Zum Hauptinhalt springen
Interviews

"Dread Emperor" - SLAUGHTERDAY über ihre Vision von Death Metal

© Toni Gunner

"Dread Emperor" - SLAUGHTERDAY über ihre Vision von Death Metal

„Persönlich fühlt es sich wie das ehrlichste Album an, das wir bisher gemacht haben.“

 
  • Line Up

    Jens Finger – Guitars, Bass

    Bernd Reiners – Vocals, Drums

    LIVE LINE-UP

    Jens Finger – Guitars
    Bernd Reiners – Vocals
    Tobias Koops – Guitar
    Ulf Imwiehe – Bass
    Tom Hoffmann – Drums

Social Media / Website
Slaughterday - Terrified [Official Music Video]

"SLAUGHTERDAY soll immer roher, intensiver Death Metal bleiben!"

Mit „Dread Emperor“ legen SLAUGHTERDAY ihr fünftes Album vor – und Jens Finger macht gleich zu Beginn unseres Interviews unmissverständlich klar: Es ist das fünfte, nicht das sechste, egal was im Pressetext steht. Diese Konsequenz im Detail sagt viel über die Band aus. Hier wird nichts dem Zufall überlassen. Das Twilight-Magazin sprach mit Jens über die Evolution vom rohen Debüt bis zum fokussierten, erwachseneren Klang von „Dread Emperor“. Wir erfahren was über die Monster in den Texten, die keine Lovecraft-Kreaturen mehr sind, sondern Projektionsflächen für Kontrollverlust, politische Ohnmacht und Machtmissbrauch. Und über die Frage, warum zwei manchmal genug sind!

„Dread Emperor“ ist euer fünftes Studioalbum. Wie würdet ihr die Evolution von „Nightmare Vortex“ (2013) bis zum neuen Werk beschreiben? Wo steht SLAUGHTERDAY heute im Vergleich zu den Anfängen?

Jens: Mit „Nightmare Vortex“ waren wir einfach unbedarft und wollten kompromisslosen Death Metal spielen - roh, düster, ohne viel Nachdenken. Das war sehr direkt und stark von unseren Einflüssen geprägt. Über die Jahre haben wir gelernt, Songs bewusster zu schreiben und mehr Atmosphäre reinzubringen. Wir sind tighter geworden, selbstbewusster und wissen heute genauer, was SLAUGHTERDAY ausmacht. „Dread Emperor“ bündelt das alles. Es klingt erwachsener und fokussierter.

„Kein Blick nach links oder rechts, kein Trenddenken. Nur wir, unsere Vision von Death Metal.“

Ihr beschreibt „Dread Emperor“ als alles, was ein „still beating death metal heart“ verlangen könnte. Was macht dieses Album für euch persönlich zum bisher komplettesten SLAUGHTERDAY-Statement?

Wir haben diesmal nichts erzwungen. Die Songs fühlen sich organisch an, jede Passage hat ihren Platz. Es gibt die schnellen, aggressiven Momente, aber auch diese schweren, unheilvollen Parts, die hängenbleiben. Genau diese Balance haben wir früher gesucht - jetzt haben wir sie getroffen. Persönlich fühlt es sich wie das ehrlichste Album an, das wir bisher gemacht haben. Kein Blick nach links oder rechts, kein Trenddenken. Nur wir, unsere Vision von Death Metal und das, was uns selbst Gänsehaut macht. Viele Songs, Riffs oder Passagen sind durch Jammen im Proberaum entstanden, hinzukommt, dass die Live-Erfahrung uns beim Songwriting stark geprägt hat.

„Der wahre Schrecken ist oft nicht das Monster selbst, sondern was Menschen bereit sind, in seinem Namen zu tun.“

Ihr habt eure „Lovecraftschen“ Monster und kosmischen Schrecken in metaphorische Chiffren für aktuelle, relevante Themen umgewandelt. Welche zeitgenössischen Themen verstecken sich auf diesem Album? Und wer ist wirklich der „furchtbare Herrscher“?

