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Lamb Of God - Into Oblivion

VÖ: 13. März 2026  •   Label  Century Media
Seit dem letzten Album Lamb Of Gods Omen sind vier Jahre vergangen. Im ersten Quartal 2026 melden sie sich nun mit Into Oblivion von ihren unterschiedlichen Aufnahmeorten zurück. Und keine Sorge: es ist nicht zum Vergessen oder dem Untergang geweiht.
Hatte ich im Review zu einer regionalen Band gleichen Genres geäußert, dass mir deren Songs im direkten Vergleich besser gefallen haben, besteht nun die Gelegenheit das Warum? zu beschreiben.
Sinngemäß soll, nach Johannes im selbigen Evangelium, das Agnus Dei (Jesus) die Sünde der Welt auf sich nehmen. War das Album Omens eine Vertonung oder ein Kommentar auf den Zustand der Welt generell, so ist es Into Oblivion erst recht. Nur hat sich der Fokus auf das Heimatland der Band, die USA, gelegt. Der bislang bestehende Gesellschaft-/Herrschaftsvertrag ist in der Auflösung begriffen, Sachverhalte, die vor zwanzig Jahren noch für unmöglich gehalten wurden, gehören nun zum Tagesbild (willkürlicher Gewalteinsatz, gesetzloses Handeln durch exekutive Elemente, Ignorieren parlamentarischer Rechte/Kontrolle, Durchsetzen reinster elitärer Partikularinteressen usw.). Insofern kann man Into Oblivion auch als lapidaren und sarkastischen Kommentar Kannste vergessen!
interpretieren, aber ebenso als dystrophe Ahnung, auf den Untergang zu zugehen. So destruktiv damit der inspirierende Rahmen gesetzt ist, so positiv liberal ging die Band zu Werke, das Studioalbum Nr. 11 entstehen zu lassen, nämlich einfach die Musik zu machen, die sie selbst cool findet.
Mit Opener und Titeltrack gibt es gleich einen auf die Mütze. Parasocial Christ dreht noch mehr auf und Blast-Beat-Feuerwerk. Sepsis entwickelt sich von rezitativen langsamen Hammerschlägen zu einer Furie. The Killing Floor bleibt im gleichen Uptempo. El Vacio ist das ruhigste Lied mit cleaner, erzählerischer Stimme. Im letzten Drittel aufbrausend, um aber im ruhigen Fahrwasser (wie in den ersten 2/3) auszulaufen. Mein Highlight des Albums. St. Catherines Wheel, das Folter- und Exekutionsinstrument mit langen Dornen und Sägezähnen auf der Lauffläche, schließt sich an. Historisch gilt die Hl. Katharina als Legendengestalt: im Frühmmittelalter - so die Sage - soll die spätere Heilige hingerichtet werden, in dem sie durch gegenläufige Räder zerfetzt worden wäre. Dieses Rad wurde seitdem als St. Katherinenrad bezeichnet. Auf alle Fälle zerstörten angeblich himmlische Wesen die Konstruktion. Letzten Endes fand Katharina ihr Ende als Märtyrerin, sie wurde schlicht enthauptet. Ist ja fast wie in der sog. Spieltheorie mit dem Gefangenendilemma oder in der Realität mit Al Capone, der nicht wegen der Kapitalverbrechen, sondern Steuerdelikten einfuhr (und an den Folgen einer Syphiliserkrankung starb). Im Lied bleibt es bei dem Motiv, dass der personale Erzähler furchtlos ist, auf diesem Rad zu fahren. Es würde einen nicht brechen, aber er appeliert auch, es zu brechen/zu zerstören. Mit den Midtempo-Titeln Blunt Force Blues, Bully und A Thousand Years findet das Album seinen Abschluss.

Groove haben Lamb Of God zweifellos, jedoch findet ein beinahe automatisches Mitwippen wie bei der regionalen Band, die am gleichen Tag VÖ hat, nicht statt. Die musikalische Aggresivität passt absolut zum gesteckten thematischen Rahmen. Makelig werde ich beim Schlagzeugsound: etwas zu viel Hall und zu hohl auf Snare und den Toms, für mich könnte es organischer klingen. Ein sehr gutes Metalalbum ist Into Oblivion von Lamb Of God trotzdem geworden. 
 
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