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Festivals

Wacken Open Air 2026 - Bericht & Bilder


Wacken Open Air 2026 - Bericht & Bilder

Es gab Zeiten, da ist das Team vom Twilight-Magazin am Donnerstag Mittag recht entspannt angereist, hat noch einen super Platz bekommen (damals war der Presse-Zeltplatz noch direkt hinter der Backstage-Area, heute nennt es sich „United“) und konnte pünktlich zu den ersten Bands ins Infield (hieß damals auch noch nicht so) vor die großen Bühnen gehen. Diese Zeiten, die über 20 Jahre zurückliegen, sind bekanntlich schon länger vorbei, sodass die Vorplanung und die Anreise immer mehr in Richtung Wochenanfang geht. Für viele Metalheads beginnt die große Sause ja inzwischen schon am Samstag, bzw. Sonntag, da es außerhalb des musikalischen Bühnenbetriebes auch schon zahlreiche Dinge zu sehen und entdecken gibt. Nicht nur die Partys im Dorf, sondern auch ab Montag Abend 21:30 Uhr die erste Ausgabe von Maschines Late Night Show auf der „Welcome To The Jungle-Stage“, die sich seit vielen Jahren zu einer festen Größe etabliert hat und mittlerweile fast alle Künstler und Organisatoren auf dem roten Sofa begrüßen durfte.

So entschied sich das Twilight-Team, in diesem Jahr (anstatt in den letzten Jahren Mittwochs) bereits Dienstags anzureisen, was sich als eine gute Entscheidung herauskristallisierte. Nicht nur, dass ein Tag mehr zum „Warmwerden“ vorhanden war, sondern auch die Tatsache, dass der Presse- und VIP-Zeltplatz am Mittwoch Morgen nach dem Aufstehen schlichtweg plötzlich voll war.

Wie schon von vielen anderen Festivalteilnehmern erwähnt, ist das Miteinander und Kennenlernen auf dem WOA immer wieder herzlich, respektvoll und einfach. So hatten wir dann am Dienstag Nachmittag das Vergnügen, durch Zufall Garrit und Ingo von der Wittorfer Brauerei auf dem Campground kennenzulernen, was nicht nur zu einem netten Kontakt und einem Beitrag auf dem Instagram Account des Twilight-Magazins führte, sondern auch zu einem spontanen Getränke-Tasting, inkl. dazugehöriger Hintergrundinformationen zur Braukunst der kleinen aber feinen Privatbrauerei aus Neumünster.

Was das diesjährige Billing der Bands betraf, war die Freude ebenfalls groß. So hatte nicht nur das WOA mit der 35sten Ausgabe ein Jubiläum, sondern auch die Schweden In Flames, die zum zehnten Mal auf dem Holy Ground spielten. Def Leppard aus Sheffield feierten nach 40 Jahren Bandgeschichte ihr Debut in Wacken. Ebenso wurden Nevermore (mit neuem Sänger und das letzte Mal 2009 in Wacken) und Savatage nach 11 Jahren WOA-Abstinenz mit großer Freude erwartet.  (Burkhard Becker)

Fazit: Das Wacken Open Air 2026 ist Geschichte! Es gab ein paar wirklich überragend gute Konzerte, es gab eine ganze Menge Bands, die ich aus Zeitgründen, aufgrund der hohen Temperaturen oder anderen Gründen ausgelassen habe, es gab ein paar Konzerte, die ich "im Vorbeigehen" wohlwollend zur Kenntnis genommen habe, aber nicht genug davon mitgenommen habe, um auch darüber zu berichten, und es gab auch ein paar kleinere Enttäuschungen, die in der Summe aber absolut zu verkraften sind. Das Bier, über das sich sehr viele beschwert haben, fand ich persönlich gar nicht so schlimm, kann aber den Unmut verstehen, der kursierte. Ich kann auch verstehen, dass manche Leute sich über Bands wie The Butcher Sisters oder Electric Bassboy aufregen, auch wenn ich denke, man kann ersterem durchaus etwas Cooles abgewinnen und bei zweiterem ggf. einfach woanders hingehen, wenn es einem nicht gefällt. Was mir nicht gefällt, ist der Fokus der Medien auf genau diese Themen,
denn dadurch geht komplett aus dem Blick verloren, was Wacken eigentlich ist: ein Ort, an dem sich Gleichgesinnte aus aller Welt glücklich in den Armen liegen, gemeinsam ihre Bands feiern und letztendlich auch sich selbst. Denn der eigentliche Headliner ist doch wie immer das Publikum.
Apropos Headliner: auch bei den Ankündigungen für das nächste Jahr freue ich mich bereits auf genug Bands, um sagen zu können, dass es für mich auch hoffentlich nächstes Jahr wieder heißt: Rain or Shine!!!  (Matze)



Mittwoch

EXPELLOW
14:45-15:45 Uhr

Es ist Mittwoch am frühen Nachmittag, als EXPELLOW aus der Schweiz die Bühne auf der Headbangers Stage betreten. Und die Band hat Bock, das merkt man. Die Gewinner des Metal Battle 2025 um Frontfrau Mik Dean reißen ordentlich ab. Mit viel Energie tobt die Band über die Bühne. Musikalisch irgendwo zwischen modernem Metal und Hardcore einzuordnen, weiß die Band mit druckvollem Sound komplett zu überzeugen. Nach ein paar Songs werden als kleines Dankeschön ein paar T-Shirts ins Publikum geworfen, jeweils für „männlich und weiblich gelesene Personen“. Die Band ist sichtlich begeistert vom Publikum, und das Publikum ist umgekehrt auch begeistert von der Band. Dann gibt es noch eine Liebeserklärung an Zürich mit ihrem Song Hometown, bei dem das Publikum zum Mitmachen animiert wird, jeder für seine eigene Heimatstadt. Für mich persönlich ein starker Start in die folgenden Festival-Tage, und bei weitem nicht der schlechteste Auftritt! EXPELLOW können gerne wiederkommen und beim nächsten Mal auch auf der Louder Stage spielen.

Setlist:
Heartline
Phoenixes
Forever Pushing Forward
Ten Of Swords
Chemicals
Breaching For The Sun
Your Voice In My Head
Void
We Held The Line
Gallows
Mayfly Lives
Hometown
Fuck Shit Up
Game Insane

Redakteur:  Matthias Brandt
THE GATHERING

Zu THE GATHERING muss man glaube ich nicht mehr viel sagen. Es ist immer noch Mittwoch, es ist immer noch sehr warm, wir haben den verhältnismäßig weiten Weg zur Louder Stage angetreten, um Anneke van Giersbergen mit ihrer alten Combo vereint zu sehen. Ja, ihr lest das richtig, hier steht die Originalbesetzung vom Album Mandylion auf der Bühne, und entsprechend wird auch dieses Album gespielt. 30 Jahre hat die Scheibe inzwischen auf dem Buckel, und da ist es kaum verwunderlich, dass man mit einem entsprechend nostalgischen Blick auf die Darbietung schaut. Und auch, wenn inzwischen das eine oder andere Fältchen das Gesicht von Anneke ziert, so hat sie nichts von ihrem Charme verloren. Stimmlich ist sie schon immer stark gewesen, am Auftritt gibt es insgesamt nichts auszusetzen. Natürlich ist Mandylion weniger für eine Festivalbühne geeignet als eher für einen kleinen Club oder ggf. auch einfach nur im heimischen Wohnzimmer (und da dann auch gerne mit Kopfhörern), aber das ist wirklich Jammern auf hohem Niveau.

Setlist:
Eléanor
Fear The Sea
In Motion #1
On Most Surfaces (Inuit)
Probably Built In The Fifties
Analog Park
Leaves
Sand And Mercury
Strange Machines
Saturnine

Electric Bassboy
20:00-21:00 Uhr, Faster Stage

Wenn man glaubt, dass jedes Gitarrenriff und jede Kombination von Tönen bereits gespielt wurde und es nur noch Facetten derer gibt, der ist , zumindest was den Sound und den Stilmix betrifft, auf dem Holzweg. Electric Bassboy, bestehend aus den Mitgliedern von Electric Callboy, haben einfach mal den Schritt gewagt, Metal und Techno zu vermischen und das Schlagzeug gegen das DJ-Pult getauscht. Für viele Metalheads an sich ein No Go, aber dennoch hatte man den Eindruck, dass es einem Großteil der Besucher zu gefallen schien, denn das Infield vor der Bühne war rappel voll. Mit harten Techno-Beats und ziemlich weit aufgedrehten Lautstärke-Reglern ballerten die Herrschaften aus Castrop-Rauxel ungewohnte Töne über den Holy Ground. Mit der Coverversion des Electric Callboy Songs „Pump It“ startete die wilde Fahrt und sollte nicht nur weitere eigene Coverversionen wie „Tanzneid“ oder „Elevator Operator“ beinhalten, sondern auch Cover von sehr namenhaften Bands wie Linkin´Parks „The Emptiness Machine“, Riots´ „Overkill“, „Can You Feel My Heart“ von Bring Me The Horizon, „Enter Sandman“ von Metallica oder „Raining Blood“ von Slayer und einige mehr. Und was andere Sänger oder Bassisten mit Schlauchbooten können, konnte Sänger Nico mit einem aufgeblasenen weißen Einhorn: Crowd-Surfing über der Meute. Ein kontrovers diskutierter Auftritt, der aber zeigte, dass die Macher des Wacken Open Air immer wieder experimentierfreudig sind und trotz aller Zweifler selten falsch liegen.

