Ragnaroek 2018 Bericht

Ragnaroek 2018 Bericht
  • Datum: Freitag, 06 April 2018
  • Ort: Stadhalle Lichtenfels
  • Redakteur: Carsten Brand
Die Anreise ist in diesem Jahr erstaunlich einfach und wir bleiben von großen Staus verschont. Auch vor Ort beginnt das Festival gewohnt entspannt mit den jungen Verkehrskadetten, die einen freundlich einweisen. Das Wetter ist ja immer so eine Sache im April. Und anno 2018 sollte es, wieder einmal, abermals mit der Sonne beim Zeltaufbau nicht klappen. Das Nasse von oben wird aber gekonnt mit dem ersten Bier gekontert und so erträglicher. Mittlerweile ist unser Camp auch relativ vollständig und mit steigendem Bier/Cider Pegel wird es auch rasch dunkel. Zeit also, die ersten Schritte Richtung Festhalle zu gehen. Traditionell spielt DJ Schnapsi allerlei Klamauk aus der Konserve. Der Funke will bei uns leider nicht so ganz überspringen, die ersten obligatorischen Getränke und ein paar Gespräche halten wir aber aus. Belohnt wird die Ausdauer noch mit einer Stripshow. Damit neigt sich der erste Abend zu Ende.

Auf auf ins Gefecht. Es ist der erste reguläre Festivaltag. Die müden Camp Mitstreiter zum Aufbruch zu bewegen ist heute ein schweres Unterfangen, gelingt schlußendlich aber doch. Schließlich ist ein ziemlich guter Opener zu bewundern: WOLVES DEN haben vielleicht noch keinen großen Namen, sind zweifelsohne aber ernst zu nehmende Gesichter, wenn es um Black Metal geht. Schnörkellos, aber dafür umso imposanter. Ein gelungener Anfang. Leider bleibt der Opener nur einem kleinen Publikum vorenthalten. Viele sind noch zu sehr mit dem Aufstehen auf dem Zeltplatz beschäftigt. Schade drum. 60Minuten später sieht die Sache allerdings schon weitaus besser aus. Die Halle füllt sich langsam. 15Uhr ist wohl dann eine Wohlfühlzeit, wo der geneigte Besucher ins Dunkel der Halle findet. DAWN of DISEASE spielen auf und bieten akkuraten Death Metal. Das Publikum dankt es mit ordentlich geschütteltem Har und einem ersten Pit. Völlig zu Recht, der Auftritt verläuft absolut beeindruckend.
Zu VANAHEIM gönne ich mir eine kleine Auszeit, um die Lebenskräfte wieder aufzufrischen und gehe gleichzeitig das kulinarische Angebot ab. Favorit ist mal wieder das Knoblauchbrot, was selber finalisiert werden kann, und es bleibt an diesem Wochenende nicht bei einem. Gerade rechtzeitig zu NAILED TO OBSCURITY gehts zurück in die Halle. Man nehme Doom, Death und eine Prise melodisches, und schon hat mandas, was die Herren darbieten. Ein schönes Kontrastprogramm und wie ich finde, passt es wunderbar in den Tagesablauf. Mit GRIMNER kommt dann erstmals die Pagan udn Viking Fraktion auf ihre Kosten. Die Schweden zünden bei mir nicht ganz, anders als beim Publikum das wohl recht begeistert scheint. Viel mehr knzentriere ich mich auf den nächsten Act udn das erste Tageshighlight: SAOR. Ich war gespannt, wie die Atmosphäre und das doch monumentale Schaffen vom Silberling auf den Liveauftritt übetragen werden konnte. Sicherlich keine leichte Kost. Doch das Set ist überraschend gut und die Musiker schaffen es, die Lichtenfelser Halle in eine wunderbar düstere Atmosphäre zu verwandeln und diese Stimmung über das gesamte Set zu halten. Nach der ‚angezogenden Handbremse‘ geht es bei WOLFCHANT schon gleich etwas derber zur Sache. Die Doppelspitze am Gesang bringt Abwechslung und die Band einen weiteren Einschlag in Pagan Metl auf die Bühne. Die nächste Band bietet ebenso eine Doppelspitze am Gesang auf und ist tatsächlich schon ein erster Headliner am Abend: LEAVES EYES verzaubern mit ihrem Symphonic Metal das Publikum. Ich muss gestehen, dass Symphonic nicht ganz meine Baustelle ist. Zugestehen muss ich der Band aber auch, dass sie ihr Handwerk versteht. Der Kontrast zwischen hohem Frauengesang und abgrundtiefen Growls ist gekonnt eingesetzt, die Show im ganzen macht verdammt viel Spaß udn selbst eingefleischte Black Metal Aspiranten sieht man mit dem Fuße wippen. DARK TRANQUILLITY übernehmen ein gut gelauntes Publikum und zelebrieren eine unheimlich gute Show, wären da nicht die technischen Aussetzer beim Licht, welche die Band des öfteren im Dunkeln stehen lässt. Der Stimmung tut es allerdings keinen Abbruch. Die für mich letzte band an diesem ersten Tag ist dann auch mein persönliches Highlight. Mighty ENSLAVED aus Norwegen bitten zum Tanze. Ich gebe zu, eine objektive Meinung wird es zu dieser Band wohl nicht mehr geben. Ich versinke als Fanboy im Set und gebe mich dem Genuß hin. Allerdings muss man auch einfach sagen, dass ENSLAVED für epische Live Auftritte bekannt sind, egal welches Festival und (fast) egal , welche Uhrzeit.
Der Abend endet irgendwo auf dem Fussball/Campingplatz und komischerweise sind es Eurodance Lieder, die bis tief in die Nacht über den Zeltplatz zu hören sind, und eine Aftershow Party der ausgelasseneren Sorte bieten.

