Fuck Easter Festival 2006

Fuck Easter Festival 2006
  • Datum: Montag, 17 April 2006
  • Ort: Köln, Live Music Hall

Für alle, denen die Wiederauferstehung des Osterhasen und seiner besinnlich buntgefärbten Eier mal wieder zu langweilig war, hieß es auch dieses Jahr wieder:
„Fuck Easter!„ Denn die
„Fuck Christmas„-Orga hatte auch dieses Jahr in Form des Fuck Easter Festivals wieder eine
„Konkurrenzveranstaltung„ zur Osterzeit mit einem saftigen Line-Up zustande gebracht. Wenngleich der Begriff
„Festival„ vor dem geistigen Auge schnell Bilder von weitläufigen Camping-Arealen, Iglu-Zelten, Bauzäunen und
„Helga„-Schlachtrufen entstehen lässt, beschränkte sich das Ganze auf ein (früh-) abendliches Konzert in der Kölner Live Music-Hall.
Natürlich möchte das Volk zu den Spielen auch Brot – und sei’s nur flüssiges. Daher standen schon um 15:30, als die ersten Besucher auf den Vorhof innerhalb der Live Music Hall drängten, schon freundlich lächelnde Vertreter links und rechts des Eingangs zur eigentlichen Arena. Statt Staubsaugern gab’s jedoch Jägermeister in Reagenzgläsern (Hatte da jemand was falsch verstanden? In vitro veritas? Oder wat nu’?). Auf Grund der reichlichen Vorräte der Damen und Herren des Jägermeister Promotion Teams entwickelte sich schnell der Volkssport des ständigen Rein- und Rausgehens, um noch ein Röhrchen gereich zu bekommen, während am eigentlichen Jägermeister-Verkaufsstand die Konjunktur so sehr blühte wie in Grönland der Sextourismus.

Ein Ende hatte das Rein-Raus-Spiel vorerst nur, als Silent Decay den Anfang machten und die ersten Riffs unter das noch recht ausgedünnte und bestenfalls nickfreudige Publikum warfen. Entgegen offiziellen Verlautbarungen, welche die Band quasi als
„Multi-Genre-Band„ sehen möchten, lag das Dargebotene irgendwo zwischen thrashig angehauchten Rage Against the Machine (vor allem stimmlich) und (alten) KoRn. Trotz der ungeliebten Rolle als
„Anheizer„ machten Silent Decay ihre Rolle aber gar nicht schlecht und schienen an dem, was sie da taten, selbst eine Menge Spaß zu haben; dazu reichte schon ein flüchtiger Blick auf den zum Beten niedergeknieten Sänger oder den Herrn hinter den Drums, der offensichtlich eine Menge Super Plus getankt hatte und nun überschüssige Energien an seinem Set abbauen musste. So übergab man nach 5 Tracks ein einigermaßen gut aufgewärmtes Publikum an die Kollegen, die nun folgen sollten.

Zunächst jedoch das übliche Ritual des Abbauens und Umbauens, das allerdings – bei allen kleineren Acts des Abends – von der Technik mit beachtlicher Routine bewerkstelligt wurde, so dass meist schon nach zehn bis 15 Minuten die Beschallung problemlos wieder einsetzen konnte.

Das tat sie zunächst mit Koroded, die unter dem Publikum aus Köln und Umgebung schon einen gewissen Heimvorteil genossen. Mit ihrem mal Metalcore-lastigeren, mal melodischen Kompositionen brachten sie vor allem unter
„Stammkunden„ der Band die ersten Köpfe zum kreiseln. Obwohl normalerweise für etwas längere Ansagen und kleine Geschichten bekannt, besann sich Sänger Jan Röder nach einem skeptischen Blick auf die Uhr und einem halbfertigen Satz über die letzten Tour-Geschehnisse und viel Gespucke wieder auf das Wesentliche zurück – die Mucke an den Mann zu bringen. Je länger Koroded spielten, desto mehr Spaß machten sie. Bis dann nach einigen Liedern die Bühne zugunsten der Tour-Kumpanen Betzefer geräumt wurde.

