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Interviews

Generationenübergreifend - Jack the Riffer von Generation Steel im Interview

(c) Generation Steel Promo

Für mich ist Heavy Metal seit jeher eine Musikrichtung, die auch unbequeme Themen aufgreift. Wir wollen mit unseren Songs keine politischen Parolen verbreiten. Aber wenn ein Text dazu führt, dass sich jemand Gedanken über bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen macht, finde ich das durchaus positiv.
Jack the Riffer - Generation Steel

Generationenübergreifend - Jack the Riffer von Generation Steel im Interview

„Every Generation has its own disease” wussten FURY IN THE SLAUGHTERHOUSE bereits 1993. Heute unterscheiden wir zwischen Gen X, Gen Y, Gen / und Gen Alpha und jede Generation zeichnet sich angeblich durch andere Charakteristika aus. Dessen unbeeindruckt lieferte die GENERATION STEEL mit „Steelmachine“ gerade ein absolut zeitloses Album ab. Was sich in der hessischen Stahlschmiede seit dem Zweitwerk „Lionheart“ getan hat und weshalb Heavy Metal keine Frage des Alters ist, erfuhren wir von Bandkopf Jack the Riffer.

„Steelmachine“ hievt die Band erneut auf ein neues Level. Dabei hat sich seit „Lionheart“ (2023) so ziemlich alles für dich verändert: neues Line-Up (auch wenn Marc schon länger dabei ist), neues Label, neuer Produzent und neue Booking-Agentur. Was hat sich in den letzten drei Jahren bei der Band getan, dass es all diese Veränderungen gab?

Das war tatsächlich eine ziemlich intensive Zeit, und ich glaube, man kann sagen, dass GENERATION STEEL heute eine andere Band ist als noch zu „Lionheart“-Zeiten. Allerdings war das kein geplanter Rundumschlag nach dem Motto: „Wir tauschen jetzt einfach mal alles aus.“
Über die Jahre haben sich bei einzelnen Mitgliedern persönliche Interessen, musikalische Vorstellungen und auch die Erwartungen an die gemeinsame Arbeit verändert. Unser damaliger Leadgitarrist wollte beispielsweise musikalisch in eine andere Richtung gehen und hatte zunehmend Schwierigkeiten, sich mit den Ideen und der Entwicklung von GENERATION STEEL zu identifizieren. Irgendwann muss man sich dann ehrlich fragen, ob man noch dieselben Ziele verfolgt.
Solche Entscheidungen fallen mir nicht leicht, denn schließlich steckt in einer Band immer auch viel Freundschaft und gemeinsame Geschichte. Aber wenn du eine klare Vorstellung davon hast, wohin du mit einer Band möchtest, musst du irgendwann auch konsequent sein.
Mit Thilo, Mike und Fabian haben wir drei neue Musiker gewonnen, die nicht nur musikalisch hervorragend passen, sondern auch dieselbe Einstellung und denselben Anspruch mitbringen. Marc ist ja schon länger dabei und bildet mit Fabian inzwischen ein richtig starkes rhythmisches Fundament.
Natürlich haben uns die Veränderungen zunächst zurückgeworfen. Aber rückblickend waren sie absolut notwendig. Wir haben heute eine Besetzung, in der alle an einem Strang ziehen. Und genau das hört man „Steelmachine“ meiner Meinung nach auch an.

Du bist bei der Zusammenstellung des neuen Line-Ups weit über die Grenzen Wetzlers hinaus tätig geworden. Wie kam der Kontakt zu den neuen Mitgliedern zustande?

Für mich war die geografische Entfernung nie das entscheidende Kriterium. Ich wollte die richtigen Musiker finden und nicht zwangsläufig diejenigen, die im Umkreis von 30 Kilometern wohnen.
Thilo habe ich einfach unbekannt per Messenger angeschrieben und konnte ihn zum Glück überzeugen. Mit seiner Vergangenheit bei RUNNING WILD, GRAVE DIGGER und RISK bringt er natürlich enorme Erfahrung mit. Aber entscheidend war für mich nicht sein Lebenslauf, sondern dass wir musikalisch und menschlich sofort eine gemeinsame Basis hatten.
Als wir anschließend auf Sängersuche waren, hat Thilo Mike Stark vorgeschlagen, den er unter anderem durch dessen Arbeit bei FEANOR kannte. Mike lebt in Stockholm, was organisatorisch natürlich nicht gerade um die Ecke ist. Aber als wir ihn gehört haben, war uns ziemlich schnell klar, dass er genau die Stimme mitbringt, die wir suchen: kraftvoll, charakterstark und mit einer unglaublichen Bandbreite.
Mit Fabian haben wir schließlich auch am Bass die passende Besetzung gefunden.
Heute ist es durch moderne Technik überhaupt kein Problem mehr, über größere Entfernungen zusammenzuarbeiten. Natürlich erfordert das mehr Planung, gerade bei Proben und Konzerten. Aber ich nehme lieber einen gewissen organisatorischen Aufwand in Kauf, als musikalische Kompromisse einzugehen.

