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Festivals

Rockharz 2026 - Bericht & Bilder

© Marcel Hübner

Rockharz 2026 - Bericht & Bilder

Nach einigen extrem heißen Tagen, die während der Aufbauphase für das RockHarz über den Norden zogen, hatte das Twilight-Team schon die Befürchtung, ähnlich wie in den letzten Jahren, unterhalb der Teufelsmauer zu verbrennen.

Aber das Wetter hatte Einsicht mit den 25000 Fans und allen weiteren Beteiligten und ließ es an unserem Anreisetag (Mittwoch) zunächst nur „etwas“ regnen.
Nach einem kurzen Stopp beim Edeka in Hoym ging es dann im Konvoi auf die ausgeschilderte Strecke in Richtung Check-In-Container. Obwohl es erst 8 Uhr morgens war, staute sich der Verkehr bereits auf dem Zufahrtsweg, was uns dann über eine Stunde Wartezeit (und schon mal einige Gerstensäfte zum Frühstück abverlangte), bis wir endlich am Check In ankamen.

Von dort ging es dann aber reibungslos zum Inklusions-Camp, an dessen Ende wir mit anderen Pressevertretern, wie auch schon in den Vorjahren, unser Camp aufschlagen konnten.

Da gleich für den Mittwoch um 14:30 Uhr ein Interview/Sharpshooter mit Harakiri For The Sky angesetzt war, galt es nicht zu bummeln.

Am Himmel kündigte sich allerdings nichts Gutes an, was sich dann kurze Zeit später in Wacken-ähnliche Ausmaße verwandelte und das gesamte Gelände kurzfristig unter Wasser setzte. Wir konnten dennoch pünktlich und regenfrei das Interview mit Harakiri For The Sky beginnen und im Anschluss mit HeavySaurus die erste Band dieses Festivals anschauen.

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01.07.2026 - 04.07.2026

Rockharz

Ballenstedt

Bewertung
0/15
Headliner
Helloween, Alice Cooper, Kreator, Feuerschwanz
Besucherzahl
27.500
AD INFERNUM, AGNOSTIC FRONT, AIRBOURNE, ALICE COOPER, AMORPHIS, ANNISOKAY, ASP, AVATAR, BATTLE BEAST, BIOHAZARD, BLACK LABEL SOCIETY, CORVUS CORAX, DARK TRANQUILLITY, DIE APOKALYPTISCHEN REITER, DORO, EKTOMORF, EMPEROR, ENSIFERUM, EQUILIBRIUM, EXODUS, FEUERSCHWANZ, FINNTROLL, HELLOWEEN, J.B.O., KATAKLYSM, KORPIKLAANI, KREATOR, LORD OF THE LOST, MANTAR, ORDEN OGAN, OVERKILL, RAGE, SODOM, SUBWAY TO SALLY, THE HALO EFFECT, UNLEASHED, VARG
Social Media / Website

Mittwoch

HeavySaurus
Dark Stage / 15:30 Uhr
Wer hätte gedacht, dass sich diese Band soweit entwickeln würde, dass sie inzwischen ein gern gesehener Gast auf Festivals ist. Vor allen bei immer größer werdender Beliebtheit bei den Kids. Aber so kann man natürlich auch das ganz junge Publikum langsam in die Welt des Heavy Metal heranführen, wenn es durch die musikalischen Vorlieben im jeweiligen Elternhaus nicht eh schon getan wird. Vor der Bühne hatten sich jedenfalls zahlreiche Kids (vorbildlich mit Gehörschutz ausgestattet) nebst ihren Eltern versammelt und feierten mit vielen weiteren Fans die auf Deutsch umgetexteten Coverversionen und eigene Songs. Im Publikum wurden ebenfalls diverse Reptilien gesichtet, die für Stimmung sorgten. Im Anschluss konnte man die bunten Dinos und den Drachen noch am metal.de Stand zur Autogrammstunde besuchen. Auch im Pressebereich konnten sich danach noch begleitete Kindergruppen mit ihren Idolen auf Fotos verewigen.
Redakteur:  Burkhard Becker
© Robert Jaenecke
Harakiri for the Sky
Dark Stage / 17:10 bis 17:55 Uhr
Hatte Twilight Cheffe Marcel Hübner Sänger Michael „JJ“ Kogler und Drummer Paul Färber um 14:30 Uhr noch im Interview, so konnte das Twilight-Team die Österreicher kurze Zeit später bei ihrem RockHarz-Debut auf der Dark Stage anschauen. Die Festival hungrigen Fans hatten sich auch hierfür schon sehr zahlreich vor der Bühne versammelt und haben die Band mit ihrem teils melancholischen „Post-Black-Metal“ abgefeiert. Auch wenn der Sound-Mix noch nicht optimal war, die Jungs haben ordentlich abgeliefert und die Ohren schon mal auf die folgende Band vorbereitet: The Haunted.
Redakteur:  Burkhard Becker
The Haunted
Rock Stage / 18:00 bis 18:45 Uhr