Von der Lovecraft-Thematik haben wir uns ein wenig verabschiedet. Die Monster in unseren Texten sind eher Projektionsflächen - vergleichbar mit den Drachen in DIOs Texten. Auch sie stehen oft für sehr reale Dinge. Dieser Horror passt perfekt zu diesem Gefühl von Kontrollverlust, den viele gerade erleben: politische Spannungen, gesellschaftliche Spaltung, Kriege, ein permanenter Krisenmodus. Menschen werden durch das Spiel mit der Angst in Abhängigkeit gehalten oder manipuliert. Und der „furchtbare Herrscher“? Das ist bewusst offengehalten. Er kann ein politischer Autokrat sein. Er kann ein System sein. Er kann auch etwas sehr Persönliches sein - Angst, Hass, Machtgier. Der wahre Schrecken ist oft nicht das Monster selbst, sondern was Menschen bereit sind, in seinem Namen zu tun.

Kurz vor der neuen Scheibe habt ihr die EP „Horrorfied“ veröffentlicht, eine Hommage an REPULSION. Wie kam es dazu - und warum gerade REPULSION und nicht z.B. AUTOPSYs „Mental Funeral“?

REPULSION, aber auch die frühen NAPALM DEATH waren für uns schon immer ein Urknall - dieser rohe, dreckige, fast schon punkige Death/Grind-Vibe hat uns von Anfang an geprägt. Das wollten wir einfach mal direkt würdigen, ohne großes Konzept, aus purem Respekt. Warum nicht „Mental Funeral“ von AUTOPSY? Weil das für uns ein anderes Kaliber ist - ein Monument. Da würden wir eher Gefahr laufen, es nur zu kopieren oder ihm nicht gerecht zu werden. Außerdem wäre das bei unserem Bandnamen zu offensichtlich gewesen. Bei REPULSION gings mehr um Spirit und Attitüde.

Euer Bandname ist vom AUTOPSY-Kracher abgeleitet. Was verbindet euch mit AUTOPSY und dem Death Metal der fruehen 90er?

Unser Name ist natürlich eine Verneigung vor AUTOPSY - das war nie ein Geheimnis. Dieser Song steht für genau das, was wir an frühem Death Metal lieben: Dreck, Wahnsinn, Groove und diese kranke Atmosphäre. Mit dem Death Metal jener Jahre verbinden wir vor allem eine Zeit, in der viele Bands ihren ganz eigenen, unverwechselbaren Sound hatten. Platten wie „Mental Funeral“ haben gezeigt, dass Death Metal nicht nur schnell, sondern auch krank, schleppend und unheimlich sein kann. Uns inspiriert bis heute diese Kompromisslosigkeit. Kein Trenddenken, kein Kalkül - einfach Musik aus Überzeugung. Genau dieses Gefühl versuchen wir in unsere eigene Zeit zu transportieren.

Wie kam es zum Coversong von PROTECTOR? Im Legacy-Magazin wurde erwähnt, dass die Band euch „geprägt aber nicht beeinflusst“ hat. Was bedeutet das genau?

Der Song war für mich einfach eine Herzensangelegenheit. PROTECTOR gehören zu diesen deutschen Extrem-Metal-Bands, die man als junger Metalfan aufgesaugt hat - allein schon wegen dieser rohen Energie und Konsequenz. Was ich mit „geprägt, aber nicht beeinflusst“ meinte: PROTECTOR haben uns gezeigt, dass man kompromisslos sein kann und trotzdem seinen eigenen Weg geht. Dieser Spirit hat uns definitiv geprägt. Aber musikalisch klingen wir nicht wie sie und wollten das auch nie. Es ging beim Cover nicht darum, stilistisch in ihre Richtung zu gehen, sondern Respekt zu zollen und ein Stück Szene-Geschichte zu feiern, das uns viel bedeutet.

„Wir machen es im Prinzip wie in den Achtzigern: Nur dass es früher ein Kassettenrekorder in der Mitte des Raumes war und heute ein Tablet mit angeschlossenem Interface.“

Als Duo seid ihr seit 2010 im Kern unverändert - Jens an den Saiten, Bernd an Drums und Vocals. Wie funktioniert euer kreativer Prozess? Wer bringt was ins Songwriting ein?

