen sein. Ein geniales Konzert, eine geniale, absolut publikumsnahe Liveband! Immer wieder gern … und (auch wenn es sich hier so anhören mag) keinesfalls nur was für Frauen!
[T. Zwingelberg]

Mr Irish Bastard

The Radioactives

Exil - Göttingen, 21.5.2010

Die Fistful of Dirt Tour geht weiter – vor einer Woche hatten die Münsteraner gerade das Musikzentrum in Hannover zum Tanzen gebracht. In dieser Woche stand das deutlich kleinere Exil in der Göttinger Fussgängerzone auf dem Programm. Als Anheizer hatte man sich die Punkrocker von The Radioactives in den Tourbus geladen.












Später als angekündigt wurden die Tore zum Exil geöffnet, da die Bands im Pfingstverkehr gesteckt hatten. In einer Ecke des Ladens des ehemaligen Outpost Betreibers waren die Instrumente der Bands aufgebaut und wir hatten uns schon länger gefragt, ob Mr Irish Bastard überhaupt alle auf die Bühne passen würden. Doch bevor es soweit war, enterten The Radioactives die Bühne. Optisch eine Mischung bekannter Musikgrößen: Basser Matze erinnerte etwas an Hosen Gitarrist Michael Breitkopf, während Gitarrist Jens doch eher an eine tätowierte Version von Caught In The Act Sänger Benjamin Boyce erinnerte und Sänger Maddin schließlich wirkte fast wie eine unverbrauchte Version von Angry Anderson von Rose Tattoo. Doch lassen wir uns nicht von Äußerlichkeiten leiten: die Jungs klopften ab der ersten Note ordentlich auf den Busch und überzeugten durch ehrlichen, handgemachten Punkrock angelsäschischer Machart. Da ich die Jungs heute das erste Mal sah und hörte, kann ich zu der Songsauswahl nicht viel sagen. Nur soviel: es wurde gehüpft und gepost und ordentlich Hitze erzeugt – so soll es doch sein, dafür haben wir einen Anheizer! Auf jeden fall sehenswert.












Nach kurzer Verschnaufpause betraten dann die Damen und Herren von Mr Irish Bastard die Bühne des sehr gut gefüllten Exil. Obwohl ich die Band nun schon etliche Male gesehen habe, war es heute für mich der erste Auftritt, an dem Moe Leicester die Gitarre bediente. Bislang war ich „nur“ P gewohnt. Ich hatte den Eindruck, als wüsste die Band auch noch nicht so recht, was sie von der Location halten sollte, als sie auf die Bühne ging, doch schon nach wenigen Akkorden wurde klar: das Exil würde ein Hexenkessel werden. Vor der Bühne ging ordentlich der Punk ab und schnell hatte sich Duracellbasser Boeuf Strongenuff & Co Platz auf der Bühne verschafft, um ihren Bewegungsdrang auszuleben. Mit bekannt starker Setlist wurden die anwesenden Fans in Wallung gebracht und man darf im wahrsten Sinne des Wortes von einem schweißtreibenden Auftritt sprechen. „Last Pint’s on Me“, „Let Go“, „You spin me round“ oder „Bite The Dust”, die Bastards führten wie schon in Hannover durch die Bandhistorie. Und die Göttinger Fans dankten es der Band, die schließlich noch die Playlist erweitern musste, um die unersättlichen Jünger vor der Bühne zu befriedigen.
Auch ich hatte im Vorfeld meine Zweifel, doch der Gig im Exil hat den der Vorwoche im Musikzentrum weit in den Schatten gestellt und die Stimmung war geladen, durch die Hochspannung, die die Band auf der Bühne erzeugte. Darüber hinaus stimmte auch die Mischung aus Vorgruppe und Hauptact, so dass an diesem Abend nicht nur alte Fans begeistert wurden, sondern auch die unbedarften Zuschauer, die die Kapellen bislang nicht kannten mit einem guten Gefühl in die Nacht entlassen wurden – zumal man das ganze Spektakel für gerade einmal 10 Euro geboten bekam. Sensationell! Thorsten


Mr Irish Bastard

Fat Belly, BlackVise

Hannover, Musikzentrum, 14.05.2010

Das Wandern ist des Müllers Lust und so sind wir zur Konzerteinstimmung zunächst mal auf den Nebel verhangenen Brocken gewandert. Entsprechend schwer waren die Waden gen Abend, als die Münsteraner Mr Irish Bastard zum Reigen geladen hatten.




Den Anfang machten jedoch die Nachwuchsrocker von Blackvise. Optisch eine Mischung aus Green Day und Tokio Hotel, machten die Hannoveraner ein wirklich gutes Bild. Sie boten dem angetanen Publikum eine moderne, mit Post-core durchsetze Punkrock Variante, die hier und da an Bands wie Rise Against erinnerte. Zwar haben die Jungs durchaus gute Resonanz bekommen und auch handwerklich gute Arbeit geleistet, doch fehlt ihnen noch irgendwie der Wiedererkennungswert und sie setzen mit ihren Songs wenig Akzente. Dennoch, als Anheizer gingen sie auf jeden Fall in Ordnung!
Als zweite Band kamen die Lokalmatadore von Fat Belly auf die Bühne. Ausgestattet mit ordentlich Bühnenerfahrung und neuem Album im Gepäck, zeigten die Jungs von der ersten Minute, dass sie mittlerweile zum Besten gehören, was die hannoversche Punkrockszene zu bieten hat.



Dieser Meinung schien auch Gigantor-Gitarrist Jens G. gewesen zu sein, der munter in der zweiten Reihe mitwippte. Von „Dear Irine“, über „Pizza Man“ und „Hollywood“, bis hin zu „Ass King“ und „She’ll never see me cry“ wurde eine schweißtreibende Westcoat Punkrock Show gezeigt. Immer wieder hörenswert auch die aufgefrischte Coverversion des Friends Titelthemas „I’ll be there for you“. Klar, dass am Ende auch die etwas schmalzige Hommage an die Heimatstadt Hannover nicht fehlen durfte. Wie formulierte Harald Wehmeier in seiner Comedyshow als Münte doch so schön, als es um Hannover ging? „Die ganzen Geschäfte da, da fahren Busse und alles…und der schöne Bahnhof. Da sagte doch neulich einer, das Schönste an Hannover sei der Zug nach Hamburg!“ Nun gut.



Fat Belly haben dennoch für gute Stimmung gesorgt und man merkte später, dass ein Großteil der 16jährigen Mädchen wohl Gruppies der Lokalgröße waren.
Doch dann war es endlich Zeit für die Speed-Folker aus Münster. Auf der Tour mit den Levellers waren die Jungs ja ausgefallen, so dass es nun höchste Zeit für ein Gastspiel in der Landeshauptstadt wurde. Und mit Songs wie „Building Up And Tearing England Down“ wurde auch sofort ordentlich eingeheizt. Aber die Show bot einen guten Querschnitt durch die 2.5 Alben der Kapelle, so dass natürlich Gassenhauer wie „Gypsy Road To Nowhere“, „Stupid Bastards“, „Curse of the



Red-Haired Woman“ ebenso im Programm standen wie die Standards vom „Bastard Brotherhood“ Album (z.B. „Last Pint“, „Galway Bay“ oder „Blood On The Flag“) und natürlich Songs des neuesten Opus, z.B. die Coverversion von „Spin me Around“.




Die Bastards, allen voran natürlich Energiebündel Grany am Bass, haben mehr denn je durch eine energiegeladene Show und umwerfende Präsenz überzeugt. Die Jungs und Mädels werden einfach immer besser und machen immer wieder Spaß. Und da das Ganze auch noch für gerade einmal 14,- Euro zu haben war, kann man nur sagen, dass es ein rundum gelungener Abend war. Wer die Band verpasst hat, sollte am Freitag die Chance nutzen und nach Göttingen fahren.

Thorsten

Donots, Royal Republic

Musikzentrum Hannover, 29.04.2010

Der Abend fing gut an: Ich wurde nämlich schon mal wieder unberechtigter Weise beschuldigt, die gesamte Planung durcheinander zu bringen. Dabei mussten wir doch nur noch mal zur Sparkasse, nachdem wir einen Abstecher zu meinem ganz in der Nähe geparkten Auto gemacht hatten. Und kurz bevor wir auf der Autobahn gen Hannover waren, ist mir aufgefallen, dass ich Hunger hatte und ich noch schnell etwas essen müsste. Aber alles kein Problem, oder? Denn trotz der angeblich durch mich provozierten Zick-Zack-Fahrerei sind wir pünktlich um 21.00 Uhr zur Vorband Royal Republic am Musikzentrum angekommen.

Ich hatte mir ROYAL REPUBLIC im Vorfeld bereits angehört und erwartete nun eine Band, die in Richtung Franz Ferdinand geht. Da ich durchaus auch mal ganz gerne Britpop höre, freute ich mich auf die Jungs. Und ich muss sagen, dass die in Hannover gelieferte Show meine Erwartungen bei Weitem überstiegen hat. Eine Affinität zu Franz Ferdinand war zwar tatsächlich vorhanden („Tommy-Gun“), aber das ist ja auch nicht weiter schlimm. Ansonsten boten die Schweden eher Britrock als Britpop und von der Insel kommen sie ja schließlich auch nicht. Lange Rede, kurzer Sinn: Royal Republic haben richtig guten Gitarrenrock praktiziert und eine ausgezeichnete Bühnenshow abgeliefert. Die musikalische Einstimmung war gelungen.