Wir sind gespannt auf das WOA 2027, wo dann Electric Callboy mit ihrem eigentichen Set spielen werden.

Redakteur:  Burkhard Becker
LACUNA COIL

Mit LACUNA COIL kommt die nächste Band auf die Louder Stage, die schon seit drei Jahrzehnten auf den Bühnen der Welt unterwegs ist. Cristina Scabbia betritt die Bühne mit einer Teufelshörner-Maske und maskenbildnerischem Chelsea Grin, der Rest der Band ist mit Corpsepaint geschminkt, was beides irgendwie nicht so richtig zur Musik passen will. Mit einer Setlist, die einen breiten Überblick über ihr bisheriges Schaffenswerk zeigt, kann die Band das Publikum 1 ½ Stunden ohne Probleme unterhalten. Nach dem von vielen Seiten kritisierten Auftritt von Electric Bassboy ist dies vielleicht eine Art Wiedergutmachung an die Metalfans der alten Schule. Alles in allem ein gelungener Auftritt, auch wenn es nicht unbedingt eines der größten Highlights des Festivals darstellt.

Setlist:
Layers Of Time
Reckless
Hosting The Shadow
Kill The Light
Spellbound
Trip The Darkness
Gravity
Blood, Tears, Dust
Scarecrow
Heaven´s A Lie XX
Enjoy The Silence
Our Truth
Die & Rise
I Wish You Were Dead
Oxygen
Nothing Stands In Our Way
The Siege
Swamped XX
Never Dawn

Redakteur:  Matthias Brandt
Skyline

Skyline,die Band der ersten Stunde und dieses Jahr gleich mit zwei Shows. Bereits Sonntag Abend durften sich die Jungs im Landgasthof schon mal warm spielen, um am Donnerstag auf der großen Bühne das Infield anzuheizen.

Jedes Jahr aufs Neue immer mit der Frage, ob WOA Cheffe Thomas Jensen auch mit auf die Bühne kommt und wer sonst noch so als Special Guest dabei sein würde. Ob Joey Belladonna von Anthrax oder Doro (um nur zwei Gäste aus der Vergangenheit zu nennen), Skyline sind immer wieder für Überraschungen gut. Auch dieses Jahr sollten die Fans nicht enttäuscht werden. Nicht nur Jennifer Haben von Beyond The Black gab ein Stelldichein zum Cover von Linkin´Parks „The Emptiness Machine“ (dieser Song scheint in diesem Jahr ein beliebter Coversong zu sein…) auch Thomas Jensen kam zum Cover von David Bowies´ “Heroes“  mit seiner Gitarre auf die Bühne und brachte gleich noch Alissa White-Gluz (Ex-Arch Enemy) von Blue Medusa mit. Nicht nur für die Fans ein besonderer Moment, sondern auch für die Band, die nämlich (laut Thomas Jensen) nichts von Alissas´ Gastspiel wusste, sich aber nichts anmerken ließ. Sänger Dan zog das Ding ganz im Gegenteil professionell zusammen mit Alissa durch.

Redakteur:  Burkhard Becker
Uli Jon Roth
16:15-17:15 Uhr, Harder Stage

Der Altmeister aus Hannover, der in den 1970er Jahren auf vier Alben der Scorpions mitwirkte und heute eine 50 Jahre Virgin Killer Special Jubiläums Show spielte. Dazu hatte Uli viele Gastmusiker mitgebracht. Frederic Leclercq von Kreator am Bass, Corvin Bahn an den Keyboards, Mille Petrozza von Kreator beim Song „Pictured Life“ und Nathan James als Gastsänger, Roland Grapow von Masterplan an der Gitarre oder an den Drums Vassilios Maniatopoulos von Rage, der die Sticks für den Titelsong „Virgin Killer“ schwingen durfte.

Bei einer solch hochkarätigen Besetzung hatte Uli Jon Roth die Gelegenheit ganz unbeschwert seine Gitarrensoli zu zaubern und zu jedem Song eine kurze Einleitung zu geben und die entsprechenden Gastmusiker anzukündigen. Nach 11 Scorpions Songs und dem Bob Dylan Cover „All Along The Watchtower” ging ein denkwürdiger Moment zu Ende, der nicht nur die ältere Generation der Metalfans vor Ort begeisterte.

Redakteur:  Burkhard Becker
Europe
19:00-20:15 Uhr, Harder Stage

Es wird ja immer wieder die Frage gestellt, was kommt eigentlich, wenn die „großen“ Bands mal in Rente gehen? Es gibt zwar genügend Bands, die in der Metal-Szene eine gewisse Größe erreicht haben, aber doch vermutlich niemals einen Weltstatus á la Metallica, Guns ´N Roses oder Kiss oder AC/DC erreichen werden. Aber weil das mit der Rente noch lange nicht so weit ist, dürfen wir uns noch vieler alter Helden erfreuen, mit denen ja nun mal viele Metalheads aufgewachsen sind. Dazu gehören natürlich auch Europe aus Schweden, die seit 1979 im Geschäft sind und wie viele der „alten Helden“ ihre größten Erfolge in den 1980er Jahren feierten. Umso schöner Europe ein weiteres Mal auf dem Holy Ground erleben zu dürfen. Und das Schöne dabei ist, dass die „alten Herren“ zwar die 60 überschritten haben, aber immer noch abliefern und dabei live härter rüberkommen, als auf Schallplatte. Man mag den Sound von Europe als Pop-Rock abtun, was aber nicht darüber hinwegtäuscht, dass die Herrschaften auch härter können, was vielen Fans früher entgangen sein mag, da man immer nur mit den Mainstream-kompatiblen Hits weichgeklopft wurde.

Das Infield war jedenfalls brechend voll, was zeigte, dass alle Bock auf die Jungs hatten und natürlich brennend auf den Welthit warteten (der erwartungsgemäß aber ganz zum Schluss kommen sollte). Joey Tempest war stimmlich in Bestform und auch seine Mitstreiter ließen nichts liegen, gab es doch in den 80er Jahren Gerüchte, dass der Sänger einige Instrumente selber eingespielt haben soll, da die Mitmusiker es nicht perfekt hinbekommen haben sollen. Da es nicht nur das „Final Countdown“-Album gibt, wurde den Metalheads Material aus der ganzen Schaffensphase kredenzt, bis hin zum 2017er Album „Walk The Earth“.

“Superstitious“, „Rock The Night“, „Sign Of The Times“ und natürlich die auf allen 80er-Jahre-Oldie-Radio-Sendern täglich gespielte Ballade „Carrie“ durften nicht fehlen. Bei ihrem Superhit „Final Countdown“ (und gleichzeitig dem letzten Song des Sets) bebte der Boden und ein weiterer denkwürdiger Moment ging zu Ende.

