Morgoth - Marc Grewe von A-Z

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Morgoth - Marc Grewe von A-Z
Nachdem MORGOTH im letzten Jahr anlässlich des 20jährigen Jubileums ihres Klassikers „Cursed" wieder auf die Bühnenbretter zurück kehrten, goss man mit dem Live-Mitschnitt „Cursed To Live", welcher im Frühjahr als DVD und CD veröffentlicht wurde gleich noch einmal hochexplosiven Treibstoff nach.

Der Reunion-Tour-Zirkus der deutschen Death Metal – Veteranen über die europäischen Festivals machte auch auf dem RockHarz-Open Air in Ballenstedt eindrucksvoll Station.Höchste Zeit also, um Frontmann, Rampensau, Sprachrohr und Grunzer Marc Grewe zum A-Z zu bitten...

A – Albtraum: ...die letzte Tour, die wir mit MORGOTH 1997 gemacht haben. Eine Tour (seinerzeit mit den Krupps auf Tour zum letzten Studio-Album „Feel Sorry For The Fanatic" - Anm. d. Verf.) auf der wir als Band damals komplett falsch waren und auf der sich dann gezeigt hat, dass das ganze Drumherum im Hause MORGOTH nicht mehr stimmte. Die Albtraum-Tour...

B – Berufung: ...musikalisch gesehen ist es so, dass ich mich als Sänger fühle und mir das auch Spaß macht und ich glaube wenn man etwas aus Überzeugung tut, dann muss man das auch spüren und fühlen können und ich denke dass der Gesang schon eine gewisse Berufung für mich ist, seitdem ich vor ca. 25 Jahren zum ersten Mal gesungen habe. Die Stimme ist ein Teil von mir, der über die Jahre gewachsen ist und damit auch ein Stück Berufung.

C – Comecon: ...lang ist´s her. Ich glaube es war ´94 oder so als wir die Platte („Fable Frolic" - Anm. d. Verf.) aufgenommen haben. Ich habe viel gelernt, als ich im Studio in Stockholm war und mit Thomas Skogsberg gearbeitet habe. Es war eine gute Erfahrung. Es war ein winzig kleines Studio. Man dachte immer, man kommt ins „große und berühmte" Sunlight Studio aber es war eine ganz kleine Hütte, im Prinzip, wie eine besser ausgebaute Sauna aber der Typ hat es einfach drauf. Er wusste genau wie seine Bands klingen sollten und genauso hat er es hingeschraubt und es gab auch keine übertriebene technische Ausstattung. Er hat einfach ein gutes Gespür dafür, wie ein Sound zu klingen hat. Thomas Skogsberg hat heute einen sehr großen Anteil an dem, was der Death Metal besonders mit dem Schweden-Death Metal ausgelöst hat.

D – Death Metal: ...für uns war das damals Neuland als man selber jung war, so mit 14, 15, 16 war man so in dem Alter wo Thrash schon ziemlich geil war aber man immer noch etwas Härteres gesucht hat. Ähnlich wie sich die Kids heute dem Death Core oder dem Metal Core zuwenden war es für uns damals der Death Metal. Die tiefer gestimmten Gitarren waren einfach etwas Neues. 1984/1985 schlummerte das noch im totalen Underground und es gab nicht wirklich jemanden, der das in Deutschland überhaupt ernst genommen hat. In dieser Zeit gab es noch die Tapetrader-Szene und einen Austausch mit Schweden, Engländern und Amis. Dadurch ist man mit Musik in Berührung bekommen die dann den Aufstieg des Death Metals erst möglich gemacht hat. Es war eine coole Zeit und man kann sich das heute kaum noch vorstellen. Du schickst ein Tape um die Welt und drei Wochen später bekommst Du dann vielleicht ein Tape von einer anderen Band zurück. Heute funktioniert das über einen einfachen Mausklick.

E – Euro 2012: ...klar bin ich fussballbegeistert aber ich hatte gedacht, wir schaffen es wenigstens bis ins Finale...

F – Feel Sorry For The Fanatic: ...eigentlich ´ne gute Platte, aber eine, die einfach zwiespältig ist, auch für mich persönlich, für die Fans sowieso, denn die meisten Fans haben sie damals gehasst. Wobei sie von einigen mittlerweile auch toleriert wird, die sagen, wir können uns das nach rund 15 Jahren inzwischen anhören. Das zeigt jedoch genau das, was die Platte damals war: Sie kam zu früh und hatte nicht das Potential um letztendlich etwas Neues zu bewegen. Auf der Scheibe sind gute Ideen, die allerdings nicht völlig ausgereift waren. Dennoch denke ich, dass die Songs auch nach wie vor gute Songs sind aber natürlich nichts mit Death Metal zu tun haben. Vielleicht hätten wir „Feel Sorry..." besser als Projekt und nicht unter dem Namen MORGOTH rausbringen sollen aber es war halt genau das Line-Up, mit dem wir auch alle anderen Alben heraus gebracht hatten.

