EMPYRIUM im Interview - Eine Bilanz

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EMPYRIUM im Interview - Eine Bilanz
Markus, vor vielen Jahren hast Du mir mal beiläufig erzählt, dass man Dir in Leipzig mal einen hohen Betrag geboten hast, um mit EMPYRIUM eine exklusive Live-Premiere auf dem WGT darzubieten. Seinerzeit konntest Du Dir das einfach nicht vorstellen.
Als die Band mehr oder weniger zu Grabe getragen war und kaum noch jemand damit rechnete kam die Live-Premiere dann schließlich 2011 doch noch. Seither gab es nicht nur viele denkwürdige Konzerte an mitunter außergewöhnlichen Spielstätten (u. a. Passionskirche Berlin, Christuskirche Bochum, Opernhaus Straßburg). Der weitere Weg hat Euch schon zweimal in die Türkei und zuletzt sogar bis nach China geführt. Wie kam es einst zu diesem Sinneswandel und wie wichtig waren Dir dabei die involvierten Live-Musiker, die ja überwiegend mit eigenen Bands bei Prophecy unter Vertrag sind. An welche Konzerte denkt Ihr am meisten zurück, welche waren rückblickend am Emotionalsten oder für Euch am Wichtigsten?
 
Ja, also wie kam es dazu? Also mich hat zunächst einmal der Aufwand immer abgeschreckt, EMPYRIUM auf die Bühne zu bringen, weil der ist wirklich riesengroß. Man muss unwahrscheinlich viele Lines für die Musiker rausschreiben, das Ganze proben, damit es richtig sitzt und das war vor dem WGT-Auftritt 2011 wirklich ein Riesenbatzen an Arbeit, der nicht kreativ ist. Ich bin eigentlich eine Person, die hauptsächlich ihre Energien in kreative Dinge leiten möchte und das ist bei der Vorbereitung auf einen solchen Auftritt eher richtige Arbeit. Das hat mich abgeschreckt und ich konnte mir persönlich nicht so vorstellen, dass die Musik von EMPYRIUM auch live funktioniert. Aber das hat sich durch die Auftritte, die wir gemacht haben, im Kopf ziemlich gewandelt weil die Musik wirklich trotz dieser Fragilität sehr gut funktioniert. Das war immer ein Punkt, an dem ich mir gedacht habe: "EMPYRIUM im Metal-Club? Die Leute wollen doch eher, wenn sie ausgehen, so´n bischen Stimmungsmusik oder Partymusik zum Feiern." Und das sind EMPYRIUM überhaupt nicht. Aber man darf nicht unterschätzen, dass die Leute bei EMPYRIUM nicht zum Feiern kommen, sondern zum Zuhören. Und das ist etwas, was mich total überzeugt hat. Egal, wo wir bis jetzt gespielt haben, in China, auf dem WGT oder gestern in Belgien der erste Gig von dieser Tour; Die Leute sind total in der Musik drin, fast schon andächtig. Und das hatte ich seinerzeit nicht gedacht, dass das so funktionieren kann. Ich habe einfach gemerkt, dass es funktoniert und so spielen wir halt mittlerweile zu besonderen Anlässen vermehrt Konzerte.
  
 
Wie kamen die Engagements und Auftritte in der Türkei und in China zustande? Wie waren die Reaktionen der Fans, wie lief die Organisation? Seid Ihr zufrieden mit den Konzerten? Wo wir gerade beim Ausland sind. Welche Länder würden Euch darüber hinaus noch reizen, zu betouren? Japan, Süd-/Nordamerika, Afrika oder Australien?
 