Mit Markus Wosgien von Fireflash Records hast du einen alten Hasen an deiner Seite. Welche Rolle spielten Fireflash bei all den Veränderungen? Oder waren Line-Up, Songs, Produzent usw. bereits im Kasten, als ihr den Vertrag unterzeichnet habt?

Die grundlegende musikalische Neuausrichtung und die personellen Veränderungen waren zunächst einmal Entscheidungen innerhalb der Band. Uns war wichtig, dass wir selbst definieren, wofür GENERATION STEEL künftig stehen soll.
Mit Markus haben wir jemanden gefunden, der sehr viel Erfahrung mitbringt, die Szene kennt und unsere musikalische Ausrichtung versteht. Das ist gerade für eine Band wie uns enorm wichtig.
Fireflash hat uns also nicht erst zu dem gemacht, was wir heute sind. Vielmehr haben wir einen Partner gefunden, der von unserem eingeschlagenen Weg überzeugt ist und uns dabei unterstützt, den nächsten Schritt zu machen.
Mir ist dabei wichtig, dass ein Label nicht versucht, eine Band künstlich in irgendeine Richtung zu drücken. Wir wissen ziemlich genau, welche Musik wir machen wollen. Und mit Markus haben wir jemanden an unserer Seite, der genau das nachvollziehen kann.

Ursprünglich wolltet ihr erneut mit Uwe Lullis zusammenarbeiten. Dieser hatte aus Zeitgründen abgesagt. Soweit ich weiß, seid ihr auch befreundet. Wie erklärst du ihm bei dem nächsten Album, dass ihr wieder mit Piet zusammenarbeitet – denn der hat ja wirklich einen großartigen Job abgeliefert?

Ich glaube, das muss ich Uwe überhaupt nicht groß erklären. Schließlich war er selbst derjenige, der uns Piet empfohlen hat! Wir wollten ursprünglich tatsächlich wieder mit Uwe arbeiten, weil wir uns kennen, schätzen und die Zusammenarbeit in der Vergangenheit sehr gut funktioniert hat. Leider ließ es sein Terminkalender diesmal nicht zu.
Uwe hat uns daraufhin Piet ans Herz gelegt, und das war rückblickend ein echter Glücksfall. Piet hat sofort verstanden, was wir mit „Steelmachine“ erreichen wollten. Einen klassischen Heavy-Metal-Sound, der seine Wurzeln nicht verleugnet, aber trotzdem modern, druckvoll und transparent klingt.
Außerdem ist Piet nicht einfach nur jemand, der an den Reglern sitzt. Er bringt sich musikalisch ein, hat ein hervorragendes Gespür für Arrangements und weiß genau, wann ein Song den richtigen Punch hat. Dass er bei „Rise Up“ auch noch gemeinsam mit Mike singt, ist natürlich ein besonderes Highlight.
Ich kann mir deshalb sehr gut vorstellen, wieder mit Piet zusammenzuarbeiten. Aber ich bin sicher, Uwe wird uns das nicht übelnehmen. Schließlich hat er uns diesen Kontakt überhaupt erst ermöglicht.

In einem Interview auf metal1.info hast du den Unterschied zwischen eurem Debüt „The Eagle Will Rise“ und „Lionheart“ folgendermaßen beschrieben: „Gereifter, rau, wild mit viel Groove und Punch.“ Gilt das ebenso für die Entwicklung von „Lionheart“ zu „Steelmachine“?

Ja, allerdings würde ich bei „Steelmachine“ noch einen Schritt weitergehen. Während „Lionheart“ für mich eine Weiterentwicklung unseres Debüts war, ist „Steelmachine“ eher ein musikalischer Neustart.
Die Songs sind fokussierter, die Gitarrenarbeit ist deutlich ausgefeilter und der gesamte Sound wirkt für mich wesentlich geschlossener. Thilo hat einen enormen Anteil daran. Seine Riffs und Arrangements haben eine ganz eigene Handschrift, die perfekt zu GENERATION STEEL passt.
Dazu kommt Mike, der mit seiner Stimme eine neue Dimension eröffnet. Er kann aggressiv und rau klingen, aber genauso melodisch und kraftvoll in die hohen Lagen gehen.
Und dann natürlich Piet, der das Ganze produktionstechnisch auf ein anderes Niveau gehoben hat.
Ich würde sagen: „Lionheart“ hatte bereits viel Energie und Punch. „Steelmachine“ ist dagegen kompromissloser, präziser und insgesamt deutlich mächtiger geworden.
Wir wollten keinen nostalgischen Achtzigerjahre-Sound kopieren, sondern klassischen Heavy Metal mit der Energie und dem Druck von heute verbinden.

