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EMPFEHLUNG DES MONATS
15. Jan. 2026 | Musik Reviews

Gluecifer - Same Drug New High

Gut 20 Jahre nach der Auflösung, bewegen GLUECIFER ihren Allerwertesten wieder Richtung Rockthron.

Der Titel lässt vermuten, dass die Norweger (ja, sie sind keine Schweden) ihrem Sound treu geblieben sind. Es ist ja so, dass eine Droge nach einer längeren Zeit der Abstinenz wieder intensiver wirkt. Mal sehen, wie stark das Album knallt.
Live sind die Jungs ja schon seit 2018 wieder unterwegs und konnten mich überzeugen. Wie bei den Buddys von den HELLACOPTERS kommt nach den Reunion-Touren und Festivals nun also ein neues Album. Das ist nicht ganz ohne Risiko, kann aber absolut gelingen, wie THE HELLACOPTERS mit ´Eyes Of Oblivion´ eindrucksvoll bewiesen haben. Vorweg muss ich sagen, dass die Latte bei einem GLUECIFER Release bei mir sehr hoch hängt.
Gleich zu Beginn drücken GLUECIFER aufs Tempo und starten vielversprechend in die Scheibe. Nicht ist mit Ponyhof, hier wird weiterhin der Tiger geritten. Leider steigt die Band beim Titeltrack von der Raubkatze ab. Ich mag die überverzerrten Gitarren nicht und auch die Effekte auf den Drums in der Mitte des Songs bringen ihn nicht voran. Vom Songwritierschen her geht der Track OK, was Groove oder Hooklines angeht hat das Album aber Besseres zu bieten. Das zeigt sich gleich bei dem wieder flotteren ´Armadas´, ein sehr guter Track, der wie auch ´1996´ zeigt, dass GLUECIFER nicht hüftsteif geworden sind. Das Besondere an den Norwegern war immer, dass sie unabhängig vom Tempo immer unglaublich cool klangen. Deshalb war es auch immer völlig OK, dass sie sich großmäulig selbst als „Kings Of Rock“ bezeichnet haben. Diesen Coolness-Faktor erreichen sie auf ´Same Drug New High´ nicht ganz, aber Tracks wie ´Mind Control´ kratzen mächtig dran. So plätschert ´Pharmacity´ an mir vorbei und die etwas höhere Stimmlage von Biff ist nicht so überzeugend wie seine sonstige Leistung. Insbesondere auf den letzten Alben hatten GLUECIFER auch immer wieder düstere Elemente in ihrem Sound. Die haben sie sich erfreulicherweise bewahrt. Das ist auch der Moment, um Bassist Peter zu würdigen, der den ihm gelassenen Platz im Sound hervorragend nutzt und maßgeblich zur stellenweisen dunklen Atmosphäre beiträgt. Der Anfang von ´Made In The Morning´ ist so simpel wie gelungen. Das gilt auch für den Beginn des Rausschmeißers, leider baut der zum Ende ziemlich ab. Da hätten sich die Jungs die Keyboards und die nervigen, an das totgedudelte ´Sympathy For The Devil´ erinnernden, „Huu Huu“s schenken sollen.

Der Rockthron ist nicht mehr ganz so straff bezogen, sondern hat die eine oder andere Sitzkuhle bekommen. Unterm Strich bleibt ein gelungenes Comeback Album, das sich seine Auszeiten nimmt, aber auch Songs bietet, die so wohl nur GLUECIFER schreiben und performen können.
13. Jan. 2026 | Musik Reviews

Wolfchant – Echoes Of A Time Once Past

Der Albumtitel klingt vielversprechend, scheint er doch eine Rückbesinnung auf die Anfangstage der vielleicht dienstältesten deutschen Pagan Metal Band anzudeuten. Und bei genauerem Hinhören stellt man fest, dass sich in den letzten 10 Jahren musikalisch so viel eigentlich gar nicht verändert hat, wie ich dachte…