Also in der Türkei waren wir bereits vor zwei Jahren. In China waren wir in diesem Jahr zum ersten Mal. Es ist verrückt, wie groß EMPYRIUM dort sind. Das hätte ich im Vorfeld nie für möglich gehalten. In Istanbul, zwei Abende, zwei Mal ein 600 Menschen fassendes Venue ausverkauft. Es waren Leute aus dem Iran da; die wirklich komplett verrückt nach EMPYRIUM sind und mir erzählt haben, dass sie mit der Musik von EMPYRIUM aufgewachsen sind. Dass es eine Band ist, die für sie unglaublich wichtig ist und sie hätten nie gedacht, dass sie uns einmal irgendwie zu Gesicht bekommen würden. Allein diese Reaktionen sind für mich als Musiker total inspirierend. Dabei muss ich gerade bei dem alten EMPYRIUM-Material immer daran denken, dass ich es bei meinen Eltern daheim aus dem Kinderzimmer heraus komponiert habe. Diese Tragweite, dass das damals im Iran schon Leute begeistert hat, habe ich natürlich nicht mitbekommen. Dies jetzt so nachzuerleben ist echt wahnsinnig berührend.
Aus China hat uns ein Veranstalter angeschrieben und gefragt, ob wir uns vorstellen könnten, dort zu spielen, weil es dort auch viele EMPYRIUM-Fans gibt. Auch das hat hervorragend funktioniert. China ist natürlich ein Land, was wahnsinnig beeindruckend ist, wenn man, so wie ich, noch nie vorher dort war. Allein die Städte, dagegen ist Berlin ein Nest. Xi´an beispielsweise, da hatte ich vorher noch nie etwas von gehört, hat 14 Millionen Einwohner. Es war unglaublich anstrengend, weil wir bei Distanzen von 1500 Kilometern zwischen den Veranstaltungsorten, viel Reisen mussten. Einmal sind wir geflogen und einmal sind wir mit dem Schnellzug, der zwischen Peking nach Shanghai verkehrt, gefahren. Der fährt nonstop mit bis zu 400 Kilometern pro Stunde, so dass wir innerhalb von 4 Stunden bei einer Strecke von ca. 1200 Kilometern dort waren. Und die Kultur in China einmal zu erleben war auch sehr spannend. Ich bin ja ziemlich essensaffin. Wir haben viel in kleinen Straßenküchen gegessen. Das war echt superinteressant. Auch die Organisation vor Ort war unglaublich gut. Wir hatten super Hotels, die Veranstalter haben uns immer gefragt ob alles in Ordnung ist oder ob es noch etwas gibt, was sie für uns besorgen können. Das war richtig, richtig gut.
Für das nächste Jahr sind wir in der Planung in Richtung Südamerika und USA. Ich denke nach dem Abschluss dieser Tour wird der Fokus erst einmal auf das Ausland gerichtet sein. Es gibt im kommenden Jahr vielleicht noch einmal einen Gig in Deutschland. Aber gerade in Südamerika ist das Interesse riesig. Egal was ich auf unserer Facebook-Seite poste. Es kommt immer :"Come to Chile", "Come to Mexico", "Come to Argentinia".
 
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Euer 2016er Konzert beim Hellfest in Frankreich fand sich seinerzeit in der ARTE-Mediathek wieder, im vergangenen Jahr wart Ihr Headliner beim Festival Metal Oper´Art in der Opéra National Du Rhin in Straßburg, bei dem Euer Auftritt sogar live gestreamt wurde. Wie fühlt sich das für Euch als Musiker an? Last in der Live-Situation, Ehre oder Anerkennung in einem gewissen Kreise als "seriöser" Künstler anerkannt zu sein?
 
So etwas ist auf jeden Fall eine Bestätigung als Musiker und Künstler. Aber es baut vor einem Konzert auch immer einen Druck auf. Allerdings kennen wir uns bei EMPYRIUM mit Drucksituationen aus. Das erste Konzert, was wir auf dem WGT gemacht haben war gleich ein Mitschnitt für eine DVD. Also mehr Druck kann man sich vor einem Konzert wohl nicht aufbauen. Das war in Straßburg ähnlich und das Hellfest ist ja auch ein Riesenfestival. In Straßburg war es aber durch den Live-Stream noch einmal etwas Besonderes. Es ist alles genau getimed, Du gehst auf die Sekunde genau auf die Bühne, weil genau der Stream dann beginnt.
 
  
Das aktuelle Album "The Turn Of Tides" liegt nun schon vier Jahre zurück. Auf der aktuellen Tour widmet ihr Euch der frühen Schaffensphase von EMPYRIUM. Wie beurteilst Du selbst Euer "Comeback" heute? Gibt es schon Pläne für ein weiteres Album und wenn ja, in welche Richtung könnte es stilistisch gehen?
 
