Die herausragende Stellung und Einzigartigkeit der frühen Werke von Green Carnation, die mir ebenfalls sehr viel bedeuten, insbesondere “Journey To The End Of The Night” (2000) und “Light Of Day, Day Of Darkness” (2001) soll hier auf keinen Fall geschmälert werden, genauso wenig wie die folgende Ära nach dem Einstieg von Sänger Kjetil Nordhus, die mit “Acoustic Verses” 2007 ein zwischenzeitliches Ende fand.
Was sich dann mit dem Comeback “Leaves Of Yesteryear” 2020 ankündigte, wurde im vergangenen Jahr mit “A Dark Poem, Part l: The Shores Of Melancholia” noch einmal eindrucksvoll bestätigt und findet nun im zweiten Teil der Album-Trilogie “A Dark Poem” ihren vorläufigen, überragenden Höhepunkt.
Das aktuelle Line-Up aus Stein Roger Sordal, Bjørn Harstad, Kjetil Nordhus, Jonathan A. Perez und Endre Kirkesola agiert mit traumwandlerischer Leichtigkeit und zeigt Green Carnation künstlerisch wie musikalisch auf dem absoluten Zenit.
“A Dark Poem, Part ll: Sanguis” ist ein Werk, welches wie aus einem Guss klingt. Es hat geringere Extrem-Metalanteile als der Vorgänger, ist aber gerade deshalb ein Meisterwerk des schwermetallischen, progressiven Rocks bzw. des rockigen, progressiven Metals. Kein Kitsch, einfach nur zeitlose, mitreißende Musik mit fetten Rifs, großartigen Melodien und einem Sänger Kjetil Nordhus in der Form seines Lebens. Die sechs Songs dieses 40-minütigen Lonplayers ziehen mich mit ihren abwechslungsreichen Arrangements mit jedem Durchlauf erneut in den Bann. Der dichte, organische aber auch druckvolle Sound sorgt für eine cineastische Breitwand-Atmosphäre. Alle Istrumente kommen klar zur Geltung, Orgel und Bass machen ordenlich Druck, während Jonathan A. Perez nicht nur als perfekter Taktgeber sondern vor allem als dynamischer Antreiber fungiert.
“A Dark Poem, Part ll: Sanguis” klingt episch, mächtig, hoffnungsvoll aber gleichsam melancholisch und zerbrechlich. Es ist bereits jetzt einer meiner heißesten Kandidaten auf das Album des Jahres 2026, denn besser, geschweige denn intensiver und eindringlicher kann man diese Art von Musik nicht spielen.
Und einmal mehr wurde dieses Green Carnation – Werk mit einem wundervollen Artwork von Niklas Sundin “gesegnet".