Auf auf zu Tag 2, frisch fromm fröhlich frei. So zumindest die Theorie. Die Praxis spricht eine, leicht abgewandelte Sprache. Erst zu SAXORIOR schaffe ich es in die Halle und bin auch da noch nicht wirklich fit.  Die Show ist gespickt mit Black Metal und Viking /Folk Elementen und prescht mit einem ordentlichen Tempo in die Gehörgänge. Der ideale Auftakt in den zweiten Festival Tag. Mit Black Metal geht es auch gleich weiter. Die italienischen ENISUM sind ein weiterer Geheimtipp und kommen auch beim Publikum erstaunlich gut an. Gerade wegen solchen muskalischen Kostbarkeiten mag ich Festivals wie das Ragnaroek. Im sehr krassen Kontrast dazu steht die nächste Combo, die zunächst mit tiefer Maske auf die Bühne kommt. HARPYE spielen fröhlichen Folklore bis Mittelalter. Gewöhnungsbedürftig und leider zerreißen sie die aufgebaute Stimmung von ENISUM. Ein Trostpflaster: der eher seltene Auftritt von In the woods beruhigt wieder und entführt in eine ganz eigene Welt. WOLFHEART sorgen danach wieder für ordentlich Tempo und der charismatische Sänger tut sein übriges zu einem gelungenen Set. WOLFHEART stehen grundsolide und prinzipiell für eine hervorragende Livequalität. Schade, dass sie auf einem relativ frühen Slot aufspielen müssen. Doch tatschlich geht es gleich danach schon mit den Headlinern los. BATUSHKA zelebrieren ein sehr abgefahrenes Set, hüllen sich in Kutten die die Band fast zur Gänze verstecken. Ein Altar, viele Kerzen und andere okkulte Gegenstände runden das Bühnenbild ab. Man muss die Band sicher mögen. Für die Fans ist diese Art ‚Messe‘ aber definitiv gelungen und wird regelrecht zelebriert. Die Stimmung wird bei der nächsten Band abermals ein wenig erhöht. Die Griechen von ROTTING CHRIST preschen drauf los und walzen mit ihrem kompromisslosen Black Metal über das feierweütige Publikum. Als Dank gibt es einen Circle it und unzählige kreisenden Köpfe. So muss das. Und nun zum Headliner des Abends. Nicht, dass man die komplette Diskografie schon dutzende Male auf dem zeltplatz wahrnehmen konnte. Oder zumindest die Hits der nächsten Kapelle entweder von der Konserve oder aus den Kehlen mehr oder minder talentierter Fans: es ist Zeit für ALESTORM. Das positive ist, dass sich die Band selber auch nicht zu Ernst nimmt. Das Set ist gespickt mit feucht fröhlichem Piraten Party Metal, an dessen Krönung eine riesengroße GummiEnte auf das Publikum losgelassen wird und Crowd Surfen darf. Ein wirklich grandioser Headliner, der das Publikum nochmal ordentlich in Bewegung versetzte.
Und da ist er wieder. Dieser ziemlich doofe Moment, wenn man merkt, dass ein Festival sich dem Ende neigt, und man doch gerne die Uhr ein wenig anhalten möchte. Doch einen hat das Ragnaroek noch zu bieten. DER WEG EINER FREIHEIT habe ich bereits in einer sehr intimen Show auf dem Metal Hammer Paradise kennen lernen dürfen. Und auch auf der deutlich größeren Bühne des Ragnaroek zünden die Post Rocker sofort. Es ist schon erstaunlich, wie gut so eine Band als Closer funktioniert. Black Metal mit durchgehenden Blast Beats, einem durchgezogenen Uptempo, dass einem nochmal alles ordentlich durchgerüttelt wird. Zum Glück wird das Ganze gedankt durch ein sehr lange durchhaltendes Publikum. Das hat man hier auch noch nicht so oft erleben dürfen.

Und dann ist es leider auch schon wieder vorbei. Die Halle leert sich und auf dem Campingplatz geht es noch ein wenig weiter. Aufgrund der langen Fahrt am Sonntag und einem weiteren Termin heißt es bei mir aber: früh im Schlafsack einfinden. Es bleibt noch ein kurzer Augenblick, das Festival vor dem geistigen Auge Revue passieren zu lassen. Es war wieder einmal ein Fest und ein gelungener Auftakt in die Festival Saison. Der Sound passte zu 90% und war diesmal kaum und wenig zu kritisieren. Auch die Lichtleute haben einen überaus ordentlichen Job hingelegt und es gab wenig unglückliche Momente. Die Bandauswahl und der Mix aus den verschiedenen Stilistiken ist auf den punkt und kann genau so bleiben. Neben ein paar Neuentdeckungen zünden vor allem auch immer wieder die Headliner. Genau so soll es sein. Neben dem Muskalischen ist es vor allem aber auch das Publikum, welches Erwähnung finden sollte. Unzählige lustige und anregende Unterhaltungen konnte ich während der 3 Tage in Lichtenfels führen und die Stimmung war eigentlich immer ausgelassen udn sehr gut. Das Miteinander funktioniert, und man respektiert sich. So soll es sein. Ein paar wenige Ausnahmen gibt es natürlich immer, die kann man aber getrost unter die Teppichkante fegen.
Was bleibt, ist die sonntägliche Abfahrt mit dem Versprechen, im nächsten Jahr wiederzukehren. Lichtenfels und Ragnaroek, bleib so wie du bist, wir kommen gerne wieder.