Immorior - Herbstmär

CD Reviews, Immorior - Herbstmär

Komisch, auch im Musikbusiness scheint Antizyklik angesagt zu sein. Scheint draußen die Sonne und ist es warm, erscheinen nach meiner Wahrnehmung vermehrt Black-Metal-Alben, auch wenn dieser Sommer doch eher ein Herbst war. Ist ja auch logisch. Schließlich müssen die infernalen Düsterjünger auch durch die harte Zeit gebracht werden.

Auf die Frage, wozu man überhaupt die "tote Sprache" Latein lernen soll, gibt es zahlreiche treffliche Antworten. Die "coolste" ist jedoch, dass man sich mit Lateinkenntnissen nicht nur in der Mittelalter-Rock-Szene, sondern auch in der hiesigen Black-Metal-Gemeinde einen Namen machen kann, klingen doch lateinische Bandnamen und Songtitel um einiges geheimnisvoller, sagenumwobener und mystischer, zumal in einem Genre, in dem der Gevatter Tod und seine untoten verwesenden und faulenden Gesellen eine nicht ganz unwesentliche Rolle spielen.

Und so haben sich Nordmann (NELANDHIR, SEUCHENZUG, ex-STARDUST) und Sarghas (NELANDIR, NODERN HATE, SEUCHENZUG, ex-STARDUST) zu IMMORIOR zusammengetan, um dem atmosphärischen Black Metal zu frönen. Mit "Herbstmär" erscheint nun ihr Debütalbum, das von einer Phantasiegeschichte handelt, in der Träume und Realität zu einer Welt werden. In neun mitunter sehr umfangreichen Songs nehmen IMMORIOR den Hörer mit auf eine sphärische, hypnotische Reise in dietraumhaften Realitäts- und die realen Traumgefilde.

Aus dem Folk- oder Mittelalter Rock/ Metal entliehenen Soundstrukturen, umgesetzt durch akustische Gitarren, Klavier und atmosphärische Keyboards, sorgen für eine ruhige, friedvolle, stille Stimmung, die allerdings durch härtere, alternativ-rockige Gitarrenparts mit Klargesang sowie durch das typische infernale schwarzmetallische Gekrächze und diabolische schwarzmetallische Gitarrenwände ins Düstere und Bedrohliche abdriftet. Und diese Ambivalenz, dieser Gegensatz, diese Bipolarität in den unterschiedlichsten Ausprägungen verdeutlichen dann auch schon die Vermischung der Realität mit den Träumen.

Soundmäßig sind aufgrund der martialischen Epik der Songs Anspielungen auf SIGOR ROS nicht zu überhören, in ihrer alternativ-rockigen Ausprägung würde sicherlich auch Robert Smith von THE CURE Gefallen daran finden ('und Zeit stand still')

Kurz: IMMORIOR legen mit "Herbstmär" ein episches Black-Metal-Album der ruhigeren, sphärischen, aber dadurch nicht minder anziehenden Sorte vor, das durch seine SIGOR-ROS-mäßige Melancholie und THE-CURE-ige Düsternis durchaus zu überzeugen weiß.

Line Up

Nordmann

Sarghas

Tracklist

01. Somnio Vivere
02. Illusionist 
03. und Zeit stand still 
04. Sie 
05. Rastlos
06. Echo
07. Herbstmär
08. Erwachen
09. Vero Mori