Die Trademarks der Bands und die Essentials des Sounds werden gekonnt in Szene gesetzt: Da wäre zum einen unabdingbare finnische Melancholie und die atmosphärische Emotionalität, die jeden Hörer sofort in ihren Bann ziehen und die überzeugend in eine raue, bisweilen infernale, mitunter death-metallische Umgebung eingebettet werden. In diesem Spannungsfeld variieren auch die Vocals zwischen clean und gegrowlt. Dass man auch kompositorisch das große Rad dreht, stellt zum Beispiel das Kleinod 'Fear, Longing, Hope And The Night' unter Beweis: ein organisches emotionales Meisterwerk im Kleinen. Trotz aller steinigen Kanten fast schon melodisch eingängig ist der Titeltrack 'Into That Good Night', bei dem die leidenschaftlich passionierten Gesänge mit jedem Hören mehr Kraft entfalten. Sehr pittoresk ist auch das stimmungsvolle Klavieroutro am Ende des Songs.
Neu sind allerdings die durchaus prägenden weiblichen Vocals, wie man sie in 'Rain' zu vernehmen vermag und die dort im Duett ähnlich wie bei DRACONIAN eine wirkliche Bereicherung des Sounds darstellen. Denn besser kann man wehmütige, sehnsuchtsvolle Zerbrechlichkeit nicht in Musik umsetzen. Ein wahres Highlight ist 'Silent Sentinels', das phasenweise in PARADISE-LOSTscher Manier infernale Härte mit eingängigier Hymnik und mit einem gewaltigen Schuss sehnsüchtiger Nachdenklichkeit verbindet. Weltklasse!
Ein wahrhaftiges Wechselbad der Gefühle bekommt man auch mit 'Anamnesis' geboten, während 'Navigator' der vielleicht ruhigste Song des Albums ist, der durch die zerbrechlichen Vocals und durch die tiefgründige THE-CUREmäßige oder A-PERFECT-CIRCLEartige Schwermütigkeit eine ungeahnte Wirkung entfaltet. Der Rausschmeißer 'Signs Of Affection' besticht schließlich durch seine intensive Tiefgründigkeit und seine unnachahmliche Atmophäre.
Fazit: Mit „Into That Good Night“ legen die Finnen von HANGING GARDEN einen überzeugenden Longplayer vor, der an die Stärken von „I Am Become“ anknüpft und der vor dem Hintergrund rauer Infernalität der sehnsuchtsvolle Melancholie, der tiefgründigen Nachdenklichkeit und der hochemotionalen Wehmut ein gewaltiges Denkmal errichtet. Ein meisterhaftes metallisches Wechselbad der Gefühle!