DESERTED FEAR zum über das Touren und Live-Spielen

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DESERTED FEAR zum über das Touren und Live-Spielen
DESERTED FEAR gleich zu Beginn des Jahres 2019 ihren internationalen Status weiter ausgebaut und gleichzeitig ihre Vormachtstellung in der deutschen Szene eindrucksvoll bestätigt. Das Album selbst spricht für sich und ist nicht nur in zahllosen Interviews und Rezensionen, sondern nicht zuletzt auch in unserer Twilight-Besprechung ausführlich bzw. im Kern analysiert worden. Allerdings führte es das Trio mit "Drowned By Humanity" erstmals als Headliner durch die mitteleuropäischen Clubs. Was lag also näher, als die Herren mal zum Thema Livespielen und Touren auf ihrer Station im Lux in Hannover zu befragen.


Wer Euch schon einmal live erlebt hat, für den erübrigt sich eigentlich die Einstiegsfrage, doch ich stelle Sie trotzdem. Sind Touren und Live-Events Spaß oder lästige Pflicht?
 
Mahne: Hauptsächlich ist das Spaß. Wir sind ja alle Freunde. Das ist wie auf Klassenfahrt. Du bist mit deinen Kumpels unterwegs und hast eine gute Zeit. Wir verstehen uns alle gut, was wichtig ist, da es ja auch sehr viel Leerlauf gibt aber dadurch haben wir viel Spaß zusammen.
Simon: Wir hatten vor allem bisher auch Glück mit den Bands, die mit uns unterwegs waren. Dadurch waren unsere bisherigen Nightliner-Touren nie irgenwie anstrengend. Auch jetzt wieder mit den zwei Bands, Carnation und Hierophant. Es macht echt Spaß mit denen unterwegs zu sein.
(Habt Ihr Einfluss auf die Auswahl der Supportbands gehabt? -Anm. d. Verf.)
Simon: Ja, es wurden uns Vorschläge unterbreitet, aus denen wir wählen konnten.
 
 
Was macht am meisten Spaß auf Tour? Was nervt total?
 
Mahne: Am meisten Spaß macht Duschen... ...und Kacken. Was nervt, ist nicht duschen... ...und nicht kacken. (lacht)
Simon: Man muss dazu wissen: Im Bus darf man halt nicht kacken, im Bus wird nur gestrullt.
(Ehrenkodex oder Vorschrift? - berechtigte Zwischenfrage d. Verf.)
Mahne u. Simon (einstimmig): VORSCHRIFT!
Mahne: Ich glaube, damit machst Du Dir nur Feinde. Weil der Geruch zieht ja nicht ab, der bleibt dann im Bus und da riecht es dann ein paar Tage lang danach. Das ist nicht cool.
Simon: Der Busfahrer muss dann alles reinigen.
Mahne: Was war noch die eigentliche Frage? 
Was nervt auf Tour, was macht am meisten Spaß?
Mahne: Naja, das ist ganz klar Aus- und Einladen. Das nervt, das ist anstrengend und das nervt einfach und der Rest ist ja eigentlich ´ne coole Zeit...
Simon: ...außer für mich als Schlagzeuger, bei mir geht´s danach mit dem Aufbauen weiter, deshalb baue ich auch die Hälfte der Zeit auf, während die anderen Ausladen... (lacht und rechtfertigt sich) ...ich drücke mich nicht, ich muss das machen. Schade, ich würde gern mit ausladen.
 
 
Touren oder Einzelgigs?
 
