Wenn ich den Namen ENGST gelesen habe, war ich mir nie sicher, ob es sich um eine Black Metal Band oder aber um eine Pop Truppe handelt. Und das Coverartwork des aktuellen Albums „Gute Laune“ entpuppt sich in dieser Hinsicht auch nicht gerade als besonders hilfreich. Da hilft nur eins: die Play-Taste drücken.
Was tut man, wenn man eine Casting-Show gewinnt? Richtig, man läuft und lehnt den angebotenen Major-Vertrag ab. So geschehen vor gut 10 Jahren, als sich Matthias Engst dafür entschied, lieber eine eigene Band nach seinen eigenen Vorstellungen zu gründen. Von der Stammbesetzung ist neben dem Namensgeber mittlerweile nur noch Schlagzeuger Yuri Cernovolov an Bord, was jedoch nicht zu einer musikalischen Neuausrichtung führte. Trotz des Corpse-Paints auf dem Cover, haben sich ENGST nicht dem schwarzen Metal aus dem hohen Norden verschrieben. Stattdessen gibt es eingängigen Deutschpunk mit mal mehr („Sag Mir Warum“), mal weniger („Magen Darm“, „Filmriss“) tiefgreifenden Texten. Stilistisch bewegt man sich irgendwo zwischen VIVA, MASSENDEFEKT, ältere DRITTE WAHL (in härteren Momenten wie „Magen Darm“) oder den Amis von ANTI FLAG oder THE LOVED ONES, was vor allem an Frontmann Matthias Engst liegt, dessen leicht kratziges Organ einen schönen Wiedererkennungswert hat.
Das vierte Album seit der Bandgründung 2015 lässt auf jeden Fall aufhorchen, denn mindestens die Hälfte der 14 Songs sind lupenreine Hits, die sich ziemlich schnell im Ohr des Hörers festsetzen. Zu nennen wäre da zunächst der eröffnende, an die Fans und Freunde gerichtete Jubiläumssong „“Auf die nächsten Zehn“, aber genauso das ergreifende „Sag Mir Warum“, das kritische „Roter Teppich“, „Revolution“, „Komm mit uns“ oder das schnelle „Therapie“. Mein momentaner Favorit ist das schnoddrige und humorvolle „Großstadtprolet“, gefolgt von „Sandra“, einer Abhandlung über einen One-Night-Stand, der anders verlief als geplant. Der schwächste Song ist für mich wohl „Blumen“, was aber wohl eher eine Geschmacksfrage ist. Dass die Berliner Haltung haben, zeigten sie 2024 bereits mit der Single „Herr Meier von der AFD“ und auch auf „Gute Laune“ schimmert die Einstellung der Jungs in verschiedenen Songs immer wieder durch.
ENGST wirken auf „Gute Laune“ authentisch. Sie zeigen ein sehr gutes Händchen für ansprechende Punk-Rock-Songs mit eingängigen Melodien, die sowohl im Club als auch auf den großen Festivalbühnen perfekt funktionieren dürften. Ein starkes Album ohne nennenswerte Schwächen: „Gute Laune“ garantiert!
17.04.26 Bremen, Modernes
18.04.26 Kiel, DIe Pumpe
19.04.26 Oberhausen, Kulttempel (ausverkauft!)
24.04.26 Jena, F-Haus
25.04.26 Nürnberg, Hirsch
26.04.26 Aschaffenburg, Colos-Saal