
The Pretty Reckless - Dear God
Manchmal braucht eine Band einfach ein paar Jahre Pause, um mit neuer Energie zurückzukommen. Genau dieses Gefühl bekommt man bei Dear God. Fünf Jahre nach ihrem letzten Album melden sich The Pretty Reckless mit einem Werk zurück, das sofort vertraut klingt, aber gleichzeitig zeigt, dass sich die Band weiterentwickelt hat. Taylor Momsen und ihre Bandkollegen müssen niemandem mehr etwas beweisen. Sie wissen genau, was sie können – und das hört man von der ersten Minute an.
Musikalisch bekommt man alles, was man an The Pretty Reckless liebt: harte Gitarren, starken Hard Rock, Alternative-Rock-Einflüsse und große Melodien. Gleichzeitig wirkt das Album persönlicher und emotionaler als viele frühere Songs der Band. Es geht um Einsamkeit, Verlust, Zweifel und darum, nach schwierigen Zeiten wieder seinen Weg zu finden. Das Schöne daran ist, dass die Gefühle ehrlich wirken und nicht übertrieben dargestellt werden.
Die kurzen „Life Evermore“-Zwischenspiele verbinden die einzelnen Songs miteinander und sorgen dafür, dass das Album wie aus einem Guss wirkt. Danach kommt mit „For I Am Death“ direkt einer der stärksten Momente der Platte. Der Song hat schwere Gitarren, eine dunkle Atmosphäre und zeigt wieder einmal, wie besonders Taylor Momsens Stimme ist. Besonders stark ist der Wechsel zwischen ruhigen Passagen und dem kraftvollen Refrain.
Auch danach bleibt das Album spannend. „When I Wake Up“ bringt mehr Energie und wirkt wie ein Song für eine lange Nacht voller Chaos und Freiheit. „Love Me“ zeigt dagegen eine verletzlichere Seite der Band und beschäftigt sich mit dem Wunsch, akzeptiert und geliebt zu werden. Der Titeltrack „Dear God“ gehört ebenfalls zu den Highlights. Der Song baut sich langsam auf und endet mit einem emotionalen Finale inklusive starkem Gitarrensolo.
Besonders interessant sind die Momente, in denen die Band neue Wege ausprobiert. „Dragonfire“ beginnt ruhig und akustisch, entwickelt sich aber langsam zu einem atmosphärischen Rocksong mit leicht psychedelischen Einflüssen. „Rollercoaster Of Life“ bringt danach einen lockeren Groove ins Album und erinnert an manchen Stellen sogar an die Red Hot Chili Peppers, ohne dabei den eigenen Stil zu verlieren. Mit „About You“ und „Spell On You“ liefert die Band außerdem zwei Songs mit starken Refrains, die live wahrscheinlich besonders gut funktionieren werden.
Zum Ende wird das Album ruhiger und emotionaler. „Devil In Disguise (Michelle's Song)“ lebt vor allem von Taylor Momsens gefühlvollem Gesang und einer einfachen, aber passenden Instrumentierung. „Dark Days“ setzt diese nachdenkliche Stimmung fort, bevor das letzte „Life Evermore“-Interlude das Album langsam beendet.
Auch der Sound des Albums passt perfekt zur Musik. Die Gitarren von Ben Phillips klingen kraftvoll, während Mark Damon am Bass und Jamie Perkins am Schlagzeug für den nötigen Druck sorgen. Die Produktion ist modern, aber nicht zu glatt – die Songs behalten ihre Energie und ihren eigenen Charakter.
Mit Dear God zeigen The Pretty Reckless, dass sie auch nach vielen Jahren noch neue Ideen haben. Das Album verbindet harte Rockmusik mit emotionalen Texten und schafft es, über die gesamte Länge interessant zu bleiben. Vielleicht ist nicht jeder Song ein absoluter Höhepunkt, aber die Mischung aus Energie, Gefühl und Taylor Momsens einzigartiger Stimme macht das Album zu einer der stärkeren Veröffentlichungen der Band.
Wer modernen Hard Rock mit starken Melodien und ehrlichen Emotionen mag, sollte Dear God auf jeden Fall eine Chance geben.
