GWAR – The Blood of Gods

CD Reviews, GWAR – The Blood of Gods

Angeblich das Highlight des Jahres: „Die fünfte Dimension“ von Daniel Wirtz. Allerdings, so meine Insiderinformationen, handelt es sich bei dem Musiker tatsächlich um einen als obdachlosen Hipster-Frisör verkleideten texanischen Truckdriver, der in seiner Freizeit Schlagermusik auf Rockfestivals vorspielt. Man vermutet, dass es sich tatsächlich um Den Wendler nach einem Imagewandel handelt. Völlig ohne Verkleidungen kommen hingegen die Scumdogs of the Universe von GWAR aus – und das bereits seit über 30  Jahren.

Nachdem die Scumdogs in diesem Jahrzehnt zunächst ihren Gitarristen Flattus Maximus (Cory Smoot) an die Drogen verloren haben, verstarb 2014 mit Oderus Urungus (Dave Brockie) das letzte Gründungsmitglied von GWAR ebenfalls an einer Überdosis. Für mich war das das sichere Todesurteil für die Horrorrocker. Doch GWAR belehren uns alle eines besseren und beweisen uns mit „The Blood of Gods“: Death cannot kill GWAR! Der ehemals als Beefcake the Mighty agierende Michael Bishop ist als neuer Sänger in die Band zurückgekehrt.

Nun war Oderus Urungus auch auf der ersten Scheibe von GWAR nicht als Sänger zu hören, dennoch durfte man gespannt sein, ob die Band mit neuem Sänger funktionieren würde. Es benötigte bei mir einige Anläufe, um mit dem Material warm zu werden – allerdings lag das nicht unbedingt am Gesang von The Beserker Blóthar, auch wenn der etwas weniger gurgelig ausfällt als bei seinem Vorgänger.

Doch irgendwann fangen die Songs zu zünden an und plötzlich kriechen die Melodien von „El Presidente“ oder „I’ll be your Monster“ ins Ohr. Mit „Auroch“ und „Fuck this Place“ lassen GWAR ihre Punkrock Wurzeln durchschimmern, während das langsame „Phantom Limb“ fast ein gewisses Doom-Feeling verbreitet und zudem mit guter Hookline aufwarten kann. Insofern bildet der Song einen guten Bezug zum Opener, der ebenfalls z.T. mit fast BLACK SABBATHschen Riffs begeistern kann. Am Ende erweisen GWAR vermutlich ihrem verblichenen Frontmann, dem auch das Album gewidmet wurde, die Ehre und covern AC/DCs „If You Want Blood (You Got It)“. Hoffen wir mal, dass man nicht vergessen hat dem guten Oderus eine entsprechende Widmung ins Booklet zu schreiben. Ich erinnere mich noch gut daran, dass Dave mir einmal erzählte, dass AC/DC für ihn in dem Moment gestorben waren, als „Back In Black“ erschienen war und sich auf der Scheibe kein Hinweis auf den verblichenen Bon Scott befand.

GWAR sind zurück, sie leben und sie haben mit „The Blood of Gods“ ein hörenswertes Album abgeliefert, welches die Entwicklung der letzten Alben fortschreibt, ohne jedoch „Bloody Pit of Horror“ oder „Battle Maximus“ zu kopieren – weder in Sachen Songwriting, noch hinsichtlich der Produktion und des Sounds. Daniel Wirtz mag sich in seiner fünften Dimension befinden, GWAR bauen ein ganzes Universum um sich auf, sind absolut authentisch und beweisen, dass sie als einzige Lebewesen selbst den Tod überleben!

© Picture by Rachel Naomi