Straight out of Gymnasium Wolbeck kehren Popelbremsen-Träger Henning Wehland und seine H-Blockx-Männer 36 Jahre nach Bandgründung mit einem neuen Album zurück in den Crossover-Ring.
Dass die Münsteraner Mitte der 90er von so manchem Metal-Fan belächelt wurden, dürfte den deutschen Crossover-Pionieren angesichts von über einer halben Million verkaufter Tonträger vom Debüt „Time To Move“ herzlich egal gewesen sein. Es folgten sechs weitere (mal mehr, mal weniger erfolgreiche) Studioalben, bevor es im vergangenen Jahrzehnt recht ruhig um die H-BLOCKX wurde. Lediglich Frontmann Wehland tauchte mit den Söhnen Mannheims sowie in verschiedenen TV-Formaten immer mal wieder auf. Seit 2024 machte die Truppe dann nicht nur mit einer gut besuchten Konzertreise von sich reden, sondern präsentierte auch erstmals neue Songs. Mit Ausnahme der 2024er-Single „Fallout“ finden sich alle weiteren Auskopplungen auf „Fillin The Blank“. Und während die H-BLOCKX ja bereits auf Alben wie „Discover My Soul“ oder „Fly Eyes“ ein Händchen für einprägsame Melodien und eingängige Grooves bewiesen hatten, hört man dem neuen Material sofort an, dass die Band gereift ist. Dabei haben sich die Westfalen ihre Liebe für unterschiedliche Musikrichtungen bewahrt, was „Fillin The Blank“ zur perfekten Matrize für zeitgemäßen Crossover im wörtlichsten Sinne des Wortes macht. Es gelingt der Band jedoch zu jeder Sekunde, die auf den ersten Blick vielleicht sogar unvereinbar erscheinenden Stilrichtungen so miteinander zu verbinden, dass am Ende organische Hüppe-Metal-Songs mit viel Kopf-Nick-Potential, guten Riffs, fetten Beats und packenden Vocals entstanden sind. Dabei schlägt das musikalische Pendel mal mehr in die eine, mal mehr in die andere Richtung aus. Während „Straight Outta Nowhere“ in mancherlei Hinsicht als „typischer H-BLOCK“ mit 90er-Jahre-Vibe bezeichnet werden kann, wildert „Beg To Differ (Bully)“ unverhohlen im Hip-Hop. Die neueste Single „Desperado“ zündete bei mir nicht sofort, entwickelt sich aber mit jedem Durchlauf mehr zum Ohrwurm mit Kopf-Nick-Potential. „Me and My Horse“ verbindet THE OFFSPRING-Shouts mit funkigen Parts, was in „What The Funk” weiter fortgesetzt wird, wobei hier auch irgendwie Bands wie DEICHKIND durchzuschimmern scheinen. Für mich nicht der stärkste Song des Albums. Doch wer direkt zu „Last Summer“ weiterskippt, der bekommt einen unbeschwerten High-School-Punkrock-Song der Marke SUM 41 und BLINK 182 um die Ohren gefeuert. Für „Licky Licky“ wünsche ich mir, dass bei diesem Song live das Publikum nicht zu sehr einbezogen wird.
Sie sind zurück, auch wenn sie nie offiziell weg waren. Ich habe die H-BLOCKX in den 90ern verschiedentlich in mittelgroßen Clubs live erlebt, was meine Meinung zu den Münsteranern seinerzeit positiv beeinflusst hat. „Fillin The Blank“ zeigt die Band gereifter und mit nach wie vor sicherem Händchen für große Grooves aus fetten Beats und Riffs, die zwischen zart und explosiv variieren. Wenn es einer musikalischen Definition des Genres „Crossover“ bedurfte, dann liefern die H-BLOCKX mit „Fillin The Blank“ den passenden Lexikoneintrag.