Zum Hauptinhalt springen
Party.San Metal Open Air

Party.San Metal Open Air 2026 - Festival Bericht

© Carsten Brand

Party.San Metal Open Air 2026 - Festival Bericht

Es ist der 05. August im 2026sten Jahre des Herrn und das größte Extrem-Metal-Festival in deutschen Landen öffnet zum 30. Mal seine Tore. Seit der Hälfte der Zeit findet dieses Ereignis nun auf dem beschaulichen Flugplatz Schlotheim-Obermehler statt, was der Infrastruktur und der Wetterunabhängigkeit sehr zugutekommt.
Der Campground ist entlang der asphaltierten Landebahn auf dem Gras ausgerichtet, so dass man jederzeit problemlos sowohl mit dem Auto als auch zu Fuß zwischen den sehr oft sehr kreativ gestalteten Camps und dem Infield wechseln kann. Auch die Wege zu den nochmals verbesserten Dusch- und Klo-Einrichtungen sowie zur Alkohol- und Futterversorgung sind kurz. Lediglich Schattenplätze sind in der prallen Sonne kaum vorhanden. So ein Baum wäre auf einem Flugplatzgelände ja auch eher kontraproduktiv.
Am Mittwoch, dem Hauptanreisetag, ist am Abend lediglich das Discozelt geöffnet, was einige jedoch nicht davon abhält, sich schon mal vorsorglich für das gesamte Wochenende abzuschießen.
Passend zum 30jährigen Jubiläum haben die Veranstalter einige alte Weggefährten für die Hauptbühne gebucht, aber auch eher unbekannteren Bands Raum und Zeit gegeben, sich zu präsentieren.

06. - 08.08.2026

Party.San Metal Open Air 2026


Headliner
Hypocrisy, Testament, Amorphis, Moonspell, Marduk, Sventevith, Alcest, Dark Funeral
Besucherzahl
10.000
• 200 Stab Wounds
• A Canorous Quintet
• Acranius
• Afsky
• Alcest
• Amorphis
• Asagraum
• Baxaxaxa
• Begging for Incest
• Bloody Vengeance
• Celeste
• Crawl
• Dark Funeral
• Death Worship
• Deceased
• Endonomos
• Evoken
• Firespawn
• Fleshcrawl
• For Victory (Bolt Thrower Tribute)
• Gates of Ishtar
• Gorefunest (Gorefest Tribute)
• Groza
• GUT
• Guttural Slug
• Hexvessel
• Hypocrisy
• Impurity
• In The Woods
• Internal Bleeding
• Iotunn
• Jungle Rot
• Lamp Of Murmuur
• Lucifer's Child
• Marduk
• Messticator
• Misery Index
• Moonspell
• Morbus Dei
• Murder Squad
• Nail by Nail
• Rats of Gomorrah
• Sacred Reich
• Sadistic Intent
• Sarcator
• Schirenc Plays Pungent Stench
• Sear Bliss
• Sunken
• Sventevith
• Temple Of Dread
• Testament
• TodoMal
• Tulus
• Wolfbrigade
• Wormed
Social Media / Website

Donnerstag

Traditionell zeigt das Abfeuern von Esmeralda, der lokalen Haubitze, die Eröffnung des Infields an. Eingeweihte begeben sich dann schnurstracks zum Merchandise-Stand, um sich dort schnellstmöglichst die begehrtesten Stücke in seltenen Größen zu sichern. Erstmals wird hier tatsächlich sogar Kartenzahlung angeboten, was die Umsätze sicher noch mal gesteigert hat. Manch einer ist dann gleich beim Cuba Libre-Stand oder den Brutz-und-Brakel-Spezial-„Cocktails“ oder der Whisky-Bar hängen geblieben, während andere die zahlreichen Platten-Verkaufsstände von Cudgel und Co. nach Raritäten durchforstet.

Pünktlich um 13:45 eröffnen SARCATOR dann den musikalischen Teil der Veranstaltung auf der Hauptbühne. Ein paar Handvoll Wohlwollende davor sehen dann eine „really fucking faste“ Performance der jungen Schweden, die im Kinderzimmer sicher mehr als einmal Slayer gehört haben.

