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Sonstige

Braincrusher In Hell 2026 - Festival-Bericht

Braincrusher In Hell

Braincrusher In Hell 2026 - Festival-Bericht

Es tut immer mal wieder gut, sich neue Horizonte zu erschließen, insbesondere, was die Festival- und Club-Landschaft betrifft.

Eigentlich bin ich absolut kein Fan von Indoor-Festivals in der kalten Jahreszeit, die darüber hinaus noch über mehrere Tage gehen.

Aber bei einem Billing, das dermaßen viele Underground-Hochkaräter in einem vergleichsweise kleinen und gemütlichen Rahmen auftischt, da kam ich doch zunehmend ins Grübeln: The Ruins Of Beverast, Samael mit einem Old-School-Set, Grave im Original-Line-Up (hatte ich aus Gründen auf dem Party.San im vergangenen Jahr leider verpasst – Anm. d. Verfassers), Dødheimsgad, Vinterland (zum 30-jährigen Jubileum des Klassikers „Welcome To My Last Chapter“ – Anm. d. Verf.), Rotpit, Blood Red Throne oder die Senkrechtstarter von Impurity. Dabei hätten Grave im „Into The Grave“-Line-Up, Vinterland und Dødheimsgard die Reise nach Hirscheid eigentlich schon gerechtfertigt, da ich die letztere beiden Bands noch nie gesehen hatte, Grave mit Jörgen am Bass/Gesang gleichfalls und alle drei in dieser einzigartigen Konstellation vermutlich auch nie wieder zu sehen sein werden.

Dennoch hatte ich lange mit mir gehadert, zumal niemand aus dem Twilight- und aus meinem persönlichen Umfeld wirklich interessiert schien, mit mir diese musikalische Reise anzutreten. Einer fand sich dann doch noch, ihm wurde dann allerdings der Urlaub verweigert und so stand ich wieder allein da. Da aber relativ schnell klar war, dass ich mich bis an mein Lebensende im wahrsten Sinne des Wortes schwarzärgern würde, wenn ich diese Gelegenheit nicht wahrnehmen würde, buchte ich also Anfang Januar ein Hotel-Zimmer und harrte voller Vorfreude der Dinge, die da kommen würden.

Da das Festival sowieso den Auftakt meines Oster-Urlaubs markieren sollte und ich nicht wusste, dass der Auftakt beim Braincrusher am Freitag immer erst am späten Nachmittag erfolgt, buchte ich mich bereits am Donnerstag bzw. am Vorabend in Hirschaid ein. Ich mag es allerdings mittlerweile, möglichst stressfrei in ein Festival-Wochenende zu starten und mich günstigstenfalls im Vorfeld noch auf den (Veranstaltungs-)Ort und das Umfeld einstimmen zu können. Was im Falle der Destination in der Fränkischen Schweiz von besonderer Bedeutung ist, nicht zuletzt wegen dem fränkischen Bier und der fränkischen Küche.

