ATTACK - Ricky van Helden erzählt Heavy Metal Geschichte
1986 war ein tolles Jahr. Mit 16 Jahren erlebte ich die Heavy Metal Hochphase so gut wie es ging. Ende des Jahres war ich das erste Mal mit Freunden nach Hannover in die Eilenriedehalle gefahren, um dort Iron Maiden zu sehen, die gerade "somewhere on Tour" waren. Großartig! Doch es war nicht das erste Heavy Metal Konzert welches ich live miterleben durfte. Denn schon ein paar Wochen vorher sah ich ein Plakat im Albert Einstein Gymnasium im Hameln. Die Hamelner Heavy Metal Band STONE MADE lud zum Konzert ein in die Sertürner Realschule in Hameln. Da musste ich hin. Bei diesem Konzert half ein gewisser Ricky Van Helden am Mikrofon aus.Schon vor dem Gig zeigte er sich sehr gesellig. Die Show war gut, leider sang er nur wenige Titel. Das meiste Material war instrumental. Nach dem Konzert sprach ich ihn direkt noch einmal auf seine Band ATTACK an. Er gab mir ein Exemplar des zweiten Albums "Return Of The Evil", welches er zufällig dabei hatte. Leider vermisse ich das Stück seit einigen Jahren, denn was auf "Return Of The Evil" zu hören ist würde ich gelungenen traditiollen Heavy Metal mit leichter Iron Maiden Schlagseite nennen. Ich verlor ATTACK ein wenig aus dem Blickfeld, obwohl die Band im Laufe der Jahre noch einige tolle Alben veröffentlichte. 1998 war damit aber Schluss und so gut wie niemand wusste was aus ATTACK/ Ricky wurde. Und nun kommt das Internet ins Spiel. Über Youtube kann man viel ATTACK Material hören und sehen. Und schließlich schickte ich Ricky van Helden über Facebook eine Freundschaftsanfrage, auf die er schell reagierte. Da ich das alte Stonemade Demo noch hatte, auf dem er zu hören war, welches er nicht einmal kannte, schickte ich ihm eine Kopie auf CD gebrannt. Er zeigte sich sehr dankbar und schickte mir eine Vinyl Neuauflage des starken ATTACK Albums "Destinies Of War" und die CD Revitalized. Nun war mir klar, dass ich die Geschichte von ATTACK Interessenten schmackhaft machen werde. Das Interview fand über den Facebook Messenger statt und zog sich über mehrere Termine lange hin. Gegen Ende musste ich keine weiteren Fragen stellen, denn Ricky erzählt die Geschichte von ATTACK sehr detailliert und gab mir sehr viel Material. Ich veröffentliche davon nur eine Auswahl. Vielleicht kommt es zu einer Reunion? Doch lest selber.
Der Anfang mit Krautrock: Lyra
TWILIGHT: Ricky, mit Deiner Band Attack hast Du ordentliche Heavy Metal Alben aus Deutschland in den sehr fruchtbaren 80er und 90er Jahren veröffentlicht. Mich interessiert aber auch wie Du überhaupt zur Musik gekommen bist. Wann ging es mit deinem Interesse für Rockmusik los?
RICKY VAN HELDEN: Das ging schon relativ früh los. Ich bin natürlich mit Bands wie Led Zeppelin, Deep Purple, Uriah Heep, Black Sabbath usw aufgewachsen und irgendwie bekam ich dann auch Lust Musik zu machen und kaufte mir dann von meinem damaligen Konfirmationsgeld ein Schlagzeug. Damals war ich 14 Jahre alt und es dauerte dann nicht lange bis ich dann irgendwann mit Schulfreunden eine Band gründete.
Du hast also als Schlagzeuger angefangen. Wann war das? Anfang der 70 er?
Ja so Mitte der 70er habe ich angefangen Schlagzeug zu spielen. Das war eher so die progressive Schiene bis Krautrock mit Hammond-Orgel, Mellotron und solchen Sachen. Später dann ging es etwas Richtung Jethro Tull.
Hast Du zu dieser Zeit schon andere Instrumente gespielt und gesungen?