Meinen Weg kreuzten WOLFCHANT 2009, als sie mit „Determined Damnation“ ein recht amtliches Album abgeliefert hatten. Danach habe ich die Jungs allerdings wieder aus den Augen verloren, obwohl ich mir „Never Too Drunk“ immer mal wieder gerne angehört habe.
Der größte Unterschied zwischen „Determined Damnation“ und „Echoes Of A Time Once Past“ ist sicherlich, dass mit Nortwin 2010 ein zweiter Sänger in die Band kam und fortan mit seinen cleanen Vocals für eine weitere Farbe in der Palette der Bayern sorgt. Ansonsten findet der Fan auch anno 2026 die bekannte Mischung aus Pagan Metal Songs mit keifendem Gesang, episch-symphonischen Passagen mit meist gelungen eingesetzten Keyboards sowie einer Portion Power Metal, die wohl beim 2013er Album „Embraced By Fire“ ihren sichtbarsten Ausdruck im Drachen-Artwork fand (BLOODBOUND lassen grüßen).
Bekanntlich bin ich kein großer Fan von deutschen Lyrics, doch bei WOLFCHANT passen sie auch auf dem neunten Studioalbum gut ins Konzept und „Dem Sturm voraus“ vereint alle Trademarks, die die Band mittlerweile ausmachen (allerdings sind hier die Vocals stellenweise etwas gewöhnungsbedürftig). „Witchfinder“ hingegen ist da deutlich straighter ausgefallen und wird getragen von einem guten Gitarrenriff, welches seine Wurzeln irgendwo zwischen JAG PANZER und CHILDREN OF BODOM hat. Letztere standen vielleicht auch Pate beim rasenden Opener „Under a Twilight Star“, dessen Einstiegsriff gleichzeitig aber auch an RUNNING WILD erinnert.
Mit „Goddess of Fire“ haben WOLFCHANT einen sehr starken Song als Single ausgewählt, der auf dem Album von den nicht weniger starken „Under a Twilight Star“ und „Lifeblood“ flankiert wird.
Das Album erscheint (in Kooperation mit Hamburg Records und Edel) nicht nur über das eigene Label, sondern Skaal und Seehb haben „Echoes Of A Time Once Past“ auch selbst produziert. Sie haben der Band einen gelungenen Sound geschneidert, der deutlich weniger übergriffig ausgefallen ist als auf „Embraced By Fire“ und noch ein Stück organischer klingt als auf dem Vorgänger „Omega:Bestia“, welcher mit „Im Zeichen des Tiers“ übrigens auch einen gelungenen deutschsprachigen Song vorweisen konnte.
„Echoes Of A Time Once Past” ist zwar kein „Best of”-Album, dessen Songs alle gleichermaßen zünden, aber doch ein rundum stimmiges Pagan Metal Album, bei dem die Betonung gleichermaßen auf Pagan als auch auf Metal liegt. Die Band hat ihren Stil in den letzten 23 Jahren kontinuierlich verfeinert und um Elemente ergänzt, ohne sich untreu zu werden. Insofern dürften WOLFCHANT-Fans auch mit dem neunten Werk der Bayern vollauf zufrieden sein.

Wer die Band live erleben will, der bekommt beim diesjährigen HELMFEST die Möglichkeit. Nicht verpassen.
12. Jan. 2026 | Musik Reviews

SOEN - Reliance

Ein atmosphärisches Progressive-Metal-Album zwischen vertrauten Klängen, emotionaler Tiefe und intensiver Stimmung.

Mit Reliance schlagen SOEN keinen radikal neuen Weg ein – und genau das ist ihre Stärke. Die Band bewegt sich bewusst auf vertrautem Terrain und verfeinert ihren Stil weiter, statt ihn neu zu erfinden. Wer die letzten Alben kennt, wird sich schnell zuhause fühlen.

Die Songs sind geprägt von schweren, aber kontrollierten Riffs, klaren Strukturen und einer dichten, emotionalen Atmosphäre. Vieles wirkt vertraut, manches sogar sehr vertraut: Einige Passagen und Melodieführungen erinnern deutlich an frühere SOEN-Songs und lassen Assoziationen zu älteren Alben aufkommen. Das kann man kritisch sehen – hier fühlt es sich jedoch eher wie eine bewusste Rückbesinnung an als wie Ideenmangel.

Joel Ekelöfs Gesang steht erneut im Mittelpunkt. Seine Stimme transportiert Melancholie, Zweifel und innere Stärke zugleich, ohne sich in Pathos zu verlieren. Die Texte bleiben offen genug, um Raum für eigene Gedanken zu lassen, was dem Album zusätzliche Tiefe verleiht.

Produktion und Sound sind klar und druckvoll, ohne steril zu wirken. Reliance lebt nicht von technischen Spielereien, sondern von Stimmung, Dynamik und Gefühl. Die Band weiß genau, wann Zurückhaltung mehr sagt als Komplexität.

Reliance steht für innere Stärke, Verletzlichkeit und Vertrauen – ein atmosphärisch dichtes Progressive-Metal-Album, das emotionale Tiefe mit kraftvoller Zurückhaltung verbindet und SOENs unverkennbaren Sound konsequent weiterführt.

Am Ende ist Reliance ein Album für Hörer, die genau das von SOEN erwarten: emotionale Schwere, starke Melodien und eine dunkle, aber nicht hoffnungslose Grundstimmung. Kein großer Umbruch, sondern ein solides, ehrliches und sehr stimmiges Kapitel in der Diskografie der Band.