So startete ich also an einem Donnerstag-Morgen ganz entspannt und erwartungsvoll im Regionalexpress gen Göttingen. Von dort mit dem Regionalexpress nach Erfurt und mit dem nächsten Regionalexpress schwupps gen Nürnberg bzw. Hirschaid, welches einige Kilometer vor Bamberg am Main-Donau-Kanal liegt. Ein Deutschland-Ticket hatte ich für den März sowieso – wieso dann also drei bis vier Stunden im Auto verbringen, wenn das Ziel in fünf Stunden per Schiene erreicht werden kann. So zumindest in der Theorie. Denn schon kurz nach der Ankunft gab es die Info, dass sich meine knapp einstündige Umsteige-Zeit auf rund zwei Stunden plus X verlängern sollte. Der Anschlusszug fällt aus, der Nachfolgezug nach ausgedehnter Kaffee-Zwangspause doppelt so voll, um nicht zu sagen überfüllt. Die Weiterreise erfolgte in einer Schicksalsgemeinschaft mit zwei weiteren Metalheads, die ihrerseits schon in den frühen Morgenstunden in Schleswig-Holstein aufgebrochen waren, und ebenfalls auf dem Weg gen Bamberg waren. Und schon bei der Abfahrt in Göttingen war eigentlich so gut wie klar, dass der Anschlusszug in Erfurt aufgrund der verspäteten Abfahrt gen Thüringen nicht mehr erreichbar sein würde. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der DB-Navigator im Regionalverkehr eher suboptimal funktioniert, nicht zuletzt, wenn man aufgrund von Verspätungen und Zugausfällen immer wieder kurzfristig umplanen muss…? Nun ja, beeinträchtigte und schwangere Personen durften immerhin die erste Klasse benutzen, aber wir drei Gefährten hatten immerhin (noch!) Bier – so schaukelten wir auf der Schiene durchs Eichsfeld und erwarteten die Dinge, die uns noch bevorstehen sollten. Die nächste Station sollte nun also nach intensiver Netzrecherche Neudietendorf zwischen Gotha und Erfurt sein, ein kleiner relativ verschlafener Ort, der immerhin mit einem kleinen Supermarkt in Bahnhofsnähe punkten konnte, es war allerhöchste Zeit Getränke zu bunkern. Im Idealfall würde es von Neudietendorf nun nach Saalfeld gehen und von dort aus über Coburg in Richtung Bamberg. Hatten wir noch gedacht, der Regionalexpress, dem wir gerade erst entstiegen waren, wäre überfüllt gewesen, so erwartete uns auf dem Weg nach Saalfeld ein neues Level… Hurra, jetzt dürfen wir also auch mal erste Klasse fahren. Aber nicht weil wir schon zu „beeinträchtigt“ oder mittlerweile Kinder erwarten, sondern einfach weil wir beim Einsteigen zufällig „falsch abgebogen“ sind und es, nachdem sich die Türen immerhin noch schließen ließen, kein Vor und kein Zurück mehr gibt. Der Zugbegleiter nimmt es genauso Gelassen und kommentiert die Situation mit ganz viel Galgenhumor. Wohl dem, der in den folgenden zwei Stunden, Einsteigen, Aussteigen oder gar ein Geschäft verrichten muss. Ob mit oder wegen des Alkohols, wir lassen uns die Laune nicht verhageln, genug Bier ist erstmal vorhanden, wir scheinen sogar diesmal unseren Anschluss in Saalfeld zu erreichen und umfallen kann in diesem Zug auch niemand mehr.

Nachdem wir dann endlich im Zug gen Bamberg sitzen, fängt es bereits an zu dämmern. Ob es an unserer gelösten, entspannten Stimmung liegt, dass sich die Bundespolizei-Streife dazu entschließt, den schwarz gekleideten bärtigen mit den langen Haaren, den schwarzgekleideten mit Bart und Iro sowie den oliv gekleideten Mützenträger mit dem noch längeren Bart mal genauer unter die Lupe zu nehmen, wir wissen es nicht. Unserer Stimmung tut des allerdings keinen Abbruch. Zeit also für die eigentliche Pointe dieses langen Reisetages:

Meine Begleiter und ich gingen unwissenhafterweise bis kurz vor unserer Trennung davon aus, dass wir selbstverständlich zum selben Event unterwegs waren. Zufälligeweise stelle ich dann allerdings fest, dass die beiden sympathischen Mitstreiter, mit denen ich in den letzten Stunden Bier und Bifi-Carazza teilen durfte, nach Bamberg zum Heim-Event einer Band unterwegs sind, deren Namen ich nicht sagen werde, weil ich mit der belanglosen Musik nichts anfangen kann und die ich heillos überbewertet finde und wegen der ich seit einem guten Jahr nach einer öffentlichen Diskussion mit einem Fan, „Online-Hausverbot“ im Panzermuseum Munster habe (Grüße gehen raus! Das muss mir erstmal jemand nachmachen. – Anm. d. Verf.). Jeder nach seiner Fasson, ein wenig Neid und Wehmut wird mir dann aber doch entgegengebracht, als ich offenbare, dass ich sie nicht begleiten werde und ihnen dann das Billing des Braincrushers vor die Nase halte! Wie auch immer, Jungs, ,es war mir eine Ehre, Ihr hattet mit Sicherheit ein genauso geniales Wochenende wie ich! Auf bald!!!