Das ist ganz unspektakulär und fast schon Old School: Wir treffen uns im Proberaum und jammen, oder einer von uns hat ein Riff aufgenommen - meist einfach ins Mobiltelefon eingesummt oder vor dem Verstärker zu Hause. Dann schreiben wir im Proberaum den Song. Wir schieben keine Files hin und her. Wir machen es im Prinzip wie in den Achtzigern: Nur dass es früher ein Kassettenrekorder in der Mitte des Raumes war und heute ein Tablet mit angeschlossenem Interface. Bernd sitzt an den Drums, ich spiele Gitarre. Die Aufnahme ergänze ich zu Hause um weitere Gitarrenspuren und den Bass - fertig ist das Demo. Dann schreibt Bernd die Texte, und wir feilen gemeinsam an Phrasierung, einzelnen Wörtern und den Refrains. Im Prinzip hören wir den ganzen Song erst, wenn wir den Gesang im Studio aufnehmen.

Jens, du bist außerdem bei TEMPLE OF DREAD aktiv - wie beeinflusst das deine Arbeit bei SLAUGHTERDAY? Oder ist SLAUGHTERDAY bewusst eine eigene, abgegrenzte Welt?

Mit SLAUGHTERDAY machen wir schon was anderes. Was TEMPLE OF DREAD angeht: Der Sound und der Vibe sind ein anderer. TOD sind eher klarer und mehr noch im Thrash verwurzelt. Manchmal gibt es keine Black Metal Anleihen, und man hört auch, dass Bünne absoluter Maiden-Fanatiker ist. Er schreibt die Songs im Wesentlichen allein, und ich bin „nur“ der Sänger. Textlich geht es meist um griechische und römische Mythologie - auch das ist ein Unterschied. Mir ist wichtig, dass die Bands sich stilistisch voneinander unterscheiden, sonst wäre es mir zu langweilig.

Viele Bands eurer Größenordnung erweitern irgendwann die Besetzung. Warum haltet ihr am Duo-Format fest? Was sind die Vorteile - und Herausforderungen - dieser Konstellation?

Es war nicht so geplant, aber wir haben mit der Zeit einfach gemerkt, dass es für uns als Duo perfekt funktioniert. Der Vorteil ist klar: kurze Wege, völlige Kontrolle über den Sound, keine Kompromisse bei Riffs, Arrangements oder Tempo. Alles, was passiert, sind wirklich unsere Ideen - nichts verwässert. Das bedeutet aber nicht, dass sich das nicht noch ändern könnte.

Ihr werdet als eine der Top-Acts der deutschen Death Metal-Szene bezeichnet. Wie seht ihr selbst eure Position? Und wie hat sich die Szene in Nordwestdeutschland entwickelt?

Wir nehmen solche Bezeichnungen eher als Kompliment, nicht als Maßstab. Für uns zählt vor allem, dass wir authentisch bleiben und das machen, was uns selbst packt. Es ist ja nicht so, dass einem permanent Leute auf die Schulter klopfen, wenn ich durch die Straßen laufe. Was die Szene angeht, so finde ich sie heute interessanter und vitaler als vielleicht je zuvor. Es gibt eine so große Anzahl an Bands, die alle echt gute Musik machen: Neben TTEMPLE OF DREAD sind da noch NEW WORLD DEPRESSION, SOUL GRINDER, NIGHTBEARER, ATOMWINTER, MESSTICATOR, ENDSEEKER, PHANTOM CORPORATION,KARLOFF und viele mehr zu nennen - alle mit einem ganz unterschiedlichen Sound. Wir fühlen uns als Teil eines Netzwerks von Bands, Fans und Locations, das die Musik am Leben hält. Und das ist wichtiger als irgendeine Position auf einer imaginären Rangliste.

"Als die Bands Mitte der 90er ihren Sound veränderten und rumexperimentierten, fanden wir das doch alle scheiße."

Old School Death Metal ist heute fast ein eigenes Sub-Genre mit klaren Erwartungen. Fühlt ihr euch durch das Etikett eingeschränkt - oder gibt es euch gerade die Freiheit, innerhalb dieser Grenzen zu experimentieren?

Für uns ist das Etikett Old School Death Metal eher ein Rahmen als eine Kette. Klar, die Leute erwarten gewisse Riffs, diese dunkle, schleppende Atmosphäre, bestimmte Aggressionen - aber genau diese klaren Spielregeln geben uns die Freiheit, darin zu spielen. Wir können innerhalb dieses Rahmens alles ausprobieren: Songstrukturen, Tempowechsel, ungewöhnliche Stimmungen. Schauen wir uns z.B. „Dethroned“ an: Die Riffs könnten mit anderer Stimmung und anderem Sound auch von einer Punkband oder den Foo Fighters kommen. Aber mit Bernds Gesang, meinem Spiel und dem Sound klingt es am Ende ohnehin wie SLAUGHTERDAY. Und seien wir mal ehrlich: Als die Bands Mitte der 90er ihren Sound veränderten und rumexperimentierten, fanden wir das doch alle scheiße. Das wird es bei uns also nicht geben!