200 STAB WOUNDS sind dann schon etablierter und ein Teil der aktuellen Old School-US-Death Metal-Welle. Die Black Metal-Zugeneigten zieht es nun aber lieber zur Tent-Stage, wo MORBUS DEI ihr Bestes geben, um Dunkelheit zu verbreiten: Die Bühne ist dekoriert mit umgedrehten Kreuzen, Blut und dem großen, metallenen Bandlogo vor dem Drumkit, während die Musiker klassisches Corpse-Paint aufgelegt haben. Trotz der frühen Spielzeit ist das Zelt gut gefüllt und lauscht dem bösen Back Metal der zwei bisher erschienen Alben.

Einer der ersten Höhepunkte des Tages folgt dann wieder auf der Hauptbühne im knalligen Sonnenschein: Die Dänen von IOTUNN zelebrieren ihren anspruchsvollen progressiven Melo-Death. Im Gegensatz zu ihren normalerweise nächtlichen Auftritten haben sie dieses Mal den Suchscheinwerfer am Mikroständer daheim gelassen und auch das dunkle Cape von Sänger Jón Aldará wird etwas vom Winde verweht. Leider betrifft das auch die Bass-Drum, die bei den überlangen Songs wie „Kinship Elegiac“ etwas untergeht. Ansonsten ist der Auftritt mit seiner Mischung aus Growls und sehr starken Clean Vocals einer der technisch anspruchvollsten des Tages. Mit „The Anguished Ethereal“ und dem grandiosen „The Tower of Cosmic Nihility” ist nach ganzen vier Songs die 45-minütige Spielzeit dann auch schon erreicht.

Am späten Nachmittag wird der Nostalgiefaktor dann sehr hoch, als SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH loslegen. Die seit Jahrzehnten schwelenden Namensstreitigkeiten der Österreicher zwingen Martin Schirenc, die Originalstimme von Pungent Stench, anscheinend immer noch dazu quasi als seine eigene Coverband aufzutreten. Dieses Mal ist – nach über 27 Jahren – sogar der ursprüngliche Bass-Spieler wieder zurück an Bord. Die Österreicher prügeln sich durch ein Old-School-Set voller Gore-Klassiker, was vor allem langjährige Party-San-Besucher entzücken lässt, und feiern einen „Happy Re-Birthday“ mit einer großen Pit.

Anschließend sollte eigentlich die Party.San-Stammgäste DESASTER auftreten, doch müssen diese ihr Erscheinen leider spontan wegen Krankheit absagen. So kommt spontan das Ein-Mann-Black-Metal-Projekt LAMP OF MURMUUR zu ihrem Debüt als Fast-Headliner auf der Mainstage, die vermutlich letzte Woche noch ganz andere Pläne hatten. Obwohl Mastermind M. und seine unbekannten Mitstreiter quasi ins kalte Wasser geworfen wurden, beweisen die Veranstalter mit der Wahl ein gutes Händchen. Der Black Metal im Sonnenuntergang mit Blastbeats und rockigem Groove geht gut rein und gewinnt sicherlich einige neue Fans unter den Anwesenden. Songs wie „Hategate (The Dream-Master's Realm) “ und der Abschluss „Forever Bound to the Will of the Spectres” macht Lust auf mehr.

bra 068 07 Sventevith 9100
© Carsten Brand

Während EVOKEN im Zelt mit ihrem extrem langsamen und schweren Funeral-Doom die Zeit fast zum Stillstand bringen, braut sich auf der Hauptbühne etwas besonderes zusammen: SVENTEVITH macht sich bereit für ihren zweiten Auftritt (der erste war letzte Woche in Wacken). Dahinter verbergen sich Behemoth-Frontmann Nergal und die isländischen Black-Metal-Größen von Misþyrming, die wie der Name schon vermuten lässt, das meist stark vernachlässigte Behemoth-Debütalbum von 1995 „Sventevith (Storming Near the Baltic)“ in seiner Gänze aufführen. Damals spielten die Polen noch rauen Black Metal in seiner ursprünglichen Form, was nicht mehr so ganz zur Hochglanzperformance des heutigen Song-Katalogs passt.
Entsprechend karg präsentieren sich Nergal und Konsorten heute auch: Nur zwei invertierte Kreuze säumen die Bühne. Nach kurzer Ansage, dass das Projekt „gebildet wurde, um das obskurste Behemoth-Album jemals zu zelebrieren“, ballern die Musiker sich durch die bekannte Setlist: Von „Chant of the Eastern Lands“ bis zum Abschluss-Highlight „Transylvanian Forest“ bleiben keine Fragen offen. Die zwei instrumentalen Zwischenstücke kommen dabei vom Band. Nach kurzem Abschiedsgruß ist das Spektakel dann auch schon wieder vorbei und bei vielen Besuchern bleibt die Gewissheit zurück, hier etwas fast Einmaliges erlebt zu haben.

