Mit Rites Of Disclosure legen Elvenking keine gewöhnliche neue Studioplatte vor, sondern eine besondere Zwischenveröffentlichung, die wie eine musikalische Schatzkiste funktioniert. Zwischen den Kapiteln der „Reader Of The Runes“ Trilogie verstreute Songs werden hier mit zwei frischen Stücken und sorgfältig ausgewählten Coverversionen gebündelt und bilden so den feierlichen Abschluss dieser Ära. Gleichzeitig wirkt das Ganze wie ein bewusst gesetzter Schritt hin zu einem neuen Kapitel der Band.
Schon die beiden neuen Songs machen deutlich, warum Elvenking im Folk‑Metal seit Jahren ihren ganz eigenen Platz innehaben. „Blizzards Of Anger“ setzt sich sofort im Ohr fest und lebt von einem Refrain, den man nach dem ersten Durchlauf mitgrölen kann, während Damna mit seiner angenehm rauen, trotzdem melodischen Stimme überzeugt. „Rite Of Passage“ schlägt eine dunklere, härtere und fast schon epische Richtung ein und zeigt die Band von ihrer dramatischeren Seite. Danach entfaltet sich genau die Art von Magie, die man von Elvenking erwartet: Stücke wie „The Past Is Forever“ oder „The Moon And The Magic“ verbinden große Melodien mit dieser unverwechselbaren Folk‑Atmosphäre, die Bilder von alten Tavernen, dichten Wäldern und langen Nächten vor dem inneren Auge entstehen lässt. Die Geige von Lethien sorgt einmal mehr für den warmen, tanzbaren Klang, der die Band seit Jahren auszeichnet. Mit „Ethel“ wird es dann ruhiger und emotionaler, ein schöner Moment zum Durchatmen zwischen all den hymnischen Nummern.
In der zweiten Hälfte widmen sich Elvenking ihren musikalischen Wurzeln, und hier hört man, mit wie viel Herzblut sie an die Sache herangehen. Das King‑Diamond‑Cover „Arrival“ bekommt durch die Geige eine ganz eigene, fast märchenhafte Atmosphäre, ohne den Geist des Originals zu verraten. Auch die Interpretationen von Iron Maiden oder Children Of Bodom funktionieren erstaunlich gut, weil Elvenking den Stücken ihren unverkennbaren Stil aufdrücken, ohne respektlos zu wirken. Besonders stark ist das emotionale Bathory‑Cover „Man Of Iron“, das in seiner reduzierten, akustischen Version für Gänsehaut sorgt. Den Schlusspunkt setzt „Prime Evil“ von Venom, das hier kraftvoll, rau und mit prominenter Unterstützung von Snowy Shaw noch einmal richtig Energie freisetzt.
Rites Of Disclosure ist vielleicht keine klassische neue Elvenking Scheibe, fühlt sich aber dennoch wie ein wichtiges Puzzleteil in der Geschichte der Band an. Die Mischung aus Folk Elementen, eingängigen Melodien, Härte und dichter Atmosphäre funktioniert durchgehend überzeugend und unterstreicht einmal mehr, warum die Italiener zu den interessantesten Vertretern ihres Genres gezählt werden. Für Fans ist diese Sammlung ohnehin Pflicht, aber auch alle anderen bekommen hier einen kompakten, sehr starken Einblick in die vielen Gesichter von Elvenking.

