The Holeum – „Ensis“: Atmosphärischer Doom im Schatten schwarzer Löcher
Das Universum ist unendlich, kalt und voller Fragen – aus dieser Perspektive nähert sich die spanische Band THE HOLEUM ihrer Musik. Gegründet 2014 im mediterranen Alicante und benannt nach einer astrophysikalischen Theorie über dunkle Materie und die Entstehung Schwarzer Löcher, verfolgt das Quintett seit jeher einen klaren Anspruch: schwere Musik nicht nur laut, sondern auch existenziell wirken zu lassen. Mit ihrem dritten Album „Ensis“ verbinden die Band erneut Death Doom, Post-Metal, melodischen Metal und experimentelle Klangflächen zu düster-atmosphärischen Klängen.
Nach ihrem Debüt „Negative Abyss“ (2016) und dem deutlich finstereren Nachfolger „Sublime Emptiness“ (2019) wirkt „Ensis“ wie eine Verdichtung der bisherigen Ideen. Die Songs entfalten sich weniger als klassische Metal-Kompositionen. Schwere Gitarren, düstere Harmonien und ein drückendes Rhythmusfundament schaffen zunächst eine Atmosphäre, die bedrückend und ansprechend zugleich wirkt.
Schon früh macht das Album deutlich, wohin die Reise geht: sphärische Klangflächen treffen auf gewaltvolle Ausbrüche, während die Lyrics immer wieder um Fragen kreisen, die größer sind als der Mensch selbst. Existenz, Einsamkeit und die Suche nach Bedeutung im Chaos des Universums. Ein roter Faden, der sich durch das Album zieht. Musikalisch lebt „Ensis“ stark von Kontrasten. Massive Instrumentalparts wechseln sich mit ruhigen, beinahe schwebenden Momenten ab. Cleane Gesangspassagen sind rar gesät. Hier wird von Sänger Matt Boland vermehrt auf verzerrte Vocals gelegt. Gleichzeitig arbeitet die Band häufig mit Wiederholung und langsamen Steigerungen – ein Stilmittel, das die hypnotische Atmosphäre verstärkt, stellenweise aber auch zu einer gewissen Gleichförmigkeit führt.
Gerade deshalb stechen einzelne Momente besonders hervor. „Esoteric Futuristic Visions“ entwickelt sich zum dynamischsten Stück des Albums und zeigt mit rhythmischer Vielfalt und einem seltenen Gitarrensolo das kreative Potenzial der Band. Auch das finale „Geometric Congruence Vortex“ baut noch einmal eine epische Stimmung auf – ein Finale, das allerdings etwas abrupt endet.
Mit „Ensis“ erschaffen THE HOLEUM ein intensives Album zwischen Death Doom und Post-Metal, das weniger auf schnelle Höhepunkte als auf Atmosphäre und philosophische Themen setzt. Trotz der Eintönigkeit mancher Songs überzeugt die Platte mit dichter Stimmung und kosmischer Bildsprache – ein Werk für HörerInnen, die sich gerne in dunklen, nachdenklichen Sound verlieren.