Außergewöhnliches der anderen Art ereignet sich dann auch auf der Zeltbühne: SEAR BLISS feiern ihr 30jähriges Bandjubiläum. Eine der wichtigsten ungarischen Metal Bands ist vor allem für ihren ungewöhnlichen Einsatz von Blasinstrumenten bekannt, und so steht auch heute ein Posaunist mit auf der Bühne, umringt von seinen Black-Metallischen Bandkollegen. Der Blechbläser gibt dem ganzen Auftritt einen epischen, theatralischen Touch. Gleich mit dem ersten Song „Winter Voices“ wird den Anfängen der Band gehuldigt und eine ganz eigenständige Atmosphäre geschaffen, die sie von ihren Genrekollegen abhebt.

Noch ein paar Berufsjahre mehr auf dem Buckel haben dann MOONSPELL als Co-Headliner des Donnerstags. Haben die Portugiesen auf ihrer langen Reise zwar einige Stilwechsel durchgemacht, so schaffen sie es doch immer, das Publikum in ihren Bann zu ziehen. Überraschenderweise haben sie heute ihren Debüt-Auftritt auf dem Party.San. Die seltene Mischung aus Gothic, Dark Metal und schwarzmetallischen Ursprüngen ziehen ein großes Publikum an. Die Bühne ist gespickt mit Feuerfontänen und einem sehr extravaganten Keyboard als zentralem Element. Mit dem Versprechen „to bring some Gothic into the Metal” startet der charismatische Frontmann Fernando Ribeiro ins erste Stück „Opium“. Nach dem ersten Highlight „Night Eternal“ kommt mit „Cross your Heart“ ein Stück vom neuen Album, bevor mit „Far from God“ und „Mephisto“ Klassiker folgen. Der Publikumsliebling „Full Moon Madness“ bildet natürlich den vielumjubelten Abschluss des Auftritts.

Den Donnerstag abschließen dürfen um Mitternacht die Bay-Area-Legenden von TESTAMENT. Nach Beastie-Boys-Intro legen den US-Thrasher rund um Eric Peterson und Chuck Billy am Mikro los und feuern einen Mitbang-Klassiker nach dem anderen in den thüringischen Nachthimmel. Unter dem großen Skelett-Backdrop performt die Band Songs wie „Practice what you preach“ und „Over the Wall“, bevor die Party auf dem Campground bis in die frühen Morgenstunden weiter geht.
Redakteur:  Martin Storf

Freitag

Nachdem die Kanonenschläge auch die komatösesten Schläfer geweckt haben, erwecken GUTTURAL SLUG auch noch die Halbtoten wieder zum Leben. Schon traditionell gibt es den lautesten, stumpfesten Krach gleich zur Mittagsstunde.
bra 084 08 ACanorusQuintett 2334
© Carsten Brand

Melodiöser geht es dann bei einem der raren Auftritte von A CANOROUS QUINTET zu. Die Kultband und prägendes Mitglied des berühmten schwedischen Melo Deaths haben sich vor allem durch ihre Releases in den frühen 90ern einen Namen gemacht. Dann war erst mal 20 Jahre Pause, bis man sich 2018 mit einer Neuveröffentlichung von „The Only Pure Hate“ zurückmeldete. Dementsprechend besteht die Setlist auch nur aus alten, gut gereiften, Schinken ohne modernen Schnickschnack. Von eben jenem können sich die anderen Genre-Vertreter gerne eine dicke Scheibe abschneiden. So schön Old-Schoolig kommt der Fünfer um die Ecke. Zwischen den Liedern gibt es Ansagen im sympathischen Deutsch und bei „Spellbound“ wird der Aufforderung zum Circle Pit gerne Folge geleistet und dann ist der erste Party.San-Besuch nach 45 Minuten auch schon wieder vorbei.