Es ist schließlich dunkel, als ich mit unwesentlicher Verspätung von vier Stunden im schlichten und funktionellen Center-Drive-Inn Hotel einchecke.

Kurz die Klamotten abgeschmissen und ab ins fußläufig gelegene Zentrum von Hirschaid, genauer ins Brauhaus Kraus, um den Abend bei gutbürgerlich-fränkischer Küche und fränkischem Bier ausklingen zu lassen. Das Lokal, schon am Donnerstag-Abend sehr gut besucht und neben dem örtlichen Stammpublikum auch bestens auf die Metalheads eingestellt. Berührungsängste? Keine!

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Ich teile den Tisch mit einem Gleichgesinnten aus Hamburg und nachdem wir uns bei deftiger Küche Weißbier und Bockbier auf das Wochenende eingestimmt haben, beschließen wir noch einen kurzen Abstecher zur Location auf der anderen Seite des Main-Donau-Kanals zu machen, der durch den Ort verläuft.

Hier werden wir von Veranstalter Norbert und seiner Crew begrüßt, die uns herzlich empfangen und uns mehr oder weniger sofort mit einspannen. Und so dürfen wir nicht nur bei den letzten Vorbereitungen mit anpacken, nein wir dürfen auch schon vorab vom süffigen Festival-Vollbier mit der mächtigen Festival-Etikettierung kosten, bevor es nach einem langen Tag zurück ins Hotel geht.

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27.-28.03.2026

Braincrushers In Hell Festival 2026

Hirschaid - Jahnhalle

Headliner
Grave, Samael, The Ruins Of Beverast, Vinterland, DHG
Besucherzahl
1000
Offended By Cellar
Rats Of Gomorrah
Proscription
Blood Red Throne
Dodheimsgard
Ruins Of Beverast
Rotpit
Aimless Death
Naxen
Impurity
Fragments Of The Unbecoming
Thronehammer
Darvaza
Vinterland
Grave
Samael
Suel

Freitag

Redaktion:  Jens Dunemann
Freitag, 27.03.2026

Der Tag beginnt mit heftigem Jetlag und einem veritablem Kater. Ich bin froh, dass der Startschuss heute erst um 17:00 Uhr fällt. Nach dem Frühstück heißt es noch einmal exzessiv die Füße hochlegen, bevor es zum Mittag erneut ins Brauhaus Kraus geht. Erneut gibt’s ein kräftiges Bockbier und dazu die traditionell fränkischen Schäuferla mit Knödeln und Wirsingpüree. Eine gute Grundlage schaffen. Im Anschluss geht es noch eine schöne Runde am Kanal spazieren. Es ist empfindlich kalt aber die Sonne befeuert die Lebensgeister. Danach geht es noch einmal ins Hotel – klarmachen zum Entern.

