HASS – Kacktus

CD Reviews, HASS – Kacktus

Punkrock ist ja nicht jedem Metalhead genehm: zu simple die Songs, zu scheddrig die Produktion und zu politisch oder prollig die Texte. 14 Jahre nach ihrem Abschiedsalbum „Endstation“ und 36 Jahre nach ihrer Gründung melden sich HASS zurück und lassen es mit „Kacktus“ auch gleich ordentlich krachen.

Dabei haben die Punkveteranen den Schritt gewagt, den ich seinerzeit auch bei THE EXPLOITED super fand. Sie haben ihren traditionellen Punkrock mit einem fetten Sound versehen, so dass die Songs des neuen Albums richtig mächtig durch die Boxen donnern. Und es gibt ja so Tage an denen einfach gar nichts klappt und man am liebsten mit der Abrissbirne durchs Viertel fahren würde, um mal so richtig den Frust rauszulassen. Hier kommen dann HASS ins Spiel. Schon mit dem Opener „Mit wehenden Fahnen“ schmeißen die Ruhrpöttler die musikalische Rüttelmaschine an und machen alles platt, was sich ihnen in den Weg stellt. Diese Attitüde behalten sie dann auch für den Rest der Scheibe bei. „Tote Fische“ und „Zurück in die Psychiatrie“ gehören neben dem Opener zu meinen Favs der Scheibe. Mit Songs wie „Recht Blöde“ oder „Bube, Dame, König, Arsch“ zeigen die alten Herren des deutschen Punkrock, dass sie auch nach fast 40 Jahren nichts von ihrem politischen Biss verloren haben. In Songs wie „Gnadenlos“ oder „Hungersnot in der BRD“ zeigen sie, dass man beim Songwriting über schlichte Drei-Riff-Songs hinausgeht – Elemente (SKA, Akkordeon) wie wir sie bei DRITTE WAHL oder C.I.A. und ELF lieben, finden sich auch in den Songs von HASS.

In einer Zeit in der die meisten Punkrocker in Wirklichkeit Deutschrocker sind, die sich optisch und z.T. auch in den Ansichten nicht immer von rechtspopulistischen Combos unterscheiden, wirkt der mächtige Punkrock von HASS regelrecht erfrischend. Die Stärken des 10 Albums liegen für mich in den ersten drei Songs und dem letzten Drittel der Scheibe („Hungersnot…“, „Liebeslieder“, „Komatag“).

Auf „Kacktus“ liefern HASS Metalhead-kompatiblen Punkrock der alten Schule ab. Die Songs knattern wie ne Planierraupe aus den Boxen und planieren alle angepassten Modepunks einfach über. Richtig gut!

Line Up

Peter Blümer (Gitarre),

Alex Schwers (Gitarre),

Chris Boemer (Bass)

Karsten Siebert (Schlagzeug)

Thomas Sohns (Gesang)

Gastmusiker:

Claudius Reimann (Akkordeon)

Tracklist

1) Mit wehenden Fahnen
2) Tote Fische
3) Zurück in die Psychiatrie
4) Gnadenlos
5) Recht Blöde
6) Bube, Dame, König, Arsch
7) Rattengift
8) Zeit zu gehen
9) Terror von oben
10) Hungersnot in der BRD
11) Liebeslieder
12) Anarchie
13) Komatag
14) Superpunk
15) Schwarz Rot Gold