Smith/Kotzen: Adrians Geburtstagsfeier im Münchener Backstage
Ein Abend zwischen Geburtstagsfeier, Gitarren und Nostalgie.
An diesem Abend sollte ja eigentlich die 2015 gegründete britische KRIS BARRAS BAND ihren geplanten Support-Auftritt für Smith/Kotzen absolvieren. Leider musste die erdige Rock, Blues und Country-Truppe krankheitsbedingt kurzfristig absagen. Stattdessen überzeugten GALACTIC SUPERLORDS aus Köln mit ihrer Frontfrau Katharina Heldt und ihrem ansprechenden Mix aus 70er/80er Kraut- und Psychedelic Rock auf ganzer Linie. Definitiver Höhepunkt: beim abschließenden "Nowhere To Hide" packte die grande Dame die Waffen aus und ließ ein Schwert hoch über den Köpfen der Musiker und Zuschauer voller kampfeslust hin und her tanzen. Ein König Arthus wäre bei diesem Anblick sicher vor Neid erblasst.
Es war gegen 21:15 Uhr, als Smith/Kotzen schließlich die Bühne des Münchener Backstage betraten – und wer genau hinsah, wusste: dieser Abend würde auf das Wichtigste, auf die handgemachte Musik beschränkt ausfallen. Bis 22:50 Uhr spielten Adrian Smith (Iron Maiden) und Richie Kotzen (The Winery Dogs, Ex-Poison) ein Set, das in seiner Reduziertheit und Intimität weit mehr aussagte als jede aufwendige Produktion es je gekonnt hätte. Stichwort: Minimalismus als Statement.
Auffällig war nämlich von Beginn an der bewusst reduzierte Bühnenaufbau. Einfaches Band-Logo, kein visueller Schnickschnack – stattdessen ein simples Arrangement mit einfachen Amps und Röhrenverstärker auf der Bühne. Das Signal lief nicht direkt ins Mischpult, sondern klassisch über die Verstärker: So, wie man einst angefangen hat, Musik zu machen. Eine Jam-Session-Atmosphäre, die an die Wurzeln des Rockhandwerks erinnerte. Dieser Minimalismus war kein Zufall, sondern Programm – Back to the Roots, quasi mal konsequent umgesetzt. Die Geschichte hinter Smith/Kotzen ist so bescheiden wie der Bühnenaufbau selbst: Smith und Kotzen sind Nachbarn. Es war einst Ritchies Frau Julia, die den Vorschlag machte und das gesamte Projekt damals initiierte.
Schon zu Beginn des ersten Songs „Life Unchained“ war die Bühne zwischen Smith und Kotzen ganz klar aufgeteilt: Beide blieben auch während des anderthalbstündigen Gigs überwiegend auf ihrer jeweiligen Bühnenseite und performten selten miteinander in direkter Interaktion. Trotzdem kam genug Stimmung auf, um die ca. 1000 Besucher restlos zu begeistern. Den Löwenanteil der Ansagen übernahm hauptsächlich der Iron Maiden Gitarrist Adrian, der das Publikum souverän durch den Abend führte und mit einer auffälligen Natürlichkeit und Direktheit agierte.
Julia Lage, Bassistin und Ehefrau von Richie Kotzen, war hingegen das agile Element auf der Bühne – stets aktiv und präsent wirbelte sie regelrecht zwischen den statischen Musikern hin und her und sorgte somit für die notwendige Dynamik auf der Bühne. Beim Song „Glory Road” durfte Julia sogar ein kleines, charmantes Pseudo-Duett mit Adrian absolvieren. Überhaupt stand der Abend ganz im Zeichen von Adrian, der just an diesem Tage seinen stolzen 69. Geburtstag mit dem Münchener Publikum feiern durfte. Als Geschenk gab es dank Julia sogar die obligatorische Torte, wobei er sich nicht nehmen ließ, in diese kurzerhand mal reinzubeißen.
Als erstes musikalisches Highlight war für mich der vom aktuellen Album stammende Song „Blindsided” - zweifellos einer der stärksten Momente des Abends. Die Menge reagierte begeistert, ein Song, der live seine volle Wirkung entfaltete. Im weiteren Verlauf des Sets fiel auf, dass Richie Kotzen anscheinend zeitweise mit seiner Stimme nicht ganz zufrieden zu sein schien. Beim Song „Taking My Chances” wechselte er in die Kopfstimme, was in dem Moment wohl hätte, weniger schief ausfallen sollen. Mit dem anschließenden Kracher „Outlaw“ machten sie es wieder gut, bevor das Set mit dem bestens bekannten Track „Scars“ ein weiteres emotionaleres Highlight zu Tage brachte.
Mit „Running“ wurde die Geschwindigkeit wieder erhöht, es wurde deutlich rockiger, was für viel Bewegung in der Menge sorgte. Ebenfalls gelungen, der stets ausgeprägte Wechsel beider Stimmen in den Strophen – das klangliche Markenzeichen von Smith/Kotzen, das hier live besonders zur Geltung kam.
Nach dem vom Publikum begeistert aufgenommenen letzten Song „Solar Fire“ des Hauptprogrammes, kamen nach der obligatorischen Pause und emotionalen Jubelrufe noch zwei Zugaben, die es in sich hatten. Als erstes kam der Richie Kotzen Track „You Can't Save Me“ an die Reihe, bevor schließlich der emotionale Höhepunkt – oder zumindest der meistersehnte musikalische Moment folgte: das abschließende Cover: „Wasted Years” von Iron Maiden. Die Handys gingen hoch, der Jubel war da – und doch blieb die Reaktion der Fans merkwürdig verhalten, anders als man es bei einem Iron-Maiden-Klassiker vielleicht erwartet hätte. Eine Frage hing spürbar im Raum: Wem galt der Jubel eigentlich – Iron Maiden, oder Smith/Kotzen?
Adrian Smith interagierte beim Zugabenblock besonders intensiv mit dem Publikum und zeigte, dass er auch nach Jahrzehnten auf großen Bühnen die Gabe besitzt, eine intime Halle vollständig für sich zu gewinnen.
FAZIT:
Smith/Kotzen lieferten Ende Februar im Münchener Backstage einen Abend, der in seiner bewussten Schlichtheit auf ganzer Linie überzeugte. Kein Pomp, keine Ablenkung – nur zwei exzellente Musiker, eine dynamische Bassistin, ein junger talentierter Schlagzeuger und Rockmusik, die für sich spricht. Der 69. Geburtstag von Adrian Smith, die Torte und das herzliche Miteinander auf der Bühne gaben dem Konzert zudem eine persönliche Note, die man so schnell nicht vergisst. Ein gelungener Abend.
Konzertbeginn: 21:15 – 22:50 Uhr
- Life Unchained
- Black Light
- Wraith
- Glory Road
- Hate and Love
- Blindsided
- Taking My Chances
- Outlaw
- Darkside
- Got a Hold on Me
- White Noise
- Scars
- Running
- Solar Fire
Encore:
- You Can't Save Me (Richie Kotzen song)
- Wasted Years (Iron Maiden cover)