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Am Einlass verläuft es zunächst etwas holprig und es dauert ein wenig, bevor der Tausch von Karten gegen Bändchen reibungslos und flüssig funktioniert. Zeit für das erste Getränk. Der Bierpreis von fünf (!) Euro mag zunächst einmal abschreckend erscheinen – allerdings reden wir hier über einen halben Liter aus der Flasche, was angesichts einer entsprechenden Veranstaltung dann aber wieder auch absolut fair ist. Neben dem klassischen Hellen mit dem Braincrusher-Etikett gibt’s auch Weizen, allerdings in diesem Fall als Rauchbier aus dem Hause Schlenkerla im benachbarten Bamberg. Und das muss man wollen und mögen. Die die es mögen, genießen das „speckige“ Aroma aus dem Glas allerdings umso mehr. Es ist übrigens erstaunlich, dass am Wochenende trotz Flaschen und Gläsern relativ wenig zu Buch geht. Diesbezüglich hat sich das Braincrusher-Publikum im Griff, auch wenn es extatisch zugeht. Pfand gibt’s natürlich auch. Als Pfandmarken fungieren kreativerweise „Braincrusher-Plektren“! Nicht eingelöstes Pfand wird übrigens nicht „eingesteckt“, sondern kommt einem örtlichen Gnadenhof zugute! Also Prost!

Musik wird übrigens auch noch gemacht.

Los geht es mit Offended By Cellar. Das Five-Piece spielt einen deathigen Thrash Metal mit HC-Schlagseite. Die Local Heroes aus Lichtenfels machen die Sache richtig gut und nicht nur Sänger Sascha ist höchstmotiviert, um den angereisten Fans einen Auftakt nach Maß zu bescheren.

Offended By Cellar Braincrusher In Hell 2026 04 04 06 2026 04 51 PM
offended by cellar

Rats Of Gomorrah sind danach aber schon ein ganz anderes Kaliber. Die beiden Death-Metal-Punks aus Schleswig-Holstein sind gerade mit Rotpit unterwegs. Auf dem Programm steht klassischer Todesstahl der alten Schule ohne jeglichen Firlefanz. Dabei gewinnt Sänger/Gitarrist Daniel Stelling den Tageskontest im böse gucken, growlen kann er aber auch richtig gut. Drummer Moritz darf aber auch ans Mikro, nicht nur, weil die Asphyx-Dampframme „Deathhammer“ für ihn so einfach zu spielen ist, dass er dazu noch brüllen kann. So fies und böse sich das Duo auch durch den Set stampft, so sympathisch und offen kommunizieren sie mit ihrem Publikum inklusive einer unmissverständlichen Haltung gegenüber Rassismus und Faschismus. Obwohl der Mucke ein paar Leads und/oder Soli bzw. eine zweite Klampfe manchmal gut tun würde, weil es die Musik noch spannender und abwechslungsreicher machen würde: Rats Of Gomorrah liefern das, was ich mir von ihnen erwartet hatte.

Rats Of Gomorrah Braincrusher In Hell 2026 04 04 06 2026 04 59 PM
rats of gomorrah

Proscription könnten so etwas wie die finnischen Purgatory sein. Deren Bandkopf René beim Braincrusher wie beim Party.San auch in Hirschaid dafür sorgt, dass Bands und Künstler ihr Merch an die Frauen und Mannen bringen können. Doch zurück auf die Bühne. Es steht ein absolut dichter Cocktail aus fiesestem, schwarzem Death Metal an. Das Auftreten des Quartetts ist martialisch, nietenbepackt bis an die Zähne, mit und ohne Corpsepaint. Apep (Bass) und Christbutcher (Guitars) teilen sich die Vocals. Leider nehmen sich Proscription mit ihren teils überlangen Ambient-Intros und -Interludien selbst den Zug und die Intensität aus dem Gig. Da wäre mehr drin gewesen.