Wie habt ihr "Dread Emperor" klanglich angegangen? Gab es konkrete Ziele, wie das Album im Vergleich zu "Tyrants Of Doom" klingen sollte?

Eigentlich hatten wir keinen konkreten Plan. Das Einzige, was wir wirklich wollten, war, dass der Bass mehr Raum bekommt und genau diesen Sound hat, wie er jetzt zu hören ist. Uns ist immer wichtig, dass die Platten sich voneinander unterscheiden - natürlich nicht grundsätzlich, aber in Nuancen. Der Hörer soll sagen können: Das klingt wie SLAUGHTERDAY, und zwar von dieser oder jener Platte. Ich nehme bei jeder Aufnahme eine andere Gitarre, einen anderen Verstärker, andere Boxen. Dieses Mal habe ich zudem vier statt wie sonst drei Rhythmusgitarren eingespielt. Aber vielleicht hatten wir schon die Vorstellung, dass das Album insgesamt etwas aufgeräumt klingen sollte. Ich glaube, das ist uns und vor allem unserem Produzenten Joerg gelungen.

Ihr seid jetzt bei Testimony Records - was bedeutet dieser Label-Wechsel für SLAUGHTERDAY? Und wie kam die Verbindung zu euren Label-Mates TEMPLE OF DREAD zustande?

TOD ist eigentlich ein Projekt von Bünne gewesen. Er hatte bei uns live den Bass bedient, und bei einer Probe schrie ich aus Jux den Text von Death – „Living Monstrosity“ ins Mikro und spielte dazu Gitarre. Bünne war scheinbar sehr beeindruckt und rief mich am selben Abend an und fragte, ob ich sein Album einsingen könnte. Zu dem Zeitpunkt gab es noch keinen Plan, keinen Bandnamen - für mich war das absolutes Neuland. Nun, fünf Alben später, bin ich Sänger - haha! Da ich die gute Arbeit von Testimony über TOD kannte und Thomas Strater auch schon andeutete, dass er interessiert sei, haben wir diesen Schritt gemacht. Man merkt deutlich, dass bei Testimony Menschen mit sehr viel Erfahrung am Werk sind. Wir fühlen uns sehr gut aufgehoben!

Nach fünf Alben: Gibt es noch unerfüllte musikalische Ambitionen für SLAUGHTERDAY? Territorien, die ihr noch erkunden wollt?

Jens: Wer weiß? Wir wollen uns natürlich weiterentwickeln, ohne unsere DNA zu verlieren. SLAUGHTERDAY soll immer roher, intensiver Death Metal bleiben, aber wir sind offen für alles, was die Songs stärker macht - Überraschungen für uns selbst und für die Hörer. Es gibt also noch genug Territorien, die wir abklappern wollen. Im Prinzip gilt aber immer: Wir machen das, was momentan aus uns rauskommt.

Die Veröffentlichung ist für Februar 2026 geplant - wie werden die Tourpläne aussehen? Wo können Fans SLAUGHTERDAY live erleben?

Im Februar finden einige Weekender statt, und im gesamten Jahr sind Einzelshows und Festivals geplant. Ausgedehnte Touren können wir aufgrund unserer Jobs leider nicht angehen, aber wir wollen so oft wie möglich auf der Bühne stehen. Dafür macht man das Ganze ja! Wir hoffen, dass so viele Menschen wie möglich scharf darauf sind, uns mal irgendwo live zu sehen und sich davon überzeugen können, dass auch wir richtig Spaß auf der Bühne haben.

Slaughterday - Dread Emperor (Official Music Video)
Slaughterday - Terrified [Official Music Video]
Wir benutzen Cookies
Für einige Funktionen benützt diese Website Drittanbieter Cookies (YouTube/Google) - Lesen Sie mehr darüber in unseren  
Hinweis

Eine Ablehnung wird die Funktionen der Website beeinträchtigen. Möchten Sie wirklich ablehnen?