Zum Hauptinhalt springen

Godgory - Resurrection (re-release)

VÖ: 25. Mai 2015   •   Label  Metal Mind Records

Zeitsprung. Wir schreiben das Jahr 1999. Viele Mitglieder der Twilight-Redaktion sind noch richtig jung und treiben sich zum Studieren oder aus anderen fadenscheinigen Gründen in den verrücktesten Ecken der Republik herum. Ernst August Prinz von Hannover heiratet Caroline von Monaco, Bayern München wird mal wieder deutscher Meister, die Bundesrepublik feiert ihr fünfzigjähriges Bestehen, Stefan Raab landet mit "Maschendrahtzaun" einen Hit und Günter Grass erhält den Nobelpreis für Literatur, Boris Becker beendet in Wimbledon seine Tenniskarriere und die Gothic-Metal-Veteranen von PARADISE LOST legen mit dem elektronischen "Host" und Kurzhaarfrisuren ihr kontroversestes und am wenigsten metallisches Album vor.

Aber die darüber Enttäuschten konnten sich dennoch im üppig wuchernden Metal-Garten anderer Früchte bedienen. Eine davon war das wirkungsmächtige Album der schwedischen Melodic-Death-Metaller GODGORY, das überaus prägnante und nachhaltige Spuren in der Metal-Welt hinterlassen hat und das das Genre im Aufbruch und in seiner Sturm-und-Drang-Zeit zeigt.

Unverkennbar ist dabei nicht nur die Nähe zum Gothic Metal, sondern auch das Eingebundensein in die Strömungen der härteren Musik der Jahrtausendwende, vor allem was die Keyboards angeht, die trotz aller Ähnlichkeiten anders als in dem von mir verschmähten und dennoch vom Kollegen Zwingelberg im twilightmetalmagazin auf Radio Tonkuhle 105.3 immer wieder gespielten "Schlagermetal" für eine überaus düstere und wehmütige Atmosphäre sorgt. Selbige wird noch verstärkt durch die ursprünglichen Riffs im Stile der SISTERS OF MERCY oder TYPE O NEGATIVE, wobei auch die Vocals jenseits der Growls mitunter an Peter Steele erinnern.

Charakteristisch ist zudem die gefühlte Überlänge der Songs, die zumeist den längeren, verspielten Instrumentalpartien geschuldet ist und zumindest in einem Fall an das spanische Gedengel in Sommer-Songs von DIETER BOHLEN gemahnt. Auch ausuferndes Flüstern trägt zu der nachdenklichen, sphärischen Stimmung bei, ein musikalisches Stilmittel, das heutzutage zum Glück aus der Mode gekommen ist, und welches aber immer wieder durch härtere, rauere Passagen abgelöst wird. Es ist eben der Kontrast, der zur Explosivität führt.

In das gleiche Horn stößt das eher gemächliche Tempo. Für die zutreffende, exakte historische Einordnung dieses Werkes sollte nicht der Arzt oder Apotheker gefragt werden, sondern der schon erwähnte Kollege Zwingelberg, schließlich setzte er sich in der damaligen Zeit des Öfteren mit seinem No-Compromise-Team und einem Lampenschirm auf dem Kopf zur Beantwortung solcher Fragen zusammen.

Kurz: Aus heutiger und unvoreingenommener Sicht ist "Resurrection" ein durchaus hörenswertes melodisches Death Metal Album, das unverkennbar seine Stärken hat, und zwar immer dann, wenn melodische, eingängige Härte auf die tiefen Growls trifft, aber auch seine Schwächen in Form langatmiger, ausladender und gefühlt fast schon psychedelischer Partien. Aber das muss man wahrscheinlich wie bei "Tales The From Thousand Lakes" von AMORPHIS im zeitgebundenen Kontext sehen?!?!

Limitiertes Re-Release über Metal Mind Production (2000 Stück im
Klappcover, nummeriert, goldene CD)

 
Wir benutzen Cookies
Für einige Funktionen benützt diese Website Drittanbieter Cookies (YouTube/Google) - Lesen Sie mehr darüber in unseren  
Hinweis

Eine Ablehnung wird die Funktionen der Website beeinträchtigen. Möchten Sie wirklich ablehnen?