12. Jan. 2026 | Musik Reviews

Kreator - Krusher Of The World

Das ist es also.
Das lange und mit Spannung erwartete 16. Studioalbum der Thrash-Metal-Götter von "Kreator".
Auch nach fast 40. Jahren in Amt und Würden, sind die Essener Metal-Veteranen um Mille Petrozza kein bisschen leiser.

Ich nähere mich dem Album voller Respekt und Ehrfurcht, wie bei der Verkostung eines 10-Gänge-Gustation Menüs.
Seit meiner Jugend sind "Coma Of Souls" und "Pleasure To Kill" zwei meiner absoluten Lieblingsscheiben.
Werden mich die Thrash-Kapelle aus dem Ruhrpott nach "Hate Über Alles" erneut überraschen können?
Generell finde ich es grundsätzlich ja schwierig, einen Vergleich zu anderen Veröffentlichungen zu ziehen, so ergeht es mir auch bei "Krusher Of The World", denn bisher hatte jedes Metal-Menü von Kreator Songs, die mir gut und weniger gut geschmeckt haben.

Was mir gleich beim ersten Durchhören auffällt, ist dass wieder ein wenig mehr Old-School Trashmetal-Passagen vorkommen.
Zeitgleich ist die außerordentlich präzise und saubere Produktionsarbeit von Jens Borgren ( u.a.Amon Amarth - Twillight Of The Thundergod / Dimmu Borgir - In Sorte Diaboli / Paradise Lost - The Plague Within)  wahrzunehmen.
Jeder Track ist eine eigene kleine Stadion-Hymne für sich.
Satte Gitarren, voluminöse Soundteppiche, wuchtige und treibende Rhythmen sowie klangvolle Melodien, die zum Headbangen und Mitsingen einladen.
In vielen Bereichen erinnert mich die Scheibe aber eben nicht an Thrashmetal, sondern eher an Melodic-Powermetal à la Hammerfall oder den alten Helloween.
Gerade wenn ich mir die vielen, pfeilschnellen und harmonischen Gitarrensoli von Sami genauer anhöre, bekomme ich das Gefühl, "Stratovarius zu lauschen.

Mit "Seven Serpents" gelingt ein fantastischer Opener mit einem gelungenen, wunderbaren Halftime-Break, um direkt im Anschluss die Nackenmuskeln wieder auf die Probe zu stellen; zum Ende des Songs wird aber genau die von mir angesprochene Powermetal-Facette hörbar.
Weiter geht es mit dem durchaus trashigeren und galoppierenden Titel "Satanic Anarchy", bei dem sich der Refrain großartig mitgröhlen lässt.
Der Titelsong "Krushers Of The World" ist dumpf, stapfend, dynamisch und treibend.
Auch hier lässt sich der Refrain wieder mitsingen und erhebt sich zur wahren Hymne, bei der die Pommesgabel gen Himmel gereckt werden darf.
"Tränenpalast" ist dann tatsächlich eine Überraschung für mich, weil die großartige Britta Görtz (Frontfrau Hiraes) so bombastisch im Duett abliefert, dass mir ein wohliger Kälteschauer über den Rücken läuft und mich an den gluttoralen Gesang von Angela Gossow (ehemals Arch Enemy) erinnert. Der Track ist eine sehr professionelle Mischung aus Trash und Speedmetal, den ich immer wieder gut hören kann.
Darauf folgen "Barbarian", "Blood Of Our Blood" und "Combatants". Allesamt trashlastiger, aber der Sound wirkt gelegentlich künstlich ins Extremere überzüchtet und mir für echten Trash zu clean. 
Mich persönlich langweilt die Scheibe an diesem Punkt ein wenig und sie wird auch bei mehrmaligem Hören nicht spannender.
Mit "Psychotic Imperator" und "Deathscream" folgen dann wieder zwei Songs, die mich ein wenig aus dem zuvor eingesetzten Winterschlaf reißen und ähnlich wie Machine Head in den 90ern Ärsche treten.
Wie so oft kommt das Beste zum Schluss, denn mit "Loyal To The Grave" gelingt Kreator eine wirklich meisterhaft komponierte Thrash-Metal-Oper und ein großartiges Finishing.

Abschließend lässt sich für mich sagen, dass das Album alles hat, was ein solides Hörwerk benötigt.
Eine umfangreiche Klangdynamik, atemberaubende Temposoli, eine durchweg sehr gute Produktion, gespickt mit einigen Nackenbrechern und pathetisch klingenden Hymnen.
Trotz einiger kleiner Schwächen möchte ich jedem Fan von Kreator und Metal-Liebhabern das Album ans Herz legen. 


