Braincrusher In Hell 2026 - Festival-Bericht
Es tut immer mal wieder gut, sich neue Horizonte zu erschließen, insbesondere, was die Festival- und Club-Landschaft betrifft.
Eigentlich bin ich absolut kein Fan von Indoor-Festivals in der kalten Jahreszeit, die darüber hinaus noch über mehrere Tage gehen.
Aber bei einem Billing, das dermaßen viele Underground-Hochkaräter in einem vergleichsweise kleinen und gemütlichen Rahmen auftischt, da kam ich doch zunehmend ins Grübeln: The Ruins Of Beverast, Samael mit einem Old-School-Set, Grave im Original-Line-Up (hatte ich aus Gründen auf dem Party.San im vergangenen Jahr leider verpasst – Anm. d. Verfassers), Dødheimsgad, Vinterland (zum 30-jährigen Jubileum des Klassikers „Welcome To My Last Chapter“ – Anm. d. Verf.), Rotpit, Blood Red Throne oder die Senkrechtstarter von Impurity. Dabei hätten Grave im „Into The Grave“-Line-Up, Vinterland und Dødheimsgard die Reise nach Hirscheid eigentlich schon gerechtfertigt, da ich die letztere beiden Bands noch nie gesehen hatte, Grave mit Jörgen am Bass/Gesang gleichfalls und alle drei in dieser einzigartigen Konstellation vermutlich auch nie wieder zu sehen sein werden.
Dennoch hatte ich lange mit mir gehadert, zumal niemand aus dem Twilight- und aus meinem persönlichen Umfeld wirklich interessiert schien, mit mir diese musikalische Reise anzutreten. Einer fand sich dann doch noch, ihm wurde dann allerdings der Urlaub verweigert und so stand ich wieder allein da. Da aber relativ schnell klar war, dass ich mich bis an mein Lebensende im wahrsten Sinne des Wortes schwarzärgern würde, wenn ich diese Gelegenheit nicht wahrnehmen würde, buchte ich also Anfang Januar ein Hotel-Zimmer und harrte voller Vorfreude der Dinge, die da kommen würden.
Da das Festival sowieso den Auftakt meines Oster-Urlaubs markieren sollte und ich nicht wusste, dass der Auftakt beim Braincrusher am Freitag immer erst am späten Nachmittag erfolgt, buchte ich mich bereits am Donnerstag bzw. am Vorabend in Hirschaid ein. Ich mag es allerdings mittlerweile, möglichst stressfrei in ein Festival-Wochenende zu starten und mich günstigstenfalls im Vorfeld noch auf den (Veranstaltungs-)Ort und das Umfeld einstimmen zu können. Was im Falle der Destination in der Fränkischen Schweiz von besonderer Bedeutung ist, nicht zuletzt wegen dem fränkischen Bier und der fränkischen Küche.
So startete ich also an einem Donnerstag-Morgen ganz entspannt und erwartungsvoll im Regionalexpress gen Göttingen. Von dort mit dem Regionalexpress nach Erfurt und mit dem nächsten Regionalexpress schwupps gen Nürnberg bzw. Hirschaid, welches einige Kilometer vor Bamberg am Main-Donau-Kanal liegt. Ein Deutschland-Ticket hatte ich für den März sowieso – wieso dann also drei bis vier Stunden im Auto verbringen, wenn das Ziel in fünf Stunden per Schiene erreicht werden kann. So zumindest in der Theorie. Denn schon kurz nach der Ankunft gab es die Info, dass sich meine knapp einstündige Umsteige-Zeit auf rund zwei Stunden plus X verlängern sollte. Der Anschlusszug fällt aus, der Nachfolgezug nach ausgedehnter Kaffee-Zwangspause doppelt so voll, um nicht zu sagen überfüllt. Die Weiterreise erfolgte in einer Schicksalsgemeinschaft mit zwei weiteren Metalheads, die ihrerseits schon in den frühen Morgenstunden in Schleswig-Holstein aufgebrochen waren, und ebenfalls auf dem Weg gen Bamberg waren. Und schon bei der Abfahrt in Göttingen war eigentlich so gut wie klar, dass der Anschlusszug in Erfurt aufgrund der verspäteten Abfahrt gen Thüringen nicht mehr erreichbar sein würde. Hatte ich eigentlich schon erwähnt, dass der DB-Navigator im Regionalverkehr eher suboptimal funktioniert, nicht zuletzt, wenn man aufgrund von Verspätungen und Zugausfällen immer wieder kurzfristig umplanen muss…? Nun ja, beeinträchtigte und schwangere Personen durften immerhin die erste Klasse benutzen, aber wir drei Gefährten hatten immerhin (noch!) Bier – so schaukelten wir auf der Schiene durchs Eichsfeld und erwarteten die Dinge, die uns noch bevorstehen sollten. Die nächste Station sollte nun also nach intensiver Netzrecherche Neudietendorf zwischen Gotha und Erfurt sein, ein kleiner relativ verschlafener Ort, der immerhin mit einem kleinen Supermarkt in Bahnhofsnähe punkten konnte, es war allerhöchste Zeit Getränke zu bunkern. Im Idealfall würde es von Neudietendorf nun nach Saalfeld gehen und von dort aus über Coburg in Richtung Bamberg. Hatten wir noch gedacht, der Regionalexpress, dem wir gerade erst entstiegen waren, wäre überfüllt gewesen, so erwartete uns auf dem Weg nach Saalfeld ein neues Level… Hurra, jetzt dürfen wir also auch mal erste Klasse fahren. Aber nicht weil wir schon zu „beeinträchtigt“ oder mittlerweile Kinder erwarten, sondern einfach weil wir beim Einsteigen zufällig „falsch abgebogen“ sind und es, nachdem sich die Türen immerhin noch schließen ließen, kein Vor und kein Zurück mehr gibt. Der Zugbegleiter nimmt es genauso Gelassen und kommentiert die Situation mit ganz viel Galgenhumor. Wohl dem, der in den folgenden zwei Stunden, Einsteigen, Aussteigen oder gar ein Geschäft verrichten muss. Ob mit oder wegen des Alkohols, wir lassen uns die Laune nicht verhageln, genug Bier ist erstmal vorhanden, wir scheinen sogar diesmal unseren Anschluss in Saalfeld zu erreichen und umfallen kann in diesem Zug auch niemand mehr.