Zunächst habe ich nur Schlagzeug gespielt. 1979 habe ich dann meine erste eigene Band LYRA gegründet und da auch schon mal Glockenspiel, Querflöte usw. eingesetzt und auch etwas gesungen. Ich habe mir alles selbst beigebracht. Bin also Autodidakt.
LYRA 1981
Das klingt wirklich nach progressiven Krautrock. Gab es Veröffentlichungen von Lyra?
Nein, nicht das ich wüsste, aber als wir damals kurz davor waren einen Plattenvertrag zu bekommen, nachdem wir viele Konzerte gegeben hatten, hat sich die Band 1983 dann leider aufgelöst.
Wie ging es weiter? Hattest Du dann bereits Geschmack an härteren Sounds gewonnen und Attack gegründet?
Na ja, damals fing das mit der sogenannten Neuen Deutsche Welle in Deutschland an und für jemanden, der es mehr progressiv mochte, war das, bis auf wenige Ausnahmen nichts. Dann wurde die ZDF Rocknacht, ich glaube 1983 mit Iron Maiden, Judas Priest, Ozzy Osbourne und allen Bands die in der Rock Szene Rang und Namen hatten, übertragen. Das hatte mir sehr gefallen. Daraufhin habe ich mir dann eine Bassgitarre gekauft um Just for Fun etwas Musik zu machen, ohne weitere Ambitionen. Zusammen mit einem Schlagzeuger und einem Gitarristen fingen wir dann an etwas Musik zu machen. Zunächst im Stil der kanadischen Band Rush, deren Platten wir damals gern mal hörten.
Super Einfluss. Gerade vom Bass her nicht einfach.
Geddy Lee war damals vielleicht ein bisschen mein Vorbild am Bass.Die Rocknacht aus Dortmund hat sehr viel ausgelöst. Habe damals dann auch das Verlangen zu Heavy Metal gefunden. Judas Priest...freewheel burning...war das härteste was ich kannte.
Ja, für mich war das dann auch plötzlich die einzige Nische. Da wurde noch wirklich live gespielt und die Bands brachten echte Emotionen rüber ohne diesen ganzen Schnick-Schnack, der damals oft die Plastik-Mucke der Neuen Deutschen Welle und so weiter ausgemacht hat.
Welche Band bei der Heavy Metal Rock Nacht hat dich am meisten geprägt?
Geprägt würde ich nicht sagen, aber mir gefiel fast alles. Später haben wir ja auch "Into the Arena" von Michael Schenker bei ATTACK gespielt aber am meisten hat mir wohl die Spielfreude und der Stil von Iron Maiden gefallen. Das traf damals am ehesten meinen persönlichen Geschmack.
Ein Demo wird zur Platte: Danger In The Air
Wie kam es dann zur ersten Besetzung von ATTACK?
Na ja, nachdem sich Lyra aufgelöst hatte und ich nur noch zum Spaß etwas Musik machen wollte stand nun mit diesem Trio das erste kleinere Konzert in der Nähe von Hannover an. Vorher kam unser damaliger Soundmixer dann auf die Idee das ganze ATTACK zu nennen. Dementsprechend wurden dann auch Plakate gedruckt und die Band hieß nun ATTACK. Das muss so Anfang 1984 gewesen sein. Nach dem Gig fühlte ich mich jedoch etwas überfordert, weil ich neben Bass und Gesang auch Keyboards spielte und das teilweise gleichzeitig. Etwa eine Woche später machte ich eine Session mit einer Band aus Hannover, die mich gern als Schlagzeuger haben wollten. Es war aber nicht so mein Ding. Der Keyboarder dieser Band hatte aber nach der Session den gleichen Heimweg wie ich und wir kamen etwas ins Gespräch...auch über ATTACK. Ich lud ihn daraufhin ein, doch einfach mal vorbeizukommen, wenn er Lust hätte. Ein paar Tage später dann stand er in unserem Proberaum und stieg auch bei ATTACK ein. Wir brauchten aber jetzt ein Demo-Tape um uns damit bei Veranstaltern zu bewerben. Also buchten wir ein kleines, billiges Tonstudio um zu diesem Zweck ein paar Songs aufzunehmen. 2 Tage vor diesem Termin gab es aber Probleme mit unserem Drummer, so dass ich auch die Drums im Studio spielen musste. Wir haben dann aus Zeitgründen die Gitarren einfach mit einem Rockman aufgenommen statt mit richtigen Amps. Es sollte ja nur ein Demo werden. Wir nahmen also 8 Songs auf. Dass daraus später die LP "Danger in the Air" gemacht wurde, war ja gar nicht geplant.