Metal Bands aus Schweden gehören zum RockHarz, wie das Hasseröder Bier. Vielleicht ein doofer Vergleich, aber letztendlich stimmig. Mit The Haunted gab es noch eine Nummer härter als bei Harakiri For The Sky auf die Zwölf. Nennen wir es mal Melodic-Death-Thrash vom Feinsten. Da sich die Spielzeiten der Bands in Richtung späterer Nachmittag/Abend immer etwas verlängern, hatten die Schweden 45 Minuten Zeit, um 12 (!) Songs ins Publikum zu feuern. Angefangen mit „Warhead“, „In Fire Reborn“ und „99“ ging es auf die musikalische Reise. Ein Moshpit ließ dabei natürlich auch nicht lange auf sich warten. Gitarrist, Gründungsmitglied und „Tausendsassa“ Patrik Jensen, den man auch bei The Halo Effect als Live-Gitarrist zu sehen bekommt, oder Bassist Jonas Björler und Drummer Adrian Erlandsson, die ein fester Bestandteil von At The Gates sind , ballerten den Metalheads mit Wucht ihre Songs um die Ohren. Gitarrist Ola Englund nutze ganz nebenbei noch die Gelegenheit, seine Gitarren- und Bass-Eigenmarke „Solar Guitars“ werbewirksam in Szene zu setzen und stattete alle drei Saiten-Instrumentalisten mit diesen Instrumenten aus. So etwas sieht man auch nicht alle Tage…

Mit „Bury Your Dead“ und dem „Hate Song“ endete die Show.

Redakteur:  Burkhard Becker
© Marcel Hübner
Ensiferum
Dark Stage / 18:50 Uhr
Wenn sich Sänger und Gitarrist Petri Lindroos seine schwarzen Balken auf die Wangen malt, sollte allen klar sein, dass jetzt Ensiferum am Start sind (Als Frontmann bei „Warmen“ lässt er besagte Kriegsbemalung weg! Dazu später mehr in diesem Bericht…). Die Dauergäste aus Finnland durften auch dieses Jahr das RockHarz-Publikum beehren und gaben den Metalheads keinen Anlass zum Ausruhen oder zu Langerweile. Was die musikalische Seite betrifft wurde es nach The Haunted natürlich etwas ruhiger und melodiöser. Nach einem Akkustik-Intro ging es denn aber mit „Winter Storm Vigilantes“ zur Sache. Auch wenn eigentlich alle Geschichten über Schwerter und Drachen auserzählt sind, ist es immer wieder schön dem „Vikinger-Metal“ mit seinen teils verträumten nordischen Melodien zu lauschen. Der inzwischen 22 Jahre alte Hit „Lai Lai Hei“ vom 2004er „Iron“-Album durfte selbstverständlich nicht fehlen. Zum Schluss durften dann nochmal die Schwerter geschwungen werden und mit „In My Sword I Trust“ die letzte Schlacht geschlagen werden.
Redakteur:  Burkhard Becker
© Robert Jaenecke
Black Label Society
Dark Stage / 20:50 bis 21:55 Uhr

Und da sind sie endlich wieder: Boxen-Wände soweit das Auge blicken kann! Der Standard in den 1980er Jahren, wo so manches riesen Bühnenbackdrop fast bis zur Hälfte verdeckt wurde. So auch bei Black Label Society an diesem Tage.

