OBERON veröffentlichten 1997 als eine der ersten Bands über Prophecy Productions eine seinerzeit selbstbetitelte EP. Zu einer Zeit, als Death Metal bereits über den Berg und Black Metal seinen großen Durchbruch erlebte gehörte der Norweger Bard Titlestad schon zu den Visionären, die frühzeitig stilistische Ketten sprengten. Musikalisch kombinierte OBERON die Mystik und die Romantik des Black Metals mit einer durchaus gewagten athmosphärischen Mixtur aus Pop, (Art-)Rock und Neofolk.
Die Debut-EP funktioniert auch anderthalb Dekaden später noch sehr gut, ist sie doch ein schönes Stimmungsbild der damaligen Szene zwischen Stagnation und Aufbruchstimmung. Und wenn man sich nun "Dream Awakening" dieser Tage zu Gemüte führt, dann mag man meinen, die Zeit sei stehen geblieben. OBERON haben zwischenzeitig zwei weitere Alben und eine Single im Eigenvertrieb veröffentlicht, die mir jedoch verborgen geblieben sind. Die musikalische Ausrichtung ist natürlich heute nicht mehr sonderlich spektakulär, die Kompositionen sind jedoch ähnlich, wenn auch folklastiger und logischerweise besser produziert als 1997. Darüber hinaus schleichen auf dem Longplayer immer wieder Längen ein, in denen die Emotionen, Synth-Arrangements, Akustikgitarren, insbesondere der Klargesang von Titlestad die Grenze zwischen Romantik und Kitsch überschreiten. Überzeugend klingen OBERON immer dann, wenn die Gitarren dezent aber verzerrt rocken, was mit "Escape", "I Can Touch The Sun" und "Age Of The Moon" leider viel zu selten passiert.
Insgesamt ist "Dream Awakening" leider weder Fisch noch Fleisch, ein Album mit ein paar guten Ansätzen. Ein Album, welches zum nostalgischen Schwelgen im Kontext durchaus großartiger Veröffentlichungen von Bands wie The Soundyte, Stille Opprör oder Ostara einläd aber im Hier und Jetzt für sich allein genommen kaum zu überzeugen weiß.