G – GEMA: ...für alle Bands, die von der Musik ihren Lebensunterhalt bestreiten zu müssen eine gute Sache. Auf der anderen Seite ist die GEMA natürlich auch ein verkrusteter Verein, in dem frischer Wind nötig ist. Bis man das dort begriffen hat, wird es wohl noch mindestens zehn Jahre dauern.

H – Haustiere: ...ich hab´ schon seit 20 Jahren eine Wasserschildkröte. Und ansonsten eher Katzen- als Hundemensch.

I – INISIDIOUS DISEASE: ...mein Projekt mit Shane (Embury/Napalm Death – Anm. d. Verf.) und Silenoz (Dimmu Borgir – Anm. d. Verf.). Dieses Jahr haben wir nicht wirklich viel gemacht. Nichts auf dem Live-Sektor aber wir haben ein paar Songs geschrieben und ich denke 2013 wird dann auch ein neues Album raus kommen. Es macht einfach Spaß. Wir haben alle schon eine Menge erlebt und fröhnen einfach der Musik, die wir geil finden. Das ist unsere gemeinsame Ebene, auf der wir uns begegnen und verstehen. Eine Feeling-Geschichte von Leuten, die Spaß auf Old School-Death Metal haben.

J – Jugendsünden: Oh Gott, ja, da gibt's ne ganze Menge würde ich sagen. Vielleicht mein petrol-blauer boss-Pullover, den ich bis zu meinem dreizehnten Lebensjahr getragen habe. Wenn ich das heute auf Fotos sehe, dann denke ich manchmal schon, mh... Das war schon die Zeit, in der man Iron Maiden gehört hat aber man war da noch so völlig zwischen den Welten. Denn Boss war da mit einem Mal eine völlig angesagte Marke und es klang ja auch ganz cool aber auf der anderen Seite hat man da ja auch schon Metal gehört. Es war in der sauerländischen Provinz schwierig, als dreizehnjähriger Jugendlicher seine Orientierung zu finden. Heutzutage kann ich drüber lachen...

K – Kochen: ...Ich koche sehr gerne. Ich wohne ja mittlerweile seit 14 Jahren in Berlin und da bekommt man natürlich sehr viel von der Küche der Leute mit, die aus dem Ausland kommen, was sehr bereichernd ist. Ich komme nun mal aus dem Sauerland und da hat 1984 die erste Pizza-Bude aufgemacht (lacht).... Daher koche ich sehr gerne z. B. Asiatisch und experimentiere dabei auch. Das ist schon mein Ding.

L – Lemmy: ...ist auf jeden Fall eines der großen Vorbilder. Als Frontmann ist er einfach ´ne Legende. Er zieht sein Ding durch und ist dabei cool, über Jahrzehnte ohne sich zu verändern oder zu verraten. Lemmy ist seit 40 Jahren eine konstante Nummer und natürlich eine Art „Role-Model" für viele Sänger gewesen und wird es vermutlich auch für immer sein. Er wird dabei wahrscheinlich irgendwann von der Bühne kippen. Ich würde jedenfalls nicht sagen, dass Lemmy mich nicht schon irgendwie beeinflusst hat.

M – MORGOTH : ...ein Teil meines Lebens. Seit mittlerweile 25 Jahren bin ich mit den Leuten, die diese Band ausmachen zusammen und verbunden, mit einigen sogar noch länger. MORGOTH ist nicht nur eine Band, sondern auch eine Freundschaft. Wir kommen alle vom Dorf und sind damals zusammen aufgewachsen und zur Schule gegangen. Die Musik hat uns zusammengeschweißt. Zwischenzeitlich hatten wir uns zwar ein bischen aus den Augen verloren aber eigentlich haben wir immer einen guten Kontakt zueinander gehabt. Umso besser ist es, dass wir es noch einmal – zumindest zum Teil - geschafft haben, uns auf die Bühne zu bewegen und es macht einfach Spaß zu sehen, dass die Songs, die wir vor 20 Jahren geschrieben haben heute auch noch gut gefunden werden.

