Riverside, Lion Sheperd & The Sixxis

Riverside, Lion Sheperd & The Sixxis
  • Datum: Donnerstag, 15 Oktober 2015
  • Ort: Dresden - Tante Ju
  • Redakteur: Jens Dunemann

Europa-Tourauftakt der polnischen Prog-Institution RIVERSIDE in Dresden. Nachdem man mit dem aktuellen Album "Love, Fear And The Time Machine" zunächst in Nord- und Südamerika unterwegs war, startet die Konzertreise auf dem alten Kontinent im sächsischen Dresden.

Im Gepäck haben die Polen die US-Truppe THE SIXXIS und ihre Landsleute LION SHEPERD. Letztere beginnen gerade ihren Set, als wir den, in einem Industriegebiet etwas abgelegenen Club erreichen. Das im Kern aus Sänger Kamil Haidar und Gitarrist Mateusz Owczarek bestehende Duo klingt live nicht ganz so Tool-lastig wie auf ihrer Debut-Scheibe "Hiraeth". Stattdessen lässt sich die Musik samt Darbietung als abwechslungsreicher Cocktail irgendwo zwischen Erstgenannten und jüngeren Anathema mit einem starken orientalischen Einschlag verorten.

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lion sheperd

Zum Einstieg in den Abend machen die Polen alles richtig, bieten eine gute Vorstellung, die manchem in der sich noch füllenden, ehemaligen Lagerhalle schon mehr als einen Höflichkeitsapplaus wert ist. Orientalische Einflüsse verarbeiten THE SIXXIS ebenfalls, wenn sie auch nicht so stark im Vordergrund wie beim Opener stehen. Das Quintett steht für kraftvollen Prog-Rock/Metal, der seine Wurzeln mitunter im moderneren US-Metal bis hin zu poppigen Grunge und Nu Metal-Anleihen der Spätneunziger zu haben scheint.

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Die Amis sind engagiert und geben alles aber irgendwie kann die musikalische wie handwerklich über jeden Zweifel erhabene Darbietung à la Creed auf Prog bei mir nicht landen, auch wenn das anwesende Publikum die Band mit zunehmender Spielzeit immer mehr für ihre Leistung honoriert.

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Danach wird die Bühne für RIVERSIDE bereitet. Nach verhältnismäßig kurzer Umbaupause verdunkelt sich das Licht und mit "Return" als Intro von der Bonus-CD der Limited Edition lässt man noch vor Beginn die Spannung im Publikum ins Unermessliche steigen. Gerade ich erwarte den Auftritt der Polen mit gemischten Gefühlen, steht ihnen doch die ruhigere, teils zerbrechliche und gar emotional nackte Ausrichtung von "Love, Fear..." grundsätzlich gut zu Gesicht. Aber trotz vollstem Respekt für die stilistische Kurskorrektur befürchtete ich insgeheim im Vorfeld, dass sich letztere durch fehlende harsche verzerrt-rockende Gitarrenkontraste negativ auf das Live-Feeling auswirken könnte. Kurz, ich hatte schlicht und einfach Angst, enttäuscht zu werden.

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Enttäuscht scheint jedoch zunächst nur Frontman Mariusz Duda ob der verhaltenen Reaktionen eines vom Tagwerk scheinbar müden Publikum in der mittlerweile gut gefüllten, jedoch nicht ausverkauften Location. RIVERSIDE starten mit "Lost", "Feel Like Falling" erwartbarem glasklaren Sound und mit facettenreicher Licht-Unterstützung relativ ruhig, weshalb sich Band und Fans - die Altersspanne reicht einmal mehr von 6 - 66+ - zunächst etwas aufeinander einstellen müssen. Doch spätestens mit dem Groove von "Panic Room" entfaltet sich in der Tante Ju eine unvergleichliche Dynamik zwischen Band, ihren emotionalen Klängen und dem Auditorium, die im Lichtmeer für alle Anwesenden mit zunehmender Spielzeit in einen wohltuenden Rausch ganz ohne bewusstseinserweiternde Mittel übergeht. Und nicht erst bei meinem persönlichen Höhepunkt "Discard Your Fear" steht fest, dass "Love, Fear And The Time Machine" tatsächlich nicht nur live funktioniert. Vielmehr öffnen RIVERSIDE mit ihrem Auftritt Zweiflern wie mir eine neue Dimension und lassen das neue Material mit jedem gespielten Song ein Stück weit wachsen.

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Ebensowenig, wie ich das aktuelle Werk in den anschließenden Wochen nicht mehr aus meinem CD-Player bekomme, möchte niemand der Anwesenden den musikalischen Schwebezustand am Ende des Abends aufgeben, ebenso frenetisch bejubelt der Saal das polnische Quartett und ebenso ungern möchte man RIVERSIDE nach einem beeindruckenden Europa-Tourauftakt, der den Setlist-Fokus im neben "Fear..." auf den Vorgänger "Shrine Of New Generation Slaves" (von dem ich persönlich jedoch "New Genaration Slaves" schmerzlich vermisste) in den wohlverdienten Feierabend verlassen.

Letztendlich dürften alle Beteiligten mit einem Gefühl der Zufriedenheit und musikalischen Erfüllung der Tante Ju an diesem Abend den Rücken gekehrt haben, denn was RIVERSIDE derzeit anbieten ist nach wie vor überragendes musikalisches Kopfkino.

 

 

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