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Interviews

Feuer frei - Rob Hussey con CYANIDE im Interview

(c) Cyanide (Promo)

Feuer frei - Rob Hussey con CYANIDE im Interview

In den letzten Tagen lief eine Doku zum Thema „War in den 80ern alles besser?“. Als Fazit kann man sagen, dass die 80er vor allem in der eigenen Erinnerung besser waren. Schaut man jedoch auf die musikalische Seite des Jahrzehnts, so möchte man doch bei der Behauptung bleiben, dass früher manches besser war. Wer sich auf eine nostalgische Zeitreise begeben möchte, der findet bei den Amis von CYANIDE den perfekten Soundtrack. Im Gespräch mit Frontmann Rob Hussey zeigte sich jedoch, dass es bei CYANIDE um mehr geht als nur um Haarspray, Mädchen und schnelle Autos. 
 
  • Line Up
    Rob Hussey - Lead Vocals
    Rikki Sterling – Guitar
    Larry Cassiano - Guitar
    Myke Campion - Bass
    RJ Fraser – Drums

„As the World Burns“ beschreibt das grundsätzliche Unbehagen, das mich überkommt, wenn ich mir unsere Welt ansehe und merke, dass die Menschheit in diesen hasserfüllten Wahnsinn hinabsteigt.
Rob Hussey (Cyanide)

Eine Band, die gleichzeitig auch als MÖTLEY CRÜE, POISON und IRON MAIDEN Tribute-Band aktiv ist, wirbt wohl zu Recht mit dem Verweis auf die späten 80er Jahre. Auf der Website der Band ist dementsprechend zu lesen: CYANIDE „is here to bring back the glory days of Heavy Metal. To
party like it’s 1989.” Und weiter heißt es: „it just needed a band this hungry to wake [hard rock] up again.”
Bleiben die Fragen: Was kennzeichnete das Jahr 1989 als „glory days of metal“? Und welche Qualitäten bringen CYANIDE, um den Hardrock dieser Zeit erfolgreich wiederbeleben zu können?

Die Fans haben 1989 zu den „glory days“ gemacht, indem sie all diese Alben gekauft haben. Die Charts wurden von Metal bestimmt, ebenso wie MTV. MÖTLEY CRÜE hatten ein Nummer-1-Album, was grandios war. Aber ehrlich gesagt, könnte man von der ganzen Dekade sprechen, 1981 – 1991. Ich kann nur für mich sprechen und habe keine Ahnung, wie andere Bands es sehen. Was mich von anderen unterscheidet, ist die Tatsache, dass ich diese Musik geatmet und gelebt habe, seit es sie gibt. Sie war ein dauernder Teil meines Lebens seit 1977. Ich muss nichts vortäuschen, denn diese Musik kommt einfach so aus mir heraus, da sie 100 % echt ist.

2015 ist das Debütalbum „Lethal Dose“ erschienen. Danach war es 10 Jahre ruhig. Was habt ihr denn seit 2015 gemacht?

Ich habe bereits 2016 mit dem Songwriting für das neue Album begonnen. Unser eigentlicher Leadgitarrist Marc hat dann aber zwei Jahre Auszeit genommen, um eine Familie zu gründen. Als er 2018 wieder bereit war, waren die Dinge aber irgendwie nicht mehr dieselben. Wir sind nur sehr langsam vorangekommen. Dennoch habe ich an ihm festgehalten, da ich die Chemie zwischen uns erhalten wollte. 2019 hat Marc die Band dann verlassen. Er hatte nicht mehr den nötigen Antrieb und wollte nicht die Schwachstelle in der Band sein. So sind also die ersten drei Jahre vergangen. Ich bin dann im Februar 2020 ins Studio gegangen, um die Songs aufzunehmen, und prompt stand die gesamte Welt still. Meine Arbeitssituation wurde sehr schlimm, aber ich war in ihr gefangen. Ich bin dann in tiefste Depressionen versunken und habe meine Gitarre für ein ganzes Jahr nicht einmal angefasst. Ich habe nicht geglaubt, dass ich nochmal aus diesem Tal herauskommen würde. 2022 folgte dann eine sehr schmerzhafte Scheidung, so dass ich mich erst im August 2022 wieder mit dem neuen Album beschäftigt habe, nur gemeinsam mit unserem Produzenten. Im Oktober 2022 war dann der Höhepunkt meiner Scheidung. Kurzum, 2016 bis 2022 waren eine einzige Zeitverschwendung und ich habe nur auf andere Menschen gewartet. Danach habe ich endlich beschlossen, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und vorwärts zu gehen. Es dauerte dann drei Jahre, um das Album aufzunehmen, zu mixen und zu veröffentlichen. Ich habe in diesen Jahren viel gelernt.