https://youtu.be/TU5D5BHxB7Q
Glücklich war ich damit auch nicht. Aber so war es nun einmal.
Ein Song von dem Album "Danger in the Air" (1984)...https://www.youtube.com/watch?v=vdVUq-oGf9M
Return Of The Evil: traditioneller Heavy Metal
So entstand ATTACK. Auf einer kleineren Live-Tour gleich danach, die wir schon mit einem 2. Gitarristen machten, stellte sich dann heraus, dass die Keyboards nicht mehr so gut ankamen. Also bestand die Band fortan aus 2 Gitarristen, Bass und Schlagzeug. Also ohne den Keyboarder, der der Band aber zunächst als Soundmixer treu blieb. Das haben wir dann auch 1985 auf dem Album "Return of the Evil" präsentiert.
Ein Song vom Album "Return of the evil" (1985)...https://www.youtube.com/watch?v=dzpOn-YzUyI
Ricky Van Helden zu "Return Of The Evil" Zeiten
Ein starkes Album!
Danach bekamen wir unseren ersten Schallplattenvertrag und nahmen 1986 "Beastkiller“ auf. Dieses Album ist jedoch nie erschienen, weil sich der Produzent mit den Aufnahmen aus dem Staub machte.
Ein Song von nicht veröffentlichen Album "Beastkiller" (1986)...https://www.youtube.com/watch?v=uxsz-CFqPNY
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Ich half danach noch kurz bei einer Band aus Hameln für einen Gig als Sänger aus und verließ danach Hannover um in der Nähe von Osnabrück ATTACK in einer anderen Formation umzugestalten.
Ein Bild von dem Auftritt mit STONE MADE aus Hameln. Copyright STONEMADE
Umzug nach Osnabrück, Neuformation und der erste große Wurf: Destinies Of War
Ich bin dann in die Nähe von Osnabrück gezogen und wollte mir eine neue Besetzung für ATTACK zusammensuchen. Es meldete sich aber dann erstmal ein Management, bestehend aus 2 Leute (die waren u. a. für Terence Trent D´Arby tätig, also eher im Pop-Musik Bereich tätig. Aber sie hatten Interesse und vermittelten mir einen Gitarristen den ich mir etwa eine Woche später bei einem Konzert anhören könne. Das habe ich dann getan und es hat mir gefallen. Sein Name war Gerd Sossnierz und schon waren wir zu zweit. Dann wollte das Management ein Demo haben, womit sie Schallplattenfirmen bemustern könnten. Also buchten sie ein Studio in der Nähe. Ich hatte in der Zwischenzeit einige Songs komponiert und so nahmen wir zu zweit (Gerd spielte alle Gitarren und ich übernahm die Drums, den Bass und den Gesang) 5 Songs auf. In dem Studio haben wir dann, nachdem wir alles aufgenommen hatten, den Gitarristen Chreddy Riepert kennengelernt, der nun ebenfalls bei ATTACK einstieg. Einen passenden Schlagzeuger zu finden gestaltete sich allerdings etwas schwierig. Nachdem wir zahlreiche Schlagzeuger getestet hatten erschien dann plötzlich ein junger griechischer Drummer mit dem Namen Athanasios "Zacky" Tsoukas bei uns im Proberaum, der alle Songs genauso spielte, wie ich es mir damals vorgestellt hatte. Das Management war allerdings zunächst dagegen, weil er ihrer Meinung nach nicht den optischen Vorstellungen eines Rock-Drummers entsprach. Ich sagte ihnen dann : "Wir machen Musik und es kommt darauf an, wie jemand spielt und nicht, ob er kurze oder lange Haare hat. Nach einigen Diskussionen habe ich mich dann durchgesetzt und Zacky war dabei. Nun war die Band vollständig.
