ALIEN TO THE SYSTEM sind eine Hannoveraner Deathmetal-Formation, die trotz ihres englischsprachigen Namens mit deutschen Texten aufwartet. Musikalisch erwartet auf dem Langspieler "Kraftwerk" den geneigten Hörer die volle Breitseite: Achtseitige Gitarren, Doublebass betonte Grooves, ein tiefer Bass und Taktwechsel a la TOOL. Das Ergebnis ist deutscher Metal in tiefsten Frequenzgängen.
Da war ich also neulich natürlich unter Einfluss von deutschem Gerstensaft in Hannover unterwegs und zu später Stunde entdeckte ich dann in der Beatbox die hannoveraner Lokalmatadore ALIEN TO THE SYSTEM, die ihren Gig leider aufgrund der fortgeschrittenen Zeit nur noch vor halbvollem Hause bestritten. Das trübte aber meinen ersten positiven Eindruck nicht und mir wurde kurzerhand das Album "Kraftwerk" in die Hand gedrückt, dass vor noch gar nicht allzu langer Zeit veröffentlich wurde. Der erste positive Eindruck sollte keine Enttäuschung sein. Von Anfang an knallt es auf "Kraftwerk" aus den Boxen. ALIEN TO THE SYSTEM schrauben sich mit tiefen Grooves und einer düsteren Stimmung sofort in die Gehörgänge. Das Songwriting pendelt irgendwo zwischen Meshuggah, Rammstein und Tool. Die harte und düstere Deathmetal Basis wird dabei immer wieder durch melodische Breaks und ruhige Passagen durchbrochen, beispielsweise bei "Kontrolle". Das funktioniert erstaunlich gut, ist aber für eingefleischte Deathmetaller vermutlich eine Todsünde. Vor allem Sänger und Growler Mike Eisenblätter kann durch seinen rauen und teils melodischen Gesang überzeugen. Die deutschen Texte fügen sich hierbei hervorragend in das düstere Gesamtkonzept ein. Dass hier berühmte Endzeitstreifen a la Mad Max als Vorbild dienten, ist nicht schwer zu erkennen.
Auch wenn es an der einen oder anderen Stelle vielleicht noch etwas wackelt und die eine oder andere Passage etwas kurzweiliger sein dürfte, tut das dem Hörgenuss insgesamt keinen Abbruch. ALIEN TO THE SYSTEM stechen mit "Kraftwerk" aus dem metallischen Einheitsbrei heraus. Mein persönlicher Anspieltipp ist "Blut". Dort gibt es mit der Doublebass richtig schön den Bregen massiert.