Mindestens genau so Old-School, doch in einem ganz anderen Genre unterwegs, sind die Landsmänner von SORCERER, die seit 1988 die Bühnenbretter dieser Welt in Lava verwandeln. So zäh und langsam fließt ihr epischer Doom Metal aus den Marshall-Boxen und weckt nostalgische Gefühle. Der melodiöse Gesang von Wieder-Frontmann Anders Engberg steht in starkem Kontrast zu seinen Death-Metal-Kollegen des Nachmittags. Auf der Setlist stehen auch einige neue Songs wie „Morning Star“ und „Reign of the Reaper“ vom gleichnamigen starken letzten Album.

Deutlich jünger, aber auch schon fest etabliert sind da AFSKY aus Dänemark. Mit ihrem melancholischen Black Metal sind sie einer der gefeierten Newcomer des Genres und etablieren sich auch hier vom Geheimtipp zum Publikums-Liebling. Nach dem absurden Intro mit dänischem Schlager shreddet die Band rund um Mastermind Ole Pedersen Luk sich durch das dreiviertelstündige Set, bei dem nur die kurzen akustischen Intermezzos die Gitarristen durchschnaufen lässt. Leider sind diese teilweise zu leise abgemischt, was durch die Dominanz des Schlagzeugs Songs wie „Natmaskinen“ schwer erkennbar macht.

In einem ähnlichen Genre sin dann zwei Stunden später WOLVES IN THE THRONE ROOM unterwegs. Trotz strahlendem Sonnenschein schaffen die Amis es, eine einmalige Atmosphäre aufzubauen. „Burnt from a serpent sky“ ist da mehr als passend, da Schattenplätze auch vor der Hauptbühne rar gesät sind. Die Band untermalt, warum sie als Wegbereiter des modernen atmosphärischen Black Metal gesehen werden, passen aber trotzdem besser in die Dunkelheit.

Es hat viel zu lange gedauert und es ist sowas von überfällig, dass SACRED REICH endlich einmal aufs Billing des Party.San gerutscht sind.
Dafür dürfen die Thrash Metal-Urgesteine aus Phönix, Arizona, heute aber immerhin zur Primetime auf die Mainstage! Und das Quartett lässt nichts anbrennen. Das sollte zumindest musikalisch mit Alben wie „Ignorance“, „The American Way“ oder dem zuletzt bockstarken Comeback „Awakening“ kaum schwer fallen. Ein kurzes, knackiges Best-Of-Set, an dessen Ende unter anderem nach „Immigrant Song“, „Crimes Against Humanity“, „Death Squad“ oder „The American Way“ die ewige Bandhymne „Surf Nicaragua“ steht. Dabei präsentieren sich die Amis als politisch stabile Menschenfänger, so unglaublich offenherzig und zugewandt. Auch wenn einer meiner Faves mit „Killing Machine“ leider im Vergleich zum Konzert auf der Stubnitz in Hamburg aus der Setlist geflogen ist: Sacred Reich sind eines meiner Highlights des gesamten Festivals. Pure Thrash Metal ohne jeden Firlefanz! (JD)

ASAGRAUM haben sich sicherlich einige Festivalbesucher dick auf der Running Order angestrichen. Im Zelt wird es dunkel als die vier Holländerinnen mit dickem Corpse Paint die Bühne entern, um ihren okkulten Black Metal zu zelebrieren. Dabei orientieren sie sich vor allem an den skandinavischen Old-School-Genregrößen und machen keine Gefangenen.
bra 130 13 Alcest 1293
© Carsten Brand