© Toni Gunner

Donnerstag

SAVATAGE
20:30-22:00 Uhr

Ich habe mich persönlich dieses Jahr auf kaum einen Auftritt im Vorfeld mehr gefreut als auf SAVATAGE, und am Donnerstagabend ist es dann soweit, dass ich mir erstmalig dieses Jahr eine Band auf einer der Hauptbühnen anschaue. Spoileralarm: Die hohen Erwartungen werden nur zum Teil erfüllt. Fangen wir aber mit dem Positiven an: Instrumental ist die Band eine Übermacht, zumindest, wenn man auf progressiven Powermetal steht. Allem voran Gitarrist Chris Caffery zieht alle Register seines Könnens und begeistert ein ums andere Mal mit seinem Riffing. Der Sound der Band ist absolut klar und aufgeräumt, hier könnte man direkt eine
Live-Scheibe aufnehmen und auf den Markt bringen. Auch die Songauswahl weiß komplett zu begeistern, insbesondere das letzte Drittel haut mich um.
Kommen wir zu den Abstrichen, die man leider machen muss: Zak Stevens ist nicht Jon Oliva, wird es nie sein, und erreicht leider auch nicht dessen Klasse und schon gar nicht seine tonale Höhe. Das ist nicht unbedingt etwas Neues, aber immernoch ein Punkt, über den ich wohl nie
hinweg kommen werde. Ein Aufmarsch von Fahlnenschwingern beim Song Chance, der klar insszeniert ist, wird von der Bühne "überrascht" aufgenommen. Parallel dazu gibt es viele unterschiedliche Flaggen auf der Videoleinwand. Apropos: das, was da seit Beginn des Konzerts über die Videoleinwand läuft, ist, sagen wir mal, ausbaufähig. Böse Zungen sagen im Infield neben mir, ob die Animationen wohl von einem Praktikanten über Windows Movie Maker gemacht wurden...Umso erfreulicher, als dann irgendwann ein Video mit Jon Oliva am Flügel
als Intro für Believe gezeigt wird. Das ist klar besser. Mit Gutter Ballet, Edge Of Thorns sowie Hall Of The Mountain King kommen dann auch noch die größten Hits der Band, und das Publikum ist dafür dankbar! Ein starker Abschluss eines starken Konzerts, das lediglich in der Präsentation noch ausbaufähig wäre (und darunter leidet, das Jon Oliva aufgrund seiner Erkrankung nicht mehr als Frontmann zur Verfügung steht).

Setlist:
Morphine Child
Dead Winter Dead
Jesus Saves
Lights Out
Handful Of Rain
Chance
Miles Away
Tonight He Grins Again
Sirens
Strange Wings
Taunting Cobras
The Wake Of Magellan
Believe
Gutter Ballet
Edge Of Thorns
Power Of The Night
Hall Of The Mountain King

Redakteur:  Matthias Brandt
Def Leppard
22:15-00-00 Uhr, Harder Stage
Wo ich doch grade bei den „alten Helden“ war: die nächste große Band der 1980er Jahre gab sich die Ehre. Und das auch noch zum aller ersten Mal! Wie schon eingangs in diesem Bericht erwähnt, haben Def Leppard noch nie in Wacken gespielt. Fast nicht vorstellbar, aber wahr. Und somit ging nach Savatage und Europe die Nostalgie-Reise für viele Fans weiter. Mit dem weniger spektakulären Song „Rejoice“ startete das Set und drehte aber danach sofort zu den Erfolgsalben „Hysteria“ und „Adrenalize“ mit „Animal“ und „Let´s Get Rocked“. Das wollen die Fans hören! Warum die Herren aus Sheffield dann schon zum Covern übergingen, wissen sie vermutlich nur selber. „Personal Jesus“ von Depeche Mode ist zwar ein Klassiker, aber Def Leppard haben eigentlich selber genügend Hits, um das Programm zu füllen. Sei es drum. Die Hitliste wurde schließlich weitestgehend doch noch abgearbeitet und trotz leichten Regens, feierte die Meute zu „Rock Of Ages“, „Photograph“, „Rocket“, „Love Bites“, „Armageddon It“ und vielen weiteren Klassikern. Was bei einem solchen Headliner natürlich auch nicht fehlen darf ist (…nein, kein Drumsolo!), der Abgang nach dem letzten Song, um dann für die Zugaben wieder auf die Bühne zurückzukehren. „When Love And Hate Collide“ und die Welthits „Hysteria“ und „Pour Some Sugar On Me“ beendeten den WOA-Debut-Auftritt dieser großartigen Band. Was für ein Abend, was für Emotionen! Und es ist erst Donnerstag…
SVENTEVITH
23:00-0:00 Uhr

Ein besonderes Event ist der Auftritt von SVENTEVITH. Dahinter steckt niemand anderes als Nergal von Behemoth, der sich mit der isländischen Black Metal Band Mispyrming zusammengetan hat, um das gleichnamige Album (und zwei drei weitere alte Behemoth-Songs) zum Besten zu geben. Wie klingt Behemoth, wenn es nicht Behemoth selbst ist? Wie klingt eine
"Coverband", bei der der Originalsänger am Mikrofon steht? Das ist purer, roher Blackmetal, ohne Schnörkel, ohne orchestralen Bombast. Auch Nergal wirkt ein wenig "back to the good old days", keine aufwändigen Bühnenoutfits oder ähnliches. Einfach nur brutaler Black Metal, ohne
Schickimicki. Im Vorfeld des Festivals habe ich mich mit Mispyrming befasst und hätte mich gefreut, auch von dieser Band zumindest einen oder zwei Songs zu hören, das hätte aber nicht unbedingt in das Konzept dieses Auftritts gepasst. Zumindest auf der Bühne macht die Band aber einen soliden Eindruck und kann auch im Bereich der Backing Vocals eine ordentliche Duftmarke setzen.
Wer es verpasst hat, hat was verpasst!

Setlist:
Chant Ov The Eastern Lands
The Touch Of Nya
From The Pagan Vastlands
Hidden In A Fog
Ancient
Entering The Faustian Soul
Forgotten Cult Of Aldaron
Wolves Guard My Coffin
Hell Dwells In Ice
Moonspell Rites
Transsylvanian Forest
Pure Evil And Hate