Wenn ich es richtig verstanden habe, hat Thilo Hermann das komplette Songwriting für „Steelmachine“ übernommen. Ist das auch der Grund, weshalb die 2024er Singles „Steelers“ und „Limitless“ nicht auf dem Album sind? Oder hat das eher geschäftliche Gründe, weil ihr nun bei einem anderen Label seid?

Nein, das hatte keine geschäftlichen Gründe und auch nichts mit dem Labelwechsel zu tun. Wir hatten ursprünglich bereits Material für das nächste Album vorbereitet. Als Thilo zur Band kam, haben wir uns gemeinsam intensiv damit beschäftigt und irgendwann entschieden, noch einmal komplett von vorne anzufangen.
Das war keine leichte Entscheidung, denn schließlich steckte bereits einiges an Arbeit in den vorhandenen Songs und Vorproduktionen. Aber wir wollten nicht einfach ein weiteres Album aufnehmen, sondern mit der neuen Besetzung musikalisch einen deutlichen Schritt nach vorne machen. Deshalb haben wir das komplette bisherige Material verworfen.
Thilo hat anschließend sämtliche Songs für „Steelmachine“ geschrieben und auch die Arrangements sowie die komplette Vorproduktion und die Gitarrenaufnahmen in seinem eigenen Studio übernommen. Mike hat dazu die Gesangsmelodien und Texte entwickelt.
„Steelers“ und „Limitless“ stammen also schlicht aus einer früheren Phase der Band. Sie hätten aus meiner Sicht nicht mehr wirklich zum musikalischen Gesamtkonzept von „Steelmachine“ gepasst.

Da Thilo das Songwriting für das Album übernommen hat, würde das im Falle seines Weggangs für ein Nachfolgealbum bedeuten, dass ihr eure Songwriting-Prozesse und Ressourcen erneut umstellen müsstet. Was würdest du denn dennoch aus den jetzigen Erfahrungen für die Zukunft mitnehmen?

Natürlich wäre es ein Problem, wenn Thilo die Band verlassen würde. Das will ich gar nicht schönreden. Wer ein komplettes Album schreibt und musikalisch so stark prägt, ist selbstverständlich ein wichtiger Bestandteil der Band. Aber ich beschäftige mich ehrlich gesagt nicht damit, was passieren könnte, wenn morgen wieder jemand aussteigt.
Wir haben in den vergangenen Jahren genügend Veränderungen erlebt. Mein Ziel ist jetzt ganz klar, mit dieser Besetzung langfristig zu arbeiten und gemeinsam etwas aufzubauen. Was ich aus der Entstehung von „Steelmachine“ mitnehme, ist vor allem die Erkenntnis, wie wichtig eine gemeinsame musikalische Vision ist. Es geht nicht darum, dass möglichst jeder einen Song beisteuert, nur damit alle gleichmäßig beteiligt sind. Entscheidend ist, dass am Ende die bestmöglichen Songs entstehen.
Thilo hat beim Songwriting eine enorme Qualität bewiesen. Mike ergänzt das mit seinen Gesangslinien und Texten hervorragend, und die übrigen Bandmitglieder bringen ihre Erfahrung und Ideen in die Umsetzung ein.
Dieses Zusammenspiel funktioniert momentan ausgezeichnet.
Und ganz grundsätzlich: GENERATION STEEL hat in seiner Geschichte schon einige Veränderungen überstanden. Die Band steht für eine musikalische Idee und einen bestimmten Anspruch. Aber ich hoffe sehr, dass wir über solche personellen Fragen jetzt erst einmal lange nicht mehr sprechen müssen.

In einem älteren Interview hast du mal gesagt, dass sich GENERATION STEEL nicht politisch äußern. Mit „Steelmachine“ habt ihr aber einen Song (und Albumtitel), der sich schon gegen die Kriegstreiber unserer Zeit wendet. Und auch „Witches Cross“ lässt sich ja auf Probleme unserer Zeit übertragen. Wie viel politisches Statement gibt es also anno 2026 bei GENERATION STEEL?