Nun aber zu den DONOTS. Zuerst die Basics: Ausverkauftes Haus, 1,5 h Spielzeit, ein neues Album im Gepäck, ein ungewöhnlich lockeres, tanzfreudiges Hannoveraner Publikum, eine absolut spielfreudige Band und eine unwahrscheinliche Hitze im Raum …
Im März erschien mit „The Long Way Home“ die aktuelle Studioplatte der Donots. Da viele neue Songs Platz auf der Playlist gefunden hatten, scheint das Quintett mit ihren jüngsten Aufnahmen sehr zufrieden zu sein. Konzertopener war „Changes“, der Song, der auch Opener des Albums ist. Mit dieser Wahl ging man den Gig ruhig an und das, wie es schien, gewollt, denn plötzlich riss sich Ingo seine Jacke vom Leib (und das bei der Hitze auch zu Recht) und „Calling“ preschte los. Mit den ersten Takten explodierte das Hannoveraner Publikum und man sprang, zappelte und hüpfte bis in die letzten Reihen hinein. Ein sehr gelungener Auftakt! Entsprechend eingestimmt, ging die Party mit Songs wie „High And Dry“ feucht-fröhlich weiter. Beim Country angehauchten „The Years Gone by“ durfte dann, dem Line Dance entsprechend, kräftig auf den Boden gestampft und „Juhu“ geschrien werden. Für „Let it Go“ stellte Alex seine Gitarre zur Seite und griff stattdessen zur Mandoline. Kurz vor Ende der Show wurde mit dem absoluten Hammerstück „Dead Man Walking“ noch mal richtig eingeheizt. Letzte Reserven wurden mobilisiert und die Leute feierten weiterhin kräftig ab. Aber natürlich wurden nicht ausschließlich neue Songs gespielt. Erfolgssongs von älteren Platten wurden an perfekter Stelle eingesetzt, um den sowieso schon brodelnden Kessel nochmals anzuheizen. Während „Whatever Happened to the 80's“ übte sich Sänger Ingo im Stagediving und ließ sich im Anschluss daran auf den Händen begeisterter Fans Richtung Bar und wieder zurück tragen. Auch wenn solche stimmungssteigernden Showeinlagen inzwischen von sehr vielen Bands praktiziert werden, und sie somit nichts außergewöhnliches mehr darstellen, kommen sie beim Publikum doch immer wieder sehr gut an. Nach einer Stunde und 15 Minuten war der Gig zu Ende und wenn man sich die vor Schweiß triefenden Jungs auf der Bühne so ansah, konnte man meinen, dass sie in Hannover aufgrund des heftig heißen Raumklimas wirklich nahe an ihre physischen Grenzen getrieben wurden. Nichts desto trotz wurden noch drei Zugaben gespielt. Eine davon war die Coverversion des Twisted Sister-Songs „We're Not Gonna Take It“.


Nach 1,5 Stunden war dann endgültig Schluss. Die Donots und die Hannoveraner Fans haben gerockt und richtig viel Spaß miteinander gehabt. Trotz der widrigen Bedingungen, nämlich trotz dieser unbeschreiblichen Bullenhitze, haben die Donots von der ersten Minute bis zur letzten Sekunde echte Spielfreude versprüht. Wahren Respekt dafür! Den Hut ziehe ich allerdings auch vor den Fans, die sich zu keiner Zeit lumpen ließen und die besagte Spielfreude durch Mitgrölen und Pogo erwiderten. Nach diesem gelungenen Auftritt konnten die triefenden und tropfenden Donots-Anhänger selig ihren Heimweg antreten.


Mein Fazit lautet also: Die Donots sind live absolut zu empfehlen. Wer sie auf der jetzigen Tour noch live sehen möchte, aber noch keine Karten hat, sollte sich ranhalten, denn einige der bisherigen Konzerte waren restlos ausverkauft. Der Gig in Hannover war schon der Hammer und wenn ich jetzt im Nachhinein noch mal über diese bis dato noch nie erlebte Hitze nachdenke, muss ich sagen, dass sie zusätzlich kickte. Dieses Extrem passte irgendwie zu dem Konzerterlebnis im Musikzentrum, das in vielerlei Hinsicht außergewöhnlich gut war. [Tanja Zwingelberg]

AGNOSTIC FRONT

01.04.2010, Conne Island, Leipzig

Alte Liebe muss es sein, was AGNOSTIC FRONT und das Conne Island miteinander verbindet. Denn laut Roger Miret sind sie schon zum gefühlten 20. Mal zu Gast in Leipzig und es ist jedes Mal aufs Neue eine große Freude hier zu sein und wer die Jungs an diesem Abend hier erleben durfte nimmt ihm das auch ab. Wenn die „ alten Hardcorerecken“ zum Tanz aufspielen, lässt die bunt gemischte Menge sich nicht lange bitten und der Mob explodiert. Obwohl AF fast jedes Kuhdorf auf ihrer „Victim In Pain“ Tour dies- und jenseits des großen Teiches bereisen, so setzt sich die angereiste Fangemeinde aus Punk‘s, Oi’s , Studenten und Abikids des gesamten ostdeutschen Bundesgebietes zusammen. Während die „Jungen Wilden“ bereits zu den Vorbands: CALL TO PRESERVE, DO OR DIE und THIS IS HELL –welche mir persönlich mit ihrem druckvollen Auftreten in guter Erinnerung bleiben- austobten, verbrachten viele der „Alten Hasen“ die Zeit bis zum AF Tough-Guy-Gedächtnisabend im Cafe bei dem ein oder anderen Bier und der Liveübertragung des Hamburger



Europaliga Auftrittes. Pünktlich zu den ersten Klängen von AF war der altehrwürdige Eiskeller jedoch komplett gefüllt und es hieß wie schon wenige Tage zuvor beim Auftritt von MADBALL: Ausverkauft!!! Was nun folgte war ein schmissiger Abriss 25-jähriger Live-Geschichte, der – ihr mögt mir die abgedroschenen Worte verzeihen – größten Hardcore Band aller Zeiten. Es verging nicht viel Zeit und schon tropfte der Schweiß von den Decken. Das Programm bestand zum größten Teil aus Stücken längst vergangener Tage, die noch immer mit der gleichen Wut und Power vorgetragen wurden wie zu ihrer Entstehungszeit. Gespickt war das Ganze mit einigen Gassenhauern und Mitgröhlhymnen jüngeren Datums, welche meiner Meinung nach gar nicht unbedingt nötig waren, denn AF hatten die Menge stets im Griff und so ging man ab zu Stücken wie: GOTTA GO, FOR MY FAMILY, ADDICTION und CRUSIFIED. Wie immer war der Spuck dann nach einer knappen Stunde auch wieder vorbei und was zurück bleibt ist ein zufriedenes Grinsen, Schmerzen in Ohren und Beinen und das Gefühl bei etwas Großem dabei gewesen zu sein. Danke Jungs für die zahlreichen und immer wieder abgefahrenen Auftritte!



Auf die nächsten 25 Jahre! Oh, hab ich das gesagt oder nur gedacht? Eigentlich brauchen wir ja keine zweiten Rolling Stones, aber bis dahin ist es ja doch noch ein langer Weg und auf dem sehe ich euch längst nicht. Also weiter so und nochmal danke für einen weiteren unvergesslichen Abend! (Daniel Krause)

Hellfire

Hildesheim – Vier Linden

12.02.10

Ein Rutschvergnügen sondergleichen auf den Straßen, und trotzdem schafften es Hellfire das alt ehrwürdige Vier Linden mehr als ordentlich zu füllen und nebenbei die lange verschollen geglaubte Hildeseheimer (Ex-) Metalprominenz anzulocken. Logisch sollte man meinen, wer lässt sich schon ein zünftiges Hitfeuerwerk, erschaffen von der Legende AC/DC und dargeboten von einer der (wenn nicht sogar der) besten Coverbands der australischen Volksmusiktruppe, entgehen? Und, dies sei vorweggenommen, kein Anwesender dürfte sein Kommen bereut haben. Nachdem die Band musikalisch in immer höhere Sphären vordringt, feilt man jetzt auch an den Gimmicks, die eine Show von AC/DC so spektakulär werden lassen. So gab es gleich zum Intro den gleichen Vorfilm wie auf der Tour zu sehen und „Angus“ sprang zu den ersten Akkorden von „Rock’n’Roll Train“ durch eine Papierleinwand. Okay, für den tonnenschweren Stahlzug war das Linden dann vielleicht doch das ein oder andere Kubikmeterchen zu klein, aber dies wurde schnell vergessen gemacht. Zu den Klängen von „It’s A Long Way To The Top“ marschierte ein echter Dudelsackspieler (Dudelsacker? Dudelsackist??) ein und brillierte mit perfektem Mittelteil. Ein wesentlicher Reiz von Coverbands liegt ja auch darin, dass man Material zu hören bekommt, das sich aus der Setlist des Originals lange verabschiedet hat. Besonders gelungen an diesem Abend waren für mich „Sink The Pink“ (vom zwar nicht so prallen, aber dennoch unterschätzten „Fly On The Wall“) und das unwiderstehliche „Touch Too Much“. An Standards fehlte es im Programm natürlich auch nicht und so kam zu „Hells Bells“ die obligatorische Glocke heruntergeschwebt und „Thunderstruck“ wurde noch mal dudelsacktechnisch eingeleitet. Das eigentlich finale „For Those About To Rock“ wurde von Kanonen inklusive Böllern begleitet . Band und Publikum hatten aber soviel Spaß, dass noch mal einige Nummern („Moneytalks“, „Riff Raff“) angehängt und die Spielzeit auf satte 140 Minuten ausgebaut wurde.
Fazit: Unsterbliche Gassenhauer, eine ungemein spielfreudige Band und ein williges Publikum. Die Open Air Tour kann kommen – der Raum Hannover ist vorbereitet!

Manowar

HolyHell, Metalforce

30.01.2010, AWD-Hall Hannover

Was haben ein zweiwöchiger Malle-Urlaub und das gestrige Manowar Konzert in der AWD-Hall gemeinsam? Mehr als man gemeinhin erwarten sollte. Angefangen bei der (gefühlt) kilometerlangen Warteschlange vor der Halle, über die Sicherheitskontrollen am Eingang, bei denen auch der Einsatz eines Nacktscanners nicht mehr überrascht hätte. Besonders unterhaltsam war ein übermotivierter Secu an meiner Schleuse, der mit wichtiger Miene dafür Sorge trug, dass feinsäuberlich alle Nietenarmbänder usw. abgelegt wurden. Was kommt als nächstes? Muss man auf einem Metalkonzert (zumal ja die Kings of Metal geladen hatten) die lange Haare oder die Lederhose abgeben? Lächerlich! Doch es gab weitere Gemeinsamkeiten, denn abgesehen von den Preisen (Eintritt, T-Shirts, Getränke), mit denen man problemlos die vierköpfige Familie in den All-inclusive Cluburlaub hätte verfrachten können, waren auch die Temperaturen in der Halle subtropisch.
Relativ pünktlich stürmten kurz nach 20 Uhr die Mannen um Tarek „MS“ Maghary die Bühne. Jüngst wurde ja aus



Majesty Metalforce, doch ähnlich wie damals bei Raider und Twix, außer dem Namen änderte sich nix. Der Fünfer, der scheinbar vom Schneider von Manowar und Rock’n’ Rolf ausgestattet worden war, konnte von der ersten Minute überzeugen. Das Programm aus neuen Krachern wie „Metalforce“ und alten Hymnen der Majesty Zeit (z.B. „Into the Stadium“ oder „Metal Law“) war ausgewogen und genau passend für den trumetallischen Anlass. Entsprechend dankbar wurde die Kapelle von den knapp 2200 zahlenden Gästen abgefeiert. Zudem konnte Gitarrist Josef Echter durch beachtliche Fingerfertigkeit überzeugen und er bewies mal wieder, dass auch im Zeitalter der Modeling Amps nicht auf bratenden Gitarrensound verzichtet werden muss.