Das Zelt ist sehr gut gefüllt, doch dann beginnen die Wanderbewegungen in Richtung Hauptbühne um einen guten Platz für ALCEST zu ergattern. Selbst der bösestes Schwarzmetaller will halt auch mal was fürs Herz. Und das bekommt er von Neige und Konsorten ein ums andere Mal serviert. Unterm Vollmond zwischen Schilf und Reihern stehen die Begründer des Blackgaze und haben dem Anlass entsprechend ein Heavy Set herausgesucht. Wobei das bei ALCEST natürlich immer noch viel Zeit für akustische Träumereien und lange zurückhaltende Instrumental-Teile bietet. Da jedoch das letzte Album „Les chants de l’Aurore“ wieder etwas härter ausgefallen ist, bietet sich dessen Opener „Amétyhste“ auch heute als Start an. „Ecailles de Lune“ und der Abschluss „Kodama“ ernten jedoch den meisten Applaus, der auch lange nachdem die wie immer wortkargen und zurückhaltenden Franzosen hinter dem Vorhang verschwunden sind, nachhallt.Einer der größten Black-Metal-Namen des Festivals

Den breitesten Musikgeschmack auf sich vereinen können dann wohl AMORPHIS, die in ihrer langjährigen Karriere Generationen an Musikfans begeistert haben. So ist es auch zur Geisterstunde richtig voll vor der Bühne, als die Finnen unter dem riesigen Vogel-Totenkopf Aufstellung nehmen. Eingerahmt zwischen Schlagzeug links und Keyboards rechts wechselt Frontsau Tomi Joutsen gekonnt zwischen Growls und Klargesang. Der hohe Keyboard-Einsatz zeigt, dass die Band mit den Jahren immer melodiöser geworden ist, doch auch die ganz alten Songs erkennt man am ikonischen Keyboardsound. Die Stimmung steigt ins Unermessliche, als mitten im Set die ersten Töne von „Black Winter Day“ ertönen und „House of Sleep“ wird vom Publikum begeistert mitgesungen. Der neue Hit „The Bee“ vom vorletzten Album bildet dann den Abschluss des Sets und damit auch des Freitags. Ganz Hartgesottene geben sich dann noch die Metal Disco oder diskutieren die Auftritte zwischen Zelt und Bierstand.
Redakteur:  Martin Storf, Jens Dunemann

Samstag

Wer ein ganz besonderes Schmankerl erleben will, muss am Samstag sehr früh aufstehen, denn GOREFUNEST und FOR VICTORY haben ab 10 Uhr zum Frühschoppen im Zelt geladen. Während die einen eine astreine Bolt Thrower-Tribute-Band sind, besteht GOREFUNEST aus einigen Original-GOREFEST-Mitgliedern, die Bock haben die ersten Alben zu zocken. So nah wird man an ein Reunion-Konzert wohl nie mehr kommen. Und das erste Bier des Tages schmeckt auch schon wieder!

Nach A Carnorous Quintet gestern ist heute quasi zur gleichen Zeit ein weiteres Schmankerl aus dem gleichen Genre auf der Hauptbühne zu Gast. Ähnlich wie den Stockholmern blieb GATES OF ISHTAR auch der ganz große Durchbruch verwehrt, doch schwammen sie in der gleichen Ursuppe wie At the Gates, Dark Tranquillity und Konsorten.
Und für die Nordschweden ist es ein ganz besonders emotionaler Auftritt, denn eigentlich sollten sie schon 2016 auf dem Party.San auftreten, doch starb dann plötzlich ihr Schlagzeuger und sie mussten absagen. So schließt sich für die Band mit dem heutigen Auftritt nun ein Kreis, wie Frontmann Mikael Sandorf es ausdrückt. Und damit nicht genug: Zusätzlich kündigen die Melo-Deather an, dass sie an einem neuen Album namend „Murder the Light“ werkeln, dass im Januar 2027 erscheinen soll, also sagenhafte 29 Jahre nach ihrem letzten Release. Und von diesem Album schaffen es dann auch zwei Songs – „In Fires Froged“ und „Ghosts“ – auf die Setlist und werden als „old-school shit“ angekündigt. Druckvoll und hart kommen auch Songs wie „The Silence“ aus den Boxen und wenn dem Circle Pit-Aufruf anfangs nur 20 Nasen folgen, werden es im Laufe des Auftritts immer mehr. Nicht nur das Publikum, auch die Band ist angezündet und liefert mit „Where the Winds of Darkness blow“ zum Abschluss ein Highlight, dass Lust auf mehr macht. Vielleicht auf Tour mit dem neuen Album.

