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Victim – Nuclear Nightmare

VÖ: 21. November 2025  •   Label  Pure Music Addiction Records
Ganz Niedersaschen steht Kopf: Ein neues Album von VICTIM. Doch halt. Bei dieser Band handelt es sich keineswegs um die kultige 90er-Jahre-Ikone aus Hildesheim, sondern um die weitaus fähigeren Thrasher aus Weimar. Diese legen mit „Nuclear Nightmare“ nun bereits ihr zweites Album vor und dürften Szenekennern bereits durch ihre Liveaktivitäten bekannt sein.

Während sich die Karrieren der Big Teutonic Four recht unterschiedlich entwickeln und vor allem KREATOR große Hallen füllen, wächst im Thrash-Metal-Untergrund eine vielversprechende neue Generation von Bands heran: SURGICAL STRIKE, REZET, ERADICATOR oder auch THE PROPHECY23. Und auch VICTIM müssen in diesem Atemzug genannt werden. Das Trio aus der HEAVEN SHALL BURN-Heimatstadt hat sich mit Haut und Haar dem traditionellen, rohen Thrash verschrieben und dürfte daher besonders Fans von Bands wie XENTRIX, CYCLONE TEMPLE, GRINDER oder auch DEATH ANGEL und NUCLEAR ASSAULT ansprechen. Dabei beweisen VICTIM oftmals ein gutes Händchen für stimmige Riffs und eingängige Melodien. Mit „Purification“ hat man einen perfekten Opener gewählt, der in Teilen an die Osnabrücker WARHEAD erinnert und der vor allem durch seine gekonnt platzierten Tempiwechsel und das grandiose Riffing begeistern kann. Das titelgebende „Nuclear Nightmare“ entwickelt sich fast zum Mantra. Da hätten es auch ein paar Minuten weniger getan, finde ich. Die Stärke des Albums liegt darin, dass das Trio die Songs abwechslungsreich aufgebaut und arrangiert hat, so dass nie einfach nur durchgebolzt wird. Stattdessen hört man einen schönen Wechsel haus harschen Riffs, akustischen Zwischenspielen und gelungenen Bass-Patterns (z. B. „Pinnacle of Immorality“). Im fast 9-minütigen „Cold World Slavery“ erinnert Frontmann J.J. durchaus auch mal an den 2008 verstorbenen GRIP INC. Sänger Gus Chambers, ebenso wie an Mille auf „Renewal“ (z. B. in „Winter Martyrium“). In „Ready To Bleed“ überraschen die Jungs dann nochmal mit einer ausgesprochen melodiösen Gitarrenarbeit.
Es wird über die gesamte Spielzeit nicht langweilig, den Thüringern zuzuhören. Der Sound ist roh, aber doch differenziert und einen so deutlich hörbaren Bass hätte sich Jason Newsted auf der „…and justice for all“-Scheibe sicherlich auch gewünscht. Was mich begeistert, ist, dass die jungen Wilden des deutschen Thrash Metal alle ihren etwas eigenen Stil gefunden haben. VICTIM erinnern vielleicht am ehesten an die Kollegen von ERADICATOR, bringen aber doch ihre ganz eigenen Vorstellungen mit in ihre Songs ein.

Ich höre mir nachher nochmal das „Extinguish the Infernal“-Demo der Hildesheimer Victim an, muss aber wohl zugeben, dass ihr im Jahr 2026 mit VICTIMs „Nuclear Nightmare“ deutlich bessere und professionellere Musik geboten bekommt. Wer sich ein physisches Exemplar des Albums sichern möchte, der sollte schnellstens mal auf der Bandcamp-Seite der Band vorbeischauen.
VICTIM - Police Brutality (Official Video)