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Interviews

Fünf Typen, die Blut und Bier ausschwitzen - Blessed Child im Interview

(c) FH-Eventfotografie

Ich gestehe, dass ich gerne in Seifenblasenmaschinen pisse und Einhorn-Kostüm-Trägern gerne mal den falschen Weg zum Bahnhof erzähle.
Steve äußert sich zu ungewöhnlichen Hobbys und Festival-Aktivitäten.

Fünf Typen, die Blut und Bier ausschwitzen - Blessed Child im Interview

Die Eintracht hat die Roten aus Hannover gnadenlos vom Platz geputzt und im November gibt es wieder einen Grund zum Feiern, denn dann veröffentlichen BLESSED CHILD ihren dritten Longplayer „Kingdom of Storms“. Dieses Ereignis wird am 6.11. gebührend im B58 in Braunschweig gefeiert. Wir haben uns bereits im Vorfeld mit der Band ausgetauscht. Frontmann Steve, Gitarrist Marco sowie Basser Linne standen und Rede und Antwort.

Was ist an „Kingdom of Storm“ besser als an den Vorgängern?

Steve: Im Grunde ist es eine konsequente Weiterführung von dem, was wir mit Crossing begonnen haben. Nach dem „Burning“ Album hatten wir ja einen Line-up-Wechsel am Bass und beim Nachfolger „Crossing The Pit“ hat man schon gemerkt, dass wir eine Schippe draufgelegt haben, was die Intensität angeht. Dieses Gefühl wollten wir gerne beibehalten und noch erhöhen bzw. verstärken.

Marco: Nach „Burning“ war ich natürlich auch auf einmal mehr oder weniger allein für das Songwriting verantwortlich. Zudem habe ich einen etwas anderen, sprich härteren, musikalischen Background als Holger (ex-Mitglied, Bass). Daher wirken „Crossing“ und jetzt auch das neue Album kompositorisch wesentlich stringenter.

Steve: Deswegen ist wahrscheinlich die Geschwindigkeit diesmal auch etwas höher und im Großen und Ganzen klingt es vielleicht etwas härter. Passt wahrscheinlich auch gerade gut zu den derzeitigen Dingen, die in der Welt so geschehen.

Ein Flugzeugwrack, ein Schiffswrack und nun ein Luftschiff, das von Blitzen getroffen wird und durch einen Sturm manövriert. Warum habt ihr so häufig Fortbewegungsmittel auf euren Covern? Und was hat es mit dem Luftschiff auf sich, das ja neben einem Hinweis auf „Blessed Child“ auch ein Skelett zeigt?

Steve: Von Anfang an war klar, dass wir, was das Cover angeht, einer gewissen Tradition folgen wollten. Früher gab es unglaublich tolle Artworks und ich gebe zu, dass ich oftmals Alben gekauft habe, nur aufgrund der tollen Cover. Ich finde bis heute, dass Musik mit einem tollen Artwork bzw. Layout unterstützt werden sollte. Es macht das Ganze richtig rund und trägt viel dazu bei, dass es intensiver wirkt. Ich liebe IRON MAIDEN – „Somewhere In Time“ – und selbst heute kann ich mich noch in dem Cover verlieren, während ich die Musik dazu höre. Bei uns geht es gar nicht so sehr um die Fortbewegungsmittel, sondern eher darum, dass sie in einem Stadium dargestellt werden, das den Verfall zeigen sollte. Bei der „Monolith“-E. P. war es ein schwerer Seekreuzer, der gesunken ist mit Namen Monolith, bei der „Burning Shade“ waren es Flieger, die abgestürzt in der Sonne verrotten, bei der „Crossing The Pit“ haben wir das Ganze dann zusammengeführt, um es quasi zu beenden. Das Skelett hat unser Zeichner Markus Vesper eher zufällig bei der ersten E. P. eingebaut und ich fand das so cool, dass ich ihn gebeten habe, es bei den nächsten Motiven auch einzubauen. Das Luftschiff ist aus einer Idee entstanden, die Marco und ich irgendwann mal hatten, als es darum ging, wie das neue Album heißen sollte und was ein cooles Cover werden könnte.