HolyHell sind fast ein Ableger des Manowar Stammbaums. Ex-Königstrommler Kenny „Rhino“ Earl gründete die Band



2005. Zwar nahm Joey DeMaio, zumindest bei Debüt, noch großen Einfluss aufs Songwriting, doch musikalisch gehörte die Band für mich immer eher in die Ecke der epischen Metalkapellen, was nicht zuletzt am weiblichen Gesang lag. Das Problem der Band war in meinen Augen jedoch immer, dass sie auf Platte eher langweilig klingen. Wer wenig erwartet, wird ja meist positiv überrascht und so war es auch an diesem Abend bei sengender Hitze in der AWD Hall. Zum einen dürfte Sängerin Maria Breon den ein oder anderen männlichen Fan optisch angesprochen haben, zum anderen war der gesamte Auftritt der Band doch recht kurzweilig und unterhaltsam. Vor allem Gitarrist Joe Stump machte seine Sache gut und poste wie ein Großer. Unübersehbar war der Einfluss des Meisters Yngwie Malmsteen, denn z.T. waren die Posen 1:1 übernommen worden. Warum der gute Mann jedoch ständig mit seinem Kabel auf die Gitarre geschlagen hat, wird immer ein Rätsel bleiben – ADS könnte eine Erklärung sein.
Während die Temperaturen mittlerweile ausreichend gewesen wären um Strohhüte und Sonnenliegen zu verteilen, ließen sich Manowar lange Zeit. Für die wartenden Fans in der AWD-Sauna nicht zu sehen war, dass hinter dem Vorhang noch ein konspiratives Treffen einen größeren



Gruppe Gewinnler stattfand, die sich mal eben mit den Kings of Metal ablichten ließen.
Schließlich ging es mit viel Tamtam los und Manowar eröffneten ihren etwa zweistündigen Set. Doch die Metalwarriors mussten sich zunächst



auch erst warm spielen. Joey DeMaio steppte auf der Stelle, wie ein Tanzlehrer im Leerlauf und Carl Logan rockte wie ein Siebtklässler beim Auftritt mit der Schulband. Trotzdem wurde die Band von Anfang an begeistert abgefeiert. Neben vielen neueren Stücken, inflationärem



Gebrauch des Wortes Odin und eher verhaltenem Bewegungspensum gab es auch vereinzelte Klassiker zu hören, so z.B. „Kings of Metal“, „Black Wind, Fire & Steel“ oder das eher langweilige „Warriors of the World“. Immerhin wurde das grandiose „Sleipnir“ vom „Gods of Metal“ Album gespielt. Zudem gab es noch „The Gods Made Heavy Metal“ vom „Louder Than Hell“ Album. Leider wurden diese guten Songs immer wieder von ewig langen Basssoli oder endlosen Balladen unterbrochen – brauchte kein Mensch.
Den größten Unterhaltungswert hatten eigentlich die komischen Einlagen von DeMaio, der durchaus nach wie vor großen Unterhaltungswert als Entertainer hat und zudem noch an die Tage des Lautstärkerekords in „Mannover“ erinnerte. All Hail, möchte man da fast sagen.
Zwar mühten sich die Herren redlich, doch musste man auch feststellen, dass die Zeiten in denen man ihnen die Frauengeschichten usw. abnimmt langsam vorbei sind, zumal DeMaio zu heftig moschende Fans sofort rauswerfen lassen wollte. Letztlich erinnerten Manowar doch sehr an die Sinalco Cola ohne Kohlensäure, die man mir für 5 Euro andrehte: cool aber wenig spritzig!.....Thorsten


MUNICIPAL WASTE, VICTIMS, REPROACH

19.01.2010, Berlin, Magnet Club

Als ich nach längerem Anstehen den gut gefüllte(n) Magnet Club um 21:30 Uhr betrete, sind REPROACH bereits durch. Den schon Anwesenden scheinen die Belgier aber gut gefallen zu haben. In der Umbaupause läuft ein Mix von AC/DC Songs aus der Zeit mit Bon Scott - das ist der erste Beleg für einen kompetenten Konzertabend. Nach kurzem Check geben dann die VICTIMS Gas. Die Band schafft es, die unglaubliche Energie ihrer Platten auch live rüberzubringen. Mit zunehmender Spielzeit wird der Sound immer besser und die Agilität steigt. Insbesondere County-Fan John geht aus sich raus. Gut, dass er sich im Vorhinein von seiner Glasbausteinbrille getrennt hat, die das wohl nicht überstanden hätte. Das beweist, dass er sein Instrument blind beherrscht. Das Publikum wird mit augenzwinkernden Ansagen wie „The next song is about Germany.



It is called Fucked Up“ schnell auf die eigene Seite gezogen und die ersten Diver rammen die Discokugel des niedrigen Raums. Die für mich momentan beste Crustband wird begeistert verabschiedet und auch am Merchandise wird deutlich, dass die Band viele Fans (gewonnen) hat. Nach einer zu langen Umbaupause geht das Licht aus und zur Titelmusik von Airwolf betreten MUNICIPAL WASTE die Bühne. Von Anfang an lassen die Jungs aus Virginia nichts anbrennen und geben dem Publikum mit Songs von ´Waste ’em All´ bis zu ´Massive Aggressive´ die volle Breitseite. Vor der Bühne herrscht toughe, aber spaßige Betriebsamkeit und so viele Circlepits hat das Magnet auch noch nicht gesehen. Der Dauerbeschuss mit Thrashcore-Granaten wird nur unterbrochen als sich die Lockenpracht eines Besuchers im Mikro verhakt. Gitarrist Ryan Waste überbrückt die Pause, indem er mal eben ´(Empty) Tankard´ anspielt, die Jungs beherrschen wirklich ´The Art Of Partying´. Da die haarige Situation nicht anders zu lösen ist, wird der Schopf zum Leidwesen des Fans flux weggekokelt und weiter geht der Spaß. Das bezeichnet man wohl als einen Kollateralschaden. Nach einem kurzen intensiven Gig kommen die Jungs noch einmal zurück, um sich dann mit ´Headbangers Face Rip´ endgültig zu verabschieden. Auch wenn es erst Mitte Januar ist, bin ich sicher, dass es ein Konzert des Jahres war. Das lag an zwei großen Bands, einem gemischten Publikum und einer Stimmung wie sie sein soll.
...........Trille

The BossHoss, Hot Wire

05.12.2009, Stadthalle Göttingen

Bereits drei Stunden vor offiziellem Beginn versammelten sich die ersten Cowboys vor der Stadthalle in Göttingen. Anscheinend konnten sie es kaum erwarten, Hot Wire und The BossHoss auf der Bühne zu erleben.
Zugegebenermaßen fände ich es auch ganz nett, eine Band wie die BossHoss zu supporten. Am 5.12. wurde diese Ehre Hot Wire zuteil. Sie hatten eine halbe Stunde Zeit, feinsten Rockabilly vorzuführen. Diese Chance hat die Band genutzt, um sich ein wenig bekannter und das Publikum warm zu machen. Wer Silvester noch nichts geplant hat und wer Lust auf „Sex, Drugs & Rock 'N' Roll“ im Stil von Elvis, Johnny Cash, Buddy Holly, AC/DC, den Red Hot Chili Peppers usw. hat, der dürfte beim Rumble on New Years Eve in Harsum genau richtig sein. (http://www.myspace.com/rockabillyhotwire)





Zu den BossHoss sei ganz kurz vorweg gesagt, dass zu der Band sieben Jungs aus Berlin zählen, die 2005 mit ihrem Debütalbum Internashville Urban Hymns erstmals kommerziell in Erscheinung traten. Während sich diese Platte vornehmlich aus Coversongs zusammensetzt, die in einem unkonventionellen, aber bandtypischen Rock-Country-Stil recht interessant interpretiert sind, befinden sich auf dem zweiten Album Namens Rodeo Radio (2006) mehrere Eigenkompositionen. Der Erfolg motivierte offensichtlich, ambitioniert an weiteren Stücken zu arbeiten, denn bereits 2007 erschien Stallion Battalion und 2009 das jüngste, sehr hörenswerte Werk Do or Die.
Wollte ich es den Berliner Jungs mit ihren strahlend weißen Cowboyhüten gleich tun, müsste ich diesen Konzertbericht eigentlich auf Englisch schreiben, denn ein deutsches Wort ist von ihnen – zumindest während der Auftritte und Interviews – nicht zu hören. Stattdessen wird mit nettem Ami-Dialekt die eine oder andere Anekdote auf Englisch daher geredet. Wüsste ich es nicht besser, hätte ich den Jungs vielleicht wirklich abgekauft, dass sie schnurstracks aus dem Wilden Westen direkt in die Stadthalle galoppiert gekommen sind.




Wie man kann sich unschwer vorstellen kann, ist die Bühne mit sieben Mann samt Kontrabass, Bongos usw. schnell ausgefüllt. Ähnlich verhielt es sich mit der Göttinger Stadthalle. Sie war zumindest ganz gut mit Tanz- und Singwütigen gefüllt, die während zwei Stunden Spielzeit und einer gut gemischten Songauswahl auf ihre Kosten kommen sollten. Natürlich haben The BossHoss auch einige Cover-Songs der ersten beiden Platten, z. B. „I say a little prayer“ und „Sabotage“, aufgefahren. Da mir persönlich die eigen komponierten Songs besser gefallen, waren mir die vielen Stücke von der Do or Die und der Stallion Battalion-Scheibe mehr als recht. Mit dem gleichnamigen Lied „Stallion Battalion“ wurde gleich zu Beginn kräftig eingeheizt. Aber auch „Last Day“, „Go!Go!Go!“ und „Rodeo Radio“ ließen keine Langeweile aufkommen. Meine Favorits – „Brake free“ und „Close“ – wurden beide schon während der regulären Zeit gespielt, so dass ich der Zugabe eher nüchtern entgegenblickte. Das restliche Publikum aber feierte die letzen beiden Stücke „Shake Your Hips“ und „Yee Haw!“ begeistert. Für letzteres holten sich The BossHoss noch tatkräftige Unterstützung aus dem Publikum auf die Bühne, bevor in der Stadthalle für diesen Abend die Lichter ausgingen.
So, was soll ich sagen? Ich war schon begeistert, dass ich ein Konzert erleben durfte, das die in letzter Zeit so oft erlebte magische 1,5 h Spieldauergrenze knackte. Außerdem kann ich es mir auch nicht verkneifen, ein ganz großes Lob an Malcolm „Hank Williamson“ Arison, dem Mann an Waschbrett, Mandoline und der Mundharmonika auszusprechen. Womit verbindet man denn heutzutage die Mundharmonika? Die ältere Generation denkt vielleicht an den Film „Spiel mir das Lied vom Tod“, die jüngere an das deutsche Supertalent. Ich werde ich Zukunft an The BossHoss denken. Wenn man mal ganz bewusst auf den Klang dieses kleinen Instrumentes achtet, wird schnell klar, welch besonderer Touch den Songs damit verliehen wird. Nur schade, dass man als Mundharmoniker- und Waschbrettspieler nur selten die Gelegenheit bekommt, erfolgreich in einer Rockband zu spielen.