Redakteur:  Matthias Brandt
Orbit Culture
13:45-14:45 Uhr, Harder Stage
Lag es an der Mittagshitze oder an der Technik, dass man ab und zu den Eindruck hatte, dass es kurzfristige Aussetzer beim Sound gab? Bei Orbit Culture war es ganz offensichtlich Premiere, dass die Technik gleich beim ersten Song versagte und Sänger Niklas Karlsson ganz trocken und mit einem Grinsen sagte: wir fangen noch mal von vorne an. Daher gab es die ersten Takte von „Death Above Life“ halt zweimal. Genauso wie Def Leppard hatten Orbit Culture ihr Debut auf dem WOA, nur dass es die Band aus Schweden erst seit 13 Jahren (und nicht wie Def Lepaprd seit 40 Jahren) gibt. Trotzdem eher ungewöhnlich, dass die Jungs noch nie hier waren. Aber auch diese Tatsache wußte Niklas Karlsson zu würdigen und bedankte sich beim Publikum für das zahlreiche Erscheinen in der Mittagshitze. Da viele Bands immer ihr aktuellstes Album für ihr bestes halten, hatte man offensichtlich gleich 5 Songs des 2025 erschienenen „Death Above Life“-Albums für die Show auserwählt, die ja eingangs erwähnt auch gleich mit dem Titelsong begann. Aber auch Fans älterer Songs kamen auf ihre Kosten und wurden mit „North Star Of Nija“, „Rasen“ oder „From The Inside“ belohnt. Wäre der Sound nicht so dermaßen basslastig gewesen, dass sich das Anheuser Busch Bud im Magen aufschaukelt, wäre es ein noch perfekterer Einstand für die Schweden auf dem WOA gewesen. Was die Songauswahl und die Sympathie angeht, war es das ohnehin.
Any Given Day
16:00-16:45 Uhr, Headbanger Stage
Es muss nicht immer Fussball auf Schalke sein. Gelsenkirchen hat noch mehr zu bieten, nämlich Any Given Day! Feinster Metalcore aus dem Ruhrpott, wie Sänger Dennis Diehl mit ähnlichen Worten die Band vorgestellt hatte. Stimmt! Mit „Get That Done“ vom aktuellen Album „Limitless“ gabs gleich ordentlich auf die Zwölf und wenn ich mich richtig erinnere bildete sich dazu auch gleich der ersten Circle-Pit. Apropos Circle-Pit und Crowdsurfing: Dennis Diehl ließ nicht locker und ermutigte die Metalheads immer wieder dazu, in dieser Hinsicht ordentlich Aktion zu zeigen. Die permanente Staubwolke inmitten der Meute ließ keinen Zweifel daran, dass es ihm gelang! In Anbetracht der 45 Minuten Spielzeit wollte der sympathische Sänger (seitwann ist eigentlich der lange Vollbart ab?) nicht allzuviel sabbeln, sondern dafür mehr Songs spielen. „Never Surrender“, „Limitless“, „Unbreakable“, „In Defeaning Silence“, und zum Schluss „Savior“ ließen die Metalheads in der nachmittags Sonne schwitzen und ordentlich Staub schnuppern. Wie sagt man doch zu solch einer Show so schön: völliger Abriss!
Black Label Society
17:00-18:00 Uhr, Faster Stage
Wenn man es nicht besser wüsste, würde man den Frontmann als Wikinger o.ä. einstufen und nicht als US-Amerikaner. Der ehemalige Ozzy-Gitarrist Zakk Wylde ist nun mal eine Erscheinung, die alles andere in den Schatten stellt. Aber das Outfit mit Schottenrock gehört (nicht nur in diesem Jahr) zur Show von BLS, wie das riesige Bühnenbackdrop und die fette Boxenwand (übrigens von Zakks eigenem Label „Wylde Audio“, welches auch für seine Gitarren verantwortlich ist), die an Bands aus den 1980er Jahren erinnert und zwischen der Drummer Jeff Fabb regelrecht eingebettet ist. Der Vorhang fiel und „Funeral Bell“ schallte über das Infield. In der Mitte der Bühne auf einem kleinen Podest Zakk Wylde, nebst seinem Mikroständer, der mit Holzkreuz und Totenköpfen bestückt ist. Ein klasse Opener, dem eine Reihe an BLS-Klassikern folgte. Wie auch in der Mitte des Sets Ozzy Osbournes „No More Tears“, bei dem Zakks´ Gesang bewusst dem von Ozzy sehr nahe kommt. Wie so oft bei Festival-Sets wurden auch hier mit „The Blessed Hellride“, „Set You Free“ und „Destroy & Conquer“ die beiden letzten Alben am meisten bedient und am Ende wurde mit „Stillborn“ Ozzy Osbourne gedacht. Wie immer solider Metal vom Feinsten!
Redakteur:  Burkhard Becker
PALEFACCE SWISS
17:15-18:15 Uhr
Nach der Vollbedienung ist vor der Vollbedienung. PALEFACE SWISS treten nur kurz nach Chaosbay auf der Louder Stage auf, und es soll eine Aneinanderreihung von "blöd gelaufen" werden. Gitarrist Yannick Lehmann träumt seit Jahren davon, einmal auf dem legendären Wacken Open Air zu spielen. Heute könnte sein großer Tag sein, aber "der Idiot hat sich
einen fiesen Infekt eingefangen und liegt in Zürich im Krankenhaus und kotzt und scheißt sich die Seele aus dem Leib" - Originalton Marc Zellweger. Ihr Produzent hat zwei Tage Zeit gehabt, die Songs zu lernen. Soweit, so gut. Aber auch Marc ist nicht 100% fit, denn er kommt von
einem Monat Pause mit Parties, entsprechend soll das Publikum mit unterstützen. Und das tut es auch. Hätte die Band nichts gesagt, hätte ich diese zwei Umstände vermutlich gar nicht wirklich wahrgenommen. Aber Marc ist mit dem Publikum nicht zufrieden... "Ich brauche noch mehr Energie hier" ruft er immer wieder, animiert zu CirclePits und lässt dann die MetalGuards im Graben schwitzen, als er dazu auffordert, dass alle aus dem Publikum irgendwen nach oben helfen und er so viele Crowdsurfer wie möglich haben wolle. Und das Publikum macht mit! Ein
Meer aus Surfern, die allesamt nach vorne getrieben werden, ergießt sich Minutenlang in den Sicherheitsgraben.
Fast schon nur noch eine Randnotiz, dass die Backing Tracks vom Laptop im Laufe des Sets ebenfalls das Zeitliche segnen und die Band dann halt ohne Klicktracks weitermacht. Und trotzdem ist die Band immer auf den Punkt, knallhart und mit heftigem Sound.
Am Beeindruckendsten sind nichtsdestotrotz die Zungenbrecher-Rap-Passagen, bei denen einem schon beim Zuhören schwindelig wird. Liebe Orga vom Wacken: Yannick sollte noch einmal die Chance erhalten, auf dem Festival zu spielen, beim nächsten Mal dann
halt auf einer der beiden Hauptbühnen, mit funktionierendem Laptop, Originalbesetzung und stimmlich gut im Training (wobei man da eigentlich auch keine Schwäche hören konnte)! Das hat geknallt.

 Setlist:
I Am A Cursed One
Hatred
...And With Hope You´ll Be Damned
Best Before: Death
Nail To The Tooth
The Orphan
The Gallow
My Blood On Your Hands
Let Me Sleep
Please End Me
Redakteur:  Matthias Brandt
Saxon
Harder Stage / 18.15 Uhr - 19.30 Uhr

Mit großem Interesse, aber auch mit etwas Bangen um den Gesundheitszustand von Sänger Biff Byford, wartete ich auf den Auftritt der britischen Heavy-Metal-Institution Saxon. Immerhin ist der Frontmann mittlerweile 75 Jahre alt. Und nachdem Saxon ihren Auftritt 2025 aus gesundheitlichen Gründen absagen mussten, durfte man durchaus gespannt sein, ob Byford ein Jahr später wieder mit voller Kraft auf die Bühne zurückkehren würde.

Doch als die Engländer bei bestem Festivalwetter die Bühne betreten, sind sämtliche Befürchtungen schnell vergessen. Saxon sind zurück – und sie sind bereit, Wacken zu rocken!

Der Einstieg mit „The Prophecy“ und „Hell, Fire and Damnation“ vom aktuellen Album Thunderbolt ist bestens gewählt. Bereits die ersten Gitarrenriffs sitzen messerscharf, der Sound ist druckvoll und transparent. Verantwortlich dafür ist unter anderem Soundmann Jacky Lehmann aus Berlin, der den klassischen Saxon-Sound perfekt auf das Wacken-Infield bringt. So muss Heavy Metal klingen: kraftvoll, differenziert und mit ordentlich.

Junge und alte Fans feiern gemeinsam die Musik, die Saxon seit Ende der 1970er-Jahre prägen. Und die Setlist macht schnell deutlich, dass heute eine Zeitreise durch mehr als vier Jahrzehnte Bandgeschichte auf dem Programm steht.

Mit „Power and the Glory“, „Solid Ball of Rock“, „Motorcycle Man“ und natürlich „Heavy Metal Thunder“ reiht sich Klassiker an Klassiker. Besonders „Dallas 1 PM“ entwickelt sich zu einem weiteren Höhepunkt des Sets. Die Songs sind mittlerweile Teil des kollektiven Heavy-Metal-Gedächtnisses – und in Wacken kennt sie praktisch jeder.

Auffällig ist dabei auch, wie selbstverständlich sich Brian Tatler mittlerweile in das Bandgefüge integriert hat. Der 66 jährige Gitarrist, der den Tourmüden Paul Quinn ersetzt, spielt seine Parts routiniert, souverän und mit sichtlicher Freude. Für mich persönlich gibt es dabei sogar einen besonderen Bezug: Tatler wurde in meinem heimischen Delligsen im Nachbarort Grünenplan eingearbeitet. Umso schöner, ihn nun auf einer der größten Metal-Bühnen Europas zu erleben.

Doch der eigentliche Blickfang bleibt natürlich Biff Byford. Und der Sänger überrascht auf ganzer Linie. Seine Stimme wirkt dynamisch, kraftvoll und erstaunlich frisch. Byford bewegt sich souverän über die Bühne, interagiert mit dem Publikum und zieht die Menge mit seiner charismatischen Art sofort in seinen Bann.

Von Altersmüdigkeit keine Spur.

Im Gegenteil: Byford scheint an diesem Abend besser zu singen als je zuvor. Natürlich hört man die jahrzehntelange Erfahrung in seiner Stimme – aber genau das macht den Auftritt so besonders. Hier steht ein Musiker auf der Bühne, der Heavy Metal nicht nur singt, sondern ihn seit Jahrzehnten lebt.

Mit „Denim and Leather“ läuten Saxon schließlich das große Finale ein. Das gesamte Infield grölt den Klassiker mit – Gänsehaut inklusive.

Danach folgen „747 (Strangers in the Night)“ und „Wheels of Steel“. Spätestens jetzt gibt es kein Halten mehr. Die Songs funktionieren auch 2026 noch genauso gut wie vor Jahrzehnten. Die Riffs sitzen, die Refrains brennen sich sofort ins Gedächtnis und zehntausende Fans singen jede Zeile mit.

Doch Saxon haben noch nicht genug.

Mit „Crusader“ und „Princess of the Night“ legen sie zum Schluss noch einmal kräftig nach. Zwei absolute Klassiker, die den Auftritt würdig abrunden. Gitarren, Schlagzeug und Byfords Stimme verschmelzen zu genau jenem Sound, für den Saxon seit Generationen stehen.