ATTACK Line Up 1988
Zwischenzeitlich waren bei dem Management einige positive Rückmeldungen und Angebote von Plattenfirmen eingegangen. Darunter auch von der EMI/Electrola. Ich wunderte mich allerdings, warum sich das Management damals so für das, mir unbekannte Label, ZYX-Records stark machte obwohl das Angebot der EMI-Electrola etwa gleichlautend war. Wie sich später herausstellte war einer dieser Manager gleichzeitig A&R Manager bei ZYX Records. Also unterschrieben wir einen 3 Jahresvertrag bei ZYX-Records. Wir probten in dieser Besetzung dann etwa 4 Wochen lang ca. 10 Songs ein, suchten uns ein passendes Tonstudio aus und begannen in den Eastwood-Music-Studios mit den Aufnahmen für das Album "Destinies of War".
Ein Album mit vielen neuen Elementen, etwas epischer und sehr melodisch. Zu deinen Texten: Krieg, Könige, Ritter und Mittelalter spielen immer eine Rolle. Gibt es dafür einen Grund?
Na ja....damals habe ich das halt mit Heavy Metal am ehesten in Verbindung gebracht...Als dann die Aufnahmen beendet und abgemischt waren tauchte der Manager mit dem "vereinbarten Cover" im Studio auf...mir ist fast das Whisky-Glas aus der Hand gefallen, als ich den Mist sah ....aber der Manager sagte : "Das müssen wir jetzt nehmen und das ist auch schon bezahlt." Ich habe dann nur gedacht : "Ach du Scheiße, das kann doch nicht deren Ernst sein."
Destinies Of War Original Cover
Das Album wurde dann von ZYX Records als Vinyl LP und als CD veröffentlicht und ich musste mit einem der Manager durch halb Europa um Promotion-Termine abzuarbeiten...Radio-Sendungen, Rock-Magazine usw. Als ich wieder zurück war haben wir das Album dann live vorgestellt.
https://www.youtube.com/watch?v=T39gfPwdAL8
1993 habe ich dann das Cover vom Perry Rhodan-Zeichner Al Kelsner neu Zeichnen lassen und auf dem Label Iceland-Records neu veröffentlicht. Im gleichen Jahr erschien dann Destinies of War in Japan bei Victor/JVC erneut mit einem anderem Cover auf CD mit zusätzlichen 2 Bonus-Stücken.
Wir haben uns dann Mitte 1990 mit ZYX-Records zerstritten und wurden für den Rest unseres Vertrages auf Eis gelegt....Erst 1992 kam ATTACK mit dem Album "Seven years in the past" dann wieder...aber das ist eine andere Geschichte...
An dieser Stelle kommt eine Pause von ein paar Tagen, dann meldete sich Ricky wieder und erzählte weiter.
Wir begannen dann uns in dieser Besetzung immer besser einzuspielen. Chreddy komponierte den Song "Vampire´s kiss", Gerd den Song "Fire" und ich den Song "On the run", welche wir auch live mit ins Programm nahmen. Alles schien gut zu laufen. Einzig mit der Plattenfirma waren wir, nicht nur wegen dem seltsamen Cover für Destinies of war und den übertriebenen Promotionmaßnahmen sehr unzufrieden. Als diese mich auch noch zwang ihnen die Verlagsrechte für meine Songs zu übertragen war das Maß voll. Wir verweigerten die weitere Zusammenarbeit und wurden dadurch bis zum Auslaufen des Vertrages auf Eis gelegt. Normalerweise würde man sagen: "Jetzt erst recht" aber uns hat dies auseinandergerissen. Dazu kamen private Probleme, die ich in dieser Zeit hatte und ich zog mich immer mehr zurück.