Mahne: Im Prinzip kann man das so einfach gar nicht sagen. Beides ist insofern anstrengend, weil wir ja nebenbei noch voll arbeiten gehen. Wenn wir am Wochenende dann irgendwo hinfahren, um eine Einzelshow zu machen, nach München oder an sonst eine Grenze von Deutschland, dann ist das oft ein sehr weites Gefahre, das Wochenende ist quasi hin und wir verbringen dann sehr viel Zeit im Auto. Bei einer Tour ist das zusammenhängend aber das ist dann auch Urlaub, den wir dafür nehmen müssen.
Simon: Also eigentlich ist es beides scheiße. (lacht) Nein, beim Touren finde ich schön, dass man nach ein paar Tagen richtig gut eingespielt ist. Es läuft alles, jeder hat seine Routine aber auch als Band manifestieren sich die Songs immer mehr. Bei einer Einzelshow proben wir ein paar Mal davor aber das ist nicht vergleichbar mit drei, vier oder zehn Konzerten, die Du bis dahin auf einer Tour spielst.
 

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deserted fear live im Haus Auensee in Leipzig anlässlich der Schrei!nachten-Tour mit den Apokalyptischen Reitern

Müsst Ihr Euch auf Tour partytechnisch eher zusammenreißen oder seit Ihr eh´ eine Exzess-Band?
 
Mahne: Also ich habe auf der aktuellen Tour noch gar keinen Alkohol getrunken aber ich trinke eigentlich auch sonst nicht viel. Da sind wir vielleicht doch eher die Langweiler, richtige Exzesse gibt es eigentlich nicht.
 
 
Peinlichste Live-Panne oder schlimmstes Live-Erlebnis
 
Mahne: Das kann ich jetzt erzählen. Die ist tatsächlich gerade erst in Berlin (15.03.2019 - Anm. d. Verf.) passiert. Da ist mir meine Hose gerissen, und zwar unten im Schritt. Und zur selben Zeit ist mir auch meine Buchse gerissen, an der selben Stelle. (lacht). Und da hat halt der Schniedel ein bissel rausgeguckt. Zum Glück hing die Gitarre davor. Das war mir so unangenehm. Ich habe nur gedacht: "Ach Du Scheiße!", denn ich habe ja gemerkt wie sie gerissen ist und wie er zum Freischwinger geworden ist und immer wieder nur gedacht: "Die Gitarre hängt hoffentlich davor, die Gitarre hängt hoffentlich davor!" Nach den Songs habe ich mich dann immer wieder vergewissert, dass es noch so ist und immer wieder noch mal "gerichtet". Das war mir richtig peinlich aber ich glaube es ist nicht sonderlich aufgefallen.
 
 
Denkwürdigster, größter oder bester Auftritt, der Euch in Erinnerung geblieben ist
 
Simon: Das sind eigentlich viele. Weil dieses Gefühl eigentlich immer wieder kommt. Man erlebt so etwas nicht nur einmal und es sind mehrere Auftritte, die ich da aufzählen könnte. Aber am krassesten war natürlich schon das erste mal, beim Party.San (2015 - Anmerkung d. Verfassers) auf der Hauptbühne zu spielen oder jetzt auf der Reiter-Tour in Leipzig.
Mahne: Ich würde jetzt die Release-Show in Jena nennen, weil es erstens die Heimat ist und zweitens, weil es im F-Haus war, wo wir halt jahrelang immer als Besucher hingegangen sind und ich hätte halt nicht gedacht, dass wir das so voll kriegen, so dass oben die Ränge auch voll werden. Das fand ich ziemlich beeindruckend und ist emotional auch ganz schön hängen geblieben.
 
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deserted fear live im F-Haus Jena anlässlich der Releasparty von "Drowned By Humanity"


Was braucht es, um Euch im Touralltag zu erden, wie schaltet Ihr in einem Umfeld ohne viel Privatsphäre ab?
 