Die BossHoss boten neben einer guten Bühnenshow einen sehr unterhaltsamen Abend, der sein Eintrittsgeld wert war. Echte Country/Rockfans konnten während der zwei Stunden vielleicht ein wenig mehr vom Wilden Westen träumen als sonst.

[Tanja Zwingelberg]

Motörhead, Der W, Black Stone Cherry

Mi. 02.12.2009 – Hannover – AWD Hall

Wenn Hannover Concerts zu Motörhead lädt ist das quasi ein Pflichttermin für Hardrock- und Metal Fans, also lassen auch wir uns nicht lumpen und bewegen uns standesgemäß in einer Gruppe gut gelaunter Rocker Richtung AWD Hall. Kurz zuvor zogen wir noch kurz den Neid eines Typen auf uns, der - scheinbar nach der Arbeit - in der Bahn stand und plötzlich fragte: „Zu Lemmy?“ und als wir ihn bestätigten meinte, er könne leider selbst nicht hin. Tja 'arme Seele', wärste mal doch! War nämlich witzig! Nach einer kleinen Startschwierigkeit kamen wir entspannt, jedoch ohne Fotopässe, gegen kurz nach Sieben in der Halle an wo BLACK STONE CHERRY bereits feinste Rockmusik in die Ränge pusteten. Der Vierer aus Kentucky kam dermaßen sympathisch daher, dass ich für meinen Teil zwei Dinge bedauerte: einmal nicht von Anfang an in der Halle gewesen zu und darüber hinaus das die Jungs überhaupt eröffnen mussten. Aber gut, dies ist nicht mehr zu ändern. Für alle die sich fragen was den Sound der Jungs prägt sei hier mal das Wort 'southern' in die Runde geschmissen. Wäre ich jetzt noch King in Sachen Rock, würde ich mich gern lang und schmutzig über BLACK STONE CHERRY auslassen – denn gut waren sie! Um mich nicht zu weit aus dem Fenster zu lehnen, kommt aber womöglich jeder besser davon wenn er sich selbst auf der offiziellen Seiten der Band einen Eindruck verschafft. Die Bühnenpräsenz der Jungs war auf jeden Fall stark. Sänger Ben Wells erinnerte äußerlich leicht an eine jüngere Version von Jack Black und das Bangen von Gitarrist Chris Robertson wäre auch bei einem Deathmetal Konzert durchgegangen Die Umbaupause ist ja zu Zeiten in denen anständige Rocker und Metalheads zum Rauchen die Konzerthalle verlassen müssen doch schon in ihrem Ansehen gestiegen. Nachdem das notwendige Übel also von vielen zum Genussmittelkonsum genutzt wurde trat DER W auf die Bühne der mittlerweile gut gefüllten Halle. Schon durch seine Präsenz auf Festivals wie dem With Full Force hat der ehemalige Onkelz-Basser Stephan Weidner deutlich gemacht, dass es eine Nachfrage für sein Soloprojekt gibt und auch in Hannover zeigte sich zu Beginn von DER W ein spürbarer Zulauf an Publikum.Was dann musikalisch und showtechnisch passierte vermochte die angereisten Weidner-Fans zu begeistern. Scheinbar muss man es einfach mögen. Kurzzeitig drängte sich mir die Frage auf wie es wohl gewesen wäre, hätten THIN LIZZY nicht ihre Touraktivitäten für das Jahr abgesagt und wären wie ursprünglich einmal geplant anstelle von DER W mit von der Partie gewesen? Um es kurz mit QOTSA-Worten zu beantworten: „No One Knows“... Nach der für meine Verhältnisse etwas zu glatten Show von DER W, der nächsten Völkerwanderung während des Umbaus, Bier rein – Bier raus und W-Fans raus - Motörhead-Fans rein, war es dann soweit. MOTÖRHEAD betreten die Bühne und das mittlerweile 63 Jahre alte Original Lemmy Kilmister eröffnet die Show mit den vertrauten Worten: „We're Motörhead and we play rock 'n' roll!“ Was dann kam? Einfach Motörhead! Die Band brachte einen ordentlichen Querschnitt durch ihre musikalisches Repertoire, darunter natürlich Hits wie Overkill und Ace Of Spades und zusätzlich zeigten Drummer Mikkey Dee und Gitarrist Campbell, dass sie es noch drauf haben. Speziell das Drum-Solo ist mir in positiver Erinnerung. Mit soviel Wums hatte ich bei den Herren anfangs nicht mehr gerechnet, doch glücklicherweise wurde ich ja eines Besseren belehrt. Im Nachhinein betrachtet boten MOTÖRHEAD den Abend genau das was man von ihnen erwartete, eben keine sensationelle Neuerfindung, sondern die gewohnt lässige Show. Diese war zwar früh - ich glaube es war noch vor 23 Uhr – vorbei, hinterließ aber dennoch einen Haufen zufriedener und gut gelaunter Fans. Persönliches Fazit: Trotz unbeabsichtigt eingefangener Bierdusche - gerne wieder!....Basti

Volbeat, Ektomorf

25.11.2009, Hannover – Capitol

„Hast du schon Karten für Volbeat?“, „Nö, kaufe ich mir kurz vorher.“ Wer mit dieser Einstellung an das Konzert heran ging, hatte schlechte Karten. Genauer gesagt, hatte gar keine Karten, da Volbeat in Hannover bereits weit im Voraus ausverkauft waren.
Aber wen wundert das? Mich nicht! Volbeat zählen wohl im Moment mit zu den angesagtesten Heavy Metal / Rock ‘n‘ Roll / Rockabilly Bands. Hierzulande ist den Dänen mit ihrem dritten Studioalbum Guitar Gangsters & Cadillac Blood endgültig der Durchbruch gelungen. Aber mal ehrlich, die Vorgängeralben stehen dem jüngsten Werk in keinster Weise nach. So, da es von Volbeat also keine schlechten Songs gibt, sondern - wenn überhaupt - nur etwas weniger gute, konnte der Abend gerockt werden.

Bevor aber Volbeat für viel Schweiß sorgten, versuchten Ektomorf zu guter Stimmung zu verhelfen. Ob das auch gelang? Naja, bei mir während der ersten fünf Lieder. Danach wurde der etwa einstündige Auftritt etwas zäh. Und ich glaube, ich war nicht die einzige die so dachte. Zu meinen, dass man während dieser Zeit versuchte „gute Miene zum bösen Spiel zu machen“, ist vielleicht etwas hart ausgedrückt, trifft für mich aber doch den Kern. Zu Gute halten muss man den Jungs allerdings, dass sie redlich Spaß an dem hatten, was sie da oben auf der Bühnte taten und das ist ja auch schon mal viel Wert. Wir sahen also eine Thrash-Metal Band mit leichten Hip-Hop-Crossover Einflüssen, deren Gitarre mal mehr, mal weniger an Soulfly erinnerte, die mit „Fuck“ das Wesentlichste ausdrückte und deren Songs mit der Zeit leider wirklich eintönig wirkten. Aber wegen Ektomorf war ich ja schließlich auch nicht da und wahrscheinlich hat die Band doch mehr Fans, als ich es mir an dem Abend vorstellen konnte.

Voller Spannung wurde nach Ektomorf die Umbaupause abgewartet, bis Michael Poulsen und Co. endlich loslegten. Ich habe selten nen Mann erlebt, der so viel Ausstrahlung hat wie dieser Sänger. Musik, Stimme, Haargel und Rock ‘n‘ Roll im Blut ergeben einfach ne perfekte Mischung. Aber genug der Schwärmerei und aufs Wesentliche konzentriert: in Hannover wurde gerockt, das steht fest. Schon beim zweiten Song „Guitar Gangsters & Cadillac Blood“ stand kaum noch jemand still. Moshpits an allen Ecken und Enden des Capitols. Eine große Textsicherheit zeigte sich wenig später bei „Mary Anns Place“ und der Johnny Cash-Hommage „Sad Man‘s Tongue“. Mitgrölen von Anfang bis Ende. Von Rock the Rebel / Metal the Devil wurden dann u.a. noch „Radio Girl“ und „The Garden‘s Tale“ zum Besten gegeben. Mit der typischen, zwar auch etwas statischen Volbeat-Spielfreude gelang es den Jungs die ersten 70 Minuten (leider) wie im Fluge vergehen zu lassen, bevor nach 3 Zugaben und 90 Minuten Spielzeit der Vorhang endgültig fiel. Mit den letzten drei Songs legten die Jungs noch mal kräftig nach: Eigentlich wollte man nach den Hymnen „The Human Instrument“, „I‘m So Lonely I Could Cry“ und „Still Counting“ viel viel mehr, war man doch grad so richtig warm und die 1,5 Stunden Spaß viel zu schnell vorbei. Aber, wie wir ja alle leider wissen, alles Schöne hat nun mal auch sein Ende.
Wie man unschwer erkennen kann, haben mich Volbeat mal wieder absolut überzeugen können. Einfach ein geiles Konzert (und das, obwohl Poulsen zu diesem Zeitpunkt schon gesundheitlich angeschlagen war)! Sowohl live als auch auf Platte unbedingt zu empfehlen. Lohnenswert ist es übrigens auch, sich mal die Texte genauer anzusehen. In Michael Poulsens Kopf entstehen nämlich längere Geschichten, die er dann, in mehrere Songs verpackt, auf einer Platte erzählt, oder deren Inhalte sich über mehrere Alben hinweg erstrecken (z. B. „Danny & Lucy“ (2005), „Mr & Mrs Ness“ (2007), „Mary Ann’s Place“ (2008)). Super, man darf gespannt sein, wie es mit Mr. Ness auf der nächsten Platte weitergeht. Hoffentlich lässt eine Fortsetzung nicht allzu lang auf sich warten. [Tanja Zwingelberg]