Nach rund 70 starken Minuten verlassen Saxon die Bühne. Zurück bleiben zehntausende begeisterte Fans und das Gefühl, gerade ein Stück Heavy-Metal-Geschichte erlebt zu haben.

Saxon beweisen in Wacken 2026 eindrucksvoll, dass wahre Klassiker keine Jahreszahl kennen. 75 Jahre Biff Byford hin oder her – diese Band hat noch immer Feuer. Der Auftritt ist eine gelungene Mischung aus Spielfreude, musikalischer Präzision und großen Heavy-Metal-Hymnen.

Setlist:

  1. Intro /The Prophecy
  2. Hell, Fire and Damnation
  3. Power and the Glory
  4. Solid Ball of Rock
  5. Motorcycle Man
  6. Heavy Metal Thunder
  7. Dallas 1 PM
  8. Strong Arm of the Law
  9. And the Bands Played On
  10. Denim and Leather
  11. 747 (Strangers in the Night)
  12. Wheels of Steel
  13. Crusader
  14. Princess of the Night
Redakteur:  Casi
In Flames
19:45-21:15 Uhr, Faster Stage

Die erste Show für das Twiilight-Team mit diesem Line Up, seitdem Drummer Jon Rice 2025 zur Band gestoßen ist. Da sich das Personalkarussel in den letzten Jahren immer mal wieder bei In Flames gedreht hat, hoffen wir mal, dass es nun zur Ruhe kommt. Da wir diese Band schon in allen Line Ups gesehen haben, waren wir natürlich sehr gespannt.

Auch wenn da nur Vollprofis hinter ihren Instrumenten stehen, bzw. sitzen, wünscht man sich doch irgendwie eine geschlossene Band und keine Allstar-Combo mit nach Belieben austauschbaren Posten.

Zum Glück sind aber noch Sänger Anders Friden und Gitarist Björn Gelotte aus der (fast) Ur-Besetzung übriggeblieben.

Mit „Colony“ starteten die Schweden ihre Hitliste, die sich über all die Jahre so gefüllt hat, dass solch eine Show auch gut und gerne 3 bis 4 Stunden gehen könnte. Aber die 1,5 Stunden mussten ausreichen, um „Deliver Us“, „Voices“, „The Quiet Place“, „Meet Your Maker“, usw. zu spielen. Auch bei dieser Songauswahl gab es natürlich unterschiedliche Wünsche und Erwartungen im Publikum. Bei  „Cloud Connected“ (was irgendwie so was wie einen Jahrhundert-Hit darstellt) waren sich aber alle einig.

Diesen Song kannte jeder Metalhead in und auswendig, sodass die Erde bebte!

Anders Friden wußte die Begeisterung des Publikums zu würdigen und bedanke sich mehrfach für die Eurphorie, für die großartige Crowd (das Infield war brechend voll) und natürlich für das großartige Festival. Dann nicht nur das WOA hatte mit seiner

35sten Austragung Jubiläum, In Flames standen am heutigen Abend zum 10. Mal auf einer der Bühnen des heiligen Ackers. Mit „Only For The Weak“, „Trigger“, „Alias“, „The Mirrors Truth“, etc. und dem Schluss-Song “Take This Life” ging die Jubiläums-Show der Göteborger zu Ende.

© Toni Gunner
THY ART IS MURDER
20:45-21:45 Uhr

Nach diesen zwei etwas enttäuschenderen Auftritten großer Bands (Lamb Of God & Arch Enemy) muss ich mir meinen Kopf freipusten lassen. Deathcore steht auf dem Zettel in Form von THY ART IS MURDER, und "Who the fuck is Jerry Grimefeld?" steht auf dem Shirt des Sängers. Und selbiger ist NICHT Tyler Miller, sondern: Jerry Grimefeld. Der australische Rapper und Sänger hat bereits zum Tourauftakt die Band komplettiert, aktuell kursieren Trennungsgerüchte mit bisherigem Frontmann Tyler Miller, diese wurden seitens der Band oder des Sängers bislang aber weder bestätigt noch dementiert. Mit Jerry Grimefeld hat man jedenfalls einen Mann am
Mikrofon, der mit dem Publikum spielen kann und seine kleinen "Sklaven" dazu bewegt, dass alle ihre "Gunfinger" in die Luft heben (und auch nicht herunter nehmen dürfen, bis er es sagt). Stimmlich brutal, die Band ultrabrutal, mit einem der schnellsten Drummings, die das Wacken
Open Air dieses Jahr zu hören bekommen hat. Grimefeld hat sichtlich Spaß, hüpft von einer Ecke in die andere und ist kaum müde zu kriegen. Mit einem schelmischen Grinsen verkündet er auch mehrfach, dass er das Publikum liebt. Sollte er derjenige sein, der dauerhaft den Posten
am Mikrofon übernimmt, hat die Band zumindest für die Live-Situation einen guten Fang gemacht. Und wie hoch sind bitte die Feuersäulen, die auf der Louder Stage in die Luft geblasen werden? Eine coole Performance, die durch die Geschwindigkeitsrekorde von Schlagzeuger
Jesse Beahler so manchen fassungslos hinterlassen haben dürften.

Setlist:
Blood Throne
The Purest Strain Of Hate
Death Squad Anthem
Make America Hate Again
Slaves Beyond Death
Holy War
Godlike
Killing Season
Join Me In Armageddon
Keres
Puppet Master
They Will Know Another
Reign Of Darkness

Redakteur:  Matthias Brandt

Freitag

CHAOSBAY
Wasteland / 16:00-16:45 Uhr
Liebe Organisatoren, die für die Belegung der Bühnen zuständig sind: Wir müssen reden! Wie kann es sein, dass CHAOSBAY zu einer solchen Uhrzeit auf der Wasteland Stage spielen? Zumindest W:E:T oder Headbangers Stage hätten es gerne sein können, das hätte da mindestens genauso gut funktioniert. CHAOSBAY aus Berlin ist es scheinbar ziemlich egal, wo
genau sie stehen. Wie sie selbst sagen, haben sie zuletzt im Landgasthof vor 20 Leuten gespielt, und ich drücke ihnen die Daumen, dass der Bericht gelesen wird und sie bald wieder unter Beweis stellen dürfen, dass sie in der Lage sind, auch die größeren Bühnen zu bespielen.
Moderner, progressiver Metalcore ballert von der Bühne, die Berliner Truppe begeistert nicht nur mit dem Wechselspiel aus obligatorischen Growls und Cleangesang, letzterer wird auch harmoniesicher mehrstimmig präsentiert. Instrumental eine absolute Brachialgewalt und mit einem unfassbar tighten Schlagzeuger macht das einfach nur Spaß. Und den hat die Band auf vielen Ebenen. Sei es eine kurze Magic-Partie mitten im Set (mit anschließendem Booster-Pack-Verteilen in der Menge), oder die "organisatorischen Punkte": Die Band sei darauf hingewiesen worden, dass sie AUF KEINEN FALL einen Circlepit ansagen sollen, also bitte, liebes Publikum, macht das im nächsten Song auf gar keinen Fall. Wenig später erinnert sich der Frontmann, er habe da auf der Wiese was verloren, es sollen bitte alle mal Platz machen und suchen... Schöner wurde eine Wall Of Death nie angekündigt. Mit 'Message In A Bottle' gibt es sogar noch
eine coole Version des The Police-Songs als Cover. Das war fett, das war krass, das war... auf der völlig falschen Bühne zur völlig falschen Zeit!

Setlist:
Money
Passenger
How Does It Make You Feel?
What Is War
Y
The Prophet
All This Beauty Can´t Be Real
Message In A Bottle
Maniac In The Mirror
Are You Afraid?
Redakteur:  Matthias Brandt
EMPEROR
22:45-0:00 Uhr

Gibt es etwas, was über EMPEROR noch nicht berichtet wurde? Ihsahn hat Drummer Faust und Bassist Mortiis aus der Versenkung geholt und zelebriert mit ihnen eine erneute Live-Reunion, bei der sie in erster Linie die selbstbetitelte EP Emperor spielen. Die Band ist schon seit jeher eine meiner liebsten Blackmetal-Bands, da sie neben der nordischen Kälte und Unbarmherzigkeit auch atmosphärische Elemente, Cleangesang und experimentelle Sachen in ihr Songwriting packen, was ein absolutes Alleinstellungsmerkmal ist, nichtsdestotrotz darf man natürlich auch nicht vergessen, dass die Band in ihrer frühen Phase durchaus kontrovers
diskutiert wurden und da am Schlagzeug ein verurteilter Mörder sitzt (der seine Haftstrafe abgesessen hat und, so hoffe ich doch mal, seine Tat bereut).
Die Musik spricht hier aber ungeachtet dessen für sich, und es gelingt der Band, die Eszenz von Blackmetal auf den Punkt zu bringen und auf das Publikum zu übertragen. Ihsahn scheint dem Genre zwar gedanklich schon lange entwachsen zu sein, trotzdem ist klar erkennbar, welche Bands ohne das Schaffen von EMPEROR heutzutage gar nicht erst existieren würden. Wegen Bandüberschneidungen kann ich das Konzert leider nicht in Gänze sehen, aber ich bin mal wieder beeindruckt, wie professionell und musikalisch Blackmetal sein kann.