Die anderen 3 Bandmitglieder gründeten eine andere Band während ich allein ein paar Songs komponierte. Eines Tages tauchte dann wieder so ein Manager bei mir auf und schlug vor, dass er ein kleines Studio in Bünde/Westf. buchen würde, in dem ich dann ein Demo machen könne, mit dem er dann versuchen wolle einen neuen Deal zu bekommen. Ich hatte ja nichts zu verlieren und fuhr dorthin um mir das Studio einmal anzugucken. Es lag in einem Industriegebiet in Bünde. Das Studio war zwar von der Fläche her groß, aber eher technisch in der Anfängerphase. Trotzdem nahmen da einige Metalbands auf, weil sie in diesem Studio auch während der Aufnahmen wohnen und leben konnten. Der Tontechniker dieses Studios glänzte aber gern durch Abwesenheit, so dass ich anfing mich hinter das Mischpult zu setzen und den Bands bei ihren Aufnahmen zu helfen.
Da waren dann zunächst Punkbands aus Bielefeld, die einen Vinyl-LP-Sampler aufnahmen..Metal-Bands aus Schweden und Frankreich und vor alles Bands aus dem Ruhrgebiet. Da der Tontechniker aber nie da war habe ich die dann, obwohl ich nicht viel Ahnung von der Materie hatte, aufgenommen. Zwischendurch habe ich dann mit 2 befreundeten Gitarristen aus der Region (Michael Detert und Jens Petersen) ein paar eigene Songs von mir ausprobiert, die ich in der Zwischenzeit komponiert hatte.
Erfolg in Japan: Seven Years in The Past
Irgendwann tauchte dann wieder eine Metal-Band aus dem Ruhrgebiet in dem Studio auf, die ein Album aufnahmen. Mit dem Lead-Gitarristen verstand ich mich ganz gut, so dass wir weiter in Kontakt blieben. Er hieß Peter Oko, kam ursprünglich aus Polen, lebte aber jetzt in Deutschland.
Peter Oke (1992)
Zusammen mit ihm und Jens Petersen nahm ich dann zwischendurch ein paar Songideen auf, um sie festzuhalten. Einfach so pur ohne technischen Schnick-Schnack. Jens und Peter spielten die Gitarren und ich Drums, Bass, Keyboards, Gitarren und Gesang. Auf die Art und Weise nahmen wir dann 10 Songs auf...einfach nur so um die Ideen festzuhalten.
Ricky van Helden, Jens Petersen und Peter Oko (1992)
Zu dieser Zeit nahmen immer mal wieder Bands in Eigenregie CDs auf, die aber auch ein Label brauchten...insbesondere einen Label-Code. Ich entschloss mich also ein eigenes Label zu gründen, meldete es gewerblich an und beantragte bei der GVL (Gesellschaft für Leistungsschutzrechte) einen Label-Code.
Ich nannte das Label dann Iceland-Records. Das Problem war aber, das man um einen Label-Code zu erhalten, man zunächst einmal einen Tonträger (CD oder LP) auf diesem Label veröffentlichen musste um einen Label-Code zu erhalten.
Also nahm ich einfach die 10 Songs, die ich mit Peter und Jens aufgenommen hatte, lies ein Cover entwerfen und habe dann einfach mal 1000 CDs davon pressen lassen. (Das war damals die Mindestauflage bei Sonopress).
Als alles fertig war bekam ich meinen eigenen Label-Code aber hatte nur 999 CDs, die eigentlich gar nicht geplant waren. Zur gleichen Zeit rief mich Jürgen Hegewald (Hellion-Records) an und erkundigte sich, ob es irgendwelche neuen Sachen von ATTACK gäbe. Ich druckste etwas herum und sagte ihm schließlich, das es genau genommen etwas gäbe, das aber nicht so gut sein. Er sagte trotzdem: "Schick mir doch mal 10 Stück davon"...das habe ich dann getan...ein paar Tage später wollte er noch 100 Sück...dann 300 usw....nach kurzer Zeit waren alle CDs verkauft, so dass ich sogar welche nachpressen lassen musste, weil er immer mehr haben wollte.
Das hat mich wirklich gewundert, weil doch das Album wirklich nicht so gut war und auch nicht aufwendig gestaltet wurde (Booklet hatte nur 4 Seiten, keine Promotion usw.) Ich rief ihn also mal an und fragte: "Was machst du eigentlich mit den ganzen CDs ?...Er sagte : "Die verkaufe ich nach Japan...da gibt es eine große Nachfrage."
