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Moondog Wily - Knock Knock Knock

VÖ: 30. August 2025   •   Label  Luna Light Records
Moondog Wily ist ein amerikanischer Musiker, ein Singer/Songwriter. Knock Knock Knock ist sein drittes Album. Es umfasst 15 Titel. Aufgenommen hat er es in einem einzigen 81 min Take am 23. August 2025 - wobei die Spielzeit 50 min umfasst. 
Wie einleitend geschrieben, wurde das Album in einem Rutsch eingespielt, keine Overdubs, keine Korrekturen. Komponiert hat Moondog Wily die Lieder, die er für dieses Album auswählte, zwischen 2000 und 2025. Es ist ungewohnt puristisch: Stimme, eine E-Gitarre und ein Cajon, was er parallel mit einer Fußmaschine bedient. Die Postproduktion erfolgte genauso minimalistisch: leichte Mixanpassungen, etwas Chorus und ein verstärkter Kick-ähnlicher Cajon-Sound. Trotzdem bleibt ein roher Sound, der zudem eher mitten- und höhenlastig ausfällt. Statt monatelanger Studioarbeit mit Effekten und Plugins verfolgt er seit 2023 diesen minimalistischen Ansatz, seine Lieder so einfangen, wie sie live entstehen – menschlich, fehlerhaft und echt. Damit positioniert er sich in seinem eigenen „Human Genre“, das auch im gleichnamigen Song thematisiert wird. Mehrere Stücke kreisen um Musik selbst, darunter der Titeltrack, „FunkCountryRockFolk“ und „Songstramentalist“. Während er in der Musik das Menschliche betont, greift er bei der Gestaltung der Artworks auf KI-Tools zurück – nicht aus Bequemlichkeit, sondern aus praktischen Gründen: schnellere Umsetzung, geringere Kosten, dennoch künstlerisch kuratiert und weiterverarbeitet. An dieser Stelle sei auch erwähnt, dass das Press-Kit inhaltlich keine Wünsche offenlässt: One-Pager, 17 seitige Linernotes mit den Songtexten und zu jedem Lied eine Kurzbeschreibung. Das Ergebnis ist ein Album voller Philosophie, Humor, Blues und Geschichten, das seine Stärke in der Authentizität findet – roh, direkt und bewusst ungeschliffen. Für jeden Song hat Moondog Wily ein passendes Bild mittels KI gestaltet. 

Beim Albumopener Knock Knock Knock wird die Feststellung verstont, dass man selbst das Schloss zur Tür von Kreativität ist. "Creativity is intelligence Havin' just a little bit of fun Creativity is your best weapon Against the way this world is run" [fehlende Interpunktion gem. Original], heißt es in den Lyrics. Human Genre wechselt die Perspektive: Die Sicht eines Liedes, was nicht durch Anweisungen an eine AI entsteht (und Wahrscheinlichkeiten), sondern durch menschliches Bewusstsein (Gehirn, Seele). Chin up befasst sich mit Taylor Hawkins. Ausgelöst durch dessen Tod betont es, weiterzumachen und sich daran zu erfreuen, was jemand vermacht hat (und bei Musikern ist es die unsterbliche Musik). Kopf hoch - auch in düsteren Zeiten. Helio Orbit ist eine Hommage an David Bowie, mit der Vorstellung, dass er im Weltall bestattet wurde und fortan als Admiral Stardust in einem roten Cabrio auf der magischen Helio Umlaufbahn in Richtung Dark Star unterwegs ist. Dream Pillow wurde inspiriert durch eine USA Rundfahrt Moondog Wilys auf einem Motorrad. Ein Appell: Träume verwirklichen. FunkCountryRockFolk will motivieren, sich zu allem zu bewegen, was die eigene Seele musikalisch in Wallung bringt. Happy Birthday 2025 ist zwar Neujahr 2025 entstanden, aber hat es nicht früher in eine Veröffentlichung geschafft. In I Love Tequilla besingt Moondog Wily sein Lieblingsgetränk. The InifiniZoo besingt unser Universum aus dem wir auch nicht ausbrechen können. My In-Laws Is Outlaws beschreibt das Pech, was einem widerfahren kann. Man hat zwar seinen Herzensmenschen gefunden, aber die damit gewonnene Verwandschaft stellt sich als die Manifestation des Schlechten heraus. In Sexecution dreht es sich um das (selbst-)zerstörische Verlangen zu einer Person, die einen abgewiesen hat, aber man durch diesen Kuss des Todes trotzdem verfallen ist. Songstramentalist dreht sich um die Idee, dass das eigentliche Instrument des Künstlers das Lied selbst ist, alle anderen Instrumente sind nur Begleiter. Der Text beschreibt spielerisch, wie aus allen möglichen Klängen Musik entstehen kann, doch im Zentrum steht immer der Song als Ausdruck von Gedanken und Gefühlen. So feiert das Stück die Kreativität und die Essenz des Songwritings. Tattooed Brain beschreibt über Metapher von Tätowierungen Erinnerungen, Erfahrungen und Fehler im Leben, die Spuren im Gehirn hinterlassen, wie die Tinte in der Haut. Gute wie schlechte Erlebnisse, die man bereut oder akzeptiert. Am Ende geht es vielleicht um Selbstakzeptanz: Mit all den Narben und Prägungen zu leben, ist der einzige Weg, um innerlich gesund zu bleiben. Richard Cranium's Treasured Taints - der geschätzte Makel des Dickkopfseins. Das Album schließt mit dem 21st Century Blues. Bot auch das gesamte 20. Jahrhundert genug Anlässe für den Blues, hat sich da im ersten Viertel des 21. Jahrhundert nichts geändert. 

Moondog Wilys Stimme erinnert mich von der Klangfarbe ein wenig an Primus' Les Claypool, etwas quäkig. Ich gebe auch zu, dass diese Art von puristischer Musik nicht zu dem zählt, was ich privat konsumiere. Will also heißen, man muss sich darauf einlassen. Auch wenn es der erste Eindruck ist, dass die Lieder durch die gleiche Instrumentierung Ähnlichkeit haben, variiert Moondog Wily im Detail mit Versmaß, Takt/Rhythmik. Für mich ist bei diesem Album der Text vielleicht noch wichtiger als Gesang und Musik, so dass ich schreiben würde, es geht hier vielmehr um musikalisch vorgetragene Gedichte. 

Knock Knock Knock braucht tatsächlich eine offene Tür, um erschlossen werden zu können und wird dann alle Aufmerksamkeit zum Erschließen verlangen. Auf alle Fälle kein alltägliches Werk und eines, was irgendwie nachwirkt. 





 
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