Proscription Braincrusher In Hell 2026 05 04 06 2026 04 54 PM
proscription

Von nun an geht es Schlag auf Schlag. Mit Blood Red Throne steht der erste absolute Brecher auf dem Programm. Die Norweger, die einst von Ex-Emperor Tchort als Projekt aus der Taufe gehoben wurden, haben seit ihrem Debut „Monument Of Death“ kontinuierlich Mucke veröffentlicht. Man agierte dennoch über viele Jahre unter ferner liefen, wobei sich die Band gerade in den letzten Jahren zunehmender Beliebtheit erfreut, was nicht zuletzt daran liegt, dass man auf den Bühnen sehr präsent war und ist. Technisch durch und durch versierter Brachial-Death-Metal nahe am Grind, inspiriert von der klassischen US-Schule. Zwar waren und sind Blood Red Throne nicht meine Baustelle, spielerisch ist die Vorstellung allerdings überragend und außerdem noch extrem unterhaltsam, nicht nur, weil Basser Stian neben seinen Bass-Licks ein Bierchen exen kann. Hier spritzt das Blut mit ganz viel Augenzwinkern, womit diese Blutspende für gute Laune sorgt.

Blood Red Throne Braincrusher In Hell 2026 04 04 05 2026 06 25 PM
blood red throne

Im Anschluss entern die Landsleute von Dødheimsgard die Bühne. Von nun an wird’s atmosphärisch. Tausendsassa Vicotnik hat sich, den Black Metal, DHG oder Dødheimsgard immer wieder neu erfunden und repräsentiert einen Künstler, wie er im Buche steht. Auf dem Braincrusher steht nun Theater, statt Kino an. Mit einem Vicotnik als tragischer Held, als befremdlicher Gaukler, der gleichfalls nahbar wie entrückt auf der Bühne tausend Tode stirbt. Hinter sich weiß er ein überragendes Kollektiv, das alle Phasen der Bandgeschichte musikalisch umzusetzen versteht und den Maestro vielstimmig unterstützt. Vom Debut („Midnattskogens Sorte Kjerne“) über „Satanic Art“ („Traces Of Reality“), „666 International“ („Sonar Bliss“) bis hin zu den beiden jüngsten Geniestreichen „A Umbra Omega“ (2015) und „Black Medium Current“ (2023) wird die gesamte Historie der schrägen Paradiesvögel abgedeckt. Lediglich „Supervillain Outcast“ (2007) ist nicht mit dabei. Zum Finale gibt’s den Black-Thrasher „The Crystal Specter“ von „Monumental Possession“. Fazit: Geht nicht besser – danke Vicotnik, danke DHG.

Dodheimsgard Braincrusher In Hell 2026 05 04 05 2026 06 28 PM
dødheimsgard

Ruins Of Beverast starten mit einem nicht enden wollenden wummernden, dröhnenden Ambient-Intro, bevor sich die ausladend-doomigen, pechschwarzen Death-Eruptionen lavaartig über das Publikum ergießen. Im Vergleich zu den Norwegern ist die Performance komplett gegenläufig. Alexander von Meilenwald uns seine Mitstreiter geben sich wie immer betont introvertiert und unnahbar. So rückt die Musik zwar in den Fokus, allerdings vermag mich die Band heuer nicht so zu packen, wie in der Vergangenheit. Trotzdem gibt es kaum eine Band aus deutschen Landen, die in der Lage ist, live wie auf Scheibe eine so unglaublich dichte, finstere Atmosphäre zu erschaffen.

ruins of beverast Braincrusher In Hell 2026 02 04 06 2026 05 22 PM
the ruins of beverast

Mit Rotpit beginnt im Anschluss die Crunchtime. Das deutsch-schwedische Räumkommando um Revel In Flesh-Frontmann Ralf Hauber sorgt für einen mitternächtlichen „Hallo-Wach-Effekt“. Die Zahl der Anwesenden hat sich zwar mittlerweile deutlich reduziert. Alle, die noch geblieben sind, fressen Haubersson & Co. allerdings aus der Hand. Mit Leichtigkeit schaffen es Rotpit, dem Publikum die letzten Energiereserven herauszukitzeln. Eine engagierte Performance, stampfender wie straighter HM2 – Death Metal machts möglich.

Meine Fresse, was ein Tag, was ein musikalischer Ritt bis in die Nacht. Es wird Zeit für´s Hotel.