Ich bin immer noch sehr zufrieden mit "The Turn Of Tides". Von außen sehe ich die Platte ein bischen unterbewertet weil es u. a. Fans gibt, die es schade fanden, dass wir weder folkig, noch Metal auf dem Album sind. Aber ich betone immer, dass EMPYRIUM für mich eher ein Gefühl, als eine Arrangement- oder stilistische Konstante sind. Slayer müssen beispielsweise immer verzerrte Gitarren haben, das geht nicht ohne. EMPYRIUM kannst du am Klavier, auf einer Akustikgitarre oder in einem Metal-Kontext spielen. Zentraler Bestandteil bei EMPYRIUM ist, dass der Song das Gefühl transportiert. Und das finde ich total interessant an der Arbeit mit der Band, dass wir uns in ganz vielen Musikrichtungen und Arrangements austoben können, wobei der Song am Ende immer das Gefühl trägt.
Vor allem der Titelsong des Albums ist einer meiner Lieblingssongs von EMPYRIUM überhaupt, der mir wirklich sehr viel bedeutet. Ich habe mal ein Review gelesen, in dem geschrieben wurde, dass der Song ja eigentlich gar kein richtiger Song, sondern nur ein überlanges Outro ist. Das finde ich schade, denn in dem Song steckt wahnsinnig viel Herzblut drin. Er ist halt sehr ruhig und schwelgt so vor sich hin aber wenn man sich darauf einlässt, dann ist es einer der besten Songs von EMPYRIUM. (An dieser Stelle grätscht der Verfasser mal hinein und wirft das Stichwort "Empyrium 2.0" für die stilistische Ausrichtung der Rückkehr, zwölf Jahre nach "Weiland" in den Raum und damit trifft er offensichtlich den Nerv des Interviewten.) Genau! Es war ja auch unser Anliegen damals, dass wir uns mit einem Comeback-Album nicht an unsere eigene Vergangenheit in Form von "Weiland ll" oder "Songs Of Moors... ll" anbiedern. Das wäre zum damaligen Zeitpunkt nicht gegangen. Wir arbeiten bereits an neuem Material und komischerweise tendiert es jetzt wieder vermehrt zu den Ursprüngen. Aber nicht geplant. Ich glaube das liegt eher an den Erfahrungen der Live-Konzerte, da man bei der Präsentation der alten Songs diese ursprünglichen Gefühle wieder neu durchlebt. Es wird viele Akustikgitarren geben aber auch verzerrte Gitarren und richtigen Metal.
 
 
Auf den ersten beiden Alben "A Wintersunset" und "Songs Of Moors And Misty Fields" war Andreas noch am Keyboard involviert. Erzähl uns vielleicht noch einmal wie die Thomas kennen gelernt hast und wie er zu EMPYRIUM gekommen ist. Wie wichtig bzw. welchen Anteil hat Thomas heute menschlich wie musikalisch an der Band? Wären EMPYRIUM heute ohne ihn aus Deiner Sicht denkbar?
 
Thomas habe ich seinerzeit kennengelernt, als ich mal ein gutes halbes Jahr versucht habe, einem regulären Job in einer Firma nachzugehen. In dieser Firma hat auch Thomas gearbeitet. Da wir beide Metalheads waren kamen wir natürlich ins Gespräch. Er war interessiert an EMPYRIUM und ich habe ihn dann in diesen Kosmos eingeführt. Bei "Where At Night The Woodgrouse Plays" war Thomas auch noch nicht im festen Line-Up, sondern nur als Gastsänger. Aber bei diesen Aufnahmen haben wir gemerkt, dass wir sehr gut kreativ zusammen arbeiten können. Es funktionierte einfach so gut. Ab der Weiland war Thomas dann auch am Songwriting beteiligt und an dem Material, an dem wir gerade arbeiten, hat Thomas großen Anteil. Um es zusammen zu fassen: Der kreative Prozess bei EMPYRIUM ist Thomas und ich. Und das wird sich auch nicht mehr ändern.
 