Setlist:
Into The Infinity Of Thoughts
In The Worldless Chamber
With Strength I Burn
The Loss And Curse Of Reverence
An Elegy Of Icaros
Inno A Satana
I Am The Black Wizards
Wrath Of The Tyrant
Night Of The Graveless Souls
Cosmic Keys To My Creations & Times

Redakteur:  Matthias Brandt
© Susann Brandt
SKYND
23:45-0:45 Uhr

Was nun folgt, ist auf so vielen Ebenen verstörend. SKYND aus Australien inszenieren musikalisch diverse Morde, die Songs sind nach Mördern oder Mordopfern benannt, Sängerin Skynd tritt mit einer fast schon grotesken Maskerade auf, ebenso der Multiinstrumentalist Father, der hier am Bass steht. Unterstützt wird das Duo durch einen Live-Schlagzeuger und jeder Menge Backing Tracks vom Band. Aber wie genau beschreibt man das, was da passiert? Eine wilde Mixtur aus Sleep Token, Barbie, Nina Hagen und den Spice Girls vielleicht? Drückende, hauptsächlich elektronische Musik, die nur selten Gitarrenklänge erfährt, und bei der sich alles, aber auch wirklich alles um die Darbietung von Frontfrau Skynd dreht, die sich wie
eine Aufziehpuppe bewegt und permanent mit einem Effekt auf der Stimme arbeitet, bei dem man die Original-Stimme höchstens erahnen kann. SKYND zeigen auf der Bühne keinerlei Gefühlsregungen, die Show ist perfekt eingeprobt, wie ein Theaterstück, jede Textzeile hat ihre klar eingeübten Arm- und Beinbewegungen, eine festgelegte Kopfhaltung, ein festgelegter Blick, hier bleibt nichts dem Zufall überlassen. Lediglich die hektischen Zeichen in Richtung Mischer, dass das InEar-Monitoring lauter muss, gehören nicht zur Choreographie, gehen aber zunächst auch vom Mischer unbemerkt unter, bis Skynd schon deutlich erbost erneut Zeichen gibt. Das Publikum ist fasziniert, kann sich von dieser hypnotischen Darbietung kaum lösen. Irgendwie hat man das Gefühl, dass das auf diesem Festival deplaziert ist, aber man kann sich kaum dem Sog entziehen. Das, was da aus den Boxen strömt, wirkt auf seine eigene Art bedrohlich. Das ist einzigartig und etwas Neues. Metal, der irgendwie doch keiner ist. Elektronische Musik, die wie Metal wirkt. Einzigartig, aber wie gesagt, verstörend. Ich bin auf eine gewisse Weise froh, als das Set vorbei ist und ich den kalten Schauer, der sich über meinen Rücken gelegt hat, abschütteln kann.

Setlist:
Michelle Carter
Edmund Kemper
Columbine
John Wayne Gacy
Jimmy Savile
Mikhail Popkov
Tamara Samsonova
Aileen Wuornos
Jim Kones
Gary Heidnik
Tyler Hadley

Redakteur:  Matthias Brandt
Running Wild
23:15-00:45 Uhr, Faster Stage

Rolf Kasparek, bzw. Rock´n´Rolf, oder auch der Erfinder des Piraten-Metal hatte sich dazu entschlossen, pünktlich nach seinem 65. Geburtstag in die Metalrente zu gehen. Kaum zu glauben, dass am heutigen Abend die letzte Schlacht geschlagen wird und es keine weiteren Eroberungen mehr geben wird. Selten kündigt eine Band den offiziellen Schlussstrich an und bringt dazu eine (wahrscheinlich tatsächlich) finale Show in Wacken auf die Bühne. Wie müssen sich wohl alle beteiligten gefühlt haben? Drummer Michael Wolpers konnte es vermutlich kaum in Worte fassen, dass man trotz dermaßen voller Hütte nach 00:45 Uhr nie mehr so zusammen auftreten würde. Aber alles hat nun mal ein Ende. Für die Fans der Hamburger Piraten-Legende allerdings der Moment, nochmal ein Best-Off Programm erleben zu dürfen. Und das hatte es in sich. Ob Klassiker der ersten Stunde oder die Piratenhits, nebst noch nie live gespielter Songs. Es war fast alles dabei.

Auch bei Running Wild gab es (wie bei so vielen Bands auf diesem Festival) einen keinen Gastauftritt. Alea und Elsi von Saltatio Mortis eröffneten mit ihren Dudelsäcken die Show zum ersten Song „Bad To The Bone“.

„Genghis Khan“, „Branded And Exiled“, “Soulless“ und natürlich “Under Jolly Roger” waren weitere der Songs aus dem Set, welches (selbstverständlich und bewusst) viel zu früh zu Ende war, um die Fans nach Zugaben rufen zu lassen. Die gute alte 80er Jahre Methode halt. Aber genauso wie das Drumsolo von Michael Wolpers, gehörte das Abfeiern der Zugaben dazu. „Stick To Your Guns“, „Raise Your Fist“ und der Hit „Conquistadores“ waren dann die wirklich letzten Live-Songs der Ära Running Wild.

Das von Twilight Cheffe Marcel Hübner gewünschte 11 Minuten Epos „Treasure Island“ wurde leider nicht gespielt, da es den zeitlichen Rahmen sicherlich überschritten hätte.

Einen kleinen Trost gab Rolf Kasparek aber in einem Interview an anderer Stelle noch mit auf den Weg: es wird zwar keine Live-Shows mehr geben, aber er wird weiterhin im Studio an Musik arbeiten. Da sind wir mal gespannt…

Alcest
01:00-02:00 Uhr, Headbanger Stage
Keine Boxenwände, keine Videoleinwand, keine Pyros und keine großen Ansagen. Eine schlichte eher „Metal-untypische“ Bühnendeko und ein Musikstil, zu dem man vielleicht erst finden muss, um ihn zu mögen. Aber Alcest aus dem schönen Avignon sind dafür bekannt, dass sie keinen traditionellen Metal spielen, sondern eher das Spirituelle und Epische vertreten. Sänger Stéphane „Neige“ Paut besticht durch seinen eher zurückhaltenden und leisen Stil Ansagen zu machen und ebenso beim Gesang die getragenen Töne sprechen zu lassen. Immer begleitet durch die Live-Musiker Pierre Corson und Idria Saray und natürlich den festen Drummer Jean Deflandre. Trotz der sehr späten Spielzeit wussten zahlreiche Metalheads den Klängen in französischer Sprache zu folgen und standen teils verträumt vor der Headbanger Stage. Auch Alcest haben in ihrem Genre schon einige Songs vorzuweisen, die in der Szene nicht ganz unbekannt sind. Wobei natürlich aufgrund der Songlängen bei nur 8 Titeln die Auswahl sehr bedacht sein muss. Aber dennoch gelang es den Franzosen nicht nur aus den drei letzteren Alben Songs wie „Protection“, „Flamme Jumelle“ oder „Kodama“ zu spielen, auch vom 2010er Album Ecailles De Lune wurde „Ecailles De Lune – Part 2“ gespielt oder „Autre Temps“ vom Nachfolgeralbum. Ein schöner träumerischer Abschluss dieses intensiven Festival-Tages.
Redakteur:  Burkhard becker
ALCEST
1:00-2:00 Uhr

Deutlich versöhnlicher endet der Abend auf der benachbarten Bühne mit der französischen AmbientRock/Blackgaze-Band Alcest. Weiße Leinenbahnen hängen von der Traverse, eine runde Scheibe (die später durch Ausleuchtung wie der Mond aussieht) bestimmt das Bühnenbild, an mehreren Stellen der Bühne sind Dünengräser aufgestellt, alles wirkt wie eine
Dünenlandschaft an einem warmen Sommerabend. Mit ihrem atmosphärischen Sound und den breiten Klangteppichen, die die Band ausrollt, fühlt man sich schon bald wie in einem schönen Traum eingelullt, friedlich von der Musik umarmt. Dass hier teilweise auch harte Screams und Growls zu hören sind, geht dabei nahezu unter, zu bezaubernd ist das restliche
Drumherum. Die Ansagen der Band sind hierzu passend absolut bescheiden, fast schon kleinlaut, und keinesfalls von Starallüren besetzt. Man freut sich, hier sein zu dürfen, man freut sich über das Publikum, und das Publikum nimmt die tolle Atmosphäre dankbar auf. Ein absoluter Wohlfühl-Auftritt, bei dem die größte "Schrecksekunde" der Moment ist, bei dem man aus seinen Träumen gerissen wird, weil das Konzert vorbei ist. Wer ALCEST noch nie Live erlebt hat, sollte das unbedingt schnellstens nachholen, um wirklich nachvollziehen zu können, was ich hier zu beschreiben versuche.Die Songauswahl ist für diesen Abend perfekt, und ich kann mir als Abschluss für den Tag kein besseres Konzert vorstellen.