Rotpit Braincrusher In Hell 2026 15 04 06 2026 05 15 PM
rotpit


Samstag

Redaktion:  Jens Dunemann
Samstag, 28.03.2026

Aufgrund der langen Anreise inklusive gediegenem Konsum flüssiger Genussmittel sowie des ausschweifenden Abends am Donnerstag, hatte ich mich am Freitag im Wesentlichen auf den puren Genuss der Musik konzentriert. Das kommt mir an diesem Morgen sehr zu passen. Ich zelebriere ein ausgelassenes Frühstück, während ich den vorletzten Wettkampf der Saison bzw. das Skifliegen in Planica im TV auf meinem Hotelzimmer verfolge.

Laut Programm verspricht es, ein langer Tag zu werden, der schon recht früh, genauer um 13:30 Uhr mit Aimless Death losgehen soll. Den Frühschoppen ab 11 Uhr klemme ich mir aus gutem Grund. Auf meinem Weg zur Jahnhalle komme ich allerdings einmal mehr nur bis zum Gasthof Kraus in der Ortsmitte, Benni von Atomwinter und seiner besseren Hälfte ist es ebenso gegangen. Nur mal eben noch ´ne Runde spazieren gehen, bevor man sich auf die wichtigen Dinge des Tages konzentriert. Aber das Bier ist einfach zu verlockend und so stehen wir bei Sonnenschein gemütlich vor dem Gasthof, werten gemeinsam den ersten Tag aus und genießen den frisch gezapften Gerstensaft!

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Immerhin komme ich gerade noch rechtzeitig in der Jahnhalle an, um die letzten beiden Songs der Death-Thrasher von Aimless Death abzufeiern, deren Sänger mit einem kultigen, fluoriszierenden Fulci-Longsleeve auf der Bühne steht. Wie schon die Kollegen von Offended By Cellar machen auch Aimless Death einen super Job in der vermeintlich undankbaren Rolle des Openers am Samstag-Mittag.

Aimless Death Braincrusher In Hell 2026 1617 04 05 2026 05 25 PM
aimless death

Die Münsteraner von Naxen rauschen anschließend mehr oder weniger an mir vorbei. Wie später auch bei Darvaza soll der mehr (Darvaza) oder weniger (Naxen) klassische Black Metal bei mir heute einfach nicht zünden. Dabei präsentieren Naxen eher die introvertierte Variante, während Darvaza später die räudig, krachige extrovertierte Schwarzmetall-Kunst zelebrieren. Darvaza sind immerhin richtig was für´s Auge, während bei den unnahbaren Naxen auf der Bühne kaum etwas passiert. Und obwohl beide Bands derzeit vielfach in aller Munde sind, will der Funke bei mir einfach nicht überspringen.

Naxen Braincrusher In Hell 2026 05 04 06 2026 04 47 PM
naxen

Darvaza Braincrusher In Hell 2026 04 04 05 2026 06 27 PM
darvaza

„Jugend forscht?“ (Zitat von Mørkeskye-Chef-Troll Thor Joakimsson zum Thema Impurity – Anm. d. Verf.) Mitnichten! Die einzige Disziplin, bei der sich die schwedischen Grünschnäbel Impurity heute eine Blöße geben ist das Zeitmanagement bei Umbaupause und Line-Check. Nachdem das Quartett der Aufbau der noch originalverschweißten Banner vor größte Herausforderungen stellte, agieren die Elchtöter, die im vergangenen Jahr mit ihrem Debut „The Eternal Sleep“ für ordentlich Furor in der Death Metal – Szene gesorgt haben, ganz im Sinne der alten Hasen von Entombed und Dismember. Musikalisch abgezockt und abgeklärt aber gleichwohl mit überschäumender wie unbekümmerter jugendlicher Energie. Lik müssen sich warm anziehen, Impurity sind mit Vollgas auf der Überholspur! Besser kann man Svenska Dödsmetall nicht spielen! Ich freue mich jetzt schon auf den Gig auf dem Party.San in diesem Jahr! Bis dahin ist hoffentlich die Orga-Routine da, dann ist auch noch Zeit für die beiden letzten Songs. Immerhin sollten sie ja inzwischen wissen, wie man die Banner montiert.