Zakk Wylde kommt im Schottenrock auf die Bühne und sieht eher aus wie ein Wikinger, als dass man vermuten würde, dass er ein amerikanischer Rockstar ist. Aber ohne diese Attitüde wäre es auch nicht Zakk Wylde. Es wird wie in den guten alten Zeiten gerockt! Mit reichlich Gitarrensoli und solidem Heavy Metal. Der ehemalige Ozzy Gitarrist hat mit seiner eigenen Band seit 1988 reichlich Alben veröffentlicht und konnte für die heutige Show auf einen umfangreichen Backkatalog zurückgreifen. Natürlich hofften viele Metalheads, die eine oder andere Coverversion von Ozzy Osbourne zu hören zu bekommen. Und tatsächlich kam in der Mitte des Sets „No More Tears“, bei dem Zakk´s Gesang sogar ein bisschen wie Ozzy klang.  Am Ende wurde dann nochmal richtig aufgedreht und für „Stillborn“ ein neues Backdrop mit den Gesichtern von Ozzy aus früheren Jahren mit dem bisher hängenden BLS-Backdrop ausgetauscht. Obwohl die Kalifornier richtig abgeliefert haben, wirkte die Crowd vor der Bühne nicht besonders euphorisch. Man konnte ohne Gedränge, ohne Cirlce-Pits und ohne Crowdsurfer ganz gemütlich stehen. Liebe RockHarzer, das haben wir alle schon besser gesehen!

Redakteur:  Burkhard Becker
Helloween
Rock Stage / 22:00 bis 0:00 Uhr
Im Zuge ihrer 40 Anniversary World Tour waren Helloween zum ersten Mal auf dem Rockharz. Eigentlich kaum zu glauben, wenn man bedenkt, wo diese Band schon überall gespielt hat. Aber um so schöner, dass die Kürbisköppe für den heutigen Abend gebucht wurden und eine Best-Off Show spielen konnten, die für die leider gefühlt immer zu kurze Spielzeit alles beinhaltete, was das Happy-Metal-Herz begehrt. Mit einer leicht abgespeckten, aber doch passenden Bühnenshow über die inzwischen allgegenwärtigen Videoleinwände gab es mit „March Of Time“ als Opener schon mal den ersten Gänsehaut-Moment (gerade für die ältere Generation, die mit den beiden Keeper-Alben Ende der 1980er Jahre aufgewachsen ist). Überhaupt wurden bei der heutigen Setlist die Keeper-Alben sehr bedacht: „Twilight Of The Gods“, „A Tale That Wasn´t Right“, „I Want Out“, „Future World“ und „Halloween“. Aber damit nicht genug , in den Zugaben kamen noch „Eagle Fly Free“, „Dr. Stein“ und „Keeper Of The Seven Keys“ hinzu. Und immer wieder gerne gehört und abgeliefert wurden „Ride The Sky“ und „Heavy Metal (Is The Law) , die (nach wie vor nur) von Kai Hansen gesungen wurden. Alle drei Sänger waren in Höchstform und haben wie eh und je eine riesige Spielfreude gezeigt und das Publikum für 2 Stunden mitgenommen. Der absolute Headliner des RockHarz 2026!
Redakteur:  Burkhard Becker

Donnerstag

Final Cry
Dark Stage / 11:50 bis 12:20 Uhr

Die erste Band an einem Festival-Tag zu sein, ist immer wieder eine Herausforderung, da sich zu dieser frühen Stunde das Infield in der Regel erstmal nur langsam füllt. Für Final Cry aus dem Weserbergland sollte das aber kein Hinderniss darstellen.

Sänger Kai Wilhelm (der für den Auftritt sein Presse- und Media-Büro gleich neben der Bühne verlassen musste), machte von der ersten Minute an eine solche Stimmung, dass die Metalheads wie von einem Magneten vor die Bühne gezogen wurden.

Die Band startete ebenfalls von der ersten Sekunde an ein Feuerwerk. Sänger Kai war voller Euphorie, nach 37 Jahren Bandgeschichte auf dem RockHarz spielen zu dürfen und damit den Traum einer jeden Band erfüllen zu können. Für die knappen 30 Minuten Spielzeit galt es daher auch die beste Song-Auswahl aus 6 Studio-Alben zu treffen. Ein gelungener Auftritt mit einem sympathischen Sänger, der zum Schluss die Menge darum bat, auch die kleinen Konzerte zu besuchen und den Underground zu unterstützen.

