Der Metaller als solches tanzt traditionell nicht gerne. Tanzschulen kennt er bestenfalls aus Erzählungen. Erst wenn die liebenswürdigen Langhaarzottel zum Traualtar geschleppt werden, ergeben sich die meisten Männchen dieser Spezies in ihr Schicksaal und unterwerfen sich einer Last Minute Unterweisung in die Kunst des gepflegten Walzers. Dabei haben die Thrash Veteranen von EXODUS doch seinerzeit schon den perfekten Soundtrack zum Metal-Moschtanz abgeliefert: TOXIC WALTZ!
2009 erinnerten sich einige junge Wilde im bayrischen Landsberg - also quasi der geographischen Heimat des Rebellentums - an die Tanzschritte ihrer Bay Area Vorbilder und beschlossen in deren Fußstapfen zu treten. Das Resultat erschien 2014 unter dem Titel "Decades of Pain" und konnte sich wirklich hören lassen. Mit "From A Distant View" steht nun der zweite Streich der Bayern in den Läden. Wie beim Vorgänger ist man dem eigenen Geschmack treu geblieben und liefert fetten Bay Area Thrash Metal der Güteklasse A ab. Dass das junge Violent Creek Label nun nach TRAITOR ein weiteres Thrash Metal Masterpiece ins Rennen schickt verwundert kaum, denn immerhin sind die Labelgründer Burkhard Schmitt und Bauke De Groot selber seit Jahrzehnten bekennende Thrash Metal Jünger.
Anders als TRAITOR auf ihrem jüngst erschienenen Album können TOXIC WALTZ mit einem noch fetteren Sound punkten und erinnern entsprechend fast an die Jungthrasher von DUST BOLT. TOXIC WALTZ bestechen vor allem durch ihren Variantenreichtum. Zwar bleiben sie stets ihrer Oldschool Linie treu und verzetteln sich nicht in Experimenten, dennoch brettern sie auch nicht einfach nur Stumpf durch die Songs wie eine Herde Wasserbüffel durch den Elektrozaun, sondern setzen durch akustische Parts und Tempiwechsel immer wieder Akzente (z.B. "Generosity Exploited").
TOXIC WALTZ liefern mit "From A Distant View" eins der bisher besten Thrash Metal Alben des Jahres 2016 ab und überzeugen durch ihre erfrischende Traditionalität. Thrash Now - Work Later!