Nachdem wir dann endlich im Zug gen Bamberg sitzen, fängt es bereits an zu dämmern. Ob es an unserer gelösten, entspannten Stimmung liegt, dass sich die Bundespolizei-Streife dazu entschließt, den schwarz gekleideten bärtigen mit den langen Haaren, den schwarzgekleideten mit Bart und Iro sowie den oliv gekleideten Mützenträger mit dem noch längeren Bart mal genauer unter die Lupe zu nehmen, wir wissen es nicht. Unserer Stimmung tut des allerdings keinen Abbruch. Zeit also für die eigentliche Pointe dieses langen Reisetages:
Meine Begleiter und ich gingen unwissenhafterweise bis kurz vor unserer Trennung davon aus, dass wir selbstverständlich zum selben Event unterwegs waren. Zufälligeweise stelle ich dann allerdings fest, dass die beiden sympathischen Mitstreiter, mit denen ich in den letzten Stunden Bier und Bifi-Carazza teilen durfte, nach Bamberg zum Heim-Event einer Band unterwegs sind, deren Namen ich nicht sagen werde, weil ich mit der belanglosen Musik nichts anfangen kann und die ich heillos überbewertet finde und wegen der ich seit einem guten Jahr nach einer öffentlichen Diskussion mit einem Fan, „Online-Hausverbot“ im Panzermuseum Munster habe (Grüße gehen raus! Das muss mir erstmal jemand nachmachen. – Anm. d. Verf.). Jeder nach seiner Fasson, ein wenig Neid und Wehmut wird mir dann aber doch entgegengebracht, als ich offenbare, dass ich sie nicht begleiten werde und ihnen dann das Billing des Braincrushers vor die Nase halte! Wie auch immer, Jungs, ,es war mir eine Ehre, Ihr hattet mit Sicherheit ein genauso geniales Wochenende wie ich! Auf bald!!!
Es ist schließlich dunkel, als ich mit unwesentlicher Verspätung von vier Stunden im schlichten und funktionellen Center-Drive-Inn Hotel einchecke.
Kurz die Klamotten abgeschmissen und ab ins fußläufig gelegene Zentrum von Hirschaid, genauer ins Brauhaus Kraus, um den Abend bei gutbürgerlich-fränkischer Küche und fränkischem Bier ausklingen zu lassen. Das Lokal, schon am Donnerstag-Abend sehr gut besucht und neben dem örtlichen Stammpublikum auch bestens auf die Metalheads eingestellt. Berührungsängste? Keine!
Ich teile den Tisch mit einem Gleichgesinnten aus Hamburg und nachdem wir uns bei deftiger Küche Weißbier und Bockbier auf das Wochenende eingestimmt haben, beschließen wir noch einen kurzen Abstecher zur Location auf der anderen Seite des Main-Donau-Kanals zu machen, der durch den Ort verläuft.
Hier werden wir von Veranstalter Norbert und seiner Crew begrüßt, die uns herzlich empfangen und uns mehr oder weniger sofort mit einspannen. Und so dürfen wir nicht nur bei den letzten Vorbereitungen mit anpacken, nein wir dürfen auch schon vorab vom süffigen Festival-Vollbier mit der mächtigen Festival-Etikettierung kosten, bevor es nach einem langen Tag zurück ins Hotel geht.
Braincrushers In Hell Festival 2026
Rats Of Gomorrah
Proscription
Blood Red Throne
Dodheimsgard
Ruins Of Beverast
Rotpit
Aimless Death
Naxen
Impurity
Fragments Of The Unbecoming
Thronehammer
Darvaza
Vinterland
Grave
Samael
Suel
























































































































