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Dorfterror – Schreikinder

VÖ: 06. März 2026  •   Label  Dackelton Records
Wenn sich Fussel, Elgato und Tier in Oberbillig zusammenfinden, um gemeinsam Musik zu machen, dann darf man schon vermuten, dass das Ergebnis kein Prog-Metal mit Jazz-Einflüssen ist. Bei Dorfkindern darf es bekanntlich ruhig etwas ruppiger und rustikaler sein. Und genauso ist es bei DORFTERROR, zumal die Truppe seit 2024 mit Bassistin Chili noch etwas zusätzliche Würze in die Band gebracht hat.

Und diese Würze ist immer dann zu hören, wenn die Dame das Mikro übernimmt und sich den ganzen Frust von der Seele schreit. Das ist nicht immer schön, aber absolut passend. Meistens brüllt jedoch Gitarrist Fussel den angestauten Frust der Band über die Welt im Allgemeinen und über Awareness, häusliche Gewalt, Klimabewusstsein, moderne Ausbeutungsstrukturen im Speziellen in die Welt. Und obwohl zur Hochzeit der Punk-Bewegung noch keins der Bandmitglieder geboren war, kauft man ihnen ihre rotzige Attitüde ab, die sich aus der Ursuppe des Deutschpunk speist. Und so punkrockt sich das Quartett mit drei Akkorden (trotzdem nice) und blauen Haaren durch die „Lotterie des Lebens“. Dabei beziehen DORFTERROR unmissverständlich Position gegen Faschos („Kein Fußbreit“) und die Ideen von Lafontaine/Wagenknecht („Kein Lied vom Teilen“), thematisieren die Suche nach der Utopie („Welt zu klein“), die Notwendigkeit der achtsamen Selbstvergewisserung („Oh Panama“) oder die Vorbehalte gegenüber Streaming-Plattformen („Grüne Hölle“). Gerade in den heutigen Zeiten erfordern solche Themen und Positionen eine besondere Portion Mut, da die soziale Guillotine der Sozialen Medien und deren Troll-Armeen bekanntlich nur darauf wartet, sich an Menschen mit Profil abzuarbeiten.
Auch musikalisch sind DORFTERROR eine Bank. Mit „Blaue Haare“ verbindet man traditionellen Deutschpunk mit Punkrock à la MONTREAL. „Lotterie des Lebens“ geht musikalisch eher in Richtung Deutschrock und „Oh Panama“ erinnert vor allem wegen Chilis wütendem Gesang an eine superaggressive Version von DEINE COUSINE. Punk’s Not Dead – wer’s nicht glaubt, der wird von DORFTERROR eines Besseren belehrt. Hier passen Attitüde, Mucke und Rotz-Faktor absolut zusammen. Vor allem die erste Hälfte des Albums besteht für mich ausnahmslos aus Hits, die DORFTERROR tatsächlich als neue Generation von Punkrockern empfehlen. Die Band würde ich gerne mal im Vorprogramm von DRITTE WAHL sehen.
Mein Favorit auf „Schreikinder“ ist wahrscheinlich „Drei Akkorde, trotzdem nice“, da es alle Attribute von DORFTERROR in beeindruckender und eingängiger Art und Weise auf den Punkt bringt. Wer deutschen Punkrock mag, der kommt an DORFTERROR nicht vorbei!
Dorfterror - Welt zu klein (Offizielles Musikvideo)
Dorfterror - Drei Akkorde, trotzdem nice (Official Video)