Paradise Lost, Samael, Ghost Brigade

19.11.09, Hannover – Capitol

Eigentlich hatte ich mich schon auf die Tatort-Wiederholung im Dritten gefreut, doch wenn Thorsten dazu aufruft, sich eine der stilprägenden Bands der 90er Jahre anzusehen, sagt man auch nicht nein. Und die Musik der Engländer passt dann auch irgendwie besser zu einem regnerischen Novemberabend, als die heiteren Brockmöller und Stöver.
Warum Samael als Vorband nicht mal auf der offiziellen Capitol-Homepage angekündigt waren, entzieht sich meiner Kenntnis. Auf jeden Fall standen die Schweizer schon auf der Bühne, als wir das passabel gefüllte, aber bei weitem nicht ausverkaufte Capitol betraten. Der Sound war ganz gut und die stimmungsvolle Lightshow wurde von passenden Videoanimationen unterstützt. Auch Vorph weiß nach wie vor, mit bösartiger Stimmlage zu punkten. Ihren musikalischen Höhepunkt hat die Band meiner Meinung nach jedoch nach „Eternal“ hinter sich gelassen. Umso schöner, dass mit „Into The Pentagram“ und „Ceremony Of Opposites“ auch etwas tiefer in die Trickkiste gegriffen wurde. So waren Samael ein durchaus würdiger Anheizer.
Bei Paradise Lost fiel dann auf, dass die Band durch ihre poppigen Ausflüge Anfang des Jahrtausends doch einige alte Fans vergrault zu haben scheint. Wenigstens ist die Band wieder auf dem Wege der Besserung und ihr neues Album „Faith Divides Us…Death Unites Us“ wenn auch nicht großartig, so zumindest doch wieder gut hörbar. Los ging es dann auch mit dem neuen „Rise Of Denial“. Doch was war mit Nick Holmes los? Sein Gesang war ohnehin nicht unbedingt in den Vordergrund gemischt. Außerdem hätte ich mit verbundenen Augen gedacht, die Band hätte den Sängerposten umbesetzt. Seine Stimme kam anfangs leider nicht annähernd an die Ausdruckskraft heran, die Alben wie „Shades Of God“ oder „Icon“ zu absoluten Klassikern werden ließen. So konnte man das folgende großartige „Pity The Sadness“ auch nur teilweise genießen. „As I Die“ kam dann überraschenderweise schon an fünfter Stelle des Sets. Erstmals wirklich nach Nick Holmes hörte sich der Gute dann beim „Draconian Times“ Opener „Enchantment“ an. Leider war auch die Songauswahl nur teilweise gelungen. Warum lässt man „Icon“ komplett außer Acht und spielt stattdessen Überflüssigkeiten wie „One Second“. Eine weitere Alternative wäre sicherlich, die Spielzeit einfach mal um 20 Minuten zu verlängern. Insgesamt 75 Minuten sind für eine Band mit dieser Diskografie und dieser Größe einfach nur unwürdig. „The Last Time“ und „Say Just Words“ im Zugabenblock sorgten dann noch einmal für Stimmung im Publikum.
Doch letztlich bleibt ein Fazit, dass für Paradise Lost mittlerweile nicht nur auf Platte, sondern auch Live zu gelten scheint: Ganz nett und gut hörbar, aber die großen Zeiten sind unwiderruflich vorbei....Eric

The Levellers, Sonic Boom Six (SB6)

13.11.2009 Musikzentrum Hannover





Zwei Bands haben den langen Weg von England nach Hannover auf sich genommen, um am Freitag den 13. diejenigen Massen zu bewegen, die nicht abergläubig waren und sich vor die Tür getraut haben. Gut, zugegeben, so weit war der Weg dann doch nicht. Die beiden Combos, The Levellers und SB6, mussten nur von Frankfurt aus anreisen, weil sie es sich zum Ziel gemachten hatten, während des Novembers in der ein oder anderen europäischen Stadt laute Musik zu machen. In Hannover wollten sich den Beiden eigentlich die Mr Irish Bastards anschließen. Der Auftritt wurde jedoch aus organisatorischen Gründen leider kurzfristig gecancelt.

Sonic Boom Six (SB6) steht für Punk, Ska, Reggae und Hip Hop. Der Aufstieg aus dem Manchester Punk-Underground ist der ausgesprochen flippigen Frontfrau nebst vier nicht weniger punkigen Jungs wahrlich gelungen. 2002 traten SB6 mit ihrem ersten self released Album in Erscheinung. Seitdem folgten mehrere EPs und Alben, u. a. „The Ruff Guide to Genre-Terrorism“ (2006), „Arcade Perfect“ (2007) und „City of Thieves“ (2009). Dabei werden sozialkritische Kommentare ganz elegant in Elemente aus Punk, Ska, Reggae und Hip Hop verpackt. Einen hohen Wiedererkennungswert haben skalastige Songs wie „Sound of a Revolution“ vom 2007er Album oder „Piggy in the Middle“. Allerdings infizierten nicht nur die überzeugende Rhythmen, sondern auch eine starke Bühnenpräsenz der Sängerin: Sie sprang, boxte und sang mit einer Leichtigkeit, die mich staunen ließ. Gefallen hat mir ebenfalls der quirlige Gesang, der irgendwie auch gut zu einem japanischen Manga gepasst hätte.

Bunt, rockig und voll wurde es, als die 7-köpfige Besatzung von The Levellers die Bühne betraten. Als alte Hasen könnte man die Jungs durchaus bezeichnen, schließlich kam bereits 1989 ihre erste EP „Carry Me“ mit den populären Songs „Carry Me“ und „England my Home“ auf den Markt. Darauf folgten bis heute mehr als 10 Alben, etliche Singleveröffentlichungen und DVDs. Mit ihrer jüngsten CD „Letters from the Underground“ scheint sich die Band wieder etwas stärker auf die musikalischen Wurzeln ihrer Anfangszeit zu besinnen: Ein folk-rockiger Sound, schnelle Beats, einfach ein gelungener Mix aus folk, punk und rock.
Auch wenn The Levellers in der Musikbranche ganz sicher alte Hasen sind, zeigten sie sich auf der Bühne ganz und gar nicht alt. Sie waren jung, spritzig und äußerst motiviert. Die Playlist führte uns durch die gesamte Musikvergangenheit der Band. Mit „The Cholera Well“ und „Before the End“ fuhren sie Highlights der jüngsten Platte auf. Mit Songs wie „What a beautiful Day“ wurden Fans der mittleren und mit Liedern wie „Julie“ oder „One Way“ die der frühen Zeiten bedient. Spektakulär war natürlich auch der Auftritt von Stephen Boakes: Entsprechend geschminkt und durch Schwarzlicht in Szene gesetzt, gab er seine Didjerido-Fähigkeiten beeindruckend zum Besten.




Dem Publikum im gut gefüllten Musikzentrum schienen Songauswahl und Auftritt auf jeden Fall zu gefallen. Jedenfalls war kaum jemand zu beobachten, der nicht wenigsten mit Fuß oder Kopf zum Takt wippte. Mir persönlich haben die schnelleren folk-rock Stücke mit Fiddle am besten gefallen. Aber ich versteh natürlich auch, dass einige der gesellschaftskritischen Texte besser in langsamen Klängen verpackt sind.
Obwohl die Mischung der doch recht unterschiedlichen Musikrichtungen von SB6 und The Levellers vielleicht für den ein oder anderen etwas gewöhnungsbedürftig war, kann ich mich nur positiv über diesen Freitagabend äußern. Wiedersehen mit beiden Bands macht sicher Freude. [Tanja Zwingelberg]

Amorphis, Before The Dawn, Amoral

15.10.2009 Musikzentrum Hannover

Hoch aus dem Norden kommen die Bands, die man sehen und fühlen muss. Dieses Mal im komplett ausverkauften Musikzentrum in Hannover (500 Metaller)standen die Finnen Amorphis, Before The Dawn und Amoral auf der Bühne. Amoral haben seit einiger Zeit Ihren Frontmann gegen den finnischen Superstar Gewinner Ari ausgetauscht und auch gleich einen Plattenvertrag abgestaubt. Amoral klingen jetzt ausgereifter und professioneller als zuvor und der junge Mann machte sein Job ganz gut, leider hat er in seiner T-Shirt Auswahl einen Griff ins Klo gemacht, aber das wollen wir hier nicht noch breittreten. Der Basser entschuldigte sich nach dem Konzert bei uns.

BEFORE THE DAWN



Den ersten Höhepunkt brachten uns Before The Dawn, die auch auf CD einer meiner Lieblinge sind. Hits wie "My Darkness", "Dying Sun", "Deadsong", "Exile" oder das nur zur Hälfte gespielte "My Room" kamen trotz schlechtem Sound auf der Bühne super rüber. Der Sänger Tuomas Saukkonen hat mit BTD ein Soloprojekt geschaffen, welches bisher in diesem Umfang nicht ein zweites mal auf CD gebannt wurde. Seit 2003 bringt der Mastermind eine Scheibe nach der anderen raus und schafft es auch noch sein zweit Projekt Black Sun Aeon aufrecht zu halten. Sehr sympathischer Mann dieser Tuomas!

Marcel und Tuomas von BFD



Das Publikum machte schon bei den Vorgruppen gut mit, aber was für eine Stimmung bei Amorphis war, ist für Hannover Verhältnisse kaum zu glauben. Amorphis haben Live bisher einen schlechten Ruf gehabt, dass änderte sich aber mit diesem Auftritt. Der Opener "Silver Bride" fing gleich gut an, Sound und Licht stimmten und der Frontmann Tomi ist der erste Mensch den ich sehe, der längere Haare hat als "Beach". RESPEKT !!! Hits wie "Skyforger", "The Smoke", "Majestic Beast“ und später

AMORPHIS



„Alone“, „Silent Waters“ oder „Against Widows durften nicht fehlen und das Publikum grölte und klatschte sich in Rasche. Die Stimmung war echt unglaublich und Amorphis hatten Ihren Spass auf der Bühne. Mit glaube ich 4 Zugaben incl. "Black Winter Day" war der Abend perfekt und sollte so schnell es geht wiederholt werden.