Impurity Braincrusher In Hell 2026 07 04 05 2026 06 41 PM
impurity

Nach dieser mitreißenden Performance der schwedischen Jungspunde hätte es jede Band schwer gehabt. Fragments Of The Unbecoming sind eine deutsche Melodic-Death-Institution, die ihre Wurzeln rein musikalisch ja durchaus auch in Skandinavien haben. Trotz einer wirklich engagierten Darbietung, bei denen besonders Basser Christopher Körtgen und Vokalist Sam herausstechen. Musikalisch ist das zwar gut aber über weite Strecken auch unspektakulär, wobei Sam Anetzberger die Leute mit seinem extrem kraftvollen Organ und seiner Show durchaus zu packen vermag. Fazit: Unterhaltsam aber eben nicht zwingend.

Fragments Of The Unbecoming Braincrusher In Hell 2026 06 04 05 2026 06 29 PM
fragments of the unbecoming

Es ist immer wieder irre, wie man manchmal auch in gesetztem Alter noch von Bands überrascht oder wie in diesem Fall überrannt wird, die man bisher noch komplett gar nicht im Blickfeld hatte. Das gilt heuer für Thronehammer. Das deutsch-britische Doom-Rollkommando war bisher komplett an mir vorbei gelaufen. Asselpunk meets Doom-Metal mit brachialer Urgewalt. Drei Gitarren, dröhnender Bass und eine charismatische Frontfrau, die sowohl wunderbar singen kann, als auch mit einem unfassbar kehlig-tiefem Death Metal – Organ gesegnet ist. Thronehammer legen eine Intensität in den späten Nachmittag, bei der kein Stein im Saal auf dem anderen bleibt. Obwohl Darvaza danach durchaus unterhaltsam sind, bekommen sie nach der Show von Kat & Co. keinen Stich. Wie eingangs schon beschrieben „läuft“ Black Metal heute noch nicht (?).

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thronehammer

Das ändert sich mit Vinterland. Wobei die Frage eigentlich nicht ist, ob es gut wird, sondern wie gut es wird. Zumindest spiegelt das meine Erwartungshaltung vor dem Gig der Schweden wieder, die 1996 mit „Welcome To My Last Chapter“ eines der einflussreichsten Black Metal Alben der Neunziger veröffentlicht haben. Neben der Aussicht auf Grave im Original-Line-Up war es die Bestätigung von Vinterland, deren sagenumwobenes Debut und bisher einziges Album sich in diesem Jahr zum 30. Mal jährt. Und es ist schon ein erhebendes Gefühl, diese Songs einer für mich so prägenden Scheibe endlich live hören zu dürfen. Dem einen oder anderen ist der Sound nicht klirrend, kalt und druckvoll genug. Die Band lässt jedoch das Ausnahme-Album für sich sprechen und interagiert darüber hinaus kaum mit dem Publikum. Das ist während dieser andächtigen Messe des Midneunziger-Black Metals allerdings auch nicht nötig.

Vinterland Braincrusher In Hell 2026 06 04 06 2026 05 56 PM
vinterland

Danach machen Jörgen, Ola, Jensa und Jonas unmissverständlich klar, wer die Könige dieses Festivals sind. Der Laden platzt aus allen Nähten, als es mit „You´ll never see…“ endlich losgeht. Dabei ist es das vorletzte Konzert, welches Grave zunächst in dieser Besetzung absolvieren werden. Und dafür liefern die Schweden mit guter Laune, Spielfreude und amtlicher Bühnenpräsenz ab. Wohl dem, der aus einem solchen Fundus an Klassikern schöpfen kann: „Black Dawn“, „And Here I Die…“, „Into The Grave“ und mehr lassen kurz, trocken und knackig keine Wünsche offen. Die Show gleicht einem Triumphzug. Kein Gespür haben Grave allerdings am Merch-Stand. Die meisten Bands bieten ihre Shirts an diesem Wochenende für fanfreundliche 20-25 Euro an. Da wirkt ein Grave-Shirt für 35 Euro schon etwas deplaziert. Dann lieber ein Thronehammer-Shirt für 20 Euro!