Setlist:
Protection
Sapphire
Écailles De Lune - Part 2
L´Envol
Flamme Jumelle
Kodama
Eclosion
Autre Temps

Redakteur:  Matthias Brandt
TRIPTYKON
22:45-0:00 Uhr

Thomas Gabriel Fischer ist mit seiner ehemaligen Band Celtic Frost einer der Urväter des Black & Death Metal gewesen. TRIPTYKON gehen zwar auch düstere Wege, sind in der Regel aber deutlich atmosphärischer und mehr dem Doom verschrieben. Mit dieser Erwartung gehen wir in das für uns letzte Konzert des diesjährigen Wacken Open Air.
Die Bühne ist mit Feuerschalen ausstaffiert, die Band betritt die Bühne und es ertönt: Circle Of The Tyrants! Der Song wurde bereits erfolgreich von Obituary gecovert, ist ohne jeden Zweifel ein toller Song, aber: es ist nicht TRIPTYKON, sondern Celtic Frost. Die sind zwar Kult, aber nicht zwingend gut. Auch der zweite Song ist ein Celtic Frost Song, gefolgt von einem Wall Of Voodoo-Coversong. Meine Laune ist im Keller. Es folgen nun zwar ENDLICH TRIPTYKON-Songs, aber jetzt bin ich bockig und will auch nicht mehr. Nach drei Songs geht es weiter mit Celtic Frost, und das ist der Augenblick, wo wir uns von der Bühne in Richtung Ausgang bewegen. So bekommen wir zwar noch das restliche Set mit, aber drehen der Bühne und damit auch dem Wacken Open Air den Rücken zu.

Setlist:
Circle Of The Tyrants
Into The Crypts Of Rays
Mexican Radio
Goetia
Shatter
Demon Pact
Progeny
A Dying God Coming Into Human Flesh
Aurorae
Messiah
Synagoga Satanae

Redakteur:  Matthias Brandt

Samstag

NEVERMORE
15:00-16:00 Uhr

Die Wacken Geschichte ist zu Ende geschrieben. Klappe zu, Feierabend. Alles, was nach NEVERMORE noch auftritt, ist irrelevant. Festival muss nicht mehr wiederholt werden. Meine Gitarren werde ich demnächst einfach verkaufen. Was bitte war das denn? Die Audition-Videos vom neuen Sänger Berzan Önen hatten schon viel erwarten lassen, aber darauf war ich nicht
gefasst. Von der ersten bis zur letzten Sekunde habe ich Schwierigkeiten, nicht über meinen Unterkiefer zu stolpern, komme aus dem Staunen nicht heraus, einzig mein Kopf möchte die ganze Zeit bangen (zum Glück habe ich genug Selbstbeherrschung, um nicht komplett auszurasten, das würde mein Nacken mir wohl nie verzeihen). Die Setlist ist klasse, man darf sich über Songs wie Inside Four Walls oder Believe In Nothing freuen. Berzan Önen hat es nicht nur geschafft, die großen Fußstapfen von Warrel Dane auszufüllen, mir scheint, der gute Mann hat Hobbitfüße und ragt über die Fußspuren hinaus. Eine kurze Stimmübung für das Publikum beweist, dass er nicht nur eine kraftvolle Stimme in seinen Wohlfühl-Tonlagen hat, sondern mit mongolischem Gesang unglaublich tief kommt und ebenso schrill in die Höhe ziehen kann.
Jeff Loomis hat bei Arch Enemy ohnehin nur Bruchteile seines Könnens zeigen dürfen, und auch der zweite Mann an der Gitarre, Jack Cattoi, ist absolut perfekt eingespielt. Die solide Basis dazu bieten Schlagzeuger Van Williams und der Bassist Semir Özerkan. Ungelogen: ich habe in meinem ganzen Leben kein besser gespieltes Konzert gesehen, und auch, wenn Önen ein unglaublich sympathischer Kerl ist, hätte ich außer der Musik gar nicht viel mehr benötigt. Wehe, wenn diese Band anfängt, große Bühnenproduktionen aufzufahren. Aus meiner bescheidenen Sicht DAS Konzert auf dem Wacken Open Air 2026, das man gesehen haben muss.

Setlist:
Beyond Within
Inside Four Walls
Engines Of Hate
My Acid Words
Born
Believe In Nothing
Narcosynthesis
Moonrise (Through Mirrors Of Death)
Enemies Of Reality
The River Dragon Has Come

Redakteur:  Matthias Brandt
LAMB OF GOD
16:15-17:15 Uhr

Eigentlich hatte ich mich auf LAMB OF GOD gefreut, aber nach dem Feuerwerk, was Nevermore da gerade abgefackelt haben, kann jede nachfolgende Band nur verlieren. Randy Blythe und seine Truppe geben alles, sind absolut tight, der Sound ist knackig... An jedem anderen Tag
hätte mich die Band vermutlich abgeholt... Nicht so heute. Der Funke springt (zumindest bei mir) nicht über, und wenn ich so über den Acker schaue, würde ich auch sagen, dass sich die Reihen zunächst einmal gelichtet haben. Das ist sicherlich alles absolut solide, was die Band da leistet, kann den Zauber, der nach Nevermore auf mir liegt, aber nicht brechen. Nach dem vierten Song verlasse ich das Feld, um mich noch einmal für die letzten Bands zu sammeln und die letzten Reserven nach 4 1/2 Tagen Festival zu mobilisieren.

Setlist:
Ruin
Laid To Rest
Into Oblivion
Resurrection Man
Blunt Force Blues
512
Walk With Me In Hell
Parasocial Christ
Omerta
Memento Mori
Redneck

Redakteur:  Matthias Brandt
Hardline
W.E.T. Stage / 17.00 Uhr - 17.45 Uhr

Wieder ein Slot, auf den ich mich richtig gefreut habe.

Eigentlich wollte ich Hardline bereits auf ihrer Tour im Herbst sehen. Doch dann wurden die Termine abgesagt. Umso größer war die Freude, dass der Wacken-Termin bestehen blieb. Also hieß es: auf nach Wacken und endlich Hardline live erleben!

Hardline wurden bereits 1991 von Johnny und Joey Gioeli in Los Angeles gegründet. Musikalisch bewegte sich die Band damals in einem Sound, wie ihn viele der großen Hair-Metal-Bands dieser Zeit pflegten: eingängiger Hard Rock, viel Melodie, Pop-Appeal und jede Menge Keyboard.

Was Hardline allerdings von vielen anderen Bands dieses Genres unterscheidet, ist diese eine Stimme: Johnny Gioeli.

Der Ausnahmesänger bringt nicht nur eine unglaubliche Stimme mit, sondern auch eine spürbare Leidenschaft für die Musik. Seit 1998 verdient er seine Brötchen bekanntlich auch als Sänger bei Axel Rudi Pell. Und genau diese Klasse stellt er auch bei Hardline eindrucksvoll unter Beweis.

2011 kam noch einmal Bewegung in die Band und es folgten Umbesetzungen. Die heutige Formation hat sich inzwischen etabliert. Und Hardline sind keineswegs nur eine Band, die von ihrer Vergangenheit lebt. 2026 wurde mit „Shout“ sogar ein neues Album eingespielt.

Und genau damit ging es in Wacken auch los:

„Rise Up“ eröffnet den Auftritt – und was für ein Einstieg! Eine echte Gute-Laune-Abgehnummer, die sofort funktioniert. Dazu ein perfekter Sommerabend in Wacken. Besser kann man sich diesen Auftritt kaum wünschen.

Und dann natürlich dieser Gesang!