Ich sehe da eigentlich keinen Widerspruch. Wenn ich sage, dass GENERATION STEEL keine politische Band ist, meine ich damit, dass wir keine Parteipolitik betreiben und unseren Fans keine bestimmte politische Haltung vorschreiben wollen. Das bedeutet aber nicht, dass wir gesellschaftliche Entwicklungen ignorieren oder zu allem schweigen müssen.
Nehmen wir „Steelmachine“. Der Song beschäftigt sich mit Krieg, Macht und den Mechanismen dahinter. Wir erleben gerade, wie politische Interessen und Machtansprüche immer wieder zu Gewalt und menschlichem Leid führen. Das sind Themen, die einen beschäftigen, unabhängig davon, welche politische Meinung man vertritt.
Bei „Witches Cross“ geht es um religiösen Fanatismus, Verfolgung und den Missbrauch von Glauben und Macht. Natürlich hat das einen historischen Bezug, aber die Mechanismen dahinter sind leider bis heute aktuell.
Oder „Island of Tragedy“, bei dem es um den Missbrauchsskandal rund um Jeffrey Epstein geht. Auch hier stehen Machtmissbrauch und menschliche Abgründe im Mittelpunkt.
Für mich ist Heavy Metal seit jeher eine Musikrichtung, die auch unbequeme Themen aufgreift. Wir wollen mit unseren Songs keine politischen Parolen verbreiten. Aber wenn ein Text dazu führt, dass sich jemand Gedanken über bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen macht, finde ich das durchaus positiv. Heavy Metal darf schließlich auch eine Botschaft haben.

Darf man „The Priest“ als Hommage an JUDAS PRIEST verstehen? Oder sind Mikes Ausflüge in höhere Gefilde in dem Song reiner Zufall?

Wenn man klassischen Heavy Metal spielt und ein Song „The Priest“ heißt, liegt diese Assoziation natürlich nahe. JUDAS PRIEST gehören selbstverständlich zu den Bands, die uns musikalisch geprägt haben. Rob Halford ist eine absolute Ikone, und gerade seine Fähigkeit, zwischen aggressiven und extrem hohen Gesangspassagen zu wechseln, ist bis heute beeindruckend.
Mike bringt genau diese Vielseitigkeit mit. Aber ich finde, er hat dabei eine sehr eigene Stimme und versucht nicht, irgendjemanden zu kopieren.
„The Priest“ ist für mich vor allem ein Beispiel dafür, wie gut Thilos Songwriting und Mikes Gesang zusammenpassen. Der Song hat eine düstere Atmosphäre, starke Riffs und bietet Mike die Möglichkeit, seine gesamte stimmliche Bandbreite auszuspielen.
Wenn jemand dabei an JUDAS PRIEST denkt, empfinde ich das durchaus als Kompliment. Eine ausdrückliche Hommage war der Song allerdings nicht.

Wir sprechen ja immer von der Gen Z usw. Welche Altersgruppen beschreibt denn die Generation Steel? Eher ältere Semester wie uns oder doch auch eine neue Altersklasse von Metalfans?

Der Name GENERATION STEEL war für mich nie auf eine bestimmte Altersgruppe bezogen. Es geht vielmehr um eine Generation von Menschen, die Heavy Metal lieben und diese Musik mit Leidenschaft leben – völlig unabhängig davon, wann sie geboren wurden.
Natürlich sind wir musikalisch stark von Bands geprägt, die in den Achtzigern und Neunzigern groß geworden sind. ACCEPT, JUDAS PRIEST, SAXON, RUNNING WILD oder GRAVE DIGGER gehören zu unseren musikalischen Wurzeln.
Aber ich finde es wichtig, dass klassischer Heavy Metal nicht irgendwann nur noch von Menschen gehört wird, die mit dieser Musik aufgewachsen sind.
Wir wollen ausdrücklich auch jüngere Fans erreichen. Und dafür muss man meiner Meinung nach nicht zwangsläufig musikalischen Trends hinterherlaufen oder plötzlich Metalcore-Elemente einbauen. Entscheidend ist, dass die Musik Energie hat, authentisch klingt und zeitgemäß präsentiert wird.
Genau deshalb war uns bei „Steelmachine“ auch eine moderne, druckvolle Produktion wichtig. Und natürlich spielen Musikvideos, Social Media und vor allem Livekonzerte eine große Rolle.
Wenn bei einem Konzert ein 20-Jähriger neben einem 60-Jährigen steht und beide bei denselben Riffs die Fäuste in die Luft strecken, dann ist das für mich die perfekte Definition von GENERATION STEEL.
Heavy Metal ist keine Frage des Alters, sondern der Einstellung!
GENERATION STEEL - Wings Of Fire (official music video)
GENERATION STEEL - Steelmachine (official lyric video)