Redakteur:  Burkhard Becker
Warmen
Rock Stage / 16:55 bis 17:45 Uhr
Für alle Fans von Children Of Bodom bot sich heute die Gelegenheit, dem Sound von Warmen zu lauschen, der dann doch sehr an die finnischen Kollegen erinnert. Ist ja auch nicht weiter verwunderlich, wenn man sich die Keyboard-Arrangements und Soli eines Janne „Warmen“ Wirman anhört, die er in gleicher Manier spielt, wie er es schon zu COB-Zeiten getan hat. Mit einigen Dauerbrennern wie „Too Much, Too Late“, „Warmen Are Here For None“ und dem Rockwell Cover „Somebody´s Watching Me“ (welches inzwischen fast schon fest zur Setlist gehört) konnten die Nordmänner die Crowd begeistern. Wie immer technisch top und super eingespielt. Sänger Petri Lindroos hatte die Ehre (wie auch andere Musiker) mit einem Doppel-Job zu diesem Festival anreisen. Am Mittwoch hatte er ja als Frontmann mit Ensiferum die Dark Stage geentert. Jetzt bei Warmen übrigens ohne seine Kriegsbemalung auf den Wangen;-)
Redakteur:  Burkhard Becker
Avatar
Darkstage / 21:40–22:40 Uhr

Meine Erkenntnis bei dieser Truppe: Je öfter man sie hört, desto mehr bleibt ihr stilreicher Metal im Ohr hängen, und man beginnt die Schweden zu lieben!

Für mich persönlich war es übrigens jetzt schon der 4te Gig von AVATAR. Wie immer konnten die Zuschauer einer klasse Performance von Sänger Johannes Eckerström beiwohnen, der die Menge mit seinen sympathischen Ansagen und seiner Bühnenpräsenz sofort und bestens im Griff hatte. Schon mit dem Opener „Captain Goat“ und dem darauffolgenden „Let It Burn“ zog die Band das Publikum umgehend in ihren eigenwilligen Freakshow-Kosmos hinein, und sogar vor der Rockstage wurde kräftig mitgesungen und mitgetanzt. Bei Songs wie „The Eagle Has Landed“, „In the Airwaves“ und „Bloody Angel“ zeigte sich, wie sicher AVATAR zwischen eingängigen Hooks und schwerem Riffing wechseln können, ohne dabei die Spannung zu verlieren. Mit „Don’t Go in the Forest“ – erwartungsgemäß der am besten dargebotene Song des Abends – und dem furiosen Abschluss „Hail the Apocalypse“ ließ die Band das Set in kollektiver Ekstase enden. Einen besonderen Rahmen bekam der Auftritt dadurch, dass Eckerström an diesem Abend sogar seinen 40. Geburtstag feierte. Das Publikum ließ es sich nicht nehmen, ihm mit einem lautstarken Ständchen zu gratulieren, was die ohnehin ausgelassene Stimmung noch einmal befeuerte. Passend dazu bedankte sich Eckerström beim Publikum dafür, ausgerechnet an diesem Tag direkt vor Alice Cooper spielen zu dürfen – von dem er nach eigenen Worten sehr viel gelernt habe.

Ein rundum stimmiger, mitreißender Auftritt, der zeigte, dass AVATAR eine der Bands sind, die die Dinosaurier des Metals einst erfolgreich beerben werden.

Redakteur:  Daniel Krömmling
© Merlin Schönfisch
© Robert Jaenecke
Domnium
Rockstage / 20:35–21:35 Uhr

Noch viel zu hell war es, als Dr. Dead und seine Untoten die Rockstage gegen halb neun betraten. Gleich der vermeintlich gefährliche Opener „Danger Danger“ musste die Menge nicht wirklich zum Mitbangen zwingen. Denn ganz von allein und dank durchdachtem Songwriting sprang die Euphorie vor der Bühne sofort auf sämtliche Zuschauer über.

Mit „Doctor Doctor“, dem Live-Debüt und „The Circus Is in Town“ gab es zudem zwei neue Songs vom brandneuen Album „Night Is Calling“, das tags zuvor auf dem Rockharz seine Veröffentlichung feierte. Hinzu kam der Coversong „Thriller“ im Original von Michael Jackson, der nicht nur auf dem Drittwerk der 2022 gegründeten Zombie-Power-Metaller zu finden ist, sondern auch live hervorragend funktionierte. Gegrünmdet wurden DOMINUM übrigens 2022 von Sänger Felix Heldt (Dr. Dead), der ganz nebenbei ein gefeierter Musikproduzent ist und letztlich die Idee zu DOMINUM hatte, als er während der COVID-19-Pandemie in Deutschland VISIONS OF ATLANTIS produzierte.