AMORPHIS



http://www.amoralweb.com
http://www.beforethedawn.com
http://www.amorphis.net

............Marcel

Keith Caputo, Der Schulz

4.9.2009 Sumpfblume Hameln

Daniel Schulz, alias Der Schulz, plus Gitarrist „Dr. Hagen“ und Allrounder/Bassist/Percussionist „Fritzi“ hatten am Support von Keith Caputo sichtlich ihren Spaß. Drei Tage vorm Konzert angefragt, zögerte der Singer/Songwriter Der Schulz samt musikalischer Unterstützung nicht lange dem Gig zuzusagen. Und es war meiner Meinung nach nicht der schlechteste Support. Mir war der in Hannover und Berlin lebende Sänger zwar vorher gänzlich unbekannt, überzeugte mich aber dennoch mit seinem publikumsnahen, sympathischen Auftreten und den eingängigen Melodien seiner Stücke. Einerseits regte Der Schulz mit seinen sozialkritischen Texten zum Nachdenken an, andererseits aber leitete er mit seinen sanften bis rockigen Songs einen unbeschwerten Abend ein. Im Übrigen ist Der Schulz auf nationaler Bühne durchaus kein Unbekannter: Nein, ganz im Gegenteil, Der Schulz spielte bereits auf den großen Festivalbühnen dieser Welt, u.a. auf dem Hurricane, dem Southside, dem Highfield, dem Taubertal und dem M’era Luna. Im April wurde Der Schulz auf www.stern.de/starsvonmorgen zum Künstler des Monats gewählt. Mir persönlich hat „Bin nicht mehr hier“ am besten gefallen, aber auch Songs wie „Die wahren Asis“ und „Ramona“ wurden während des 45-minütigen Auftritts durchaus eindringlich zelebriert.

Aber der eigentliche Grund für die Zusammenkunft in der inzwischen doch ganz gut gefüllten Sumpfblume in Hameln war natürlich der Auftritt des (ehemalige) Frontmanns von „Life of Agony“, Keith Caputo, der noch vor kurzem mit LoA auf Tour war, gegenwärtig aber als Solomusiker unterwegs ist. Als sich kurz nach 22 Uhr der Vorhang öffnete, wirkte der doch etwas skurril anmutende Keith Caputo, zerbrechlich, scheu, ja sogar etwas verängstigt. Tatsächlich schien er sich auch während der ersten Songs hinter seinen Armen und den inzwischen wieder lang gewachsenen Haaren verstecken zu wollen. Paradox war, dass Caputo, in sich gekehrt wie er schien, in seiner Musik völlig aufging. Vom ersten Moment an war er in seinen Liedern absolut präsent. Unfassbar, was für eine fast magische, kraftvolle Stimme und Emotionalität in diesem Wesen steckt! Nach einigen Stücken legte der Sänger seine Medienscheu dann auch ab und wandte sich ans Publikum. Im Gegensatz zu vielen anderen Bands verzichtete Caputo auf politische Statements. Stattdessen rief er dazu auf (ganz entgegen unserer gesellschaftlichen Sozialisierung), sich gehen zu lassen, zu tanzen, den Moment zu genießen und ganz bei sich und ihm zu sein. In solchen Momenten schien es mir, als würde Caputo einige Jahrzehnte zu spät auf dieser Welt verweilen. Sicher wäre er in den 70ern zwischen The Doors u.ä. gut aufgehoben gewesen.
Die Playlist war absolut gelungen: Neben Life of Agony-Stücken (z.B. „Angry Tree“) und einem Alice in Chains Coverstück sprang der Funke besonders bei den Songs der „Died Laughing“-Platte über. Auf Vollständigkeit verzichtend seien hier nur „New York City“, „Brandy Duval“ und „Razzberry Mockery“ genannt. Absoluter Höhepunkt für mich war die etwa 10-minütige Darbietung von „Nothing to Lose“ vom schwermütigen „A Fondness For Hometown Scars“-Album. Von Klang und Licht perfekt in Szene gesetzt, schienen Caputo, Band und Publikum Raum und Zeit zu vergessen. Ich möchte dazu sagen, dass man sich das Konzert sicher auf zwei verschiedene Weisen hat ansehen können: Einerseits als einfacher, außenstehender Zuhörer/Zuschauer. Selbst in diesem Fall erlebte man wohl ein nicht ganz unbeachtliches, z. T. melancholisch-psychedelisches Rock ‘n‘ Roll-Konzert. Wenn man sich aber in seinem Herzen berühren ließ, spürte man jedes einzelne Wort, jeden Ton und jede Emotion. In diesem Fall konnte man tatsächlich gänzlich im Moment versinken. Glück für jedermann, der so Musik erleben darf und kann! Außerordentliches großes Pech für jeden, der dazu nicht in der Lage ist.
Die markante Stimme des Sängers und die absolut ehrliche und authentische musikalische Darbietung der gesamten Combo machten den Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis. Wer sich übrigens auf einen besinnlichen, sanften und kuschligen Auftritt eingestellt hatte, wurde wohl enttäuscht, schließlich kamen die in der Albumversion oft düster und langsam anmutenden Stücke mehrheitlich wesentlich energiegeladener rüber. Alles in allem war der Abend sensationell. Ein großes Lob auch an die Sumpfblume: Klang und Licht hätten kaum besser sein können. Ich kann einem jeden einen Keith Caputo Liveauftritt nur wärmstens empfehlen! Mir war es eine große Ehre dabei sein zu dürfen. Also, ganz im Sinne Caputos: „Enjoy yourself“, „Enjoy the moment“. Tanja Zwingelberg


Christina Stürmer
Herbstrock

05.05.09 im Hannover, Capitol

Gegen 20:00 Uhr, Capitol Hannover: Wir schauen uns um und warten bei einer Cola mit Zucker und Koffein auf Christina Stürmer, als wir plötzlich von der charismatischen Frontfrau der Vorgruppe Herbstrock in den Bann gezogen werden. Die junge, österreichische Band singt und spielt sich mit energetischen, deutschsprachigen Rocknummern, die mal fordernd, mal sphärisch daherkommen, in unsere und die Herzen der Christina Stürmer Fans und machen dadurch auch schon diesen Teil des Abends zu einem wahren Erlebnis. Deshalb mutet es fast ein wenig traurig an, als sie nach ungefähr 45 Minuten unter lautstarkem Beifall des Publikums verabschiedet werden. Getröstet wurde man aber durch die Möglichkeit, ihre gerade fertiggestellte, zweite CD „Die bessere Hälfte“ erstehen zu können, die in Deutschland erst am 12.06 erscheint und die man sich am Ende des Konzerts von den vier netten, sympathischen Bandmitgliedern Anna Müller (Gesang), Sebastian Vogt (Schlagzeug), Mathias „Duff“ Dajeff (Bass) und Paul Wallner (Gitarre) signieren lassen konnte. Übrigens eine überaus hörenswerte Investition! Mehr Infos unter www.herbstrock.at (KL) Als schließlich Christina Stürmer und Band die Bühne des gut gefüllten Capitols betraten, wurde schnell klar, dass die ehemalige Casting-Show Teilnehmerin in den letzten 6 Jahren viel Bühnenerfahrung sammeln konnte. Wie der berühmte Duracell-Hase zog sie das Publikum sofort mit dem Uptempo Titelsong des aktuellen Albums „In dieser Stadt“ in den Bann. Neben dem klaren und druckvollen Sound, beeindruckte vor allem die Lichtshow, die von großen LED Wänden dominiert wurde. Die Österreicher hatten sich augenscheinlich zum Ziel gesetzt, möglichst viele Songs auf das ausgehungerte Publikum loszulassen, so dass die kurze aber freundliche Begrüßung erst nach einigen Warmwerdnummern ins Programm passte. Die bodenständige Oberösterreicherin mit dem „hübschen Frechdachsgesicht“ (Zitat) wirkte von der ersten Sekunde an sympathisch und die gesamte Combo strahlte Spielfreude pur aus. Mittlerweile finden sich auch mehr als genug Hits im Gepäck der 26-jährigen und neben „Ich lebe“, „Bus durch London“, „Nie genug“, „Schwarz-Weiß“ oder „Sommertag“ gab es natürlich auch genug Zeit für ruhige, nachdenkliche Augenblicke, z.B. beim sehr persönlich wirkenden „Mehr als perfekt“ oder der 3. Singleauskopplung Stürmers „Mama (Ana Ahabak)“, in der es um Kinder in einem Krieg geht. Doch auch das neue Album wurde mit „Reiß das Radio auf“, „Ist mir egal“ oder „Im Kreis“ gebührend gewürdigt. Den Abschluss eines gelungenen Deutschrockkonzertes bildete schließlich traditionsbewusst, wie man es aus der Donau-Monarchie kennt, „Engel fliegen einsam“. Abschließend darf man wohl sagen, dass wir einen Abend erlebten, den wir ohne große Erwartungen und doch mit neugieriger Spannung erwartet hatten und an dem sowohl Anheizer als auch Hauptact positiv überzeugen konnten. Kleiner Wehmutstropfen: „Lieb Sie dich so wie ich“ fehlte leider im Programm – vielleicht schleicht sich der Spitzensong ja bis Braunschweig noch in die Playliste. (28.05. im Jolly Joker) (TZ)

 

FULL OF HATE FESTIVAL

25.03.2009 im Captiol Hannover

LEGION OF THE DAMNED

Nachdem wir nach einer Speedomat-Terror Beach Fahrt von Alfeld nach Hildesheim angekommen waren und über Baustellen beim Capitol eintrafen, war es 19 Uhr. Am Eingang gab es vom einem NB Kollegen einen Legion of the Damned Best of Sampler mit Videos in die Hand, was den Eintrittspreis von über 40 Euro für manche wieder ein kleines bisschen weg machen dürfte.

Normalerweise würde jetzt Keep of Kalessin spielen, aber irgendwie hörte ich das Intro von Legion of the Damned.? Super, Keep of Kalessin hatten schon 40 Minuten vorher angefangen, was für eine super Organisation!!!

Nach dem geilen Intro von Legion of the Damned ging es auch gleich mit Druckvollem Sound und peitschenden Gitarrenriffs los. Die Niederländer hatten im Gegensatz zu einer anderen Band an diesem Abend den besseren Sound und mehr Spielfreunde.

LOTD versuchten ab und zu das Publikum mit einzubeziehen, was leider nicht immer gelang. Die Thrasher spielten u.a. Ihre schon fast legendären Songs "Legion of the Damned", "Malevolent Rapture", den obergeilen Track "Sons of the jackal" und "Feel the lade". Insgesamt ein guter Anheizer für die Machtgewalt Obituary? (Hübi)




OBITUARY

Zugegeben, Legion of the Damned hatten durchaus dazu beigetragen, dass meine eingefrorenen Körperteile (man hatte mich 35 Minuten vor dem Eingang warten lassen) wieder etwas aufgetaut waren. Die Jungs hatten mächtig Druck auf den Boxen! Eben dies war es dann auch, was ich mir von den Death Metal Abrissbirnen von Obituary ebenfalls versprochen hatte.
Zunächst kam ein armer Irrer ohne Haar auf die Bühne und veranlasste das Publikum zunächst zu verdutzten Blicken. Zwar weiß ich bislang nicht, wo dieser arme Irre herkam, aber es schien irgendeine Art von komisch veranlagtem Anheizer zu sein. Seine Mission: die Aggressionen durch Beleidigungen zum Sieden zu bringen. Dies wurde dann mit zunächst leeren, dann auch vollen Bierbechern honoriert. Ich fand das panische Gesicht des Obituary Roadies am lustigsten, als dieser im Kopf die kosten für durch Bier zermahlene Backlinies kalkulierte!