Die Scheibe heißt "Seven Years in the Past" und ein paar Tage später bekam ich einen Brief von der Firma JVC/Victor aus Japan, ob sie das Album in Japan veröffentlichen könnten, weil dieses bereits jetzt auf Platz 16 in den dortigen Import-Charts eingestiegen wäre.
Das Cover Artwork zu Seven Years InThe Past
Ich machte dann einen 7-Jahresvertrag mit JVC/Victor...
Titel-Song Seven years in the past...
https://www.youtube.com/watch?v=GQw8XzOKDLU
Im Song "In the gloom" hab ich dann auch mal Querflöte eingesetzt...
https://www.youtube.com/watch?v=Ohw2KceOvMc
Ich schloss nun Verlagsverträge mit Limb-music-publishing in Deutschland und Virgin-Music in Japan ab... Die Japaner waren aber sehr eifrig und wollten schon wenige Wochen später das Album "Destinies of War" auch in Japan veröffentlichen. Dazu wollten sie aber zusätzlich e Bonus Tracks. Also setzte ich mich mit Gerd Sossnierz (Gitarre) und Zacky Tsoukas (Drums) zusammen und erklärte ihnen, was inzwischen mit ATTACK passiert war...wir buchten ein billiges Tonstudio und nahmen dann 2 Bonus-Tracks für die japanische Version von Destinies of War auf...das waren dann "Way out of Hell" von mir und das instrumentale "Wardance" von Gerd Sossnierz...
https://www.youtube.com/watch?v=V1Om5m7LbY4
Altes Material im frischen Gewand: Revitalized
Nun, da die Japaner immer mehr auch ältere Songs von ATTACK haben wollten für CD´s, die es aber nur als Viny LP´s gab, entschlossen wir uns ein Album zu machen auf dem wir dann jeweils 2 Songs von jedem älterem Album noch einmal aufnahmen und dazu ein paar neue Songs machten...wir spielten also 2 Songs vo Debüt Album "Danger in the Air" nochmal ein...das waren der Titel-Song "Danger in the Air" und die Ballade "Sunday Morning"...vom Album "Return of the evil" spielten wir "Dirty Mary" und "Warriors in Pain nochmal ein...von der nie Veröffentlichen Produktion "Beastkiller" den Song "Heroes die Young" usw...Zusätzlichen nahmen wir ein paar neue Songs auf und nannten das Album dann "Revitalize". Uns hatte sich inzwischen der Gitarrist, Keyboarder und Geiger Matthias Hornschuh angeschlossen...
Matthias Hornschuh 1994
Das Album Revitalize erschien dann in Japan über JVC/Victor mit 12 Songs und in Europa über Iceland-Records mit 15 Songs...
ATTACK (1994) Matthias Hornschuh, Gerd Sossnierz, Zacky Tsoukas, Ricky van Helden
https://www.youtube.com/watch?v=Q2BSVOjjT1U
https://www.youtube.com/watch?v=ZUBgHIpw8GE
Ein geheimer Ort
Zunehmender Druck von Plattenfirmen was Neues zu produzieren, mein eigenes Label, die Verträge, andere Bands aufzunehmen oder zu produzieren, komponieren und texten, gleichzeitig Promotion zu machen usw. waren dann aber doch Zuviel für eine Person. Also entschloss ich mich ein anderes Studio zu buchen um wenigstens etwas entlastet zu sein um mich nur auf das spielen konzentrieren zu können. Also suchte ich mir ein Studio in der Nähe in dem ich kurz zuvor eine andere Band produziert hatte und in dem ich bereits 1988 mit Gerd zusammen das Demo für Destinies of War eingespielt hatte. Ich leistete also einen Vorschuss und buchte das Studio für einen Monat.
Aber dann kam alles ganz anders....Matthias Horschuh begann sein Studium in Köln...Gerd studierte auch und teilte mir mit, das er im Augenblick nur noch Freitags Abend Zeit hätte. Was sollte ich jetzt tun ? Mit Zacky allein im Studio Däumchen drehen ? Das ging natürlich nicht. Also habe ich mich schweren Herzens dazu entschlossen mich von den beiden Gitarristen zu trennen.