In Summe ein gelungener Gig - einziger Kritikpunkt: Das herrliche Schauerspiel funktioniert eigentlich nur bei völliger Dunkelheit voll zur Geltung.

Redakteur:  Daniel Krömmling
© Merlin Schönfisch
© Robert Jaenecke

Freitag

Cypecore
Dark Stage / 13:05 bis 13:40 Uhr
Die Sci-Fi Metaller aus Mannheim gastierten nach 2017 nun zum zweiten Mal auf dem RockHarz. Leider zur hellsten Tageszeit, was eigentlich nicht zu der eher düsteren Bühneshow passt, da die Atmosphäre und die beleuchteten Anzüge doch nur im Dunkeln richtig zur Geltung kommen. Da Cypecore eher zu den Bands gehören, die nicht in Dauerschleife auf allen Festivals zu sehen, war es für viele Fans eine besondere Freude, dem Mix aus Death-Metal mit Industrial-Einflüssen zu lauschen. Und so standen sie nun auf der Dark Stage, ohne Bühnenbackdrop und ohne Schnörkel, einzig und allein die Musiker und das immer zusätzlich erhöhte Podest mit dem Bandlogo, auf dem Sänger Dominic „Commander“ Christoph über allen steht. Daher galt es heute mit den Songs zu überzeugen und mit Hits wie „The Alliance“ oder „Dreamsmasher“ das Publikum mitzuziehen, was auch sofort gelang. Obwohl die Band schon seit mindestens 11:30 Uhr für die Autogrammstunde in ihren Anzügen steckte, war die Wärme kein Anlass nicht alles zu geben. Es war wieder einmal schön, die Jungs zu sehen.
Redakteur:  Burkhard Becker
Hiraes
Rock Stage / 13:45 bis 14:30 Uhr

Gleiche Bühne, andere Spielzeit, ein Jahr später: Wer kann sich noch daran erinnern? Genau! War doch Britta Görtz im letzten Jahr mit Heaven Shall Burn an gleicher Stelle zu Gast, wo sie Sänger Markus Bischoff fulminant vertrat, so hatte sie nun die Ehre mit ihrer eigenen Band Hiraes die Bühne zu entern. Was die Herrschaften da ablieferten, war schon der oftmals betitelte Abriss! Volle Hütte, bestes Wetter und eine super eingespielte Band, die sich seit einigen Monaten auf Ihrer Nightflight-Tour befindet und inzwischen auf allen großen Festivals vertreten ist. Wo sich Sänger anderer Bands mit Schlauchbooten über die Menge tragen lassen, suchte Britta Görtz zusammen mit Gitarrist Oliver Kirchner die Fan-Nähe direkt im Pit und stieg dafür kurzer Hand mit ihrem Gitarristen von der Bühne um bei „We Owe No One“ in der Mitte des Circle-Pits eine unvergessliche Show für die Fans abzuliefern. Natürlich begleitet von Fotografen und Videokameras, auf deren Aufnahmen man gespannt sein kann.

Für die Band gab es im Anschluss noch eine Autogrammstunde. Gleich danach ging weiter zum Barcelona Rockfest, sodass für ein Interview leider Zeit blieb.

Redakteur:  Burkhard Becker

Samstag

Crypta
Dark Stage / 14:45 bis 15:25 Uhr

CRYPTA aus Brasilien bewiesen auf dem Rockharz Festival eindrucksvoll, warum sie aktuell zu den spannendsten Death-Metal-Bands der Szene gehören. Vom ersten Ton an fegte das Quartett mit einer kompromisslosen Mischung aus technischer Präzision, brutaler Härte und jeder Menge Spielfreude über die Bühne. Besonders Frontfrau und Bassistin Fernanda Lira riss das Publikum mit ihrer energiegeladenen Ausstrahlung und ihren markanten Growls sofort mit.

Gitarristin Tainá Bergamaschi war dabei nicht nur optisch ein echter Blickfang, sondern beeindruckte vor allem mit ihrem außergewöhnlichen Gitarrenspiel. Mit technischer Finesse, messerscharfen Soli und einer scheinbar mühelosen Präzision ließ sie ihr Instrument förmlich sprechen und sorgte immer wieder für staunende Gesichter vor der Bühne.

