Schon der Blick auf’s Cover erinnert an die zweite Hälfte der 90er-Jahre, als viele Bands die Welt nur verschwommen gesehen haben. Und auch die erste Hörprobe lässt an die amerikanische Westküste des ausgehenden 20. Jahrhunderts denken. Doch weit gefehlt, denn SHORELINE stammen aus dem westfälischen Münster.
Der Emo-Post-Punk des Quartetts dürfte bei den Studierenden der Fahrradstadt Münster bestens ankommen und selbst ich habe mich mittlerweile in die Songs der Band hereingehört. Mein Problem mit dieser Stilrichtung ist oftmals, dass mir keine einzelnen Songs im Gedächtnis bleiben. So geht es mir auch meist mit „Is This The Low Point Or The Moment After?”. Dennoch gefällt das Album als Gesamtwerk und man wird SHORELINE auch nicht absprechen dürfen, dass sie auch gute Melodien schreiben können. Zu nennen wäre da „Forgive“, welches den KNUCKLE PUCK Sänger Joe Taylor featured. Grundsätzlich bewegen sich die Westfalen auf ihrem mittlerweile vierten Album, welches sie in ihrem eigens zum Studio umgebauten Proberaum aufgenommen haben, zwischen Post-Punk, Screamo und Emo-Pop-Hardcore. Kein Wunder, dass die Truppe für das Vainstream gebucht wurde. Mit ihrer Mischung aus Melancholie und frechem Mustache, holen mich SHORELINE vor allem dann ab, wenn sie an Bands wie THE LOVED ONES, ANTI-FLAG oder RISE AGAINST klingen. Aber auch NINE DAYS kommen mir in den Sinn. Insofern dürfte die Band beim BOYSETFIRE oder SILVERSTEIN-Publikum gut angekommen sein. Einer der herausragendsten Songs des Albums ist wohl „Phantom Pain“, der am Ende mit einigen musikalischen Kniffen überrascht, die den Song vom Rest der Scheibe abheben.
Mit Metal hat das hier alles weder musikalisch noch vom Lebensgefühl her zu tun, doch wer Kettenhemd und Schwert einmal für knappe 30 Minuten ablegen möchte, der könnte an SHORELINE Gefallen finden. Für mich ist „Is This The Low Point Or The Moment After?“ kein Album für jeden Tag, sondern eines für bestimmte Momente und Stimmungen. Ein melancholischer Soundtrack für die nachdenklichen Momente im Leben.