Und Betzefer drehten gleich richtig auf:
„How’re you doing, Cologne?„ schmetterte Fronter Avital, bevor man persönlich dafür sorgte, dass es
„Köln„ gut geht. Die
„Söhne Israels„ nahmen sich trotz des knappen Rahmens Zeit für’s Publikum und gaben bei dem Thrash-Klotz
„Doomsday„ ausdrücklich Gelegenheit, mitzuröhren, wenngleich wohl niemand an die kranken Screams von
„The Best…„ herankam.

Als Viertes preschte dann Special Guest Maroon durch die Halle. Nachdem man sich spätestens seit
„When Worlds Collide„ mit an die Spitze der deutschen Metalcore-Szene katapultiert haben dürfte, ist es nicht weiter verwunderlich, dass Maroon vermehrt Kostproben von der neuen Langrille gaben, die vom ein oder anderen Nacken nur zu gern aufgenommen wurden. Unter dem vielen –core und allgemeinen Geschrebbel ging mir persönlich allerdings langsam die Abwechselung flöten.

Scar Symmetry kamen da gerade recht: Die Schweden ließen es in kaltem, grünem Licht zunächst elegischer angehen, um dann die Schraube auch ein wenig anzuziehen und auf Tempo zu kommen. Für die Meute vor den Boxen verhießen Scar Symmetry mit ihrem stark riffbetonten, melodischen Set eine kleine Erholpause nach den ersten vier Nackenkrachern, und auch die etwas müde Show der Band verlangte nicht sofort wieder nach Aktion. Dennoch fand sich in den meist zweistimmig und clean gesungenen Chorus-Parts manch nettes, was man sich mittels am Eingang ausgeteilter Promo-CDs zu Hause noch einmal durch die Gehörgänge gehen lassen kann.

Als um Punkt 20 Uhr unter Blitzgewitter One Man Army and the Undead Quartet (von vielen nur als
„die mit dem langen Bandnamen„ tituliert) die Bühne enterten, war dann allerdings Schluss mit lustig. Unter wütend hinausgerotzten Vocals schredderte die Gitarrenbatterie ein Killer-Riff nach dem anderen hinaus. Unterhalb der Bühne merkte man schnell, was die Stunde geschlagen hatte, und knüppelte jeden Takt der Double-Bass-Attacken und mörderisch scharfen Soli mit. Allein die große Vorliebe des Quartet-Fronters für die Vokabel
„fuck„, die in ihrer Penetranz eher an spätpubertierende Auswüchse à la Fred Durst erinnerten, irritierten ein wenig. Und damit ist weniger das druckvolle
„Bulldozer Fucking Frenzy„ gemeint, mit dem die Mannen von der Bühne walzten, sondern eher die Zwischenansagen. Dennoch: Musikalisch bislang ein Highlight, das umso mehr Lust auf die nun kommenden Headliner machte.
Die ließen sich jedoch zunächst Zeit. Für Sound-Checks und Vorbereitungen ließ man sich diesmal (ironischerweise, wie sich später herausstellen sollte) mehr Zeit. Als allerdings das Mikrofon gegen ein
„antiquierteres„ 60er-Breitkopf-Mikro ausgetauscht wurde, war recht schnell klar, wer kommen würde, und
„A-mor-phis„-Rufe machten sich vereinzelt breit.