 
Du hast kürzlich die 40er-Marke gerissen und kannst bis heute auf eine durchaus beachtliche Karriere, neben EMPYRIUM mit The Vision Bleak, Sun Of The Sleepless, Noekk oder auch Ewigheim, wie auch als Produzent bzw. Aufnahmeleiter in Deinem Studio zurück blicken, wobei mit EMPYRIUM eben alles anfing. Wie fühlt sich das an, bist Du im Reinen mit Dir, Deiner Musik und Deinen Projekten? Wie vermeidest Du Routine? Musst Du zwischendurch auch mal vollkommen abschalten von der Musik? Wie machst Du das bzw. wie erdest Du Dich? Inwiefern hat Deine Karriere den Mensch in den vergangenen rund 25 Jahren verändert? Sind Deine Eltern stolz auf Dich und das was Du erreicht hast?
 
Dadurch, dass ich selbst einen sehr hohen "Output" an Musik habe und darüber hinaus in meinem "normalen" Studiojob im Schnitt ca. acht bis neun Stunden Musik höre - beim Mischen z. B. hörst Du ja auch sehr konzentriert Musik - dann fällt mir mitunter auf dass ich beispielsweise im Urlaub nicht eine Sekunde bewusst Musik höre. Da habe ich dann kein Interesse dran. Da muss dann einfach mal der Markus Stock am Frühstückstisch sitzen und Brötchen essen (lacht). Thema Bilanz: Als wir das EMPYRIUM-Demo aufgenommen haben war es immer mein größter Traum, ein eigenes Studio zu haben und von der Musik leben zu können. Und das habe ich relativ schnell realisiert und deswegen werde ich mich nie über zu viel Arbeit beschweren. Natürlich wächst einem das in Stoßphasen, wenn man beispielsweise eine Tour vorbereitet und dazu noch im Studio arbeitet, schon Mal über den Kopf, wo man dann denkt: "Was habe ich mir da angetan?" Du hast im Vorfeld einer Tour unglaublich viel Organisationsarbeit: Merchandise bestellen, diverse Dinge mit dem Tourmanager abklären, Rechnungen schreiben etc. Das ist ein Bürojob noch nebenher und ein Rattenschwanz, den die meisten Leute gar nicht sehen. Nach so einer Tour brauche ich auch erstmal eine Woche Ruhe, in der ich erstmal gar nichts mache. Aber kurz danach nimmt mit Ketzer schon wieder die nächste Band bei mir auf. Um auf die eigentliche Frage zurück zu kommen. Ich bin super zufrieden mit dem, was ich mache, weil es immer mein Traum war. Es war immer das, was ich machen wollte. Ich bin dabei immer mein eigener Herr und das ist für mich das absolut Wichtigste. Vor langer Zeit habe ich ja mal versucht für ca. ein Jahr in einer normalen Firma zu arbeiten und dabei habe ich recht schnell gemerkt, dass dies keine Option für den Rest meines Lebens ist. Da wusste ich, dass ich mein Talent irgendwie nutzen muss, um davon leben zu können. Das war immer mein Traum und der hat sich erfüllt. Mit meinen Eltern war das anfangs schwierig, weil ich mich sehr früh dazu entschieden habe, selbstständig zu sein und von der Musik zu leben. Ich war 17, als ich mit dem Studio begonnen habe, ich habe die Schule abgebrochen. Dabei war ich schon immer ein Dickkopf, der sein Ding immer durchgezogen hat. Darüber waren meine Eltern natürlich nicht so begeistert. Aber heute sind meine Eltern sicher sehr stolz auf das, was ich mache.


Die EMPYRIUM-Diskografie-Bilanz: Fünf Alben, drei EP´s, ein Demo und zwei Live-Alben. Welches ist Dein Lieblingsalbum, welcher Song ist Dir ganz besonders wichtig bzw. ans Herz gewachsen und warum?
 