Simon: Wir haben halt unsere Kojen, da kann sich jeder hin zurück ziehen und ´ne Runde pennen, wenn´s am Abend spät geworden ist.
Mahne: Ich stehe meist als erster auf, weil ich bedingt durch meinen Jungen nicht mehr lange schlafen kann, der steht immer sehr früh auf. Dadurch habe ich sowieso wenig Schlaf. Dann geh´ich meistens raus, such´ mir irgendwo ´nen Bäcker, trink erstmal einen Kaffee und sitz´ da erstmal alleine und schalte mich quasi damit an. Da finde ich so meine Ruhe bevor dann der Tag los geht.
Wie läuft der Standard-Tag auf Tour so bei Euch ab?
Simon: Für jeden halt unterschiedlich.
Mahne: Der eine schläft gerne bis nachmittags, der andere nicht. (lacht) Mein Tag verläuft, so wie ich es gerade angefangen habe, zu erzählen. Ich steh früh auf, such´ mir ´nen Bäcker, esse erstmal was, gehe vielleicht in der Stadt ein bischen ´rumspazieren. Dann warten wir im Prinzip, dass wir in den Club rein können. Toilettengang, vielleicht auch nochmal duschen und dann ausladen, aufbauen, Interviews etc. (lacht)
 
 
Gibt´s Rituale, mit denen Ihr Euch auf den Gig einstimmt?
 
Simon: Für mich ist schon der Soundcheck immer irgendwie ein Einstimmen. Man lernt den Raum kennen, den Sound und kriegt so eine Ahnung davon, wie die gefühlte Tagesform ist.
 
 
Club, Jugendzentrum oder Open Air - Arena - Was präferiert Ihr, wie fühlt sich das jeweils für Euch an?
 
Mahne: Gestern haben wir in einem Jugendzentrum gespielt, das war so groß wie meine Wohnstube (28.03. - Klex, Greifswald - Anm. d. Verf.). Das fand ich richtig geil. Das hatten wir  wirklich lange nicht. Auch wenn das jetzt ziemlich abgehoben klingt...
Simon (schaltet sich ein): ...Wir waren ja mit einigen großen Bands unterwegs und haben daher große Hallen gespielt und jetzt mal wieder so etwas kleines Gemütliches in lockerer Atmosphäre zu zocken hat übelst viel Spaß gemacht.
Mahne: Familiäre Stimmung, das ist ein schöner Kontrast. Das andere ist natürlich auch immer fett, wenn da viele Leute vor der Bühne stehen. Aber im Jugendzentrum ist es halt auch so, da gibt es oft keine Duschen, das sind dann immer die Nachteile. Wenn man so etwas ein paar Tage hintereinander hat, dann wird´s anstrengend.
Simon: Interessant ist dabei aber, dass man den Leute in einem so kleinen Laden ins Gesicht schauen kann, im Gegensatz zu einer Halle, in der viele Leute sind. Der Abstand ist dort zum Publikum größer. Deswegen ist das ´ne ganz andere Sache. Gestern z. B. da konntest Du beim Konzert direkt jemanden anschauen, der guckt zurück und schon entsteht Kommunikation. Das ist schon cool.
 
 
Mit welcher ultimativen Band möchtet Ihr unbedingt noch auf Tour gehen?
 
Mahne: Den Traum habe ich mir schon erfüllt, auf unserer Ostblock-Rutsche mit Obituary. John Tardy ist ein Sänger, der mich enorm beeinflusst hat über die vielen Jahre. Das war richtig fett mit den Jungs mal unterwegs zu sein und dabei festzustellen, dass das echt coole Typen sind. Das geht auch anders. Wenn Du halt Fan bist und die Band dann kennen lernst und Du denkst: "Na ja, musikalisch ist es geil aber menschlich ist es irgenwie schwierig." Da hatte ich bei Obituary tatsächlich Angst, dass wir das mit denen auch erleben aber jetzt bin ich halt noch ein viel größerer Fan weil die Typen einfach fetzen.
Simon: Für mich wären es Dismember, mit denen ich gern touren würde, realistisch wären aber eher Gojira.
 
 
Welches Event oder welches Land reizt Euch noch?
 
Simon: Slowenien und Tolmin mit den Metal Days war cool, da können wir nochmal hin.
Mahne: Ich würde gern mal nach Russland, ich hab da kein spezielles Festival oder Event im Auge aber ich fände das echt spannend.

Line Up

FABIAN HILDEBRANDT (Guitar)
MANUEL GLATTER (Vocals/Guitar)
SIMON MENGS (Drums)
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