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Vanden Plas - Chronicles of the Immortals: Netherworld (Path One)

VÖ: 21. Februar 2014   •   Label:  Frontiers Records

So finden sich diverse Unterschiede zur Konkurrenz: Die Stücke sind fast durchgängig im Progressive Metal-Bereich anzutreffen, mit der entsprechenden Komplexität. Sie wurden von Grund auf für eine Zusammenarbeit mit Orchester geschrieben, und nicht wie beispielsweise bei Metallicas unsäglichem S&M-Versuch im Nachhinein mit ein paar Streichern als Füllmittel versehen. Auch wurde auf ein unüberschaubares Star-Aufgebot verzichtet, bei dem jeder Gastsänger mal eine Strophe trällern darf, wie das etwa bei Avantasia oder Metal-meets-Classic der Fall ist. Das gibt dem ganzen Album eine wohltuende Kontinuität ohne große Brüche oder Stilwechsel.
Ein weiterer großer Unterschied ist das Storytelling. Die dem Album zu Grunde liegende Geschichte stammt von Deutschlands berühmtesten Fantasyautor Wolfgang Hohlbein und spielt in der Welt seiner „Chronik der Unsterblichen“.
Deren Hauptprotagonist, der „Vampyr“ Andrej Delany, der auf der Suche nach der Wahrheit zwischen den Welten von Gut und Böse seine Abenteuer erlebt, wird mit einem Spoken-Word-Intro eingeführt. Danach folgt die überlange Halb-Ballade „The Black Knight“, bevor das sehr konstante Line-Up bei „Godmaker“ das Tempo anzieht und ordentlich nach vorne rockt. Mit ihren Breaks und Tempowechseln sind die Parallelen zu DREAM THEATER unüberhörbar. Hier wie dort ist meiner Meinung nach der Sänger das schwächste Glied der Kette. Andy Kuntz bewegt sich über die ganze Scheibe in einem recht begrenzten Oktavumfang. Das hätte ich mir zur Abwechslung mehr gewünscht. Aber es kann ja nicht jeder ein David DeFeis von VIRGIN STEELE sein (Der seine Metaloper auch schon ein paarmal im schwäbischen Memmingen aufgeführt hat). Besser als Gerry Ehrmann in der berüchtigten Aufnahme mit der FCK-Profimannschaft von 1994 ist er aber natürlich allemal (Für dieses Highlight einfach mal „FCK Mannschaft versucht zu singen“ googlen. Inklusive Flachwitz vom Sänger-Cousin Stefan Kuntz).

Nach einem Klavierzwischenstück und einem weiteren mit Frauengesang kommt mit „New Yampyre“ wieder eine schnellere, progressive Nummer mit ruhigeren Versatzstücken, in dem Band und Orchester gut harmonieren. Leider sind die schnellen, das Metal-Attribut-rechtfertigenden Abschnitte auf diesem Album ingsesamt recht rar gesät. Endgültig ab ins Kitschige rutscht man beim Duett „Misery Affection“, in dem sich Hauptdarsteller und Geliebte versichern, dass sie ewig auf einander warten werden. Dasselbe Thema haben Dream Theater auf ihrem Meisterwerk „Metropolis Pt. 2“ um einiges besser und schmalzfreier hinbekommen. Auch die letzten beiden Stücke sind wieder perfekt arrangiert, bieten aber selbst nichts Neues mehr.

Für den zweiten Teil, der 2015 kommen soll, wünscht man sich dann doch etwas mehr Power. Wahrscheinlich ist es dem Blick auf den Massengeschmack und dem Feedback von den zahlreichen Live-Aufführungen im Kaiserslauterer Pfalztheater vor „Normalpublikum“ geschuldet, dass fast die gesamte Scheibe mit angezogener Handbremse gespielt wird. Da ist man von VANDEN PLAS eigentlich anderes gewohnt.

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