Vielleicht ist es ein Resultat der langen Entstehungszeit, dass auf „21 Gun Salute“ verschiedene Stile zu hören sind. Während das Album etwas moderner beginnt, schwingt ihr ab „Never Let Me Go“ in den „MÖTLEY-CRÜE-Gedächtnis-Modus“. Und am Ende sind Songs wie „As the World Burns“ und „Social Media Disease“ hörbar härter. Wo siehst du denn den roten Faden in eurer Musik?

Als ich in der Junior Highschool war, wurden die Metal Fans ziemlich ausgeschlossen. Thrash Fans hasten Glam Rock und so weiter. Ich war anders. 1986 habe ich zu „Dancing Undercover“ (RATT) und „Look What The Cat Dragged In” (POISON) abgerockt, liebte aber auch “Master of Puppets“ und „Reign In Blood“. Ich fand zudem „Somewhere In Time“, „Turbo“, „Rage For Order”, “To Hell With The Devil” und “Among The Living” super. Während das erste CYANIDE Album zu 100% aus Partyhymnen und Sunset Strip Vibe besteht, haben die schlechten Erfahrungen der letzten Jahre auch meine anderen Metal Einflüsse hervorgebracht. Erst dachte ich, dass es nicht funktionieren würde – und für manche Leute funktioniert es vielleicht auch nicht. Aber für mich ist dieses Album 100% ich und es steht für alles, was ich am Metal liebe.

Auch textlich scheint es Unterschiede zu geben. Während einige der Songs typische Hair Metal Themen behandeln, scheinen Songs wie „Social Media Disease“ und „As the World Burns“ eher ernsthafte Themen zu behandeln. Kannst du uns ein wenig mehr zu diesen Songs sagen?

Zu sehen, wie sich Familienmitglieder in Echtzeit in den sozialen Medien über Politik zerfleischen und diese ganzen Trolle, die man tagtäglich sieht, haben mich dazu gebracht ständig über den Begriff „Social Media Disease“ nachzudenken. Der Song ist im Grunde als Unterstützung für die Menschen gedacht, die sich gemobbt fühlen und nicht wissen, wie sie das alles durchstehen sollen. Hört auf euch alle zu hassen!
„As the World Burns“ beschreibt das grundsätzliche Unbehagen, das mich überkommt, wenn ich mir unsere Welt ansehe und merke, dass die Menschheit in diesen hasserfüllten Wahnsinn hinabsteigt. Es sind also nur meine allgemeinen Beobachtungen darüber, wie sehr wir alle am Arsch sind.

Während CYANIDE auf ihren Alben eigene Songs präsentieren, kann man die Band auch als unterschiedliche Tribut-Bands buchen: FLIGHT 666 (IRON MAIDEN), RED HOT (MÖTLEY CRÜE) oder PLAY DIRTY (POISON). In welcher Konstellation wird die Band denn am häufigsten gebucht?

FLIGHT 666 gibt am längsten und wir haben gerade eine tolle Show vor 1500 Leuten im House of Blues gespielt. RED HOT sind nun für einige Shows als Headliner gebucht und PLAY DIRTY treten am 24. Januar erstmals als Headliner auf. CYANIDE sind bei den meisten dieser Shows Support-Band und das hilft der Band enorm.

Auf „21 Gun Salute” ist fast auf jedem Song ein Gastmusiker vertreten. Weshalb?

Das OZZY-Album „Patient #9“ ist erschienen, als ich meine Depression hatte. Ich hatte keine Band, wollte aber mit dem Album vorankommen. Die Tatsache, dass OZZY ein Album veröffentlicht hat, auf dem Leadgitarristen als Gäste auftraten, hat mich inspiriert, es auch so zu machen. Ich habe die Drums, den Bass und die Rhythmusgitarre aufgenommen und die Idee der Gastmusiker dann aufgegriffen, nachdem Oz Fox und Jeff Duncan zugesagt hatten.

Auf der Bandcamp-Seite der Band konnte das Album abgespielt und auch heruntergeladen werden. In meiner Promo-Kopie fiel mir auf, dass verschiedene Songs „White Noise“ Teile hatten oder seltsam geschnitten waren. Kurzerhand habe ich den Promoter der Band kontaktiert und der hat Rob das Problem geschildert. Mittlerweile ist das Problem behoben. Gab es irgendwelche Rückfragen von Fans, die die Scheibe bereits gekauft hatten?