Als die Jungs aus Florida dann die Bühne betraten, musste man sich zunächst an die Bartmode von Gitarrist Trevor Peres, der seinen Marshall mit der Confederate Battleflag abgedeckt hatte, und Drummer Donald Tardy, der wie der übelste Redneck aussah, gewöhnen. Gewohnt dumpf donnerte Peres’ seine Riffs durch die Boxen – der Gitarrensound von „Aushilfssechssaiter“ Ralph Santolla (u.a.Deicide, Death, Iced Earth) kann die Riffgewitter von Schnapsdrossel West nicht ersetzen – über dessen Verbleib konnte ich allerdings so schnell nichts herausfinden. Sitz wohl noch im Knast. Während die Floridaianer also ihre zentnerschweren Riffs über die Meute rollen ließen, fing ein selbsternannte Musikkenner unserer Redaktion (der bei den Buchstaben ACDC sofort in orgastische Schreie verfällt und bei jeder anderen Band die Monotonie der Songs bemängelt) natürlich sofort über fehlende Spielfreude und Songauswahl an zu mosern. Die beiden Damen unserer Redaktion, Sarah und Hübi, taten sich durch einen Haufen unqualifizierter Bemerkungen hervor und schnell wurde wieder klar: mit Musik kennen sich nur Beach und ich aus!

Doch auch ich bin ja – und das wird oft durch die Ignoranz meiner Kolleginnen unterschlagen – durchaus kritisch. So muss man sagen, dass die Herren „20 Years of Death Metal from Florida“ tatsächlich nicht ihre stärkste Show gespielt haben. Woran lag es? Der Sound hatte viel weniger Druck als noch bei Legion of the Damned. Und zu leise war es auch. So hatte man weniger das Gefühl eine Abrissbirne an den Kopf zu bekommen, als vielmehr nur den Abriss einer Gartenlaube im Fernsehen zu verfolgen. Auch die Songauswahl war nicht meine Wunschplaylist und man hatte bis zum genialen „The End Complete“ eher das Gefühl, dass sich die Herren noch warmlaufen müssten. Das Set litt aber insgesamt an zu wenigen Highlights: „Cause of Death“, „Slowly We Rot“, „Threatening Skies“. Dabei hat man doch so viel mehr im Petto. Insgesamt wurde zu viel Wert auf langsame Stücke gelegt, was – man höre und staune – etwas Tempo aus der Vorstellung nahm. Nichtsdestotrotz waren Obituary die wahren Headliner des Abends, wie ausgesuchte Szenekenner im Fachgespräch noch vor Ort bestätigten. Hätten sie die Lichtshow und den Sound der Skandinavier gehabt, hätte es gestern ein Death Metal Massaker erster Güte gegeben.

Noch eine Bemerkung zu Modefragen, die von den vorwiegend metrosexuellen Herrschaften unserer kleinen Expertentruppe diskutiert wurden: Tardy und Peres zeigten, dass man im Frühjahr durchaus auch eine kurze Militärhose tragen kann. In der Regel muss man ja nicht 35 (!!!) Minuten in der Kälte auf die Weggefährten warten.
Wie auch immer: Obituary räumten das Feld und nun wurde es Zeit, dass auch die Mädchen im Publikum auf ihre Kosten kamen: Amon Amarth standen auf dem Programm! (TZ)



AMON AMARTH

Nach den einigermaßen überzeugenden Legion Of The Damned und den zumindest teilweise hüftsteif wirkenden Obituary, war es dann Zeit für den wirklichen Headliner des Abends (nicht wahr, Beach und Thorsten?).


Und dass Amon Amarth diese Position völlig zu Recht bekleideten, wurde in den folgenden 75 Minuten mehr als deutlich. Los ging es mit „Twilight Of The Thunder God“ und „Free Will Sacrifice“ vom neuen Album, gefolgt von „Asator“ vom letzten Geniestreich. Die ganze Band wirkte einfach spielfreudiger als vorher noch Obituary. Johann lies es sich nicht nehmen, immer wieder das Publikum anzufeuern und auch die Gitarristen brachten sich immer wieder in Position um ihre mächtigen Riffs in die Menge zu feuern.

Die Setlist war ausgewogen und bot die Highlights nahezu aller Phasen, wie „Fate Of Norns“, „Death in Fire“, „Ride For Vengeance“ oder „Hermonds Ride To Hel“ (könnte mit anderem Gesang auch von Manowar stammen). Das Publikum im nicht komplett gefüllten Capitol (sicher ein Ergebnis des happigen Eintrittspreises von über 40 Euronen) ging jedenfalls einigermaßen steil. Die Security erwies sich jedoch als weniger humorlos. Ein übereifriger Journalist (Name ist der Redaktion bekannt), der in früheren (noch nicht verheirateten) Tagen mit seinem Objektiv eher auf der Suche nach leicht beschürzten Schönheiten war, wurde gar beim Versuch die Band zu filmen, beinahe aus der Halle verwiesen. Amon Amarth ließen sich davon natürlich nicht beeindrucken und beendeten den regulären Set mit dem obligatorischen „Victorious March“.

Als Zugaben gab es dann noch „Cry Of The Black Birds“ und „Pursuit Of Viking“ und jede Menge zufriedener Gesichter (natürlich nicht von unserer Altherren-Obituary-Front). Insgesamt ein toller Abend, der den Eintrittspreis jedoch nicht ganz rechtfertigte. (Eric)

 

AC/DC, The Answer


11.03.09, AWD Dome Bremen

Nachdem Papa und ich uns durch den innerstädtischen Bremer Stau gekämpft hatten (so ist das eben, wenn man aus der Weltmetropole Hannover in die Provinz fährt…), stellten wir fest, dass die größte Band aller Zeiten gleich mit “Traummelodien” auf den Parkhinweisschildern angekündigt wurden. Eine Radiomeldung klärte dann allerdings darüber auf, dass in einer Halle direkt nebenan ein Schlagerevent stattfinden sollte. Verlaufen war daher also verboten!

In der natürlich restlos ausverkauften Halle (ca. 13000 Besucher) herrschte dann wohlige Enge und vor allem die Situation auf den Örtlichkeiten ist mit „unbefriedigend“ noch wohlwollend umschrieben. Naja, man war ja nicht zum Dauerpinkeln, sondern zum Rocken gekommen. The Answer aus Belfast fingen damit gegen 20 Uhr an und konnten durchaus den ein oder anderen Höflichkeitsapplaus verbuchen, was bei AC/DC-Vorbands alles andere als eine Selbstverständlichkeit ist (man denke nur an den unsäglichen Buddy Guy auf der letzten Open Air Tour). Vor allem Songs des neuen Albums „Everyday Demons“ wie zum Beispiel „On And On“ ließen auch meinen Fuß hier und da mitwippen. Nach einer guten halben Stunde war man dann auch gut angeheizt für das, was da folgen sollte.
Und es folgte natürlich so einiges! Kurz nach 21 Uhr ging das Licht aus und ein animierter Zeichentrickfilm mit einem Zug lief über die Videowand. Dann knallte und explodierte es, die Videowand schob sich auseinander und zu den ersten Takten von „Rock’n’Roll Train“ schob sich selbige (übrigens über 10 Tonnen schwere Konstruktion) in die Bühnenmitte hinter Phil Rudds Schlagzeug. Der aufkommende Jubel im Publikum war anfangs lauter als die Band. Ekstase pur! Nach dem Opener begrüßte Brian erst mal das Publikum und kündigte mit „Hell Ain’t A Bad Place To Be“ gleich den ersten Klassiker des Abends an, der gleich vom nächsten Knaller „Back In Black“ gefolgt wurde. Mit dem tollen „Big Jack“ gab es dann schon den zweiten Song vom neuen Album bevor man mit dem mitgröhlkompatiblen und daher besonders live geeigneten „Dirty Deeds Done Dirt Cheap“ wieder tief in die Trickkiste griff. Endgültig in den Rock’n’Roll-Himmel beförderte mich dann mein persönlicher AC/DC-Favorit „Shot Down In Flames“ – einfach nur geil! Zu „Thunderstruck“ tobte natürlich dann die ganze Halle, da dieses Stück auch den allerjüngsten Fans ein Begriff ist. Bei „Black Ice“ war danach kurzes verschnaufen angesagt, was bei der glutartigen Hitze in der Halle auch bitter nötig war. Angus hatte dann auch genug geschwitzt und legte diesmal zu „The Jack“ statt zu „Bad Boy Boogie“ ab. Als sich anschließend die Glocke von der Decke herabsenkte und Brian den Glöckner mimte, war natürlich klar, was die Stunde geschlagen hatte. „Hells Bells“ ist neben dem finalen „For Those About To Rock“ und „Highway To Hell“ sicherlich einer der Songs, den die Band bis zu ihrem Lebensende jeden Abend spielen muss. Mit „Shoot To Thrill“ folgte darauf dann auch gleich der nächste „Back In Black“ und Live-Evergreen. Mutig war danach das „Black Ice“-Doppelpack „War Machine“ und „Anything Goes“, wobei live beide Songs echte Geberqualitäten demonstrierten. Zu „War Machine“ gab es wieder lustige Videoanimationen, bei denen Pilot Angus die Erde mit Gitarren (natürlich Gibson SGs) „bombardierte“. Danach kamen dann nur noch Klassiker (sogar für AC/DC-Verhältnisse): „You Shook Me All Night Long“, „T.N.T.“ mit jeder Menge Feuer auf der Bühne und „Whole Lotta Rosie“, bei dem Rosie auf der Rock’n’Roll Train ritt und mit dem Fuß mitstampfte. Die für Radio Bremen 4 berichtende Trulla meinte anschließend in der Berichterstattung: „Da saß dann irgend so eine Frau mit unheimlich großen Brüsten auf dem Zug.“. Ein Skandal, dass man Rosie auf ihre alten Tage mit „irgend eine Frau“ tituliert! Etwas mehr Respekt bitte! Beim abschließenden „Let There Be Rock“ verausgabte sich vor allem Angus natürlich wieder völlig, bevor die Band das erste Mal die Bühne verließ. Nach einigen Minuten Zugabe-Rufen tat sich dann in der Bühnenmitte ein Loch mit rotem Nebel auf und Angus wurde quasi direkt aus der Hölle auf die Bühne gespuckt. Besser kann man „Highway To Hell“ wohl kaum visualisieren. Auffallend dabei auch immer wieder, dass diese Band in der Lage ist, Welthits im Dutzend scheinbar im Vorbeigehen zu produzieren. Schade, dass nach knapp 2 Stunden und „For Those About To Rock“ (selbstverständlich inklusive Kanonen) alles schon wieder vorbei war.
Da ich nun diese Zeilen schreibe und „Black Ice“ im CD-Spieler läuft, habe ich schon wieder dieses zufriedene Grinsen im Gesicht. Es bleibt auf jeden Fall das Gefühl, einen phantastischen Abend verlebt zu haben, der jeden Cent des üppigen Eintrittspreises wert war. Hoffentlich schafft es diese Band, den Alterungsprozess noch einige Jahre (Jahrzehnte?) nach hinten zu verschieben und uns noch lange mit genialer Musik und spektakulären Liveshows zu verzücken! Eric Ossowski