INTERNAL BLEEDING ist dann wieder eher was für die Stumpf-ist-Trumpf-Fraktion, bevor HEXVESSEL das komplette Gegenteil verkörpern. Extrem ist hier vor allem die Experimentierfreude. Hier wird Folk mit Hippie Musik und wabernden Gitarren vermengt und den uralten Göttern gehuldigt. Denn vor der Religion gab es die Spiritualität, wie usn Fortmann Mat McNerney wissen lässt. Leider sind auch hier mal wieder die Drums zur laut und lassen gerade die ruhigen Passagen untergehen. Vielleicht ist die PA einfach mehr Krach gewohnt. Der ab und zu anklingende Wikinger-Chor bei „A Dark and Graceful Wilderness“ ist jedenfalls deutlich zu vernehmen.

bra 167 17 Hexvessel 6718
© Carsten Brand

Bevor es aber zu gefühlsduselig wird, räumen die deutschen Black-Metal-Urahnen BAXAXAXA im Zelt und noch mehr ACRANIUS auf der Mainstage ordentlich auf und machen keine Gefangenen. Die Newcomer haben sich schon ein große Fanbase erspielt und spielen ihren Slam Death voll auf die Fresse. Zwischen den Songs fordern sie Personen im Publikum persönlich zum Crowd Surfen auf und lassen kleine Seitenhiebe auf „große Metal-Festivals, die von Amis gekauft werden und zum Glücksspiel anstiften“ vom Stapel, bevor der Moshpit-Pegel wieder in den roten Bereich steigt. Live macht das auf jeden Fall enorm Spaß!

Ein unerwartetes Highlight des ganzen Festivals ist dann der Auftritt von IN THE WOODS… Ein Konzert kurz nach ihrer Reunion circa 2014 war noch eher enttäuschend, aber heute präsentieren sich die Norweger ganz anders. Volle Spielfreude und mit neuem Material im Gepäck wirken sie eingespielt und können die anspruchsvollen Songstrukturen gut rüberbringen. Los geht es mit dem Klassiker „Heart of the Ages“, bevor der melodiöse Gesang bei „Come Ye Sinners“ nur noch wenigen Growls weichen muss. Der neue Song „Let me Sing“ wird abgefeiert und geht tief in die Gehörgänge, bevor mit „The Misrepresentation of I“ der Auftritt auch schon vorbei ist, weil die Band laut eigener Aussage keinen Song mehr hat, der in die 5-Minuten-Marke passt. Hier regiert der Bühnenchef anscheinend mit harter Hand! Mit dieser Performance haben die Genre-Pioniere sicherlich noch mal ihren zweiten Frühling ausgerufen und einige neue Fans hinzugewonnen.

bra 184 18 InTheWoods 7344
© Carsten Brand

Bei FIRESPAWN regiert dann der Nostalgie-Faktor. Alles erinnert an den zu früh verstorbenen Frontmann LG Petrov, der mit Entombed der Musik seinen ganz eigenen Stempel aufgedrückt hat. Seine Kutte hängt auf der Bühne und seine Mitstreiter aus alten Tagen huldigen ihm und dem schwedischen Death Metal auf ihre ganz eigene Weise. Live und mit aller Kraft. Ein würdiger Auftritt.

Wie groß GROZA mittlerweile geworden sind, merkt man an ihrem 19 Uhr-Slot. Vor ein paar Jahren noch als Newcomer am frühen Nachmittag, sind sie nun das erste Mal auf der Hauptbühne des Party.San unterwegs. Und die nach einem Mgła-Album benannten Black Metaller liefern ordentlich ab. Im mysteriösen Outfit, anonym unter schwarzen Kapuzen verborgen, blasten sie sich durch die Setlist, nur selten laden kurze akustische Intermezzos zum Verschnaufen ein. Nach 45 Minuten ist alles „Equal. Silent. Cold“.