Wir hatten keine Ahnung, dass das Problem bestand, bis du uns darauf hingewiesen hast. Ich habe mir die Original-Dateien angehört und sie waren 100 % in Ordnung, also habe ich sie erneut hochgeladen. Und danach war das Problem behoben. Ich habe versucht, herauszufinden, weshalb es zu diesem Problem gekommen ist. Es scheint, dass das VPN (Virtual Private Network) diesen Fehler erzeugt hat. Ich habe allen Bandcamp-Followern eine Nachricht geschickt und sie informiert, dass das Problem nun behoben wurde. Ich fühlte mich echt schlecht wegen der Sache.

Die SCORPIONS haben im letzten Jahr ihren 60. Geburtstag im Stadion in Hannover gefeiert. Der deutschen Hardrock-Export hat auch eine feste Show in Las Vegas gehabt. Hattest du die Gelegenheit, die Band dort zu sehen?

Ich habe die SCORPIONS über die Jahre mehrfach in verschiedenen Locations hier in Las Vegas gesehen. Es ist immer eine großartige Rock ‘n‘ Roll Show, wenn die SCORPIONS in der Stadt sind.

„21 Gun Salute“ ist als Tribut an die Truppen der US-Army gemeint. Er soll als Song über „Gemeinsamkeit in einer Zeit der Spaltung“ verstanden werden. Wie kann der Song den Amerikanern helfen, die Spaltung der Gesellschaft zu überwinden?

Ich glaube nicht, dass irgendetwas die momentane Spaltung beheben kann, da sie so tief ist. Wenn wir live spielen und ich den Song den Truppen widme, dann gehen die Leute richtig ab und es scheint, dass wir alle dankbar für den Dienst unserer Soldaten sind. Ich denke, dass wir allein die Spaltung überwinden können, aber dafür müssen wir Andersdenkende mit mehr Respekt und Freundlichkeit behandeln.

Ich weiß, dass Amerikaner nicht gerne über Politik reden, und natürlich ist mir auch klar, dass das Artwork von „21 Gun Salute“ nicht politisch gemeint ist. Wenn man es spaßeshalber politisch überinterpretiert, passt das Artwork zur momentanen politischen Situation. Ein weiblicher Uncle Sam feuert seine nach Westen gerichtete Kanone ab. Sieht man sich die aktuellen Umfragen zum Verhältnis Europas zu den USA an, bekommt das Artwork eine gewisse politische Aktualität. Längst sehen viele Europäer die USA als Bedrohung und weniger als verlässlichen Partner – und dies nicht nur wegen der absurden Grönland-Forderung. Wie nimmst du die Rolle der USA in der Welt denn heute wahr? Und: Has America become great again yet?

Was das Artwork betrifft, hab ich mir wirklich nie Gedanken über die Ausrichtung der Kanone gemacht. Es ist ausschließlich als Hommage an meine alten Helden wie AC/DC & Co. gemeint. Ich sagtedem Designer, was ich mir vorstelle, und er kam dann mit diesem Design an. Es gibt also absolut keine politische Idee hinter dem Artwork. Ich bin hier, um die Leute mit Musik zu unterhalten.
Wenn es um Politik geht, dann halte ich es mit Gene Simmons, der kürzlich sagte, dass er die Zeiten vermisse, als die Menschen ihre politischen Ansichten für sich behalten haben. Es ging noch nie jemanden an, was du denkst und was du wählst. Ich bin hier, um Musik zu machen und weiter nichts.
Ich hoffe weiterhin, dass die Menschen einen Weg finden werden, um zusammenzukommen und Großartiges zu erschaffen. Ich glaube allerdings nicht, dass es eine Partei gibt, die wirklich an uns interessiert ist oder die die Dinge irgendwie richten wird. Sie hatten jetzt mehr als 200 Jahre Zeit und trotzdem haben wir noch diesen ganzen Mist. Ich weiß nicht, wie das alles verändert werden kann. Ich glaube nicht, dass sich etwas ändern wird, solange die Menschen nicht zusammenkommen. Wie ich in meinem Song „As the World Burns“ singe: “We wouldn’t see, and now the hour is late.” Ich singe nicht „we coudln’t see“ sondern „we wouldn’t“. Ich hoffe, dass sich die Dinge noch irgendwie ändern und ich meine damit, dass die Menschen wieder zusammenkommen müssen!
Cyanide - Slip N Slide (feat. Keith Robert) (Official Music Video)
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