Obwohl CRYPTA bereits am frühen Nachmittag auf der Bühne standen, war vor der Stage ordentlich etwas los. Die Fans gingen von Beginn an mit, die ersten Moshpits ließen nicht lange auf sich warten und die Band wurde für jeden Song lautstark gefeiert. Druckvolle Riffs, gnadenlose Double-Bass-Attacken und ein perfekt eingespieltes Zusammenspiel machten den Auftritt zu einem echten Highlight für alle Freunde des extremen Metals. Wer bis dahin noch keine Berührungspunkte mit CRYPTA hatte, dürfte spätestens nach diesem energiegeladenen Gig verstanden haben, warum die Brasilianerinnen derzeit zu den heißesten Acts ihres Genres zählen.

Redakteur:  Marcel Hübner
Pinnhead
Dark Stage

Nach der recht kurzfristigen Absage von Watch Me Rise konnte der Veranstalter Pinhead ins Billing holen.

Als erste Band den letzten Festivaltag zu so früher Stunde zu eröffnen ist und bleibt ziemlich undankbar.

Hatten die Jungs erst vor einem Monat den Song „Beauty And Pain“ nebst Video veröffentlicht, konnten sich interessierte Hörer schon mal ein Eindruck verschaffen, wo bei dieser Band der Hase langläuft, was sich dann auch auszahlte.

Der Platz vor der Bühne füllte sich recht schnell und wurde von Song zu Song voller. Sänger und Mastermind Ilja John Lappin merkte man nicht an, dass es für ihn mit dieser Band der überhaupt erste Festival-Gig war. Mit einer dermaßenen Professionalität und Ausstrahlung führte er durchs Programm. Als in Fachkreisen bekannter Multiinstrumentalist, holte er dann auch das Cello auf die Bühne und verzauberte das Publikum mit Tönen, die man nur allerhöchstens bei einer Band wie Apocalyptica zu hören bekommt. Mit ihrem Mix aus brachialen Riffs und ruhigen Parts, bei denen vor allem Iljas cleane Stimme zum Tragen kommt, konnten Pinhead viele neue Fans hinzugewinnen und haben heute das Fundament für weitere großartige Auftritte gelegt.

Redakteur:  Burkhard Becker
Drone
Dark Stage / 11:55 bis 12:25 Uhr

„Wir sind Drone und jetzt wird gefi**t!“

Mit einer solchen Eröffnungs-Ansprache hat sicherlich niemand gerechnet. Aber Frontmann Mutz wäre nicht Mutz, wenn er nicht immer mal wieder für den einen oder anderen lockeren Spruch und ein Grinsen beim Publikum sorgen würde.

Als zweite Band an diesem Tag hatten Drone den Vorteil, dass schon viele Metalheads im Infield waren und dementsprechend ab dem ersten Song gut Stimmung vor der Bühne war. Mit einem Großaufgebot an Kameras, einer 360 Grad „Rundum“-Kamera, und anderen diversen Filmkameras wurde die Show vom gesamten Twilight-Team in Ton und Bild festgehalten, da dieses u.a. der letzte Auftritt von Bassist Fabian Harms werden sollte. Sehr schade, diesen sympathischen Musiker in Zukunft nicht mehr auf der Bühne sehen zu können. Die Jungs lieferten jedenfalls amtlich ab und spielten natürlich auch ihren inzwischen 20 Jahre alten Hit „Theopractical“, über dessen „Selbsternennung“ zum Hit Sänger Mutz und Gitarrist Marcelo einmal mehr im Spaß diskutierten. Auch durfte bei dieser Band der Circle-Pit nicht fehlen, aus dessen Mitte die eine oder andere Filmsequenz demnächst auf den bekannten Kanälen zu sehen sein dürfte.

Redakteur:  Burkhard Becker
Tungsten
Rock Stage / 14:00 Uhr

Das Familienunternehmen aus Schweden! Gegründet vom ehemaligen Hammerfall-Drummer Anders Johansson, dem die Musik seiner Söhne Karl und Nick im Jahre 2016 so gefiel, dass er es sich nicht nehmen ließ, sich selbst hinters Schlagzeug zu setzen.

