Sinistro - Sangue Cássia

CD Reviews, Sinistro - Sangue Cássia

Wer bei Portugal bisher nur an Sonne, Sommer, Strand oder MOONSPELL gedacht hat, der sollte jetzt auch noch emotionalen female-fronted Doom-Metal auf seine Liste setzen...

Nach ihrem Debütalbum „Semente“ liegen die Doom-Metaller von SINISTRO mit ihrem neuen Opus „Sangue Cássia“ in den Startlöchern. Dass die Portugiesen einiges an Potenzial zu bieten haben, konnte man nicht nur an den überaus positiven Kritiken zum Erstlingswerk sehen, sondern auch daran, dass PARADISE LOST SINISTRO auf ihrer „Medusa-Tour“ bisweilen als Vorgruppe engagierten.

Und gleich vom ersten Ton an zieht einen die Musik in ihren Bann. Das liegt zum einen an der äußerst intensiven und emotionalen Stimme von Sängerin Patricia Andrade, die den Tracks trotz aller Niedergeschlagenheit und Melancholie doch immer wieder ein Funken Hoffnung zu verleihen vermag, zum anderen ist es aber eben auch die düstere Härte des Dooms, die vor diesem Hintergrund die andere Seite des Spannungsfeldes ist. Somit entsteht eine spannungsgeladene tiefgründige und atmosphärische Stimmung, die durch die bisweilen sehr leidenschaftlichen Vocals in rauer, kantiger und unwirtlicher Düsternis mehr als zu überzeugen vermag. Das kann sehr gut in 'Lótus' beobachtet werden. Hammer!

Ein Wagnis ist natürlich trotzdem, in der Heimatsprache und nicht auf Englisch zu singen. Aber der Frontfrau Andrade gelingt es in eindrucksvoller Art und Weise, diesen vermeintlichen Nach- in einen Vorteil umzuwandeln, zumal man ihr ohne Zweifeln die Gefühle, Emotionen und Leidenschaften auch abnimmt und Doom Metal mit portugiesischen Texten schon etwas ganz Besonderes ist ('Pétalas'). Darüber hinaus zeigt das Songwriting auch ein Händchen für das Detail. Denn bei jedem weiteren Durchlauf gibt es musikalisch etwas Neues zu entdecken ('Vento Sul').

Während dann in 'Abismo' emotionale Zerbrechlichkeit auf melancholische Riffigkeit und hymnische Wehmut trifft, besticht der Track 'Nuvem' durch seine zunächst intensive ruhigere Nachdenklichkeit, die sich dann phasenweise orgiastisch krachig entlädt. Weltklasse! Einem ähnlichen Wechselbad der Gefühle ist man in 'Gardénia' ausgesetzt, auch wenn hier der Grundtenor um einiges energischer und kämpferischer ist. Für PARADISE-LOST-Fans sehr interessant ist zudem die Cover-Version zu 'Nothing Sacred' (vom kontroversen Album "Host"), die sich allerdings nur auf der Deluxe-Edition befindet.

Fazit: Die portugiesischen Doom Metaller von SINISTRO stellen mit ihrem zweiten Opus „Sangue Cássia“ eindrucksvoll unter Beweis, warum sie zusammen mit PARADISE LOST touren durften. Das liegt nicht nur am überzeugenden Songwriting, sondern auch daran, dass es Frontfrau Patricia Andrade mit ihren emotionalen, leidenschaftlichen Vocals immer wieder gelingt, der harten, rauen, infernalen Doom-Atmosphäre etwas an Hoffnung und Zuversicht abzutrotzen.