Leider etwas zu früh ist es für CELESTE noch im Zelt. Normalerweise ist es bei deren Konzerten stockfinster und man sieht nur die roten Strahlen der Stirnlampen durch die Nacht zucken, was einen ganz auf die Musik fixieren lässt. Dazu ist es jetzt noch zu hell, und so kommt das Party.San-Publikum in den Genuss, die Band live und in Farbe vor sich zu haben. Doch auch so schaffen die Franzosen es, mit ihrem Post-Hardcore Black Metal-Verschnitt eine düstere, intensive Stimmung zur erzeugen, die einen in seinen Bann zieht.

bra 210 20 Sunken 8324
© Carsten Brand

SUNKEN sind dann ein Geheimtipp für die Slow, Deep and Dark-Fraktion. Der gesamte Auftritt besteht aus drei Songs und 60 bpm werden nie überschritten. Beim Beginn des Sets sind die Reihen noch recht licht gefüllt. Das ändert sich aber nach dem Ende des Groza-Auftritts auf der Hauptbühne schnell und so werden auch einige neue Zuhörer, die vielleicht eigentlich nur eine Hopfenkaltschale nachordern wollten, angelockt. Obwohl der Gesang etwas unter geht, bleibt der Applaus langanhaltend, bis mit dem Zeichen zum Abbau klar ist, dass der Auftritt vorbei ist.

Was die Auswahl der Bühnen angeht, hatte ich mir im Vorfeld durchaus so meine Gedanken gemacht. Denn sowohl Sear Bliss, Fleshcrawl und nun heute Tulus sind alles Kandidaten, die es eigentlich verdient gehabt hätten, trotz Headliner-Ehren im Zelt auf der Hauptbühne zu spielen. Die beiden erstgenannten nicht zuletzt, weil sie in der Vergangenheit schon das eine oder andere Mal auf dem Party.San gastiert haben, Tulus weil sie erstmalig in Schlotheim gastieren, vor allem aber weil die Norweger einfach Kult sind! Dafür hätten sie dann auch deutlich früher spielen dürfen aber die Orga wird sich schon ihren Teil dabei gedacht haben. Tulus nun also in der Festival-Chrunchtime im Zelt. Das Trio um Sarke, Crowbel und Blodstrup grantelt, grummelt und knarzt sich fortan durch den Set, pechschwarz, rotzig, roh und kauzig as fuck. Technisch und musikalisch sind hier Könner und Enthusiasten am Werk, dennoch fehlt mir gerade bei den atmosphärischen Parts, bei denen auf den Scheiben cleane Vocals eingesetzt sind, die Mystik und die Tiefe. Vielleicht bin ich einfach schon zu sehr durch, allerdings hätte ich mir trotz einer alle Bandphasen umfassenden Setlist mehr erhofft, als Black'n'Roll mit Jazz-Anleihen. (JD)

bra 230 21 Marduk 6573
© Carsten Brand

Nachdem MARDUK als Party.San-Dauerbrenner abgeliefert haben, wie es von ihnen erwartet wird, ist es Zeit für eine weitere Legende der Festival-Geschichte. Keine andere Band ist hier öfter aufgetreten als HYPOCRISY. Und das zu Recht! Die schwedischen Death Metal Legenden rund um Peter Tägtgren blasen zum Abriss des Festivals. Dazu haben sie ein Fegefeuer auf der Bühne aufgebaut, um außerirdische Wesen anzulocken. Denn sie sind sicher: „They will arrive!“. „Fire in the Sky” und der Gassenhauer “Left to Rot” werden abgefeiert, bei „Adjusting the Sun“ ist das Set zu Ende, jedoch nur kurzzeitig. Nicht lange lassen die Veteranen sich bitten, um doch noch die Klassiker ihrer über 30jährigen Bandgeschichte in den Schlotheimer Nachthimmel zu ballern: „Fractured Millennium“ wird heiß erwartet, doch erst mit „Roswell 47“ ist auch der letzte befriedigt. (Oder, wie mein Stehnachbar es immer wieder angekündigt hat: „Gleich kommt bestimmt ‚Knoxville 45‘“).
Die Veranstalter hätten keinen besseren Festivalabschluss einplanen können.
Doch ein Highlight fehlt natürlich noch: Nach drei Tagen Knüppel und Gebolze dürfen die ganz Hartgesottenen traditionell noch bis in die frühen Morgenstunden in der ABBA-Disco das Tanzbein schwingen und die „Dancing Queen“ raushängen lassen.
Redakteur:  Martin Storf, Jens Dunemann