"Songs Of Moors And Misty Fields" ist das Album, welches mir das bedeutendste Album in der EMPYRIUM-Diskografie ist. Weil es einfach in einer Zeit entstanden ist, in der ich mich 24 Stunden täglich nur mit EMPYRIUM beschäftigt habe. Es gab keine Zerstreuung und das hört man dem Album total an. Diese Situation hatte ich danach, bedingt durch die Lebensumstände, nie wieder. Das soll nicht heißen, dass die anderen Album weniger fokussiert entstanden sind. Aber in jener Zeit bestand mein gesamtes Leben für ca. zwei Jahre nur aus EMPYRIUM und das hört man dem Album stark an. "Songs Of Moors And Misty Fields" klingt unglaublich leidenschaftlich und wenn wir die Songs heute live auf die Bühne bringen, entfaltet sich dieses gleiche Gefühl wieder. Das steckt wirklich in den Noten. Die Wahl meines Songfavoriten ist dann doch noch schwerer. Es gibt auf jedem Album Songs, die mir wahnsinnig viel bedeuten. Es gibt natürlich auch Titel, die in der Retrospektive für mich etwas schwierig sind, was insbesondere auch für das Debut gilt. Aber man muss auch den zeitlichen Kontext sehen, die Umstände in denen es entstanden und aufgenommen worden ist - innerhalb von fünf Tagen eingespielt und gemischt (!) -, das würde heute keine Band mehr so machen. Vielleicht wäre "Ode To Melancholy" ein Kandidat für den Song. Das merke ich auch erst, seitdem wir ihn live spielen. Er geht unglaublich tief und ist unglaublich intensiv.
 
 
Bilanz ll: Neben EMPYRIUM stehen sechs Alben plus EPs mit The Vision Bleak zu Buche, ein Longplayer und zwei EPs mit Sun Of The Sleepless. Darüber hinaus warst Du an drei Autumnblaze-Alben sowie einer EP beteiligt und seit mittlerweile vier Alben bist Du auch fester Bestandteil von Ewigheim. Daneben listet Metal-Archives noch Beteiligungen bei Eudaimony und Deinonychus. Nicht verschweigen wollen wir die EP und die Split von Nachtmahr und die drei Noekk-Alben - Eurem Prog-Rock/-Metal-Projekt - mit dem ihr aktuell eine neue EP auf den Markt bringt. Wird da noch ein komplettes Album nachkommen und könnt Ihr Euch vorstellen auch mit Noekk endlich mal live aufzutreten? Vielleicht kannst Du auch über Nachtmahr noch ein paar Worte verlieren. Das Projekt dürfte für die meisten Leser wohl die am wenigsten bekannte Liäison zwischen Thomas und Dir sein. Besteht auch da die Möglichkeit, dass da noch einmal etwas nachkommt?
 
Noekk und Nachtmahr sind beides Projekte, in denen Thomas federführend ist, bei denen ich dann im Studio meinen Senf hinzugebe, vielleicht 'ne Bassline schreibe, die Drums natürlich einspiele und hier und da eine Gitarren-Lead drauf spiele. Aber das Gerüst von Songs und Texten sowie der Masterplan stammen von Thomas. Bei Nachtmahr kann ich es mir schwer vorstellen aber man weiß es nicht. Vielleicht sagt Thomas im nächsten Jahr: "Hey, ich habe wieder ein paar geile Black Metal - Riffs, die möchte ich jetzt doch wieder für Nachtmahr verbraten." Aber im Moment kann ich es mir nicht vorstellen, dass er für Nachtmahr noch einmal etwas schreibt. Aber bei Noekk sind wir jetzt nach der aktuellen EP "Carol Stones And Elder Rock" in der Planung für nächstes Jahr, ein neues Album zu machen. Das Material ist auch schon fertig. Thomas hat einen externen Texter engagiert, was ich ziemlich interessant finde. Es handelt sich dabei um einen Freund und Dichter, den er an der Oper kennen gelernt hat und der für das Album die Texte schreibt. Gegenwärtig kann ich es mir nicht vorstellen, mit Noekk live zu spielen aber ich weiß ja, wie ich einst diesbezüglich zu EMPYRIUM gestanden habe (lacht). Aber wenn Thomas irgendwann einmal die fixe Idee hat, dann kann das bestimmt passieren, dass wir daran arbeiten. Aber es ist nichts in dieser Richtung geplant. Ich muss allerdings dazu sagen, dass ich niemand bin, der beispielsweise Schlagzeug spielen übt. Wenn ich ein Noekk-Album einspiele ist das dann so ziemlich das einzige Mal im Jahr, dass ich Schlagzeug spiele. Ich brauche da immer ein paar Stunden, bis ich wieder drin bin. Daher glaube ich, würde ich mir gerade so ein Live-Konzert am Schlagzeug aus der Hüfte zumindest nicht zutrauen. Bei Deinonychus bin ich nicht wirklich im Line-Up. Der Marco (Kehren/Kopf von Deinonychus - Anm. d. Verfassers) hat das Studio für die Platte ("Ode To Acts Of Murder, Dystopia And Suicide" / 2017 - Anm. d. Verf.) gebucht und mich schon von Anfang an gefragt, ob ich Lust habe, ein paar Keyboard-Arrangements beizusteuern. Die Keyboards habe ich dann auch in Abstimmung mit ihm eingespielt. Aber ich gehöre nicht zum offiziellen Line-Up. Das ist im Studio einfach Teil meiner Arbeit, wenn eine Band das wünscht. Es gibt Bands, die kommen mit super-klaren Vorstellungen. Für die nehme ich die Platte einfach auf. Ich bin eigentlich nur dafür zuständig, die Signale möglichst gut einzufangen und danach abzumischen. Aber es gibt auch Bands, die wünschen sich, dass ich ein bischen in Arrangements mit eingreife und ihnen dabei helfe, die Songs ein bischen auszuschmücken.
 