Als Amorphis dann endlich zu einem epischen Intro auf die Bühne kamen, war der Saal gut gefüllt, die vordersten Reihen dicht gedrängt, während Joutsen nebst Mannen ein recht routiniertes Programm abzogen. Spätestens hier wurde leider klar, dass die intensiven Vorbereitungen dem Sound nicht sonderlich zugute gekommen waren: Sei’s die Unerfahrenheit des bandeigenen (?) Mischers mit dem hiesigen Pult oder schlicht Unvermögen, das (Amorphis-typische) Keyboard hatte stark darunter zu leiden und kam überhaupt nicht vernünftig raus. Das schmälerte zwar stark den Klang, änderte allerdings nichts an der Aktionsfreude des Publikums, und schon nach
„House of Sleep„ vom neuen
„Elegy„-Album waren solch sinnige Chöre wie
„Ihr habt die Haare schön, schalalalala…„ zu hören. Außer
„Elegy„ boten Amorphis jedoch eine sehr ausgewogene Reise durch alte und neue Lieder: Von
„In the Beginning„ über
„Alone„ bis zur
„Goddess (of the Sad Man)„ blieb kein Wunsch offen – bis vielleicht auf
„Black Winter Day„. Mit dem letzten Nebel verschwanden Amorphis nach einer trotz allen Soundschwierigkeiten guten Vorstellung von der Bühne.

Ein weiteres Intro kündigte das Kommen von Soilwork an, die plötzlich wie aus dem Boden gewachsen aus den Schatten des Nebels gekrochen kamen und kommentarlos drauf losdroschen. Ich hatte schon gehofft, dass das Kommende mein Highlight des Abends werden dürfte, aber was da dargeboten wurde, war erste Sahne.
„Follow the Hollow„ eröffnete einen astreinen Höllenritt, der kein Auge trocken ließ. Erst jetzt gönnten sich die Soilworkers Zeit für ein euphorisches Willkommen nach diesem saftigen Empfang, bevor man erneut den Sledgehammer kreisen ließ. Ermuntert durch stakkato-Double-Bassing und sägende Soli bangte der ganze Saal, was der Nacken hielt. Nachdem Bassist Ola sein noch schnurrendes Instrument zum x-ten mal in die Höhe gereckt und einen aberwitzigen Nine-Yards-Blick in die Menge gerichtet hatte, musste nun auch dem aktuellen Album
„Stabbing the Drama„ in Form von
„One With the Flies„ und
„Nerve„ Genüge getan werden, bevor man zu einer letzten Speed-Partie nochmals die Chainheartmachine anschmiss und Befehl gab:
„Destroy this fucking room!„ Wem danach nichts wehtat, der musste entweder taub sein oder hatte nicht mitgemacht. Grandios!

Wobei ein wenig Kräfte-Schonen sicherlich gut getan hätte. Immerhin erwachten um ca. 23:00 Uhr mit Peter Tägtgrens grellem Screeching Hypocrisy zum Leben, um dem Saal den Rest zu geben. Viel war da leider nicht mehr zu machen, denn nach einer derart intensiven Vorstellung hatte besonders zu Beginn kaum einer die Kraft, Tägtgrens Mannen den eigentlich wohlverdienten Zuspruch zu geben. Es war bezeichnend, als ein Großteil der Menge auf die Frage
„Are you tired, Cologne?„ ohne großartig Nachzudenken
„Jaa!„ brüllte. Die Vier ließen sich davon jedoch nicht beirren und spielten sich zu Peters in dieser Ausprägung wohl einzigartigen Vocals durch bislang weniger oft gespielte Stücke. Zwei (recht kurze) Nummern gab’s als Zugabe, dann war auch der Letzte gegen null Uhr glücklich und zufrieden entlassen.
Jene Unersättlichen, für die die Nacht noch zu jungfräulich und die Kräfte noch nicht allzu sehr aufgezehrt waren, konnten sich für Lau ins nahegelegene
„Underground„ verkriechen, wo bis spät in den Morgen noch eine VIP-Party mit einigen Band-Mitgliedern statt fand.

Ob man auf diesem oder anderen Wege das Mini-Festival ausklingen ließ – für mich und viele andere stand fest, dass es sich bombastisch gelohnt hat. Auf Wiedersehen, Fuck Easter! Bis nächstes Jahr und diese Zeit!

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