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Hackneyed - Carnival Cadavre

VÖ: 21. August 2011  •   Label  Lifeforce Records

Hackneyed - Carnival Cadavre

Das Kindchen-Schema greift offenbar nicht nur bei Death-Metal-Fans, sondern manchmal auch bei Labelmanagern. Als HACKNEYED ihre erste Platte über Nuclear Blast veröffentlichten, waren die Jungs im Schnitt gerade einmal 16 Jahre alt. Eine bemerkenswerte Geschichte, die der Band schon früh viel Aufmerksamkeit bescherte. Mittlerweile sind die Musiker erwachsen geworden und der Vertrag mit Nuclear Blast wurde nicht verlängert. Für den nächsten Schritt hat HACKNEYED nun bei Lifeforce Records eine neue Heimat gefunden.

Und auch wenn das Death-Metal-Robbenbaby inzwischen nicht mehr ganz so niedlich daherkommt, hat die Band natürlich längst bewiesen, dass sie mehr ist als eine kleine Sensation aufgrund ihres jungen Alters. Mit Carnival Cadavre legen HACKNEYED ihr mittlerweile drittes Album vor und zeigen, dass sie musikalisch weiterhin ordentlich Druck auf dem Kessel haben.

Stilistisch bleiben sich die Jungs weitgehend treu: Hier trifft wuchtiger, walzender Death Metal auf grindige Passagen, aggressive Vocals und eine druckvolle Produktion. Die Songs funktionieren live sicherlich hervorragend und auch auf Platte gibt es genügend Momente, bei denen ordentlich Bewegung in die Nackenmuskulatur kommt. Besonders die schwere Gitarrenarbeit und das druckvolle Drumming sorgen dafür, dass Carnival Cadavre jederzeit nach Death Metal klingt und handwerklich kaum Anlass zur Kritik bietet.

Was dem Album allerdings ein wenig fehlt, ist der große Überraschungsmoment. Viele Ideen hat man in ähnlicher Form schon von HACKNEYED selbst oder aus dem weiteren Death-Metal-Kosmos gehört. Dadurch wirken einige Songs etwas vorhersehbar und könnten stellenweise noch etwas mehr Eigenständigkeit vertragen. Gerade im Vergleich zu früheren Veröffentlichungen hatte die Band schon häufiger ein glücklicheres Händchen für markante Momente und Songs, die sich nachhaltig im Gedächtnis festsetzen.

Das ist allerdings Jammern auf durchaus solidem Niveau. Denn schlecht ist Carnival Cadavre keineswegs. Im Gegenteil: HACKNEYED liefern ein sauber produziertes, druckvolles und technisch ordentlich gespieltes Death-Metal-Album ab. Die Band hat ihre Hausaufgaben gemacht und zeigt, dass sie auch ohne den großen Namen Nuclear Blast im Rücken ihren Weg weitergehen kann.

Vielleicht braucht es einfach noch ein wenig Zeit, bis aus den einstigen Death-Metal-Wunderkindern eine Band geworden ist, die ihren ganz eigenen Sound gefunden hat. Die Voraussetzungen dafür sind definitiv vorhanden.

Unterm Strich ist Carnival Cadavre ein grundsolides Death-Metal-Album mit ordentlich Wucht und Energie. Ein paar mehr Überraschungen und etwas mehr Eigenständigkeit hätten dem dritten Output von HACKNEYED sicherlich gutgetan. Trotzdem ist das Album alles andere als ein Fehlgriff und dürfte vor allem Fans von kompromisslosem, modern produziertem Death Metal gefallen.

Fazit: Solider Death Metal mit ordentlich Druck – nicht spektakulär, aber definitiv eine Runde wert.