Johnny Gioeli steht völlig zu Recht im Ruf, zu den besten Sängern dieses Genres zu gehören. Er ist und bleibt der Mittelpunkt des Hardline-Auftritts. Kraftvoll, emotional und mit dieser unverwechselbaren Stimme, die den Songs ihren ganz eigenen Charakter gibt.

Dazu kommen wunderschöne Hooks, breite Keyboard-Sounds und fette Gitarrenlicks. Hardline liefern genau das, was man sich von einer solchen Band wünscht: melodischen Hard Rock mit ordentlich Druck, ohne dabei die großen Melodien aus den Augen zu verlieren.

Natürlich dürfen auch die Klassiker nicht fehlen. Hardline spielen Songs vom legendären Debüt „Double Eclipse“ aus dem Jahr 1992 und verbinden diese mit Material vom aktuellen Album „Shout“.

Eine Mischung, die richtig gut funktioniert.

Für mich ein sehr gelungener Auftritt und einmal mehr die Bestätigung, warum Hardline auch nach all den Jahren noch ihre Berechtigung auf einer großen Festivalbühne haben.

Und sollte es tatsächlich noch Nachholtermine für die ausgefallene Herbsttour geben, steht für mich schon jetzt fest:

Ich bin dabei !

Sellist: 

    • Rise Up
      • Dr. Love
        • When You Came Into My Life
          • Danger Zone
            • Life's a Bitch
              • Hot Cherie
              • Rhythm From a Red Car 
                AD INFINITUM
                18:30-19:30 Uhr

                Ebenfalls nur kurzweilig begeistert bin ich von AD INFINITUM, die mit ihrem ultratief gestimmten Powermetal meets Djent grundsätzlich in eine spannende musikalische Kerbe hauen, den Spannungsbogen aber nicht lange genug halten können. Nach drei bis vier Songs stellt sich das Gefühl ein, dass man nun alles gesehen und gehört hat, auch wenn man der Band damit ggf. nicht gerecht wird. Was ich aber noch positiv vermerken kann, ist ein begeistert mitmachendes Publikum sowie die Tatsache, dass AD INFINITUM musikalisch so weit ab von typischen Klischee-Sounds sind, dass ich mich danach zwar nicht mehr unbedingt an eine Hook oder einen Refrain erinnern kann, wohl aber daran, dass mir die Band durchaus gefallen hat und eben NICHT so klingt wie zig andere Bands.

                Setlist:
                Upside Down
                Aftermath
                Follow Me Down
                Anthem For The Broken
                Dead End
                Somewehere Better
                Outer Space
                Surrender
                Animals
                The One You´ll Hold On To
                My Halo
                Regicide
                Unbreakable
                Into The Night

                Redakteur:  Matthias Brandt
                ARCH ENEMY
                19:00-20:30 Uhr

                Die nächste Band, auf die ich mit Spannung gewartet habe, ist ARCH ENEMY. Ebenfalls wie Nevermore, der Band von ihrem Ex-Gitarristen, stehen Michael Amott & Co. nun mit ihrer neuen Frontfrau Lauren Hart auf der Bühne. Die Sängerin hat zuvor bei Once Human einen sehr soliden Job gemacht, da kann doch eigentlich nichts schief gehen, oder? Scheinbar hat sie die Vorgabe, mit ihrem stimmlichen Talent auf keinen Fall mehr Vielfalt zu zeigen als Angela Gossow oder Alissa White-Gluz vor ihr, und bedauerlicherweise hält sie sich auch daran. Das führt allerdings unweigerlich zu direkten Vergleichen, und hierbei betritt sie das Treppchen auf einem soliden dritten Platz. Das fauchige Gekreische klingt wie eine Garten-Lötlampe, mit der man Unkraut verbrennt, und ich vermute, dass mein Unkraut zu Hause auch vor Angst eingehen würde, wenn
                sie es anschreien würde. Als bekennender Angela Gossow-Fan hätte ich es ihr wirklich gegönnt, aber ich muss eingestehen, dass Lauren auch Alissa nicht das Wasser reichen kann. Und was ich überhaupt nicht verstehen kann: wieso wird denn der Song, der ihr "auf den Leib geschrieben
                wurde", nämlich 'To The Last Breath' gar nicht erst gespielt? Vermutlich hat sich Amott gedacht, es sei wichtiger, die großen Hits aus früheren Zeiten zu spielen und der Menge zu zeigen, dass Lauren auch das kann, aber irgendwie hat das nicht direkt geklappt. Mit etwas mehr Abstand
                werde ich der Band irgendwann noch einmal eine Chance einräumen, so bin ich aber gespannt, was die für nächstes Jahr angekündigten Blue Medusa reißen können.

                Setlist:
                Yesterday Is Dead And Gone
                The World Is Yours
                Ravenous
                War Eternal
                My Apocalypse
                Blood Dynasty
                Under Black Flags We March
                No Gods, No Masters
                Dead Bury Their Dead
                Blood On Your Hands
                We Will Rise
                Nemesis
                Fields Of Desolation

                Redakteur:  Matthias Brandt

                Samstag

                Powerwolf

                Die Wölfe aus dem Saarland hatten ein weiteres Mal auf dem Holy Ground zur heiligen Metal Messe eingeladen. Die Entwicklung der Band ist schon spektakulär und die Gastspiele auf dem heiligen Acker ebenfalls: seit 2008 beehren sie das WOA nun zum 6. Mal und jetzt endlich als Headliner. Mit opulenten Bühnenbauten, einer wahnsinns Lichtshow inkl. Feuersäulen und anschließendem Feuerwerk wurde die Meute in den Bann gezogen. Viele Showelemente waren zwar aus vorangegangenen Konzerten bekannt, aber die Menge und Darbietung waren doch wieder „high end“ und wurden durch einige Neuheiten nochmal gesteigert. Dass sich Powerwolf zu einem echten Headliner entwickelt haben, konnte man an den Bildern des Infields sehen: Metalheads soweit das Auge blicken konnte. Ich denke, dass ein solcher Anblick selbst für Erfahrene Musiker überwältigend sein muss. So sicherlich auch für Gitarrist Dom R. Crey (Nothgard, Ex-Equilibrium, im Moment auch Live Bassist bei Lord Of The Lost), der in den letzten Monaten auf der „Wake Up The Wicked Tour“ Matthew Greywolf vertreten hat und auch jetzt wieder vor dieser außergewöhnlichen Kulisse spielen durfte. Sänger Attila Dorn wurde natürlich wieder durch Aktionen von Keyboarder Falk Maria Schlegel unterstützt und führte die Jünger wie der Messias himself durch die Prozession und zeigte allen, dass Power Metal noch lange nicht Out ist. Man muss es nur richtig verpacken und mit einer eigenen Performance rüberbringen. Das alles gelang Powerwolf mehr als perfekt!

                „Bless´em With The Blade“, „Army Of The Night“, „We Drink Your Blood“, „Where The Wild Wolfes Have Gone”, (um nur ein paar der Mitsing-Songs zu nennen) wurden zelebriert und natürlich durfte es auch Zugaben geben, für die man sich „Sanctified With Dynamite“ oder „Werewolfes Of Armenia“ aufgehoben hatte, um die Menge nochmal richtig zum Toben zu bringen.

                © Toni Gunner
                Hackneyed
                23:00-00:00 Uhr, Wasteland Stage
                Die undankbare späte Spielzeit und das Ende des Festivals führten leider dazu, dass sich die Anzahl der Fans vor der Wasteland Stage in Grenzen hielt. Sehr schade, da sich Hackneyed nach über 10 Jahren Pause entschlossen haben, wieder auf die Bühne zurück zu kehren. Die ehemalige Schülerband, die einst als die jüngste Death Metal Band Deutschlands bezeichnet wurde und 2016 im Oktober nach 10 Jahren Bandgeschichte ihr Abschiedskonzert spielte. Ein super aufgelegter Philipp Mazal  freute sich jedenfalls riesig, mit der Band wieder unterwegs zu sein und an dieser Stelle auf dem WOA seine Shouts in die Menge brüllen zu dürfen. Und so scherzte er sinngemäß, dass zwar die Haare ab sind und sich andere altersbedingte Gebrechlichkeiten eingestellt haben, aber die Jungs wieder Bock haben. Und tatsächlich haben doch viele Metalheads die Songs der Jungs aus Abtsgmünd nicht vergessen und moshten ordentlich mit. Zum Glück wurde der Platz vor der Bühne dann doch noch voller, sodass die Rückkehr auf das WOA ein voller Erfolg war.