Grave Braincrusher In Hell 2026 04 04 05 2026 06 22 PM
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Bei Samael lichten sich die Reihen nun merklich, allerdings ist die Halle immer noch gut gefüllt. Die Eidgenossen sind mit einem Old-School-Set samt altem Logo auf dem Tableau angekündigt. Letztlich wird aber nur mit „Into The Pentagram“ und „Until The Chaos“ so richtig tief in die Mottenkiste gegriffen, wobei allerdings genau diesen Klassikern von „Worship Him“ (1991) und „Blood Ritual“ (1992) der Charme und die Morbidität im „modernen“ elektronik-lastigen Soundgewand flöten geht. Das harmoniert bei den „Ceremony...“-Songs seit jeher besser: „Black Trip“, „Baphomets Throne“, „Flagellation“ und „Ceremony Of Opposite“ rechtfertigen den Klassiker-Set. „Rain“, „My Saviour“, „Jupiterian Vibe“ sind zwar ebenfalls olle Kamellen, sie markieren den Übergang zu „Black Supremacy“ vom 2017er Werk „Hegemony“. Mit „Black Matter Manifesto“ gibt’s dann den aktuellen neuen Song, der live leider genauso belanglos wie im Video klingt. Insgesamt überzeugen Samael allerdings. Sie spielen all ihre Routine aus. So gut wie heute haben mich Vorph, Xy und die beiden Sidekicks Drop und Makro an Gitarre und Bass lange nicht mehr unterhalten.

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Danach fordert ein langer Tag und ein langes Wochenende seinen Tribut. Angesichts der Zeitumstellung auf die Sommerzeit in dieser Nacht und der zeitigen Abreise gen Erfurt am Sonntagfrüh, entschließe ich mich schweren Herzens die Rausschmeißer von Suel zu klemmen.

Beschwingt und beseelt geht’s noch einmal durch die Nacht über den Kanal und dann die lange Gerade durch Hirschaid gen Hotel, wo ich dann doch noch ein Weilchen benötige, um runterzufahren.

Hinter mir liegt ein Wochenende, welches geprägt von guter Musik und vielen Überraschungen war, besonders Thronehammer, Impurity, Vinterland, Grave, Rats Of Gomorrah und Dødheimsgard sollen an dieser Stelle noch einmal gewürdigt werden. Darüber hinaus stehen hinter diesem Wochenende eine ganze Reihe von wunderbaren Menschen, ein mega-entspanntes Publikum, eine nicht minder entspannte, freundliche und engagierte Crew. Nicht zu vergessen, die Gastronomie in Hirschaid, das leckere, gehaltvolle Essen und das gute fränkische Bier!

DANKE an dieser Stelle an alle, die dieses Braincrusher In Hell mit mir geteilt haben. Besonderer Dank geht in diesem Fall auch an Veranstalter Norbert, der mir und dem Twilight diesen Bericht ermöglicht hat.

Ich für meinen Teil kann das Braincrusher In Hell nur jedem empfehlen. Wer nicht bis zum nächsten Frühjahr warten will, dem sei das Zwillingsfestival im Oktober ans Herz gelegt. Beim Nuclear Winter Festival geben sich in diesem Jahr u. a. Desaster, Exumer, Destruction, Reil Of Violence, Hexer, Warhammer & Co. am gleichen Ort die Klinke in die Hand.

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