Da Familie Johansson fleißig war, hatten die Herrschaften mit ihrem im Herbst 2026 erscheinenden Album „Ashes“ eine Songauswahl aus insgesamt 5 Studioalben zu treffen, um die 40 Minuten Spielzeit zu füllen. So ging es mit „Joker“ vom kommenden Album los, welches stilistisch an den Vorgänger „The Grand Inferno“ anknüpft. Ein guter Mix aus allen Alben (u.a. „Tundra“, „Lullaby“, „King Of Shadows“ und mit „Bite My Tongue“ ein weiterer neuer Song) wurde der Menge dargeboten und durch einen top aufgelegten Mike Andersson am Mikro in Szene gesetzt. Ein großes Lob sollte an dieser Stelle auch an den guten Mann hinter dem Mischpult gehen: Bei teils sehr windigen Verhältnissen und einem viel zu oft dominierenden Bass-Gewummer, hatte Willi Dammeier aus Hannover speziell für den Powermetal der Schweden die Ehre den Sound zu zaubern, was ihm sehr gut gelang. Da macht der Gedanke an die kommende Deutschlandtour von Tungsten im Oktober Lust auf mehr.

Redakteur:  Burkhard Becker
© Robert Jaenecke
© Susann Brandt
Knorkator
Rock Stage / 20:40 bis 21:40 Uhr
Das Berliner Urgestein, gastierte laut Sänger Stumpen bereits zum 10. (!!!) Mal auf dem RockHarz. Grund genug, während der Show Rockharz Cheffe Thorsten „Buddy“ Kohlrausch und Gattin Daniela auf die Bühne zu rufen und zu ehren. Hatten die beiden doch erst auf dem letzten Rockharz ihre Hochzeit nach vielen Jahren Beziehung bekanntgegeben und natürlich auf der Bühne mit dem Kniefall von Buddy vor seiner künftigen Gattin alle Fans daran teilhaben lassen, so betitelte Stumpen die beiden als das beste Paar der Welt. Wenn schon nicht Knorkator nicht die beste Band (sondern die meiste Band) der Welt sind, dann eben Buddy und Dani als das beste Paar der Welt! Eine tolle Geste! Und wer die Band schon mal gesehen hat, weiß was sonst noch so passieren wird: Beginnend mit „Das Unheil“, „Buchstabe“ und „Es Kotzt Mich An“, gab es natürlich wieder viele lustige Showeinlagen: wie immer wurden die Fotografen auf die Bühne gebeten und mal eben mit Schaumstoffschlangen verprügelt und nach kurzer Zeit von Stumpen mit den Worten „und jetzt verpisst euch“ von der Bühne gejagt. Da auch Knorkator inzwischen zu einer Art Familienunternehmen gewachsen sind, steht nicht nur Alf Ators Sohn Tim Tom an der zweiten Gitarre, sondern durfte auch gleich bei „Böse“ den Part der tiefen bösen Stimme übernehmen. Ebenso sorgt Stumpens Tochter Agnetha „Nethi“ bei „Warum“ mit ihrem Gesang für Gänsehaut beim Pubikum. Wie immer haben die Berliner eine klasse Songauswahl und sorgen für eine sehr unterhaltsame Show, die gerne immer wieder wiederholt werden darf.
Redakteur:  Burkhard Becker
Tailgunner
Rockstage / 12:30–13:10 Uhr

Als dritte Band des letzten Festivaltages betrat die noch recht junge Truppe aus England selbstbewusst und voller Energie die Rockstage. Die bereits gut gefüllte Masse vor der Bühne sprach für sich. Geboten wurde gut durchdachter, mitreißender klassischer Heavy Metal der NWOBHM-Tradition. Auch jeder, der die Briten vorher noch nicht kannte, merkte schnell an Hand der Kutten und den typischen Zwei-Finger-Gesten: TAILGUNNER haben sich längst eine ordentliche Fangemeinde erspielt. Frisch im Gepäck hatten sie ihr gerade erschienenes zweites Album, aus dem unter anderem „Midnight Blitz“, „White Death“ und „Tears in Rain“ den Weg in die Setlist fanden – und einen mehr als positiven Eindruck hinterließen. Definitiv eine Combo, die noch viel für Wirbel im hart umkämpften Musikzirkus sorgen wird. Toll auch der upgegradete Mikrofonständer des Sängers Craig Cairns, der mit einem überdimensionalen metallischen Logo der Band versehen ist. Das nennt man dann wohl Markenzeichen!

