Eisheilig - Elysium

CD Reviews, Eisheilig - Elysium

  • Eisheilig - Elysium
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  • Erstellt am: Mittwoch, 04 Juli 2007
  • Label: Drakkar
  • V.Ö.: 26 Mai 2006
  • Bewertung: Eisheilig - Elysium

Auf die Insel der Seligen, Elysion, im äußersten Westen des Erdkreises, welche vom Okeanos umflossen wird, wurden der griechischen Mythologie zufolge jene antike Helden entrückt, welche von den Göttern geliebt wurden oder von jenen sie Untersterblichkeit geschenkt bekamen.

Spätestens seit Friedrich Schillers Europahymne "Ode an die Freude" jedoch, welche darüber hinaus im Schlusschor Beethovens neunter Sinfonie Verwendung fand, kann anhand der Zeile "Freude schöner Götterfunken, Tochter aus Elysium" mit der altgriechischen Begrifflichkeit nahezu jede Person etwas verbinden. Und so verwundert es in keinster Weise, dass sich gerade Eisheilig dieser Thematik annahmen, gehört das Spiel mit religiösen Elementen schließlich ebenso wie der inzwischen bekannte Mix aus Keyboard-getragenem Bombast sowie harten Metal-Riffs seit jeher zu dieser Formation. Düster als auch voller Hingabe menschlichen Leids rauschen die neuen kraftvoll-homogenen Eisheilig-Songs auf den Hörer zu, deren schwere, aber gleichsam sehnsuchtsvolle wie melancholisch durchflutete Unergründlichkeit jenen förmlich unbeirrt erwischt. Stets nachdrucksvoll effektiv, emotional ergriffen und mit dem unverkennbaren Hang zur Poesie, vermitteln die Bochumer auf ihrem fulminanten Drittwerk eine Welt zwischenmenschlichen Daseins, deren Sog durch widerstandsfähige Gitarrenarbeit sowie einer Symbiose aus Gothic/Death Metal sondergleichen jedoch auch Düsterrock-Attitüden ausstaffiert wird. Hinzu gesellt sich der wahrlich gewaltige Sound, welcher der guttural-markanten Stimme Dennis Mikus' nicht nur noch mehr pompöse Hoffnungslosigkeit verleiht, sondern gekonnt ineinander verschmilzt. Darüber hinaus kontrastieren marginale Drums mit elektronischen Einflüssen nahezu nur so um die Wette, wobei die mächtigen Gitarrenklänge stets über allem erhaben, majestätisch sowie fraglos mächtig thronen. Gegenwartsmusik meets nostalgische Impressionen. Besonders auffällig gerne wird allerdings eine klerikale Atmosphäre mithilfe von Kirchenchören, aber auch hohem weiblichen Operngesang heraufbeschworen, welche den ausbrechenden Aggressionen leider eher einen unnötigen Abbruch bescheren. Nichtsdestotrotz dokumentiert "Elysium" eine enorme musikalische Reifung, die hörbar vielschichtiger wie auch dynamischer hervorgeht. Zwar bieten Dennis, Till und Co. auf ihrem neuen Silberling gewiss nichts Neues, doch bescheren sie ein unglaublich dichtes Hörerlebnis, ohne einen wirklichen Ausfall, welches vom anspruchsvollen, surrealen Artwork abermals unterstrichen wird sowie für einen überzeugenden Gesamteindruck sorgt. Alles steht zweifelsohne auf Sturm und so dürfen auch jegliche Befürchtungen, dass das Quartett eventuell zu weichgespült ertönen könnte, sogleich ad acta gelegt werden, denn was hier einem ins Gesicht braust, ist fürwahr nichts für schwache Nerven!