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ROIA - Second Season Skies

VÖ: 28. November 2025   •   Label  Loon-Records
Ein paar Dinge sind bei diesem Review anders: Irgendjemand wollte, dass das Werk auf alle Fälle besprochen wird, obwohl die VÖ schon ein paar Monde zurückliegt (allerdings kam die Anfrage erst Mitte Januar in die Redaktion). Irgendjemand hat sogar schon die Reviewmaske soweit vorbereitet gehabt, dass fast nur noch die Gedanken in einen Freitext fließen müssen. Da ROIA aus Österreich kommen, spare ich die gefährliche Wer?-Frage, um nicht das Josef Hader'sche Steinscheißer Karl Spiel. Mir ist die Antwort ja bekannt. Wien ist die Landeshauptstadt, ROIA kommen aus Salzburg, Hader ist auf halber Strecke aufgewachsen. Aber um den geht's nicht. Sondern ROIAs siebtes Album namens 'Second Season Skies'.
Die persönliche Beauftragung erging, als ich im Begriff war, meine Rückreise aus dem tiefen Südwesten unserer Bundesrepublik Richtung Hannover vorzubereiten und dann zu beginnen. Im Schnitt dauert der Trip sieben Stunden. Ich lud bei sehr beschämender Netzanbindung das Material runter (ich bevorzuge bei mp3 zwar 320 kBit/s zur Abhöre, aber die in diesem Fall vorhandenen 192 kBit/s gingen dafür schneller auf das Laufwerk), um es dann im Auto abzuspielen. Eine weitere Befassung mit ROIA erfolgte zu dem Zeitpunkt nicht: Stil, Herkunft blieben also offen. Erwartet hatte irgendwas 'mit Metal'. Das Vorurteil bedeutete bei den erste Klängen eine absolut fehlgeleitete Erwartung. Ich hatte bis auf ein paar Telephonatunterbrechungen zumindest gute sechs Stunden mit ROIA verbringen können auf der Fahrt. Was hörten meine Ohren? Eine Frauenstimme, eine Männerstimme, Elektro, Beats, Schlagzeug, mal Gitarren, Synthesizer Klangwelten. Depeche Mode Gefilde - ohne Exzentrik. Ein paar Wochen vorher hatte ich mir eine eigene Depeche Mode Best of Playlist zusammengestellt. Da ergaben sich für mich schon Schnittmengen mit der Musik ROIAs. Und wenn ich im Nachgang nun lese, dass Christian Eigner, Tour-Drummer von Depeche Mode und Komponist von David Gahan an diesem Werk beteiligt ist als Schlagzeuger sowie am Synthesizer, war der erste Eindruck zutreffend. 'Liberate My Heart' und 'Veil Of Rain' sind dafür gute Beispiele. Hätte ich Zeitdruck beim Abhören gehabt, hätte ich 'Triple S' (also Second Season Skies) von ROIA abgefrühstückt mit dem negativ konnotierten Adjektiv 'interessant'. Die erste Assoziation bei Nina Hochrainers Stimme war: Klingt so ein bisschen wie Kylie Minogue ('Not Enough'). Bei Dorian Wimmer: Uih, es ist zwar nicht indisch oder sanskrit, aber er ist mit seiner Stimme durchaus für yogische Meditationsgesänge und Mantras zu gebrauchen. Die lazsiven leicht dissonant klingenden Phrasierungen nach unten NIna Hochrainers bei 'Neon Shadows' sowie 'Not Enough' waren für mich anfänglich etwas zu viel des Guten. Mit Anzahl der Wiederholung und dabei vor allen Dingen mit den Duettlinien beider besonderer Stimmfarben schälte sich eine außergewöhnliche Spannung in den Liedern heraus. Der Albumtitel selbst bietet auch viel Spielraum zur Interpretation. Ist Season mit Jahreszeit gleichzusetzen, wären es die Frühlingshimmel (das erwachende Leben mit dem Blühen der Pflanzen), beziehen wir es auf uns Menschen wäre es die zweite Lebenshälfte. Und damit genau das Gegenteil: Zunehmende Reife im Bewusstsein der eigenen Endlichkeit.
 
Die neun Lieder wirken auf mich wenig euphorisch, sondern eher getragen, nachdenklich, jedoch nicht beängstigend. 

Die Drums haben einen ganz organischen Klang, Paul Hochrainers GItarrenspiel bewegt sich im Spektrum dezenter Akzente à la Martin Gore (z.B. 'In The Still Of You') zu Riffs, die auch ein Alex Scholpp bei Tieflader oder den Farmer Boys ('Circles In The Water') mit Greif- und Schlaghand komponieren könnte.

Unter dem Summenstrich steht für mich: Liebe auf den zweiten Blick, dann aber absolut fesselnd, süchtig machend. Ich wünsche mir, dass ROIA in der Viererkonstellation mit Christian Eigner auch zukünftige ROIA Alben komponieren, produzieren (und aufführen). 'Second Season Skies' sticht extrem heraus. 


 

 

 

 
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