 
Wie siehst Du die Zukunft derzeit, was willst Du musikalisch noch erreichen? Welche Ziele, Träume oder Wünsche hegst Du heutzutage. Vieles von dem, was Du Dir in den Anfangstagen erträumt hattest dürfte ja mittlerweile Wirklichkeit sein, oder?
 
Ich habe viele kreative Pläne für das kommende Jahr. Es wird das neue Noekk-Album geben. Ebenso ein neues Album von Sun Of The Sleepless. Die Platte wollte ich eigentlich schon dieses Jahr fertig stellen, das habe ich aber nicht mehr ganz geschafft. Ich möchte in Zukunft einfach versuchen, den Fokus verstärkt auf die kreative Arbeit zu lenken. Vielleicht ein bischen weniger Studio, ein bischen weniger live mit allen Bands spielen und vermehrt an Alben arbeiten. Ich hoffe, dass wir das kommende EMPYRIUM-Album fertig stellen können und mit The Vision Bleak wollen wir auf jeden Fall anfangen, mit einem neuen Album.
 
 
2018 war und ist aus meiner Sicht ein besonders starkes Veröffentlichtungsjahr. Was ist  Dein bisheriges Lieblingsalbum, welches Dein am sehnsüchtigsten erwartetes Highlight?
 
Ich fiebere auf jeden Fall der neuen Dead Can Dance - Platte ("Dyonisus" - Anm. d. Verf.) entgegen. Zwar hat mich der erste Vorab-Song jetzt nicht unbedingt vom Hocker gerissen aber ich bin der Überzeugung, dass es erneut ein richtig gutes Album werden wird. Dead Can Dance ist eine Band, die mich begleitet seit ungefähr 1992 und die Faszination für diese Band hat nie nach gelassen. Die "Down Below" von Tribulation finde ich sehr gut, nachdem ich zunächst gedacht hatte, sie wäre doch nicht so gut wie das Vorgängeralbum ("The Children Of The Night" - Anm. d. Verf.), das ich auch schon sehr stark fand. Erwähnen möchte ich auch Helrunars "Vanitas Vanitatvm", eine Platte, die ich selbst produziert habe und die mich echt vom Hocker gehauen hat. Superenttäuscht war ich von der letzten Ghost ("Prequelle"). Ich bin ein großer Fan der ersten drei Alben aber das neue Material hört sich an wie eine leergesaugte Version von Ghost, der das Blut abgezapft wurde und von der nur noch die Hülle da ist.

Line Up

Ulf Theodor Schwadorf - Vocals, Guitars, Bass, Drums
Thomas Helm - Vocals, Piano, Keyboards