Marco: Tatsächlich bezieht sich der rote Faden, den wir beim Coverdesign verfolgen, im Großen und Ganzen auf Farben, Elemente und Kriegsgeräte. Gar nicht mal so sehrauf Fortbewegungsmittel als solche. Neben den vollkommen unterschiedlichen Farben wollten wir mit den (kaputten) Kriegsgeräten auch so ein wenig auf die Vergänglichkeit und Anfälligkeit selbst von solch dominierenden Sachen wie Schlachtschiffen, Panzern und Flugzeugen anspielen. Ok, der Zeppelin von „Kingdom“ fliegt zwar noch, aber was nicht ist, kann ja noch werden …

Ich finde das Cover zu „Kingdom of Storm“ sehr gelungen. Unten in der Ecke ist klein MV2016 verzeichnet. Wer steckt denn dahinter und ist das Bild tatsächlich aus 2016?

Marco: Nein, natürlich nicht! Hoffe ich doch zumindest, ansonsten müssten wir mit unserem Coverdesigner nochmal sprechen. :-) Möglicherweise hast du irgendwie eine Vorabversion in die Hände bekommen. In der endgültigen Variante ist alles in Ordnung. 

Da haben mir wohl meine Augen einen Streich gespielt. Ihr habt für eure Singles „As I Lie Down To Die”, „Rats of Sodom” und auch „Kingdom of Storms“ eigene Artworks erstellt. Ich tippe mal, dass diese mit KI entstanden sind. Verständlich, da es sonst wohl kaum zu finanzieren wäre. Aber wir erinnern uns mal an den Shitstorm, den Grave Digger für ihr letztes Albumcover bekommen haben. Mittlerweile flattern mir immer mehr Alben mit offensichtlichen KI-Artworks auf den Tisch – hat sich der Sturm also mittlerweile gelegt und hat sich KI als Tool im Heavy Metal etabliert?

Steve: Ich sehe das mit KI etwas differenzierter als die oftmals gängige Meinung. KI ist in bestimmten Fällen ein tolles Hilfsmittel, genau wie es andere Tools auch sind. Unsere Singles sind nur temporär erhältlich und von daher würde es kaum Sinn ergeben, dafür mehr zu machen als ein KI-Bild. Genau dafür benutzen wir es aber auch gerne und ohne schlechtes Gewissen. Wenn wir etwas Physikalisches veröffentlichen, kommt KI nicht in Frage, darüber gibt es bei uns auch keine Diskussion.

Marco: Richtig! KI kann und sollte immer nur unterstützend eingreifen, zumindest wenn man ernsthaft künstlerisch tätig ist. Du wirst nie ein Vinyl von uns den Händen halten, wo das Cover nicht mit Schweiß, Bier, Tränen und Einhornblut gefertigt wurde.

BLESSED CHILD sind euer Hobby. Ihr habt bislang alles in Eigenregie gemacht und auch dieses Mal gibt es neben der CD eine Vinyl-Version und sogar ein Tape – und natürlich auch ein T-Shirt. Wie kostenintensiv ist so ein Hobby mittlerweile? Und wie lässt sich das finanzieren?

Steve: Vom Prinzip her trägt die Leidenschaft sehr viel, den Rest erledigt dann der in der Band, der am meisten Geld überhat. Mittlerweile haben wir Wege gefunden, dass wir eine halbwegs funktionierende Finanzierung hinbekommen, geht aber trotzdem nur mit Engagement einzelner Personen.

Marco: Hat viel mit Vorkasse zu tun. Anschließend versucht man als Band natürlich vieles, um nicht auf den Kosten sitzen zu bleiben.

Wie bekommt ihr es hin, eine LP für 20 Euro anzubieten, wenn große Labels für Re-Releases alter Kamellen heute oft 40€ oder mehr aufrufen und das mit hohen Produktionskosten rechtfertigen?

Marco: Persönliches Engagement bei der Recherche für die Produktion und das Wissen, seinen Kühlschrank nicht von den Verkäufen füllen zu müssen. Keine Band MUSS eine Vinyl für 25 oder 30€ anbieten. Es sei denn, sie müssen davon leben oder kriegen die Preise vom Label diktiert.

Steve: Die Frage müsste man anderen stellen, wir kriegen es hin. Ich gebe aber zu, dass es bei uns nicht darum geht, große Gewinne einzufahren. Wir gehen auf Plus/Minus Null.

