Terror

Paradise Lost - Believe In Nothing (Remastered)

CD Reviews, Paradise Lost - Believe In Nothing (Remastered)

Was soll man da sagen, wenn selbst PARADISE LOST Mastermind Greg Mackintosh „Believe In Nothing“ wegen der hörbaren Kompromisse für das schlechteste PL-Album hält, auch wenn er einigen Songs durchaus Potenzial bescheinigt. (https://www.decibelmagazine.com/2017/09/01/rank-defile-greg-mackintosh-orders-paradise-losts-records/)?

Ich mag ja beides: Kompromisse und Potenzial. Und deshalb ist „Believe In Nothing“ für mich nach wie vor ein wirklich gutes Album, auch wenn es mit „richtigem Metal“ natürlich wenig zu tun hat. Aber es war nach „Host“ wieder ein Schritt hin zu mehr Härte und weniger Elektronik, vielleicht das Album, das den Übergang von „One Second“ zu „Host“ etwas erträglicher gemacht hätte. Nun, sei es drum. Der Longplayer hat für mich seinen Zauber immer noch nicht verloren und besticht durch seine wirklich weh- und sehnsuchtsvollen Songs. Schon der Opener 'I Am Nothing' überzeugt durch seine eingängig düstere Stimmung und bietet inklusive der Nick Holmes'schen emotionalen Klargesänge und den verzerrten, kreischend-beseelten Leadgitarrenparts die typischen Trademarks der Gothik-Metaller.

Mit 'Mouth' bekommt man dann die erste Single-Auskopplung zu hören, die in der Tat für MTV und die Charts produziert zu sein scheint, was der Qualität aber keinen Abbruch tut, zumal der Song auf den Best-of-Compilations bzw. Live-Alben durchaus zu finden ist. Ein Jugendchor als Intro, angeloopter Beat, so kommt 'Fader' daher. Vielleicht hat Greg Mackintosh auch dieses Lied im Hinblick auf die Kompromisse im Sinn. Mir gefällt es trotzdem. Etwas dynamischer und elektronischer ist dann 'Look At Me Now', ehe es mit 'Illumination' um einiges ruhiger, „hostiger“, aber dafür auch intensiver wird. Weltklasse. Ähnliches gilt für 'Never Again'. Auch 'Something Real' geht aufgrund der Spannung aus gitarriger Härte und elektronischem Druck sofort ins Ohr, in 'Divided' wird dann der Melancholie- und Tränenfaktor auch wegen der stimmungsvollen Streicherparts noch einmal nach oben geregelt, wohingegen 'Sell It To The World' soundtechnisch das folgende Album „Symbol Of Live“ andeutet, das von den Kritikern schon wesentlich freundlicher aufgenommen wurde. 'Control' kann durch seine phasenweise verhältnismäßig starke Härte punkten, auch wenn der Eindruck der Ausgebremstheit nicht wegzudiskutieren ist. Mehr als hitverdächtig und fast schon optimistisch gibt sich dann noch 'No Reason', ehe mit 'World Pretendin' ein typischer PARADISE LOST Rausschmeißer das Album abschließt.

Fazit: „Believe In Nothing“ bleibt für mich ein gutes PARADISE LOST Album. Denn es verströmt noch etwas den wagemutigen, experimentellen und elektronischen Geist des kontroversen Vorgängers „Host“, bereitet aber zugleich auch den Weg „back to the roots“ vor, der dann in „Symbol Of Live“ erste Gestalt annimmt. Was bleibt, ist somit ein Stück Musikgeschichte und sehnsuchtsvoller, wehmütiger Alternative Rock mit experimentellen und unüberhörbar elektronischen Einschlägen.

Tracklist

01. I Am Nothing
02. Mouth
03. Fader
04. Look At Me Now
05. Illumination
06. Something Real
07. Divided
08. Sell It To The World
09. Never Again
10. Control
11. No Reason
12. World Pretending