Jörmungand - Von Wind und Schatten

CD Reviews, Jörmungand - Von Wind und Schatten

Aus den tiefen Wäldern Kölns erreicht uns ein Lebenszeichen JÖRMUNGANDs. Nach 3 Jahren Pause, die mit dem zweiten Standbein Soulreaver überbrückt wurde, hat man sich nun entschlossen, den Erstling „Von Wind und Schatten“ unters geneigte Volk zu bringen.

Nach dem Intro beginnt „Jörmungands Erwachen“ mit Sabaton-ähnlichem Gesang. Der wird aber zum Glück schnell von ordentlichem Gekeife abgelöst. Beim Songwriting hat man sich viel Mühe gegeben, abwechslungsreich zu klingen. So wildert man auch beim folgenden Song bei Genre-Kollegen wie Turisas und Finntroll. Nicht nur wegen des deutschen Gesangs kommen einem auch bei den restlichen Stücken oft genug die Apokalyptischen Reiter oder Equilibrium in den Sinn. Das Band-Frühwerk „Rübezahl“ ist die bösere Antwort auf Korpiklaanis „Vodka“ und macht sich bestimmt gut als Rausschmeißer auf den üblichen Festivals.
Auch die anderen zehn Songs bieten alles, was man von modernem Folk Metal erwarten kann: Neben dem Standard-Metal-Aufgebot natürlich genretypische Instrumentalisierungen wie Flötensoli, viele Synthie-Einlagen und Gitarrenläufe die gesamte Tonleiter rauf und runter à la Ensiferum, aber alles schlüssig miteinander verwoben und gut produziert.

Das Instrumental „Nacht des Raben“ könnte auch auf dem gleichnamigen Gothic II-Addon-Soundtrack stehen. Ansonsten behandeln die Texte die üblichen nordischen Mythen, über komödiantische Ausflüge wie das Monty-Python-inspirierte „Der schwarze Ritter“ lässt sich streiten.
Die Midgardschlangen-Anhänger geben sich auch instrumentell keine Blöße, als Bonus hat die Band noch das 11-Minuten-Machwerk „Eis und Feuer“ (Game of Thrones irgendjemand?) auf die Scheibe gepackt, wo sie nochmal die gesamt Bandbreite ihres Könnens zeigen kann.
Insgesamt bietet die Platte ein gutes Songwriting, das vielleicht manchmal etwas zu sehr von dem Gedanken getrieben ist, möglichst abwechslungsreich zu sein. Unterstützt wird dieses durch die gute, klare Produktion, die Drums könnten etwas mehr Bums vertragen und die Synthies sind mir öfter mal zu dominant, aber insgesamt hat JÖRMUNGAND ein sehr gutes Debüt abgeliefert, dem man anmerkt, dass hier Profis am Werk sind.