Als klar war, dass es Reuniongigs der TERRORGRUPPE geben würde, habe ich mir natürlich sofort Tickets besorgt und Melodien für Milliarden lief wieder auf Heavy Rotation. Schnell waren die beiden Gigs im SO 36 ausverkauft und die Band bewies, dass das zu Recht der Fall war. Mit der neuen EP legen die Aggropopper nun auch auf Konserve nach.
Ja, die Berliner TERRORGRUPPE hat sich nie als Punkband bezeichnet, dafür war ihr Stil, den sie auf ´Melodien für Milliarden´ perfektioniert haben, zu vielseitig. Auf ´Inzest im Familiengrab´ gibt es für mich musikalisch leider zu wenig Aggro und zu viel Pop. Klar fanden sich Songs dieser Härtegrade auch auf den alten Scheiben, ich vermisse aber einen flotten Punkrocker in der Art von ´Russen Hitler´ (das wohl leider wieder aktuell ist) oder ´Sabine´. Irgendwie wird hier mit angezogener Handbremse gespielt. Allein ein anderer Gitarrensound könnte für mehr Drive sorgen.
Textlich gibt es hingegen die gewohnte Qualität. Die Mischung aus Infantilität und Hintergründigkeit ist weiterhin großartig. Allein auf den Titel der EP muss man erst einmal kommen. Die anderen drei Tracks haben ernste Hintergründe, die höchst entspannt bis amüsant und gleichzeitig sehr wahr abgearbeitet werden. ´Na Endlich´ behandelt an sich das gleiche Thema wie einst der SLIME Song ´Deutschland muss sterben´ - nur wesentlich unverkrampfter. Erschreckend wahr ist dann auch ´Bulemie Bettina´ und leider auch ´Kotzende Teenager´, das jeder, der in Berlin lebt, sofort mit Grauen nachvollziehen kann. Textzeilen wie der Ina Deter Verweis "Sie kotzen es an jede Wand, neue Späties braucht das Land" und die Verwurstung von fragwürdigen Berliner Imagekampagnen ziehen dem Hörer sogar bei dem Thema die Mundwinkel nach oben.
Wenn die TERRORGRUPPE jetzt neben dem textlichen auch den musikalischen Biss wiederfindet, steht mal wieder ein großes Album ins Haus.