N – Nachtragend: ...bin ich gar nicht. Wenn etwas schief gelaufen ist und man sich ausgesprochen und geeinigt hat ist alles ok...

O – Odium: ...nach wie vor eine Platte, die eine unserer besten ist. Vielleicht nicht die beste aber es war ein ziemlicher Schritt nach vorn und für ´93, als sie rauskam war sie ihrer Zeit vermutlich auch ein Stück weit voraus. Es hört sich immer doof an, so etwas zu sagen aber die Leute haben natürlich eher etwas in der „Cursed"-Richtung erwartet. Aber wir waren sehr darauf bedacht, uns nicht zu wiederholen. „Odium" ist dabei herausgekommen und sie ist auch nach wie vor eine Platte, die ich mir gut anhören kann und die auch nicht danach klingt, als würde sie 20 Jahre alt sein.

P – POWER OF EXPRESSION: ...ja, das war eine Sache, die ich mit einer Band aus Hannover gemacht habe – Urge -. Das waren und sind Freunde von mir. Zu der Zeit haben wir viel miteinander rumgehangen, da wir aus dem Punk und Hardcore-Bereich ähnliche Bands gut fanden. Das hat dann zu Proben geführt, in denen wir Coversongs gespielt haben und daraus ist dann das Power Of Expression-Ding entstanden. Auch das war mit ein paar Touren eine schöne Zeit, die Spaß und Bock gemacht hat.

Q – Quarks & Co.: ...find´ ich super! In der deutschen Fernsehlandschaft gibt es; wenn man den Fernseher einfach so anschaltet ja fast nur noch diesen RTL, Sat1-Reality-Mist oder solche nachgestellten Hartz4-Probleme von irgendwelchen Leuten, bei denen du denkst, die gibt es eigentlich gar nicht. Offensichtlich gibt's die aber doch, ich weiß es nicht und die Leute gucken das. Aber gerade was den öffentlichen Auftrag des Fernsehens angeht, so ist das, was in den letzten zehn Jahren passiert ist, katastrophal. Insofern ist eine Sendung wie „Quarks & Co" natürlich ein absolut positives Beispiel aber leider nur die Spitze des Eisberges.

R - Reunion: ...es ist ja im eigentlichen Sinne keine Reunion, weil halt zwei Leute des Original-Line Up´s aus verschiedenen Gründen nicht dabei sein können. Insofern würde ich eher von Comeback sprechen. Es war im Prinzip auch erstmal eine Geschichte, die wir für das zwanzigjährige Jubileum von „Cursed" gemacht haben. Es gab ein paar Anfragen von Festivals, von Fans gab´s die schon seit Jahren. Momentan haben wir viel Spaß daran, die Songs live zu performen und werden das dieses Jahr auch noch weiter tun. Nächstes Jahr werden wir uns dann erstmal wieder zurück ziehen. Die „Cursed-Reunion" muss ja nicht noch ein weiteres Jahr andauern. Mal schauen, was passiert. Klar, ein neues Album ist im Gespräch aber wir geben uns auch die Zeit, die wir brauchen um so etwas dann auch in Angriff zu nehmen.

S – Soap: ...(lacht)...kann ich von beiden Seiten aus betrachten, weil ich als Aufnahmeleiter oftmals für solche Soaps gearbeitet habe. Es ist natürlich immer etwas zwiespältig. Ich schaue mir Soaps nicht im Fernsehen an. Aber wenn man mit so einem Team zusammen arbeitet stehen natürlich auch andere Leute dahinter als die Charaktere, die im Fernsehen gezeigt werden. Die meisten dieser Leute sind eigentlich sehr nett und insofern habe ich nichts gegen Soaps, weil sie mir zum Teil auch die Butter auf dem Brot finanzieren.

T – Tatoos: ...kann ich nichts zu sagen, ich habe keine. Ich weiß, mittlerweile hat´s Seltenheitswert. Ich kann mich noch erinnern, dass ich auf der Tour 1990 oder 1991 mit Kreator in den USA sogar schon einmal in einem Tatoo-Studio gesessen habe. Ich hatte mir schon was ausgesucht, dann kam aber der Soundcheck dazwischen. Es hieß dann ganz schnell auf die Bühne und da habe ich gedacht, dann müssen wir das eben verschieben und seitdem verschiebt es sich seit ungefähr 20 Jahren. Inzwischen bin ich ganz froh, dass ich mir in den Neunzigern keine Tatoos habe stechen lassen, denn mittlerweile sehen davon viele ziemlich scheiße aus. Tatoos an sich sind heute absoluter Mainstream und es gibt heute mit Sicherheit weniger Leute, die nicht tätowiert sind als Leute die Tatoos haben und somit schon wieder „Anti" sind.