Ich kontaktierte daraufhin Peter Oko, der ja schon bei dem Album "Seven years in the Past" dabei war. Er hatte Lust und Zeit ein neues Album zu machen. Und Zacky war ja sowieso dabei. Also gingen wir nun zu dritt erstmal ins Studio ohne dass wir auch nur eine Minute geprobt hatten. Außerdem hatte ich nur 2 neue Songs auf Lager ("The Prophecy" und "Forgotten Dreams"). Das war natürlich alles Irrsinn, zumal das Studio auch nicht gerade billig war. Dazu kam, das der Studiobesitzer (Tontechniker) nicht besonders motiviert war und letztendlich die Studioarbeit wieder an mir hängen blieb. Das übertrug sich nun auch auf Peter, der sich im Studio dann eher dem Alkohol als seiner Gitarre gewidmet hat. So ging dann eine Woche ins Land ohne das etwas Nennenswertes passiert wäre...wir hatten keine Songs und wenig Lust. Die Lösung kam dann mit dem Gitarristen Thorsten Köhne, der sich anbot bei uns einzusteigen. Das motivierte natürlich auch Peter wieder. Also standen wir jetzt zu viert im Studio und ich begann pilotmäßig ein paar Stücke auf Band zu spielen. Alles nicht ausgearbeitet sondern eher spontan aus der Not geboren bekam ich dann ein paar Songs zusammen. Zu diesen Pilotspuren trommelte Zacky dann die Drums drauf (ich widmete ihm dann auch ein Stück "Tsoukata" auf dem er ein Drum-Solo spielen sollte, damit wir das Album voll bekommen) und spielte dann selbst den Bass und die akoustik Gitarren und Keyboards auf alles drauf. Peter und Thorsten sorgten dann für das Brett der Gitarren.
Als das Playback dann fertig war und ich auf die schnelle einige Texte geschrieben hatte um zu singen, war unsere Studiozeit aber rum und die nächste Band die in dem Studio aufnehmen wollte stand auf der Matte. Also habe ich schnell alles auf eine DAT-Kassette runter gemischt und bin damit in ein anderes Studio gegangen um zu retten was zu retten ist. Das war natürlich nicht optimal, da ich nun nicht mehr viel am Playback ändern konnte. Außerdem fehlte noch ein Gitarrensolo, was Thorsten aber schnell drauf spielte und ich spielte noch ein paar Keyboards drauf, die ich vorher vergessen hatte. Dann begann ich da etwas drüber zu singen. Wir mischten alles zusammen und fertig. Das war zwar nicht so, wie ich es mir vorgestellt hatte aber was solls.
Peter Oko, Zacky Tsoukas, Ricky van Helden, Thorsten Köhne
Letztlich wurde das Album dann "The Secret Place" getauft und über EWM/Tin Can in Europa und JVC/Victor in Japan als CD veröffentlicht.
Später wurde noch vom griechischen Label "Lighten the Underground" eine Vinyl-Version von The Secrte Place" veröffentlicht...
https://www.youtube.com/watch?v=P5jYAvVH_Zg
https://www.youtube.com/watch?v=IL6zBNjFp0I
https://www.youtube.com/watch?v=PpS_sVDAM_Q
https://www.youtube.com/watch?v=rMUkauoANWQ
https://www.metal-archives.com/reviews/Attack/The_Secret_Place/4924/
https://www.heavy-metal-heaven.de/pages/topics/attack-ndash-the-secret-place.php
Deadlocked: der letzte Angriff?
1996 sollten dann die Aufnahmen zu dem Album "Deadlocked" folgen...aber dieser Titel (zu deutsch "Festgefahren") sollte sich bitter bewahrheiten...
Ist das bereits das Ende der Band?