Linne: Der Unterschied liegt in der grundsätzlichen Kostenstruktur. Wir haben Produktionskosten und ggf. Verkaufsprovisionen auf Plattformen wie z. B. Bandcamp. Große Labels haben Produktionskosten (die unter unseren Kosten liegen), Verwaltungskosten (Personal, Miete, Marketing etc.) und dann wollen Zwischenhändler natürlich auch noch etwas am Produkt verdienen. Da, wie Steve sagt, wir eher keine großen Margen erzielen wollen, ergibt sich daraus natürlich ein signifikanter Preisunterschied.

In eurem Info unterstreicht ihr, dass es bei euch um schnörkellosen Metal geht und dass ihr das auch live so umsetzt – „keine Choreos, keine Konfettikanonen, kein Playback. Nur echten Metal, Bierdurst und das Versprechen, dass wir uns spätestens beim dritten Song auch selbst nassgeschwitzt haben.“ Wie steht ihr denn zu der Verballerminisierung bei Konzerten und Festivals? Polonaisen, Einhorn-Kostüme, Seifenblasenmaschinen usw. sind ja mittlerweile keine Seltenheit mehr.

Steve: Ich bin eher so der Typ, der sich da weit aus dem Fenster lehnt und anfängt rumzupöbeln. Hier halte ich mich mal zurück und gestehe, dass ich gerne in Seifenblasenmaschinen pisse und Einhorn-Kostüm-Trägern gerne mal den falschen Weg zum Bahnhof erzähle. Ich persönlich mag Festivals, wo es um die Bands geht, wo die Musik abgefeiert wird, wo die Szene lebt.

Linne: Bin da ganz bei Steve, aber wenn die Leute so Spaß haben, ist es mir auch wurscht. Kann jeder machen, wie er will.

Marco: Wie bei allem im Leben sollen die Leute das machen, was ihnen Spaß macht, solange sie anderen damit nicht auf den Sack gehen. Ich persönlich sehe es zwar eher wie Steve, mir reicht eine Bühne, ein Bierwagen, ein Merch-Stand und vielleicht noch ein Grillstand, kann aber mit (fast) allem darüber hinaus leben. Bei Riesenrädern, Casinos und Dinokostümen bin ich persönlich allerdings auch raus …

Mit „Crossing The Pit“ wurdet ihr in Mexiko unter die fünf besten Untergrund-Platten des Jahres 2024 gewählt. Ist das ein positiver Effekt vom Streaming? Als Band, die nicht von der Musik leben muss, sind Streaming-Dienste ja ein gutes Mittel, um Reichweite zu erzeugen. Oder verkauft ihr auch CDs/Platten nach Südamerika? Welche Hoffnungen habt ihr für den südamerikanischen/internationalen Markt bzgl. „Kingdom of Storm“?

Steve: Wir alle waren total begeistert, dass wir Tonträger nach Japan verkauft haben. Leider hat das Porto alles vernichtet, was einen Gewinn bedeutet hätte. Streaming ist der schleichende Tod der Musik, nur wollen es viele nicht hören. Bands wie wir leben vom Verkauf bei Live-Gigs, da funktionieren Shirts, Hoodies oder Ähnliches aber besser als Vinyl oder CD/Tape. Für uns ist der Markt in Nord-, Mittel- oder Südamerika komplett nutzlos und maximal ein Zusatzgeschäft.

Marco: Genau, sowas wie „Mexico“ ist cool und macht sich gut in der Bio, aber that's it. Das Wissen, dass ein paar Leute in Südamerika oder Japan unsere Musik hören, ist aber schon toll und ein bisschen stolz darf man auch sein. Aber generell kann man sagen, dass ohne ein entsprechendes Label als Partner der internationale Markt weit, weit entfernt ist.

Am 6.11. stellt ihr „Kingdom of Storm“ live in Braunschweig im B58 vor. Was dürfen die Fans von dem Abend erwarten?

Marco: Wir sind verdammt stolz auf „Kingdom“ und genau das soll am 06.11. jede/r sehen und hören. Gemeinsam mit den anderen Bands und unseren Fans werden wir den Abend zu etwas Besonderem machen. Gibt schön was auf die Mütze.

Steve: Puren Metal, wie er gedacht wurde … Fünf Typen, die Blut und Bier ausschwitzen … Zwei weitere geile Bands namens PHANTOM CORPORATION und TINNITUS ATTACK … Billiges Bier, eine geile Location

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Blessed Child - Rats Of Sodom