Moonspell, Rotting Christ & Silver Dust

Moonspell, Rotting Christ & Silver Dust
  • Datum: Sonntag, 08 Dezember 2019
  • Ort: Hannover, Musikzentrum
  • Redakteur: Jens Dunemann
Los geht es aber zunächst überpünktlich gegen 19:30 Uhr mit den Eidgenossen von SILVER DUST. Obwohl das Quartett nur ungefähr ein Drittel der Bühne zur Verfügung hat, tragen die Schweizer in Sachen Bühnenbild, Präsentation und Show maximal auf. Allerdings bei minimaler musikalischer Relevanz. Es nützt die beste Dandy-Kostümierung, stylische Banner-Aufsteller und die aufwändigste und beste Video-Installation im Bühnenbild nichts, wenn man zwar handwerklich auf hohem Niveau, stilistisch jedoch ohne roten Faden agiert. Silver Dust können sich nur schwerlich zwischen gothischem Mainstream-Rock und Groove-Metal à la System Of A Down und Korn entscheiden. Da zieht auch das industrialisierte und technoisierte Gitarrenduell mit dem Organisten auf der Video-Leinwand zu Bachs Toccata nicht. An Selbstbewusstsein mangelt es den Herren ebenfalls kaum. Sie ziehen ihr Ding, wenn auch am Rande peinlicher Anbiederungungen an das hannoveraner Publikum gnadenlos durch. Respekt dafür. Aber so lange man sich im Hause Silver Dust nicht entscheiden kann, welche Art von Mucke man spielen will, dann wird man über den “Beiwerk-Status”nicht wirklich hinaus kommen. Kurzweilig und unterhaltsam war es dennoch.

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silver dust

Die Helenen von ROTTING CHRIST machen anschließend nach kurzer Umbaupause deutlich, dass sie von den Eigenossen nicht nur musikalisch Welten trennen. Was Rotting Christ hier zelebrieren ist mit dem Wort Messe noch untertrieben, denn in Sachen Intensität ist das was während des Sets passiert nur schwer in Worte zu fassen. Die inzwischen ordentlich angewachsene Besucherschar des Musikzentrums entzieht sich den stampfenden mystischen Schwarzmetall-Hymnen von Sakis & Co. nicht und folgt den Griechen bedingungslos. Rotting Christ verlassen sich vornehmlich auf das Liedgut der letzten, anderthalb Dekaden, in denen man den ureigenen Stil mit folkloristischen und spirituellen Soundelementen verfeinerte, was einerseits etwas schade ist, jedoch für die Qualität der Musik spricht. Nach dem Gig auf dem Party.San Metal Open Air in Schlotheim, bei dem ich die Griechen als etwas schwächelnd empfunden hatte, ist es umso schöner, Rotting Christ in einer derartig guten und spielfreudigen Verfassung zu erleben. Als man mit “Non Serviam” schlussendlich doch noch ganz tief in die bandeigene Mottenkiste greift, stellt sich bei mir nicht nur eine gewisse Leere ein, sondern man hat MOONSPELL vor eine beachtliche Aufgabe gestellt.

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rotting christ

Die Portugiesen setzen ihrerseits im Gegensatz zu Rotting Christ wieder mehr auf Bühnenbild und Show, allerdings in einem dezenteren, wenn auch nicht weniger opulenten Rahmen als Silver Dust. Zudem können auch sie sich auf ihre musikalischen Qualitäten und so manchen Klassiker verlassen. An die Live-Shows von Moonspell habe ich nicht immer die besten Erinnerungen aber die Band präsentiert sich als würdiger Headliner, obwohl sie nicht so durchdringend sind und scheinbar doch mehr Leute wegen Rotting Christ ins Musikzentrum gekommen sind, da sich die Reihen im Verlauf des Sets nicht deutlich aber merklich lichten. Moonspell betten ihre zahlreichen Klassiker aus der kreativen Hochphase der Band in ihr jüngstes Werk “1755” ein. Auf dem Album agierte Fernando erstmals lyrisch komplett in seiner Muttersprache, was den Portugiesen schon immer sehr gut zu Gesicht stand. Neben den Konzeptsongs über die Erdbebenkatastrophe in der portugiesischen Hauptstadt gibt es u. a. “Opium” und “Awake” sowie “Vampiria” und “Alma Mater” im Doppelpack, “Everthing Invaded” und “Mephisto”, ja mit “Abysmo” selbst ein Stück von “Sin/Pecado” zu hören, bevor das Publikum am Ende des Zugabenblockes mit “Fullmoon Madness” nach Hause geschickt wird. Auch Moonspell legen eine gewaltige Spiellaune an den Tag und sind sichtlich über die dankbaren Fanreaktionen an diesem Sonntagabend erfreut.

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moonspell

Auf der Heimfahrt hält die wohlige Erfüllung und Leere nach dem abendlichen Konzerthighlight noch ein wenig an. Man kann zwar erholter aber auch weit weniger glücklich in die neue Arbeitswoche starten.

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