U – Umweltschutz: ...ist grundsätzlich wichtig. Allerdings ist es natürlich immer schwierig darauf zu achten, dass tatsächlich das, was man propagiert auch einhält. Das fängt schon bei vielen Kleinigkeiten an. Das fängt schon beim Weg zur Arbeit an. Fährt man mit dem Fahrrad und steht dafür 10 Minuten früher auf oder bin ich bequem und schlafe 15 Minuten länger und fahre mit dem Auto. Ich denke, dass eine gesunde Mischung am besten ist.

V – Vegetarier: ...esse ich dann, wenn es kein Fleisch mehr gibt (lacht). Nein, im Ernst, ich habe mich auch mal über einen Zeitraum von ein, zwei Jahren vegetarisch ernährt. Es ist schwierig, das einzuhalten. Sobald man darüber nachdenkt, dann kann man eigentlich kein Fleisch mehr essen. Wir kennen alle die Bilder und wir wissen, wie Tiere behandelt werden. Deshalb esse ich persönlich wenig Fleisch und wenn ich mir dann etwas kaufe, dann achte ich schon darauf, woher es kommt. Auf der anderen Seite gab es heute als Catering beispielsweise Schweinebraten und wenn ich nun lange keinen Schweinebraten gegessen habe, dann esse ich den auch und sehe das als völlig legitim an.

W – Wikipedia: ...gute Quelle aber mittlerweile bei einigen Themen auch nicht mehr so zuverlässig, wie man glaubt. Man sollte nicht unterschätzen, dass Wikipedia nicht immer NUR die allerkorrektesten Sachen auf ihren Seiten haben. Und man sollte immer bedenken, dass es oftmals nur die Meinung bzw. Darstellung eines Einzelnen und nicht etwa eine wissenschaftlich recherchierte Arbeit ist.

X-Wing – Star Wars oder Star Trek?...ich würde sagen: Weder noch. Ich finde beides ok aber ich bin weder Treckie noch Star Wars-Fanatiker. Ich habe meinen Zivildienst damals in einem Jugendzentrum abgeleistet und da haben wir mit den Jugendlichen einmal alle Star Wars-Teile hintereinander in einer Nacht geschaut. Das war schon cool und hatte auch eine gewisse Atmosphäre und insofern würde ich dann wohl doch schon fast wieder zu Star Wars tendieren, weil es eine gute Erinnerung ist. Star Trek war irgendwie auch cool gehört auch zu meinen Kindheitserinnerungen aber ich habe es nicht so fanatisch verfolgt.

Y – YouTube: ...ich finde die derzeitige Diskussion, gerade bezüglich der Verwertungsrechte spannend. Ich denke schon, dass es da parallel zur GEMA eine gewisse Angleichung geben muss. Klar, YouTube ist eine Plattform, auf der sich eine Band darstellen kann und mit der sie Werbung betreiben kann aber es muss sichergestellt sein, dass sowohl der Fan, als auch der Künstler gleichermaßen davon profitieren können. Das ist zum Beispiel auch ein Punkt, weshalb ich die Piratenpartei nicht wählen kann, auch wenn ich sie in manch anderen Dingen gar nicht so verkehrt finde. Aber in Sachen Urheberrecht gehen die leider überhaupt nicht.

Z – Zukunft: ...es gibt keine Planung dahingehend, dass 2013 eine neue MORGOTH-Platte in den Länden stehen muss. In erster Linie muss eine Scheibe halt Qualität haben. Wir müssen dazu wieder in den Modus hinein kommen, dass wir sagen können: Das ist ein Song den wir alle zu 100% veröffentlichen wollen! Das war schon früher immer eine Messlatte, die wir an uns selber angelegt haben. Manchmal ist es eben besser etwas pingelig zu sein und im Endeffekt etwas Gutes abzuliefern als einen Schnellschuss zusammen zu ballern, auf dem MORGOTH drauf steht und den die Leute dann belanglos finden. Wir sind eine Band mit einer gewissen Historie und dessen müssen wir uns bewusst sein, damit wir nach so einer langen Zeit dann etwas veröffentlichen, was Hand und Fuß hat.

Line Up

Marc Grewe - Gesang
Harry Busse - Lead & Rhythm Gitarre
Sebastian Swart - Rhythm Gitarre
Sotirios Kelekidis - Bass
Marc Reign – Drums

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