Redakteur:  Daniel Krömmling
Artillery
Rockstage / 15:30–16:10 Uhr

Ich muss gestehen: ich habe erst im Nachgang erfahren, dass als neuer Sänger ein gewisser Martin Steene, ehemals IRON FIRE, seit gut zweieinhalb Jahren bei den dänischen Thrashern an der Front steht. Erst im Mai gab es mit „Made in Hell“ eine neue EP – die erste Veröffentlichung seit dem Album „X“ von 2021 und damit Grund genug, mit dem neuen Sänger noch einmal richtig durchzustarten. Aufgrund des vergleichbaren Alters fiel gar nicht groß auf, dass es sich um einen neuen Sänger handelt. ARTILLERY zockte als perfekt aufeinander eingespielte Einheit sowohl alte Klassiker, als auch neuere Tracks. Dabei war auch der Kracher „Terror Squad“, bei dem sowohl Band, als auch Publikum nochmal richtig abgingen und alles gaben.

Wer die Band bisher noch live gesehen hatte, so wie der Verfasser dieser Zeilen, wurde eines Besseren belehrt. Hier schlummert eine der vielen unterbewerteten Bands, für die man sich einfach mehr Zeit nehmen sollte. Schade nur, dass ARTILLERY seit über 40 Jahren ein eher untergeordnetes Dasein im Thrash fristen. Warum eigentlich?

Redakteur:  Daniel Krömmling
© Robert Jaenecke
Danko Jones
Rockstage / 18:45–19:30 Uhr

Das Gute bei DANKO JONES auf einem Festival: Aufgrund ihrer kurzen, knackigen Songs hat man während der einstündigen Bühnenshow das Gefühl, man hätte gerade 20 Songs und 2 Stunden vor der Bühne abgerockt. Ohne viel Tamtam und drumherum ging’s auch gleich los, in die Vollen. Das Trio zeigte von der ersten Note an, dass es richtig Bock auf den Gig am späten Nachmittag des letzten Festivaltages hatte. Danko selbst würdigte in sympathischen Ansagen, dass er es sehr schätzt, dass das Publikum vier Tage und mehr Festival-Feeling so brav durchgestanden hat, und verband seine Ansagen dabei perfekt mit den nachfolgenden Songs. Musikalisch gab es ein wildes Potpourri durch 20 Jahre DANKO JONES. Auch wenn die meisten Augen auf dem Frontmann ruhten, lohnte sich auch ein Blick auf Bassist John Calabrese und Schlagzeuger Rich Knox, die nicht nur höchstprofessionell ihr Set darboten, sondern dabei auch sichtliche Spielfreude zeigten.

Trotz der gefühlten zwei Stunden war man beim letzten Song, „My Little RnR“, dennoch ein wenig wehmütig, dass der Kick schon wieder vorbei war. Nächster Stopp, um den Kanadier wieder in Bestform zu erleben: Wacken!

Redakteur:  Daniel Krömmling
© Robert Jaenecke
DORO
Darkstage / 19:35–20:35 Uhr

Man kann über sie denken, was man will. Klar, mit ihren Ansagen liegt sie meist etwas drüber, aber abrocken kann die Grande Dame noch en masse. Als wäre sie von jeglichem Alterungsprozess befreit, rockte DORO an diesem Samstagabend gegen 19:35 Uhr die Darkstage. Mit ganzen acht Warlock-Klassikern und vier neueren Songs bewies die Queen of Metal, dass ihr zeitloser Hard Rock bestens zum Rockharz und seinem Publikum passt. Gleich beim Opener „Earthshaker Rock“ zeigte man mittels perfekt eingesetzten Feuerwerks und Lichtshow, wohin die Reise in der nächsten knappen Stunde führen soll: back to the roots, zum rauen, unschuldigen Rock der Anfangstage. Überhaupt wurde nicht mit dem Einsatz von Pyrotechnik gegeizt. Emotional wurde es nochmal beim Song „Für immer“, bei dem nicht nur der Verfasser dieser Zeilen den berüchtigten „polnischen Abgang“ machte, sondern gleichzeitig auf ein gelungenes Festival mit vielen ereignisreichen Stunden und vielen Gesprächen mit tollen Menschen zurückblicken konnte. Vorbei waren plötzlich vier Tage Dauerbeschallung mit hochkarätigen Bands und einer einzigartigen Atmosphäre – mit der abschließenden Erkenntnis: Ich komme wieder.

Mit dem abschließenden Warlock-Coversong „Metal Racer“, bei abgesenkter Seitenscheibe auf der Landebahn, Höhe der Bühnen, begann also die wilde Fahrt zurück in die Heimat. Was für ein cooles Fest!

Redakteur:  Daniel Krömmling
© Merlin Schönfisch