Im Kopf war ich jetzt auf einem deutlich progressiveren Trip, was sich auch in der Musik von ATTACK niederschlagen sollte. Genervt von Aufnahmen für "The Secret Place" wollte ich nun wieder alles selbst machen und mich nicht in irgendwelchen Studios mit den Gemütsverfassungen anderer Leute herumschlagen. Also kaufte ich mir 3 ADATS. Die entsprechenden Räumlichkeiten, ein Mischpult, Abhöre, Kompressoren Gates, Effektgeräte, Mikrofone etc. waren ja noch vorhanden. Aber es sollte anders kommen als geplant. Zacky war inzwischen in den Staaten und nicht mehr dabei. Peter und Thorsten aber waren bereit. Was wir brauchten war ein Drummer.
Den fanden wir dann in Frank Ullrich ( ex Grave Digger, ex Holy Moses, ex X-Wild,ex Living Death)
Frank Ullrich
Ich begann also ein paar Stücke zu schreiben und wir fingen an die Drums aufzunehmen. Die hatten wir als Band nicht geprobt und alles war relativ spontan. Ich hatte wieder pilotmäßig Gitarren und Bass zum Klick gespielt. Einige Ideen kamen dazu, so wir etwa 60 Minuten Musik zusammen hatten. Frank trommelte die Drums dazu und ich danach den Bass, Keyboards und die Akustichen Gitarren. Thorsten und Peter später die E-Gitarren. Bei 2 Stücken war dann auch das ATTACK Gründungsmitglied Thomas St. Jones an den Keyboards dabei und später noch der Geiger Manni Neumann bei einigen Stücken
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Peter Oko
Thorsten Köhne
Alles wurde relativ schnell und progressiv, aber es machte Spaß. Timing mäßig wollte ich das aber nicht mehr so geradeaus haben wie es oft üblich war. Ich wollte Tempi Wechsel in einzelnen Passagen usw. Mir war es jetzt egal, was mir vorher immer erzählt wurde, nämlich das bei einem Song das Click immer straight in einem Tempo durchlaufen müsse.
Das geplante Cover für Deadlocked
Alles war fertig...ich brauchte also nur noch singen. Aber nun kamen einige Sachen zusammen...ich zog um, Lebenskrise, plötzlich war ich mit dem Sound nicht mehr zufrieden usw. Dazu kamen vielleicht auch Depressionen und ich zog mich letztendlich total zurück. Zunächst setzte ich mich immer mal wieder an die Aufnahmen, aber ich hatte mich im wahrsten Sinne festgefahren. Die Jahre vergingen und ich verlor letztlich den Mut die Produktion nach zu veröffentlichen, weil sich die Hörgewohnheiten der Menschen ja auch inzwischen verändert hatten und die Sachen ja auch jetzt schon relativ alt waren.
Aber ich habe mich jetzt letztendlich doch entschlossen, einen letzten Versuch zu starten, etwas darüber zu singen und dieses Album doch noch zu veröffentlichen, auch wenn es vermutlich nicht mehr viel bringen wird. Ich bin es zumindest den Mitmusikern schuldig. Morgen fange ich also an.
2012 veröffentlichte das deutsche Label Mighty Monster-Records dann die ATTACK Compilation "Warriors of Time".
Cover Warriors Of Time
Viele ATTACK Alben wurde in den letzten Jahren Re-released....sogar unser Debüt-Album "Danger in the Air" wurde 2017 noch einmal als CD veröffentlicht.
Rerelease CD Danger In The Air
Da wäre es doch blöd, wenn ich nicht versuchen würde "Deadlocked" doch noch fertig zu machen...
Das finde ich auch. Da stellt sich die Frage, ob Ricky nach 20 Jahren sich wirklich noch einmal an das Album ran geht. Ich hoffe schon, dass er es macht.
Vielen dank an Ricky für die ganzen Infos und das Material zur Geschichte von ATTACK! An alle Leser: checkt mal die Videos, deren Links mir Ricky sendete. Vielleicht findet ihr auch auf irgendeinem Flohmarkt oder bei Ebay günstig ein Album von ATTACK. Die letzten ReReleases sind sehr empfehlenswert und lassen sich auch für günstige Preise im Netz finden.
Copyright Fotos und Bildmaterial und Videos by Ricky van Helden