 

No Use For A Name, Only Crime

20.01.09 Hannover, Faust

Als wir um kurz vor neun (also noch vor dem angekündigten Beginn) in der Halle ankommen, hat die erste Band schon gespielt und der Umbau für Only Crime ist schon im vollen Gang. Das Faust ist heute sehr beachtlich gefüllt. Auffällig ist die Tatsache, dass wenige der Zuschauer unter 20, dafür ein Großteil bereits so um die 30 Jahre alt sein dürfte. Vielen dürfte es so gehen wie mir, dass dieser typische California-Punk einen einfach mal 10 Jahre zurückversetzt. Only Crime kann man sicher nicht als reine Newcomer bezeichnen, haben sie doch ehemalige Mitglieder von arrivierten Bands wie Good Riddance oder Black Flag in ihren Reihen. Dementsprechend routiniert spielen sie auch ihren gut halbstündigen Set herunter. Der Sänger bewegt sich zwar viel und versprüht einiges an Energie, wirkt auf mich zumindest aber irgendwie unsympathisch. In Zeiten, in denen sogar Black Metaller sich zu einem Lächeln hinreißen lassen, sollte dies doch auch hier möglich sein. Außerdem fand ich die Musik auf Dauer etwas eintönig. Viele der Anwesenden schienen jedoch recht angetan. No Use For A Name waren dann meiner Meinung nach ein anderes Kaliber. Ihre Songs sind doch wesentlich abwechslungsreicher gehalten, auch wenn man zum Beispiel auf die Akustiksachen verzichtet (wie ich finde zum Glück). Und auch wenn die Texte auf dem neuen Album nicht immer positiv sind, versprühen NUFAN bei ihrem Auftritt vor allem gute Laune. Das kalte Wetter draußen ist auf jeden Fall nicht nur wegen der mittlerweile saunaähnlichen Temperaturen in der Faust vergessen. Band und Publikum scheinen an dem Auftritt gleichermaßen Spaß zu haben, was diverse Stagediver und eine Gesamtspielzeit von ca. 90 Minuten beweisen. Natürlich hat die Band auch genügend Platten an den Start gebracht, um aus einem reichhaltigen Fundus zu schöpfen. Und auch, wenn ich zum Beispiel Bad Religion im direkten Vergleich für etwas stärker halte, kann man nur von einem gelungenen Konzertabend sprechen.
Eric

Fiddler's Green

16.01.09, Göttingen, Musa

Göttingen - Stadt der Gelehrten und der Wissenschaften. Wo sonst könnte man besser Feldstudien zum Tanzverhalten der Großstädter durchführen, als hier. Und es gab viel zu sehen: den schottischen Quickstep, der irische Merengue oder der seit Woodstock etablierte Zappeltanz! Doch am Anfang jeder Forschungsarbeit steht die Arbeitsthese: Wie kommt es zu den anhaltenden Zappelbewegungen der Anwesenden? Eine Erklärung wäre, dass die Fußbodenheizung zu hoch aufgedreht war. Oder die für gewöhnlich politisch überkorrekten Göttinger Studenten wollten auf die unhaltbare Situation des russischen Tanzbären aufmerksam machen. Die dritte Möglichkeit wäre, dass die Erlanger Fiddler's Green in der Stadt gewesen sind.
Vielleicht spielten alle Möglichkeiten eine Rolle. Sichtbar war jedoch vor allem der Zusammenhang zur dritten These. Mit dem "Sports Day" Intro der aktuellen Scheibe "Sports Day At Killaloe" wurde die Show in Göttingen eröffnet und sofort setzte sich der Mob vor der Bühne in Bewegung und hatte bald schon den Rest der Halle ergriffen.
Die zweite Tour und das zweite Album nach Peter P. zeigte in erstaunlicher Weise, dass Gitarrist Patrick keinesfalls der "Neue" ist - im Gegenteil, er übernimmt mehr und mehr den Posten des Frontmanns: er übernimmt viele Ansagen, heizt dem Publikum ein, singt Songs und steht über weite Strecken der Show im Mittelpunkt der Show. Doch das Konzept geht auf. Die Fiddler's wirkten frischer und spielfreudiger denn je und die Göttinger dankten es ihnen. Der Saal kochte wesentlich schneller, als ich es je in Hannover erlebt habe.
Die Erlanger konzentrierten sich bei ihrem Programm vor allem auf die beiden letzten Alben: "Sporting Day", "This Old Man", "Empty Pockets, Empty Fridge", "Life Full of Pain", "Bottom of our Glass", aber auch "Irish Air, "Folk's Not Dead", "The Night Pat Murphy Died", "Rollin'" "Marie's Wedding", Captain Song" und "Shamrock Tunes". Es blieben wenig Wünsche offen. Zu "Halts Maul und Tanz" wurde traditionell das Publikum nach Backgroundtänzern abgesucht - was sich etwas schwierig gestaltete und nur durch das Verschenken des passenden T-Shirts gelöst werden konnte. Aber auch das Crowdsurfen zwecks Bierbeschaffung für den Folk Raider und Patrick sorgte für gute Stimmung im Saal. Und man durfte sogar eine Polonaise beobachten!
Und endlich durfte ich auch mal "Blarney Roses" live genießen - auf den letzten Touren wurde dieser Song nicht gespielt. Und in meinem Review zur neuen Scheibe habe ich ja auf die Liveshow der Band verwiesen und man darf sagen, dass z.B. ein Song wie "Change", der mich als Studioversion nicht begeistert, live durchaus seine Qualitäten hatte.
Nun mögen viele Leute sagen, dass ihnen die Vergangenheit der Fiddler etwas zu kurz kam, doch ich meine, dass die Jungs eine der besten Playlisten der letzten Jahre ausgewählt hatten. Sicherlich fielen mir noch einige Songs ein, die ich auch gerne gehört hätte, doch muss man sagen, dass das Fehlen in diesem Fall dem Konzert keinen Abbruch tat. Die Fiddler waren in Höchstform und haben dieses Spiel sicherlich für sich entschieden!

Thorsten Zwingelberg

DAF Der 30-jährige Krieg - Als wär´s das letzte Mal

Capitol Hannover, 08.01.2009

Das Jahr begann gut für Fans der Herren Goerl und Delgado, kaum 6 Monate nach dem sommerlichen Festivalauftritt startete die reguläre Tour am Vortag in Berlin.

Schon gegen 20:00 Uhr wurde die Vorband der Vorband auf das noch spärlich vertretende Publikum losgelassen. Der örtliche Club DJ Surfin Williams präsentierte neben seiner einzigartigen Turmtolle ein Elektro-Noiseprojekt. Bis zum Auftritt der in Samt gekleideten Sängerin war's einfach Krach mit Gitarre und Soundeffekten, danach ein 1-Songauftritt einer Band, deren Konzept man vielleicht noch mal gründlich überarbeiten sollte.
Egal, hat doch nur kurz weh getan, denn mit der norddeutschen EBM Combo Tyske Ludder um Sänger Albert-X und Komponist Olaf A.R. wurde dann alles wieder gut. Kraftvolle Elektronik und die martialischen deutschen Vocals überzeugten von Beginn an, insbesondere "Khaled Aker" und die neue SCIENTific technOLOGY Produktion mit "Thetanen" sind live aufgrund der großzügigen Bilderflut die auf der Background-Leinwand ablaufen einfach noch kraftvoller. Insgesamt eine harte, schnelle Show, geprägt durch die kritischen Texte und den kompromisslosen Sound. Kein Wunder, dass die "deutschen Huren" bereits jetzt für das diesjährige Mera Luna gebucht sind, das Hangar Publikum wird sich ausgiebig bedanken.

Nach erfreulich kurzen Umbauarbeiten waren dann auch gleich Robert und Gabi auf der Bühne, um als Opener mit "Verschwende deine Jugend" gleich einen der bekanntesten Songs des 30jährigen DAF Krieges zu spielen. Das Publikum hat's wohl ähnlich gesehen und so wurde es dann schlagartig voll vor der Bühne des leider nicht ausverkauften Capitols. Diese war wie üblich frei von jeglicher Schmücke, die Maschinen liefen automatisch, Robert verdrosch sein Schlagzeug und Gabi forderte das willige Publikum auf ihm zu huldigen. Gespielt wurde ein klassisches Best Of Set, neben Hits wie " Der Mussolini", "Alle gegen Alle" und natürlich "Als wärs das letzte Mal" waren auch nicht so oft gehörte Stücke mit dabei: "Sex unter Wasser" und "El Que" rundeten die Werkschau angemessen ab, das live kaum wieder zu erkennende "Moschino, Heckler & Koch" hat mich zusätzlich positiv überrascht. Auch die technischen Probleme und die damit verbundenen Unterbrechungen konnte das zeitweise recht leise Hörvergnügen kaum mindern; und nach 3 artigen Zugaben inkl. " Der Räuber und der Prinz" und "Sato Sato" war der viel zu kurze Hannover-Feldzug leider ohne "Der Sheriff" und ohne "Ich bin Morgen wieder da" gegen 23:00 Uhr beendet.

War schön, die immer noch kompromisslose, vollelektronische Punkband zu erleben, die dem Minimalismus in Reinkultur frönt. Hoffentlich war's nicht wirklich das letzte mal.

Matze Riechardt

 

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Diverse Liveberichte u.a. Wacken 2006, PartySan 2006 usw.....