08. Jan. 2026 | Musik Reviews

Lionheart - Valley Of Death II

Eines ist vom ersten Riff an klar:
Lionheart machen mit ihrer neuen Langrille keine Gefangenen.Mit ihrem neunten Studioalbum "Valley Of Death II" beweisen die Californier einmal mehr mit zur Speerspitze des Metalcore / Hardcore zu gehören.

Daher ist es auch nicht verwunderlich das LH ihren Vertrag bei Arising Empires verlängert haben und ein neues Kapitel in ihrer eh schon beeindruckenden Karriere aufschlagen.

Brachial, extrem heavy und düsterer als bisher gewohnt, dübeln die zehn Tracks einen ohne Vorbohren direkt an die Wand.
Fette Gitarrenwände lassen gleich beim Opener "Bulletproof" keine Zweifel aufkommen - hier sollen die Spähne beim Hobeln auch fallen.

Was mir von Beginn an gefällt, ist die sehr viel kompromisslosere und härtere Gangart als noch beim Vorgänger "Welcome To The West Coast III".
LH haben die Messlatte in punkto Aggressivität noch einmal höher gelegt.
Schwere Kaliber werden auch bei den Gastauftritten von Kublai Khan TX auf "Chewing Through The Lash" und von A Day To Remember bei "Death Grip" aufgefahren.
Auch Rob Watsons Gesang ist wieder eine Naturgewalt;  sowohl das brutale Shouting, als auch die extremen Arrangements beim gleichnamigen Titel "Valley Of Death" & "Salt The Earth" haben das Potential für echte Neckbreaker im Moshpit.
Daß man sich allerdings auch schon bei kurzen Tracks blutige Nasen holen kann, zeigen "Roll Call" (1:28 min) und "Release The Dogs" (1:20 min).

Mir gefällt der neue, eingängige Groove der Scheibe und die metallastige Handschrift die das gesamte Album trägt.
Für mich ist "Valley Of Death II" einer der Must-Have Silberling zu Beginn des Jahres.

Wem das Schädelhirntrauma vom Bangen vor den heimischen Boxen noch nicht genug ist, kann sich live noch ein paar echte Prellungen im Circle Pit und in der Wall Of Death abholen, denn Lionheart sind derzeit unter anderem mit Madball zusammen auf Europatour.  

 

02. Jan. 2026 | Musik Reviews

Fuath - III

Kaum hat man sich glücksselig und mit Guten Vorsätzen behaftet gefreut, dass das Jahr 2025 endlich vorbei ist, da wird man von FUATH ganz schnell wieder auf den Boden der Tatsachen geholt.
Nicht umsonst ist der Bandname das gälische Wort für Hass. „III“ ist - wenig überraschend - das dritte Album des Soloprojekts von SAORs Frontmann Andy Marshall, der hier schon seit 2015 seine düstere schwarzmetallische Seite auslebt und alles selbst zusammenbastelt.

In den nur vier überlangen Songs legt er einen starken Fokus auf atmosphärischen old-school Black Metal wie er in Norwegen in den Neunzigern zelebriert wurde.
Während „The Cailleach“ noch entspannt und melancholisch in das Album einführt, lassen die Blastbeats nicht lange auf sich warten und die Aggressivitätsschraube wird schnell angezogen, der Gesang ist roh und verschwindet fast hinter der Soundwand. „Embers oft he Fading Age“ ist mit knapp acht Minuten der kürzeste Song des Albums und blastet quasi durch. Trotz der Monotonie lassen sich getragene Harmonie erkennen, die durch ihre stetige Wiederholung hypnotisch wirken.

Am abwechslungsreichsten ist „Possessed by Starlight“. MAYHEM-artiges Gekreische trifft auf knackige Produktion und die Double-Bass-Gewitter lassen auch mal Pause für eingängige Melodieführungen, bevor es wieder voll auf die Zwölf geht.

Den Abschluss bildet „The Sluagh“ ein 13-minütiges Monster. Das Drumkit macht Überstunden und knüppelt alles in Grund und Boden. Kalte Gitarrenriffs, die sich ins Hirn fräsen, machen nach einiger Zeit Platz für Gitarrenwände und kurze Akustik-Passagen, die auch PRIMORDIAL gut zu Gesicht stünden.

Insgesamt ist „III“ deutlich härter und roher ausgefallen als sein Vorgänger „II“. Man merkt, dass Andy Marshall sich hier nicht zurück halten muss und alle rausballern kann, was in seiner dunklen Seele schlummert.
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